Nach langen Verhandlungen:
Zattoo und RTL einigen sich in Deutschland

Mehrere Jahre wurde verhandelt. Jetzt konnten sich Zattoo und die RTL Gruppe einigen: Ab Sommer werden sich die Sender des Medienkonzens live über den TV-Dienst streamen lassen – allerdings nur für zahlende Nutzer.

ZattooWährend sich das US-amerikanische Zattoo-Pendant Aereo wie beschrieben dem geballten Hass der dortigen TV-Branche ausgesetzt sieht, läuft es für das “Vorbild” deutlich besser. Als Zattoo-Manager Jörg Meyer im Interview zu Jahresbeginn ankündigte, in Deutschland 2013 richtig Gas geben zu wollen, hätte es sich dabei auch lediglich um eine leere PR-Floskel handeln können. Doch heute beweist das Schweizer Unternehmen, den großen Worten Taten folgen zu lassen: Ab Sommer wird der Dienst, der das Streaming von linearen TV-Kanälen erlaubt, auch hierzulande die Programme der Mediengruppe RTL anbieten können.

Im Gegensatz zur Schweiz glänzte das deutsche Zattoo-Angebot bisher mit der Abwesenheit der zwei wichtigsten Privatsenderketten RTL und ProSiebenSat.1. Bei beiden sorgten lange Zeit Bedenken darüber, die Kontrolle über die Contentdistribution an einen Webanbieter zu übergeben, der noch dazu eigene Werbeschaltungen im Umfeld des Programms einblendet, für ein ausbleibendes Zustandekommen einer Vereinbarung mit Zattoo.

Mehrere Jahre lang verhandelten die Schweizer mit den zwei deutschen Medienkonzernen. ProSiebenSat.1 ziert sich noch immer, doch RTL hat man nun dem Anschein nach von den Vorzügen überzeugen können. Zur Jahresmitte werden die Live-Programme von RTL, VOX, n-tv, RTL NITRO, SUPER RTL und RTL II über Zattoo abrufbar sein.

Ganz ohne Einschränkung geht es jedoch nicht: Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Kanälen ist zum Empfang des RTL-Programms ein kostenpflichtiges Zattoo HiQ Paket notwendig. Dieses schlägt mit 3,75 Euro pro Monat zu Buche und zeichnet sich durch eine bessere Bildqualität sowie das Fehlen von durch Zattoo eingestreuten Anzeigen beim Umschalten aus. Letzterer Aspekt wird eine entscheidende Rolle für RTL gespielt haben. So kann es seinen Werbekunden garantieren, dass ihre Botschaften bei der Distribution über Zattoo nicht von “fremden” Anzeigen flankiert werden.

Es mag aus Sicht von Zattoo schade sein, die RTL-Programme kostenlosen Nutzern nicht zugänglich machen zu dürfen. Auf der anderen Seite könnte die Neuerung dabei helfen, die Konversion von Free- in Paid-User zu verbessern. Parallel verändert sich auch Zattoos Verhandlungsposition gegenüber ProSiebenSat.1. Denn in Unterhaching ist man plötzlich der Außeinseiter, der seinen Zuschauern und Werbekunden die neuen Möglichkeiten der Webdistribution vorenthält. RTL an Bord geholt zu haben, erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, das ProSiebenSat.1. nachziehen wird.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

5 Kommentare

  1. Und wer brauchs? Ich hoffe doch niemand, der mit klarem Verstand das Internet besucht :D

  2. Also ich begrüße das sehr!
    Ich schaue ausschließlich über zattoo fern, per iPad und Apple TV. Funktioniert wunderbar und ich spare gegenüber meinem Kabelanbieter über 13 Euro pro Monat… HD mit eingerechnet…

    Fehlt nur noch, dass Pro7Sat1 nachzieht…

    Im Webzeitalter ist es eigentlich traurig, dass die Medienkonzerne sich dem so verschließen…

  3. Das hört sich doch sehr gut an! Zattoo gehört schon seit langem zu den besten aller Streaming Anbieter. Gerade um die ö-r Programme auf die schnelle Art und Weise von überall zu schauen einfach eine schöne Sache.

  4. Und was ist bitte ein kostenloser Nutzer?

  5. Na Nutzer, die nix zahlen… Für gibt’s eben kein HD und dann auch kein RTL und Co. dafür aber Werbung…

3 Pingbacks

  1. [...] STREAMING netzwertig.com: Zattoo und RTL einigen sich in Deutschland: Mehrere Jahre wurde verhandelt. Jetzt konnten sich Zattoo und die RTL Gruppe einigen: Ab Sommer werden sich die Sender des Medienkonzens live über den TV-Dienst streamen lassen – allerdings nur für zahlende Nutzer. [...]

  2. [...] RTL bald auch über Zattoo verfügbar: Die Schweizer Streamingplattform darf ab Mitte des Jahres die Programme von RTL, VOX, n-tv, RTL Nitro, SUPER RTL und RTL II verbreiten und will sie u.a. auf Tablets, Smartphones, Smart TVs und die Xbox 360 bringen. “Das ist ein Meilenstein. Der deutsche Markt für Live-TV hat enormes Wachstums-Potential”, kommentierte Nick Brambing, CEO von Zattoo. Zum Empfangen des Programms ist ein kostenpflichtiges Zattoo HiQ-Paket, welches 3,75 Euro pro Monat kostet, erforderlich. presseportal.de, netzwertig.com [...]

  3. […] sein können. Beispiel Zattoo: Der schweizer Streaming-Anbieter musste allein mit der RTL-Gruppe mehrere Jahre lang feilschen, bis der Privatsender mit im Boot […]

 
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