Neuer TV-Streaming-Dienst:
Magine verkündet Deutschlandstart, ohne Preise oder Sender zu nennen

Noch in diesem Monat will das schwedische Startup Magine seinen Streamingdienst für TV-Sender nach Deutschland bringen. Die offizielle Ankündigung verzichtet bewusst auf Angaben zu den beinhalteten Sendern sowie Abopreisen.

MagineMagine, der neuartige Internet-TV-Dienst aus Schweden, hält sein Versprechen eines Deutschlanddebüts im Sommer. Wie das Stockholmer Startup heute bekannt gab, wird der Service noch in diesem Monat hierzulande seinen Einstand feiern. Ab sofort können sich hiesige Anwender für eine Einladung anmelden, um als erste Zutritt zu dem Streamingangebot zu erhalten.

Anders als im Heimatmarkt wird Magine in Deutschland ausschließlich als Abodienst angeboten, also eine monatliche Gebühr kosten. Dafür bekommen Nutzer ein Fernseherlebnis, welches sie über den Browser, mobile Apps oder Smart TVs abrufen können. Geboten wird sowohl das Live-Streaming linearer TV-Sender als auch das nachträgliche Anschauen bereits gesendeter Programme. Wie tief Nutzer für Magine in die Tasche greifen müssen, wurde von dem Unternehmen noch nicht genannt.

Funktionell und optisch Zattoo überlegen

Magine bietet in Bezug auf Funktionalität deutlich mehr als der aus der Schweiz stammende Konkurrent Zattoo, der allerdings in seiner Basisversion kostenfrei ist. Den Zürchern gelang es bisher nicht, von den hiesige Sendern grünes Licht für die Einführung von On-Demand- beziehungsweise Catch-Up-Optionen zu erhalten – zumindest nicht zu den Konditionen, die Zattoo zu zahlen bereit wäre. Auch wenn Magine sich noch nicht zum Preis geäußert hat, dürfte dieser über den 3,75 Euro liegen, die Zattoo für seine Bezahlversion verlangt. Im Gegenzug winkt Anwendern eine optisch und hinsichtlich Usability dem Wettbewerber überlegene App (ich habe seit dem Launch in Schweden Zugriff auf Magine), die Zuschauer obendrein von den zeitlichen Zwängen des linearen Fernsehens befreit. Für unterstützte Smart TVs lassen sich die mobilen Magine-Apps auch als Fernbedienung verwenden.

Magine

Unklarheiten über den Stand der Verhandlungen

Was Magine verspricht, klingt also erst einmal ganz gut. Allerdings existieren einige Fragezeichen. So deuten die fehlenden Angaben zum Abopreis und zu den beinhalteten Sendern darauf hin, dass noch nicht alle Genehmigungen eingeholt wurden. Die Schweden nutzten die momentan in Köln stattfindende Fachmesse für Kabel, Breitband und Satellit, Anga Com, für ihre Ankündigung. Sicher auch, um Branchenvertreter auf sich aufmerksam zu machen und noch ausstehende Partner ins Boot zu holen. Das könnte klappen, bringt aber das Risiko mit sich, dass zum Launch im Laufe dieses Monats nur ein unvollständiges Sender- und Contentangebot existiert. Indem das Unternehmen mit der Kommunikation des Abopreises abwartet, hält es sich die Möglichkeit offen, mit einem besonders günstigen Einführungsangebot zu starten, sollten wichtige Sender – und dabei vor allem die bisher in Bezug auf unabhängige TV-Streaming-Angebote eher kooperationsunwilligen Privatketten ProSiebenSat.1 und RTL – nicht zur Partizipation bewegt werden können.

Kenner der Materie zeigen sich verwundert darüber, dass Magine ausgerechnet den lizenzrechtlich schwierigen deutschen Markt als erste Auslandsdestination wählt. Der ebenfalls aus Schweden stammende Musikdienst Spotify fokussierte sich Jahre lang auf andere, einfacher zu erschließende Märkte, bevor er hierzulande seine Zelte aufschlug. Der hiesige TV-Sektor gilt aufgrund einer einflussreichen, starken Medienlobby als nicht minder herausfordernd zu navigieren. Ein gut vernetzter Beobachter merkte uns gegenüber an, dass man von den Sendern kein Wort zu dem nordeuropäischen Neuling verliere. Das deute entweder darauf hin, dass über laufenden Verhandlungen noch stärker als üblich der Schleier der Verschwiegenheit liege, oder dass Magine bisher gar keine konkreten Gespräche aufgenommen habe.

Der Erfolg hängt am Content

Mit der heutigen Vorankündigung zum Start in Deutschland zeigen die Skandinavier nicht nur, dass bald frischer Wind in dem aufgrund des Widerstands der TV-Konzerne von Web-Innovationen bisher verschont gebliebenen deutschen Fernsehmarkt weht, sondern sie erhöhen auch den Druck auf sich selbst: Nun muss Magine innerhalb der kommenden Wochen für deutsche Nutzer freigeschaltet werden, möchte es sich nicht blamieren. Ein Fehlen der wichtigen Privatsender würde dann allerdings die Attraktivität von Magine deutlich verringern und sich negativ auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden auswirken.

Konzeptionell und technisch ist Magine zweifellos ein Hingucker. Ob es ein Hit wird, steht und fällt aber mit den Inhalten. /mw

Link: Magine

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Was ich mir wünsche ist ein Streamingdienst den ich mit XBMC abrufen kann.
    Diese App mit eingeschränkter Funktionalität ist zwar nett gemeint, aber Spezialsoftware wie VLC, XBMC oder MPlayer Classic haben mehr zu bieten.

    Wie sieht es mit DXVA bzw. CUDA in dieser Software aus, unterstützt dieser Client auch GPU-Beschleunigungen?

    Was ist mit Untertiteln, wie bekomme ich die in die Filme?

    Wo sind Downloadfunktionen damit ich die Filme unterwegs offline schauen kann?

  2. Zattoo hat sich inzwischen zumindest mit RTL einigen können und darf jetzt die Sender RTL, VOX, n-tv, RTL NITRO, SUPER RTL und RTL II ins Streaming Programm mit aufnehmen

2 Pingbacks

  1. [...] Zattoo bekommt Konkurrenz: Der schwedische IPTV-Anbieter Magine bietet ab Sommer Videostreaming nicht nur über W-Lan-Verbindungen, sondern auch übers Mobilfunknetz an. Zudem können Nutzer in laufenden Sendungen vor- und zurückspulen und parallel den Programmführer nutzen. Die “Magine App” kann auch direkt mir einem Smart TV-Gerät gekoppelt werden. dwdl.de, netzwertig.com [...]

  2. [...] die Frage, welche Sender zum Start schlussendlich über Magine zur Verfügung stehen? Gegenüber netzwertig.com sagte ein “gut vernetzter Beobachter”, dass man seitens ProSiebenSat.1 und RTL kein [...]

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