“Amazon AWS für VPN”:
CyberGhost will VPN groß rausbringen

Der in Deutschland gegründete Dienst CyberGhost VPN will sicheren VPN-Verbindungen aus der Nische verhelfen und Entwicklern Möglichkeiten geben, VPN-Technologie in ihre Apps zu integrieren.

Es gibt viele gute Gründe, um einen VPN-Dienst zu verwenden. Etwa, um Zugriff auf per IP-Geoblocking gesperrte Medieninhalte zu bekommen. Oder, um sicherer und anonymer im Netz zu surfen und staatliche Zensurmaßnahmen zu umgehen. Auch bei der Nutzung öffentlicher WLANs empfiehlt sich die Errichtung einer sicheren Verbindung via VPN, um Angreifern das Auslesen von Zugangsdaten und anderen Informationen zu erschweren. Angesichts der mannigfaltigen Einsatzszenarien wundert es nicht, dass in den letzten Jahren zahlreiche kommerzielle VPN-Anbieter entstanden sind, welche zumeist gegen geringe monatliche Gebühren eine sichere Verbindung und IP-Adressen aus einer Vielzahl von Ländern anbieten.

Einer der ambitioniertesten Anbieter im wachsenden VPN-Segment kommt zumindest ursprünglich aus Deutschland. CyberGhost VPN wurde 2004 in Ulm gegründet, fasste jedoch vor knapp zwei Jahren den Entschluss, aufgrund des für den Service ungünstigen netzpolitschen und juristischen Klimas in der Bundesrepublik nach Rumänien umzusiedeln. Seitdem befindet sich das Hauptquartier des Unternehmens in Bukarest, weiterentwickelt wird der Dienst aber nach wie vor teilweise auch von Deutschland aus. Ich verwende CyberGhost VPN, das in einer kostenlosen Basisversion angeboten wird und dessen Premiumaccount VPN-Verbindungen über Server in 17 Ländern ermöglicht, immer wenn ich mich im Ausland aufhalte und eine deutsche IP-Adresse benötige, etwa um lokal begrenzte Onlineangebote auszuprobieren.

CyberGhost will “Amazon AWS für VPN” werden

Vor einigen Tagen hat das mittlerweile 20 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen eine interessante E-Mail an Pressevertreter verschickt und Einblicke in die aktuelle Lage und auf die künftige Roadmap gegeben. Letztere ist durchaus ambitioniert: CyberGhost VPN werde sich langfristig zu einem “Amazon AWS für VPN” entwickeln, so Mitgründer und Geschäftsführer Robert Knapp. Herzstück dieses Plans ist eine noch nicht veröffentlichte API, mit der Entwickler eigene, auf der Infrastruktur von CyberGhost basierende VPN-Dienste bereitstellen können sollen. Weitere Details zu diesem Vorhaben verrät die Mail zwar nicht, aber der Gedanke, dass Webservices und mobile Apps VPN-Features in ihre Angebote integrieren können, klingt auf de Papier äußerst nützlich.

In der Mail betont Firmenchef Knapp, dass es sich bei CyberGhost VPN seit einer jüngsten Abschaffung des Traffic-Limits um den “weltweit ersten VPN-Dienst mit einem echten Free-Service ohne Werbe-Dauerfeuer und Traffic-Begrenzung” handelt. Diese Aussage kann ich von meinen eigenen Erfahrungen aus bestätigen. Das Unternehmen setzt darauf, dass Gratis-Nutzer – deren Geschwindigkeit auf 1 Mbit/s begrenzt ist und die nicht steuern können, über welchen Server in welchem Land sich die VPN-Software der Ulmer verbindet – eines Tages eines der zwei Premium-Pakete erwerben, welche in punto Funktionsumfang, Flexibilität und Plattformverfügbarkeit deutlich mehr Freiheiten bieten.

VPN für die Masse

Über zwei Millionen Menschen haben sich bisher bei CyberGhost VPN registriert, 200.000 loggen sich jeden Monat ein, 3.000 Accounts kommen täglich hinzu. Für ein Nischenthema wie VPN sind dies beachtliche Zahlen. Verdient ist dieses Nischendasein angesichts der eingangs beschriebenen Anwendungsbereiche freilich nicht. Früher oder später kommen alle User in eine Situation, in der ihnen ein VPN mehr Sicherheit und mehr Freiheit bescheren würde. Doch zu kompliziert und technisch mutete das Thema bisher an. Mit einer demnächst erscheinenden neuen Version möchte CyberGhost VPN die “ultimative Einklick-Lösung” bereitstellen, die sich durch eine einheitliche Bedienung auf PCs und Touchscreen-Geräten auszeichnet und in vier Minuten heruntergeladen, installiert und mit einem Server verbunden ist.

VPN aus dem Kreis der technisch versierten, sicherheitsbewussten User in den Mainstream zu bringen, ist keine leichte Aufgabe. Ernsthaft versucht hat es allerdings auch noch niemand. Insofern steht CyberGhost VPN hier einiges an Pionierarbeit bevor – mit entsprechenden Chancen, ganz groß rauszukommen, sollte diese gelingen. /mw

Link: CyberGhost VPN

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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4 Kommentare

  1. Ich kann vorbehaltlos nur websecuritas.com empfehlen , die kommen aus Deutschland und haben auch noch Ihren Sitz hier.

    • Guter Artikel !

      @hal9000
      CG ist aus gutem Grund nicht mehr in Deutschland, Stichwort Vorratsdatenspeicherung.

      Nutze CG schon länger, vormals im Freeservice, jetzt Premium zu einem fairen Preis da ich die freie Serverwahl wichtig finde und VPN unter Linux nutze.

      Mfg

  2. @milo , ich kann mir nicht vorstellen das in Rumänien der Datenschutz strenger gehandhabt wird als in Deutschland , hinzu kommt das die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland durch das Bundesverfassungsgericht gekippt wurde. Rumänien ist nur aus Steuerlicher Sicht interessant.

  3. Ich arbeite seit vier Wochen mit Programmen für das anonyme surfen im Netz. Es gibt viele Vorteile für das nutzen diverser Apps. Doch leider ist das Setup der Programme oftmals schwer verständlich. Diverse Malware Programme tauchen häufig wieder auf. Seit Samstag benutze ich nur noch eine Seite mit dem Namen Proxybuster. Die URL in das freie Feld eingeben und ihr surft ohne ein nervende Installation ganz anonym : http://www.proxybuster.org

Ein Pingback

  1. [...] noch ein Bericht zum ehemals deutschen VPN-Anbieter CyberGhost, was aber keine persönliche Empfehlung sein [...]