F1eld startet neu:
Wie man Menschen aus der Umgebung überzeugt, sich gegenseitig kennenzulernen

Fünf Monate nach dem Start legt der Location Based Chat f1eld in dieser Woche einen Neustart hin. Statt eines hyperlokalen Chats soll die App Menschen eines Einzugsgebiet nun über gemeinsame Diskussionsthemen zusammenbringen. Das Thema Location bleibt für Gründer ein schwieriges Unterfangen.

F1eldIch habe Kai Tietjen mit der Frage provoziert, ob die Welt wirklich darauf gewartet hat: eine App, mit der ich die Menschen in meiner Umgebung über einen Chat kennenlernen kann. Seine Antwort: Inschallah. “Auf Twitter hat auch keiner gewartet. Wenn es einen Nerv trifft, wird es angenommen, wenn nicht, eingestellt oder an Burda verkauft.” Was die erste Version seiner App f1eld angeht, gibt sich Tietjen selbstkritisch. Technisch habe sie nicht einwandfrei funktioniert, Nutzer hätten die App für falsche Zwecke genutzt, viele hätten die App danach gar nicht mehr aufgesucht.

F1eld 2.0 soll anders sein: Diskussionen sind jetzt thematisch geordnet, statt alleine über die geografische Komponente. Sport, Lifestyle, Liebe, Mitfahrgelegenheiten – für alle Anlässe bietet f1eld nun Themenkanäle. Die Idee, so Tietjen, sei Social Discovery: die Menschen in der Gegend über gemeinsame Interessen kennenzulernen. Das geht weiterhin mit der hohen Herausforderung einher, dass ein solcher Dienst erst interessant wird, wenn die kritische Masse erreicht ist. Deswegen will man f1eld zunächst für größere Städte bewerben.

Early Adopter zurückholen

27.000 Nutzer sollen nach wie vor für den Dienst angemeldet sein. Die will das Team der Bremer App-Schmiede construktiv nun für die neue Version begeistern. Die App, die jetzt neben dem iPhone auch für Android zur Verfügung steht, schlägt bei der Benutzung mehrmals vor, die Facebook-Freunde gleich mit einzuladen. Es ist klar: Nur mit möglichst vielen Nutzern oder zumindest treffenden Themen kann f1eld überhaupt Spaß machen. Symptomatisch deswegen wohl das einzige bisher verfügbare Thema, das beim Kurztest in meiner Region (Köln/Bonn) auftauchte. Nutzer Kobold schreibt: “Wäre schön wenn mehr Leute hier mitmachen würden!”

F1eld

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Will man seine Nachbarn überhaupt kennenlernen?

Neben der thematischen Sortierung findet man Nutzer auch nach der Entfernung aufgelistet. Hier noch optimierungsfähig: Man sieht nur die Stati, die die Nutzer gepostet haben (wenn sie das getan haben), nicht aber Themen, für die sie sich interessieren. Die Möglichkeit, hier direkt Gesuche oder Angebote aufzugeben oder Interessen anzuzeigen, haben sie noch nicht verinnerlicht. Und die App-Anbieter selbst? Tietjen beschreibt den Nutzen so: “Bei Facebook siehst du, was die Leute in deinem Freundeskreis machen, bei Twitter, was die Leute aus deiner Interessenssphäre machen. Bei f1eld siehst du, was die Leute aus deiner Nachbarschaft machen.”

Die Probleme, die sich hierbei ergeben: einen echten Kundennutzen hat bisher keine Social-Discovery-App präsentiert, selbst das gut finanzierte Foursquare hat nie den Stellenwert eines Twitter oder WhatsApp erreicht. Und wie immer bleibt die Sinnfrage, ob man sie denn auf diese Weise überhaupt kennenlernen will, die Menschen in der Umgebung. Ob es einen wirklich interessiert, dass Nutzer Daniel, der 46 Kilometer entfernt von mir wohnt, mit dem Status “Mal Schauen” aktiv ist. Wenn f1eld es schafft, sie davon zu überzeugen, dann hätte man im deutschsprachigen Raum bislang praktisch keine direkte Konkurrenz. Aber bis dahin wird man noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Auch bei mir.

Link: f1eld

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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4 Kommentare

  1. Mir fehlt hier auch – wie bei den meisten Location-based Services – der Kundennutzen bzw. ein klarer “Core Use Case”. Ohne den macht man die App nicht regelmäßig auf, und es wird schwer sein Freunde von der App zu überzeugen.

  2. Ich finde es etwas schade, dass anscheinend weder der Entwickler, noch der Autor dieses Artikels die Möglichkeiten einer solchen App sieht. Leider hängt es, wie erwähnt, an der kritischen Nutzermasse. Und ich befürchte, dass diese (nocht) nicht erreicht werden wird. Die Welt ist noch nicht bereit.

    • “Ich finde es etwas schade, dass anscheinend weder der Entwickler, noch der Autor dieses Artikels die Möglichkeiten einer solchen App sieht.”

      Dann verrate sie uns! :)

    • da halte ich wie Apple: Ich lasse andere beginnen und mache es dann irgendwann selbst richtig ;)

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  1. [...] f1eld Wie man Menschen aus der Umgebung überzeugt, sich gegenseitig kennenzulernen Fünf Monate nach dem Start legt der Location Based Chat f1eld in dieser Woche einen Neustart hin. Statt eines hyperlokalen Chats soll die App Menschen eines Einzugsgebiet nun über gemeinsame Diskussionsthemen zusammenbringen. Das Thema Location bleibt für Gründer ein schwieriges Unterfangen. Netzwertig.com [...]