Aupeo nach der Übernahme:
“Werden Berlin weiterhin alle Ehre machen”

Das Berliner Startup Aupeo wurde vergangene Woche von Panasonic übernommen. Wir sprachen mit CEO Holger Weiss über die Hintergründe des Verkaufs und die Zukunft des Teams.

Aupeo_HolgerWeissAupeo ist den meisten Nutzern bisher in erster Linie als Webradio ein Begriff. Tatsächlich ist das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen bereits seit Jahren auf dem bisher kaum erschlossenen Markt für Entertainment im Auto aktiv. Nach der Übernahme durch den Elektronikkonzern Panasonic will Aupeo vor allem das Thema Connected Car forcieren. Weiss verriet uns im Interview, warum man die Aktivitäten am Standort Berlin trotz der Übernahme nicht aufgeben will, im Gegenteil.

Beim Thema Webradio dürften die meisten Menschen zunächst an PCs oder Smartphones denken. Kommt jetzt die große Zeit der Bordkonsolen?

Wenn man heute über die großen Themen der Zukunft spricht, ist Connected Car immer eins, das unter den ersten fünf genannt wird. Das ist vielleicht etwas, was beim Enduser auf dem kleinen App-Screen seines Smartphones noch nicht angekommen ist: das vernetzte Auto wird in den nächsten Jahren eine Größenordnung annehmen, die sich heute kaum jemand vorstellen kann. Hier haben wir sehr früh aufgesetzt und beim Thema Entertainment Partnerschaften geschlossen mit Mercedes, Pionier, BMW, Mini und eben auch mit Panasonic. Hier vor allem der Bereich passives Audio, weil es bald sicher so weit sein wird, dass ich das Handy im Auto bald gar nicht mehr anfassen darf.

Wie genau wird Car Entertainment mit Aupeo dann aussehen?

Zunächst wird es schon so sein, dass ein Smartphone kurz- bis mittelfristig Konnektivität ins Auto bringt. Mehr aber auch nicht, denn es wird mehr um Passivität gehen – wohl schon bald wird man das Smartphone aus Sicherheitsgründen bei der Fahrt gar nicht mehr anfassen dürfen. Es wird also um die Koordination und Navigation der Services gehen. Voice Control ist hier ein zentrales Thema, aber auch die Bedienung der Services über Lenkradknöpfe, das Heads-up-Display und Armaturenbrett bis hin zu Entertainment-Screens auf den Rücksitzen. Es geht um möglichst praktisch Lösungen, die dazu führen, dass ich nicht bei 150 Stundenkilometern auf dem Touchscreen meine Playlist ändern muss.

Panasonic bietet technische Geräte aller Art an. Wird Aupeo auch dort zum Einsatz kommen oder geht es bei der Übernahme wirklich nur um das Thema Connected Car?

Die kaufende Einheit und damit unser neuer Gesellschafter ist ja die Panasonic Automotive Systems Nordamerika, weswegen es zunächst das Thema Connected Car betrifft. Denkt man das Thema weiter, kommen sicher auch Komponenten wie Connected Screen und Flugzeugentertainment dazu. Panasonic ist hier ja der weltweit führende Anbieter. Technisch ist da natürlich noch einiges zu meistern, aber gedanklich ist da in weiteren Schritten sicher mehr möglich.

Wie lief die Akquisition ab? Wer hat zuerst Interesse gezeigt, Aupeo oder Panasonic?

Wie das so ist bei einer guten Beziehung: das Interesse war beiderseitig. Es ist in der Tat so, dass wir mit Panasonic eine ganze Weile schon zusammen gearbeitet haben und das auf einer sehr guten partnerschaftlichen Kommunikationsebene. Wir haben im Januar in Detroit auf der Motor Show bereits eine strategische Partnerschaft angekündigt. Und aus dieser Zusammenarbeit und den Gesprächen hat sich die Übernahme als der logische nächste Schritt ergeben.

War die Übernahme ein Firesale?

Nein, eindeutig nicht. Die Gründe, warum wir die Verkaufssumme nicht bekannt gegeben haben, waren andere. Ein börsennotiertes Unternehmen wie Panasonic ist in seiner Kommunikationsstruktur eben sehr sensibel.

Gibt euch die Übernahme durch Panasonic nun größeren finanziellen Spielraum?

Einige Dinge vereinfachen sich natürlich dadurch. Aber welchen Spielraum wir da jetzt haben, auch finanziell gesehen, müssen wir in Abstimmung mit dem neuen Partner sehen. Es wird helfen, das Produkt weiter zu verbessern und dabei, mit etwas breiteren Schultern in neue Kanäle hereinzukommen. Zu Investitionsvorgaben oder Hiring Budgets kann ich mich aber nicht äußern.

Wie geht es nun für das Aupeo-Team weiter?

Wir bleiben in Berlin als Aupeo GmbH, wir werden auch weiterhin alle bisherigen Services betreiben. Wir werden ganz klar den Fokus auf Connected Services im Automobil setzen – da ist man im Autoland Deutschland ja auch nicht so schlecht aufgehoben. Die bisherige Geschäftsleitung bleibt bestehen und wird um einen weiteren Geschäftsführer aus den USA erweitert. Wir werden das Produkt weiter aus- und aufbauen und Berlin als Technologiestandort alle Ehre machen. /jv

Link: Aupeo

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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Ein Kommentar

  1. ” weil es bald sicher so weit sein wird, dass ich das Handy im Auto bald gar nicht mehr anfassen darf.”

    Bald?
    Das ist schon aktuell der Fall.

2 Pingbacks

  1. [...] Aupeo “Werden Berlin weiterhin alle Ehre machen” Das Berliner Startup Aupeo wurde vergangene Woche von Panasonic übernommen. Wir sprachen mit CEO Holger Weiss über die Hintergründe des Verkaufs und die Zukunft des Teams. Netzwertig.com [...]

  2. [...] Alle Ehre! Das Berliner Startup Aupeo wurde vergangene Woche von Panasonic übernommen. Netzwertig sprach mit Aupeo-CEO Holger Weiss über die Hintergründe des Verkaufs, die Zukunft des Teams und warum Aupeo kein Webradio ist. Wichtig: „Wir bleiben in Berlin als Aupeo GmbH, wir werden auch weiterhin alle bisherigen Services betreiben. (…) Wir werden das Produkt weiter aus- und aufbauen und Berlin als Technologiestandort alle Ehre machen.“. Nochmal herzlichen Glückwunsch! Netzwertig [...]

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