Gutschriften für Einkäufe:
scondoo umgeht Händler, um mobile Rabatte massentauglich zu machen

Das Berliner Startup scondoo umgeht mit seiner Rabatt-App für iPhone und Android ein gängiges Problem von mobilen Local-Commerce-Diensten: Die Anwendung funktioniert im Prinzip bei sämtlichen Handelsketten in Deutschland.

Bedenkt man, dass mittlerweile etwa die Hälfte aller Deutschen ein Smartphone besitzt, müsste es an erfolgreichen Local-Commerce- und mobilen Rabattangeboten nur so wimmeln. Denn wenn Nutzer mit ihrem internetfähigen Mobiltelefon in der Tasche durch die Gegend laufen, ist es eigentlich naheliegend, ihnen standortspezifische und auf persönliche Vorlieben zugeschnittene Angebote sowie Rabatte aufs Display zu schicken. Zumal Geldsparen ja eines der bevorzugten Hobbys der Bundesbürger ist. Tatsächlich existieren zwar zahlreiche Apps und auf lokales Marketing fokussierte Werbenetzwerke, aber auf ein mobiles Pendant zu Groupon – im Bezug auf Bekanntheit und Größe, nicht auf Skandalträchtigkeit – wartet man bisher vergeblich.

Der Grund dafür sind eine Reihe von Hürden, die Local-Mobile-Commerce im Wege stehen, darunter die Notwendigkeit der Partizipation von Händlern und die dadurch resultierende Fragmentierung des Marktes. Das Berliner Startup scondoo hat sich nun ein Verfahren einfallen lassen, das diese Problematik elegant umgeht: Die Beteiligung des stationären Handels ist gar nicht erforderlich. Das heißt, dass die kostenfreie iPhone- und Android-App der Hauptstädter von Anwendern in nahezu sämtlichen Geschäften in Deutschland genutzt werden kann, um Schnäppchen zu schlagen.

scondoo kooperiert nicht mit Handelsketten, sondern mit Markenherstellern von Produkten, die sich bereiterklären, Usern der scondoo-App Gutschriften zukommen zu lassen, wenn diese ihre Produkte erwerben. Die Verifizierung des Kaufs erfolgt jeweils über den Kassenbeleg. Wer eine in der scondoo-App gelistete Ware gekauft hat, schießt mit dem iPhone oder Android-Smartphone ein Foto der Quittung und lädt dieses innerhalb der App hoch. Je nach Produkt gibt es Gutschriften in unterschiedlicher Höhe, die im Vorfeld angezeigt werden. Nach dem Upload des Bons überprüft scondoo in einem halbautomatischen Prozess die Echtzeit der Quittung und die darauf enthaltenen Angaben zu Käufen und schreibt danach den jeweiligen Geldbetrag gut. Maximal vier Stunden dauert dies nach Angaben der Gründer. Ab einer Höhe von zehn Euro können Gutschriften per Banküberweisung oder Paypal in Empfang genommen werden.

scondoo

Firmen können für ihre Kampagnen Laufzeiten festlegen, allerdings bisher keine regional begrenzten Gültigkeiten definieren. Theoretisch wäre es aber möglich, ein Sonderangebot nur für scondoo-User in einem bestimmten Gebiet darzustellen. Markenhersteller erhalten von scondoo Statistiken über das Kaufverhalten der User und zahlen an das Berliner Unternehmen für jedes von Konsumenten in Anspruch genommene Angebot eine Provision. 13 Partner sind bisher mit dabei, darunter prominente Konsumgüterhersteller wie Nestlé, Johnson & Johnson, L’Oréal und Carlsberg.

Nikolaus Hilgenfeldt, David Keuler und Sebastian Kurt lösen mit der Entwicklung ihres im Herbst vergangenen Jahres gegründeten Startups ein echtes Problem: Markenartikler, die ihren Abverkauf temporär und “kontrolliert” erhöhen möchten, können dies nun erledigen, ohne dafür extra mit viel Aufwand den Handel informieren und schulen zu müssen, und ohne, dass sie dafür von der Teilnahmebereitschaft der Läden an Rabatt-Apps abhängig sind. scondoo funktioniert laut eigenen Angaben prinzipiell bei allen gängigen Handelsketten. Entscheidend ist, dass die Produktbezeichnung auf dem Kassenbon eindeutig zu erkennen ist. Die Berliner behalten sich allerdings das Recht vor, Quittungen abzulehnen, wenn diese in irgendeiner Form Zweifel über einen Produkterwerb aufkommen lassen.

Ganz ohne Schwächen ist das Konzept nicht: Zum einen bringt das Verfahren der Prüfung des Kassenbons ein gewisses Fehler- und Betrugspotenzial mit sich, zum anderen ist es für Verbraucher aus psychologischer Sicht etwas anderes, erst den vollen Preis zu zahlen und zu einem späteren Zeitpunkt Geld zurückerstattet zu bekommen, anstatt direkt beim Bezahlen einen Rabatt in Anspruch nehmen zu können. Je mehr Hersteller jedoch über scondoo Kampagnen starten, desto weniger dürfte dieser Aspekt eine Rolle spielen.

Nicht unwesentlich ist das jüngste Investment der DailyDeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann in scondoo. Zusammen mit Lead-Investor Point Nine Capital und Business Angels steigerten sie die insgesamt von dem Startup eingesammelte Fundingsumme auf eine Million Euro. Wenige kennen sich so gut mit dem Thema Deals aus wie das umtriebige Duo. Ziel ist es nun, Synergien zwischen scondoo und dem Groupon-Konkurrenten DailyDeal “zu heben”. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass der DailyDeal-Vertrieb scondoo dabei hilft, weitere Konsumgüterhersteller an Bord zu holen. Kontakte dürfte es genug geben, selbst wenn sich das Rabattportal vorrangig auf Händler konzentriert.

Auf der Roadmap steht laut scondoo Co-Founder Sebastian Kurt ein Feature, über das User standortbasierte Erinnerungen anlegen können, um nicht versehentlich die Inanspruchnahme von Gutschriften zu vergessen. Auch soll scondoo in anderen Märkten lanciert werden – die Android-App erlaubt bereits die Verwendung von scondoo in Österreich.

Interessant wird zu beobachten, wie sich das Verhältnis zwischen scondoo und anderen Apps in verwandten Segmenten entwicklen wird, etwa dem Barcode-Scanner barcoo, der Rabattapp COUPIES oder dem Prospektdienst kaufDa. Hier bietet sich sowohl Kooperations- als auch Konkurrenzpotenzial./mw

Link: scondoo

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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5 Kommentare

  1. Coupies macht das schon länger mit den Photos von den Kassenzetteln. Allerdings kooperieren sie mit dem Händler und m.W. nicht direkt mit den Herstellern.

    • Hmm also so wie ich das sehe, präsentieren sie sich nach wie vor als Dienst, bei dem über mobile Apps Gutscheine von Händlern in der Gegend angezeigt werden. Wozu braucht es dann einen Kassenzettelscan? Denn Coupons werden ja üblicherweise an der Kasse direkt auf dem Display vorgezeigt.

  2. Hi Martin, also sie haben das Feature mind. seit 14 Tagen. Ich habe es als Case für meine Studenten gebraucht. Jetzt noch mal genauer geschaut und gesehen, sie machen es genau so herstellergetrieben. Siehe: http://mpolzin.com/post/5…n-funktion-in-diesem

  3. Die Frage ist sicher, wer ging zuerst in diese Richtung und hat im Hinblick auf User und Partner die Nase vorne. Coupies macht da m.E. einen recht guten Job. Aber auf jeden Fall spannend und positiv dass sich in dieser Richtung mehr tut.

3 Pingbacks

  1. […] Scondoo ist eine Gutschschrift-App. Diese funktioniert folgend: Wenn sich ein Kunde ein Produkt im Geschäft kauft, kann dieser den Bon abfotografieren und innerhalb der App hochladen. Nun erhält der Kunde eine bestimmte Gutschrift, welche vorher in der App angezeigt wurde, auf sein Scondoo-Konto, falls sich das Produkt in den Angeboten der App befand. Ein kurzes Beispiel zum Verständnis: Ich schaue mir die Angebote in der App an, dort befindet sich eine Marmelade für die ich beim Kauf 30 Cent wiederbekomme. Nun erwerbe ich diese im Geschäft und lade den Bon in der App hoch, der Bon wird automatisch überprüft, auch auf die Echtzeit, und wenn sich das Produkt auf dem Bon unter den Angboten befand, bekomme ich in höchstens 4 Stunden eine Gutschrift von 30 Cent auf mein Scondoo-Konto. Hat man mindestens eine insgesamte Gutschrift von 10 Euro, kann man sich  diese per Paypal oder Bank überweisen lassen. Scondoo selbst arbeitet nicht mit den stationären Geschäften zusammen, sondern mit den Herstellern der Produkte, diese starten auch die einzelnen Kampangen für die Produkte und übernehmen die Kosten der Gutschriften an den Kunden. Scondoo selbst bekommt pro in Anspruch genommenes Angebot eine Provision und liefert dafür das Kaufverhalten der Konsumenten an die Hersteller[5]. […]

  2. […] scondoo bedankt sich für einen umfangreichen Bericht auf netzwertig.de. Martin Weigert beschreibt scondoo als postive Antwort auf die “Fragmentierung des Marktes”, welche aus der Spezifizierung mit Händlern resultiert. scondoo umginge diese Problematik durch die Zusammenarbeit mit einzelnen Partnern anstelle von Handelsketten. Lest hier den kompletten Bericht: netzwertig.de/scondoo […]

  3. […] scondoo bedankt sich für einen umfangreichen Bericht auf netzwertig.de. Martin Weigert beschreibt scondoo als postive Antwort auf die “Fragmentierung des Marktes”, welche aus der Spezifizierung mit Händlern resultiert. scondoo umginge diese Problematik durch die Zusammenarbeit mit einzelnen Partnern anstelle von Handelsketten. Lest hier den kompletten Bericht: netzwertig.de/scondoo […]

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