Gutes Timing:
Stackfield präsentiert eine verschlüsselte Kollaborationsplattform

Das Münchner Startup Stackfield hat eine Kollaborationsplattform für Geschäftskunden und Privatanwender entwickelt, bei der Daten clientseitig verschlüsselt werden. Weder die Macher noch Dritte sind in der Lage, auf Informationen und Konversationen zuzugreifen.

Startups, die in diesen Tagen einen Cloudservice debütieren, dessen Alleinstellungsmerkmal besonders hohe Sicherheitsstandards sind, könnten keinen besseren Zeitpunkt gewählt haben: Die Aufregung über das US-Überwachungsprogramm PRISM hält an, und nach der Resonanz auf diesen Beitrag zu urteilen bin ich nicht der einzige, der sich momentan Gedanken über die Nachhaltigkeit des Auslagerns von Daten und Prozessen auf Serverfarmen am anderen Ende der Welt macht.

Aufmerksamkeit dürfte dem jungen Münchner Kollaborations- und Kommunikationsdienst Stackfield daher gewiss sein. Das bisher in geschlossener Beta-Phase mit einem kleinen Kreis von Geschäftskunden betriebene Angebot wird am 1. Juli seine Tore für die Allgemeinheit öffnen und dann auch Privatnutzer auf seiner Plattform willkommen heißen, sofern sich diese vorab in die Einladungsliste auf stackfield.com eingetragen haben. 

Das Grundkonzept ist bekannt

Vom Grundkonzept ähnelt Stackfield zahlreichen anderen Collaboration-, Projektmanagement- und Enterprise-Tools wie etwa Swabr, Podio, Salesforce Chatter, Wiggio und Hojoki: User finden eine Cloudumgebung, in der sie sich in projektspezifischen Arbeitsflächen – hier “Stacks” genannt – mit anderen eingeladenen Personen austauschen, Aufgaben, Notizen und Termine anlegen sowie Dateien zur Verfügung stellen können. Echtzeitkonversationen, Threaded Comments und Hinweise, wenn ein Nutzer gerade tippt, sowie wenn andere Stack-Mitglieder einen Beitrag gelesen haben, sollen für einen effektiven und transparenten Dialog sorgen.

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Branchenspezifische Module

Über dieses Standardgerüst hinaus haben die Stackfield-Gründer Cristian Mudure und Jan Lechtreck eine Funktion zur Erweiterung eines Stacks um Module eingebaut. Es lassen sich nahezu beliebige Erweiterungen integrieren, die den Münchnern einerseits als Erlösquelle dienen und Stackfield andererseits als individuelle Branchenlösung positionieren sollen. Mudure nennt Rechtsanwälte und Steuerkanzleien als Beispiel, die spezifische Ansprüche an Funktionalität und Sicherheit haben. Durch den modularen Aufbau ist das Startup in der Lage, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Es wäre etwa möglich, innerhalb weniger Stunden konfigurativ ein CRM-Modul zu bauen, so Mudure. Die Bayern können sich hier ganz nach den Wünschen der Kunden richten. Für Privatanwender stellt Stackfield seine Basisfunktionen kostenfrei zur Verfügung.

Clientseitige Verschlüsselung garantiert Datensicherheit

Die eigentliche Besonderheit und der Grund für meine anfängliche Bezugnahme auf PRISM ist eine clientseitige Verschlüsselung, die bei Stackfield standardmäßig zum Einsatz kommt. Mehr als zwei Jahre hat das Gründerduo laut eigenen Angaben an der Kombination aus symmetrischen (AES) und asymmetrischen (RSA) Verschlüsselungsverfahren gearbeitet. Zum richtigen Zeitpunkt steht das Ergebnis. Sämtliche Daten und Informationen aus Stacks inklusive aller Anlagen werden im Browser des Nutzers verschlüsselt und in dieser Form auf die Stackfield-Server übertragen. “Niemand, nicht einmal wir als Plattformbetreiber, haben Einsicht in die Kundendaten und Dateien”, betont Co-Founder Jan Lechtreck. Erreicht wird dies über ein sogenanntes “Master-Passwort”, das Anwender beim Betreten von Stackfield zusätzlich zu ihrem herkömmlichen Login-Password eingeben, und welches nie den eigenen Rechner verlässt. Solange kein korrektes Master-Passwort eingegeben wurde, können die Inhalte der Stacks nicht eingesehen werden. Das Startup aus Süddeutschland setzt damit für seine Kollaborationssuite auf einen ähnlichen Security-Ansatz wie der Schweizer Cloudspeicherdienst Wuala. Der Zusatzaufwand im Vergleich zu Diensten, die lediglich eine serverseitige Verschlüsselung einsetzen, beschränkt sich auf das Vorhandenseins des Master-Passworts. Einbußen bezüglich Performance und Komfort durch die erhöhten Sicherheitsvorkehren waren zumindest in unseren Tests nicht festzustellen.

Stackfields Serverstandort ist Deutschland, wobei die Macher bei der Architektur der Plattform dafür gesorgt haben, dass theoretisch jeder Stack einen eigenen Speicherort erhalten kann. Auf diese Weise könnte Kunden aus den USA beispielsweise Daten auf US-Servern ablegen, während die Stacks von Nutzern aus Deutschland über hiesige Server laufen.

Mobiles Interface fehlt noch

Was Stackfield bisher fehlt, ist eine mobile Komponente. Bisher lag der Entwicklungsfokus laut den Machern darauf, eine stabile und performante Plattform für Desktop/Notebook-User zu errichten. Seit zwei Wochen arbeitet das Team an einer mobilen Lösung. Die volle Verfügbarkeit für alle Arten von Mobile Devices soll jedoch erst im vierten Quartal erreicht werden. Gründer Lechtreck beschreibt, dass es ihm und seinem Mitstreiter wichtig ist, Kunden kein halbfertiges Produkt anzubieten, nur um vor Investoren ein “‘Multiplattform-Schild’ hochhalten zu können”. Dadurch gehe bei Usern zu viel Vertrauen verloren.

Die bisherige Entwicklungsarbeit wurde über eine sechsstellige Seed-Finanzierung durch eine Schweizer Beteiligungsgesellschaft gestemmt. Demnächst wollen die Münchner über eine “Series A”-Runde weiteres Kapital aufnehmen.

Wir haben Einladungen

Ab 1. Juli werden Einladungen an Nutzer verschickt, die auf der Stackfield-Website ihre E-Mail-Adresse hinterlassen haben. Wer nicht warten möchte, kann unterhalb dieses Beitrags einen entsprechenden Kommentar unter Angabe einer validen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehen Feld angeben. Die ersten zehn Leser/innen werden von uns eingeladen (und haben dann ihrerseits die Möglichkeit, ihre Kontakte einzuladen). /mw

Update: Die Einladungen sind weg!

Link: Stackfield

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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14 Kommentare

  1. Das sieht interessant aus. Dafür hätte ich gerne eine Einladung zum Ausprobieren.

  2. Wäre an einer Einladung interessiert.

  3. Bester Zeitpunkt für den Launch!
    Würde mich über Invite freuen.

  4. Über eine Einladung würde ich mich freuen!

  5. Hört sich im Prinzip gut an. Würde ich auch gerne mal ausprobieren.
    MfG Peter

  6. Interessant! Eine Einladung wäre gut

  7. Eine Einladung nehme ich gerne an. Ich habe unlaublich viele Tools ausprobiert und alle waren mit Kompromissen behaftet, dass wird hier sicher auch so sein, aber clientseitige Verschlüsslung ist definitiv ein großer Pluspunkt.

  8. Würde mich über eine Einladung freuen!

    Danke & sonnige Grüße Christian

  9. würde mich über eine Einladung freuen

  10. Hallo,

    ich freue mich über eine Einladung!

    Danke & sonnigen Gruß aus Berlin

    Moritz

  11. Würde mich auch über eine Einladung freuen !
    Beste Grüße

    Josi

  12. Die Invites sind jetzt weg!

  13. Die #12 hätte auch gerne eine Einladung!

    Viele Grüße
    Askan

  14. Frag mich ob die kommunikation wirklich end-to-end verschlüsselt ist, oder ob nur die daten aufm server verschlüsselt abgelegt werden. Die website lässt da ein paar fragen offen, und wirklich verschlüsselte gruppenkommunikation ist ziemlich kompliziert.

5 Pingbacks

  1. [...] Das Münchner Startup Stackfield hat eine Kollaborationsplattform für Geschäftskunden und Privatanwender entwickelt, bei der Daten clientseitig verschlüsselt werden.  [...]

  2. [...] Ein Zitat im Titel anstatt einer Zusammenfassung, der Autor hat seinen eigenen Artikel als Quelle verlinkt, usw. Sieht man sich die Kommentare auf der “Quellseite” an findet man nur Klarnamen. [...]

  3. [...] diese Entwicklung passt auch, dass ein Münchener Start-Up Unternehmen jüngst eine verschlüsselte Kollaborationsplattform entwickelt hat, um eine Alternative zur Cloud [...]

  4. […] diese Entwicklung passt auch, dass ein Münchener Start-Up Unternehmen jüngst eine verschlüsselte Kollaborationsplattform entwickelt hat, um eine Alternative zur Cloud […]

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