Social Music:
Twitter Music und Spotify machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten

Musiktipps mit den besten Freunden zu teilen, war einst Volkssport im Social Web. Mittlerweile ist das erstaunlich schwierig geworden. Die Sperrung vieler Videos auf YouTube ist nur eine Seite der Medaille: Musikdienste vernachlässigen ihre sozialen Funktionen.

Twitter #music

Twitter #music

Bisher sehe ich im neuen Spotify nicht gerade eine Killer-App. CEO Daniel Ek hat die neue Version in einer großen Präsentation im Dezember angepriesen und dabei das neue Follower-Prinzip vorgestellt. Man kann seinen Freunden und Künstlern wie Bruno Mars folgen. Wenn Mars oder ein anderer Künstler eine neue Single auf dem Markt hat, kann man sich darüber benachrichtigen lassen. Die neue Daft-Punk-Single wurde mir auf diesem Wege empfohlen, was ich ganz nett fand. Das war es aber auch im Prinzip schon mit den neuen sozialen Funktionen.

“Social Web” – für wie viele Dienste ist dieser Begriff benutzt worden. Social ist praktisch alles, wo wir mit Freunden interagieren können. Genau das ist aber bei Spotify und anderen Diensten nach wie vor schwer. Ich kann Freunden zwar folgen; ihnen einen Song zu empfehlen, ist aber nach wie vor eine Funktion, die in einem Unterpunkt des Kontextmenüs versteckt ist. Nachlesen, was sie im Moment hören, kann ich nun etwas schlechter über den neuerdings überfrachten Feed in der rechten Seitenleiste auf Spotify. Mich etwa in das Eintunen in das, was sie hören, kann ich nicht.

Dabei war eine solche Funktion doch eigentlich schon längst erfunden worden – in Deutschland: Das Berliner Startup WahWah.fm wollte die App sein, in der man sich in die Playlists der Menschen in der Umgebung einhacken konnte. Hören, was die anderen hören, im gleichen Moment. Ein erstaunlich charmanter Versuch, Menschen in der Umgebung miteinander bekannt zu machen – und seiner Zeit um Jahre voraus. Irgendwann ging den Berlinern das Geld aus, der Investor Senzari stieg ein – und bietet die frische neue Version der App, die nur noch WahWah heißt, derzeit nur in den USA an.

Erst registrieren, dann Song in voller Länge hören

Durchaus moderner als Spotify präsentiert sich hier der Mitbewerber Deezer, der die neuesten Aktivitäten der Freunde anzeigt – eine Funktion, die Last.fm seit rund zehn Jahren bietet. Schickt man einem Freund den Link zu einem Song, leiten zumindest Deezer und auch der deutsche Mitbewerber Simfy immerhin auf die jeweilige Webversion um und bieten eine 30-sekündige Vorschau an. Deezer spielt sie sofort ab. Alles weitere hängt davon ab, ob man beim jeweiligen Dienst registriert ist. Deezer immerhin bietet nach wie vor ein Kostenlosangebot – nachdem man sich per Facebook registriert hat, kann man Songs in ganzer Länge hören, die von Werbung unterbrochen werden. Der Konkurrent Rdio verlangt eine Registrierung, bevor er einen empfohlenen Song abspielt; Spotify ebenfalls.

In der neuen Version von Spotify ist es jetzt einfacher, Musik an einen Freund zu schicken, der ebenfalls Nutzer des schwedisch-britschen Musikdienstes ist. Folgt man ihm, gibt es in seinem Profil die Schaltfläche “Musik senden”. Hier muss man die Suche bemühen. Will man eine Playlist schicken, wird der Freund über einen open.spotify-Link auf die Webversion umgeleitet – obwohl der Austausch über die App stattfinden könnte. Ihm Nachrichten zu schicken, ist praktisch nur in Verbindung mit einem Song möglich. Über die App zu chatten, funktioniert nicht. Nur Deezer bietet ein leicht zugängliches, internes Nachrichtensystem, aber keinen Chat.

Twitter Music: Guter Ansatz

Den Umstand, dass man zum Abspielen eines Songs einen bestimmten Player benötigt, löst auch Twitter #music nicht. Empfehlungen lassen sich zwar direkt twittern – aber nur über einen jeweils angeschlossenen Dienst anhören, bei dem der Absender Mitglied sein muss. Trotzdem gefällt mir das Konzept gut, weil es die Möglichkeit bietet, sich in der Rubrik “now playing” sehr leicht die Musik der Freunde anzuhören. Der Service, der am vergangenen Wochenende in Deutschland startete, ist aber noch ausbaufähig.

Viel verlange ich eigentlich gar nicht. Ich würde gerne mit Freunden oder anderen Hörern interessanter Musik innerhalb einer App chatten können. Ich würde gerne Freunden Links zu Songs schicken, die sie sofort und in voller länger abspielen können. Und ich würde gerne live das hören können, was meine Freunde oder eine x-beliebige andere Person hört, deren Profil mir interessant erscheint oder die bei mir um die Ecke wohnt. Keine in Deutschland verfügbare App bietet bislang all diese Funktionen, die technisch gesehen eigentlich keine große Herausforderung mehr sind. Wenige Jahre, nachdem man fast jeden Song problemlos auf YouTube finden und dort mit anderen teilen konnte, ist das ein Rückschritt. Oder positiver ausgedrückt: Hier ist noch viel Luft nach oben.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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Einstmals setzte Spotify alles auf die Facebook-Karte und lagerte selbst Teile seiner Funktionalität an das soziale Netzwerk aus. Seit einiger Zeit aber arbeitet es an seiner Unabhängigkeit. Das Ziel: ein eigenes Social Network rund um Musik.

3 Kommentare

  1. Ist in .de noch nicht gestartet, bekomme jedenfalls nur ein “Comming soon”-Hinweis angezeigt.

  2. Ja, mir fehlt als heavy Spotify-User auch die Möglichkeit, auf Basis eines Songs oder Playlist mit einem Kumpel zu chatten, á la “Weeßte noch die Party, Keule?”

  3. Also Google Play Music bietet ein paar deiner Funktionen:
    - teilen eines KOMPLETTEN Songs mit freunden über g+
    - chat

    Schaus dir mal an

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