Facebooks neuer Newsfeed:
Nicht einmal eine Evolution

Voller Stolz zeigte Facebook vor einem Monat seinen neuen Newsfeed. Doch eigentlich handelt es sich lediglich um kosmetische Änderungen.

FacebookAnfang März präsentierte Facebook eine neue Version seines Newsfeeds. Kein unwichtiges Ereignis, immerhin handelt es sich um das Herzstück des sozialen Netzwerks. Meine erste Beurteilung lautete: Der neue Feed sei eine Evolution, keine Revolution. Da ich zum Kreis der “Glücklichen” gehöre, die sofort Zugriff auf die neue Oberfläche erhielten, konnte ich diese nun etwas länger als vier Wochen ausprobieren. Mein Fazit: Mittlerweile muss ich meine eigene Aussage revidieren, dass es sich um eine Evolution des Feeds handelt. In Wirklichkeit ist es lediglich eine kosmetische Änderung. Eine nette, aber dennoch nur eine kleine Änderung.

Kernmerkmal des neuen Feeds ist neben größeren Fotos ein Filterwerkzeug, mit dem sich verschiedene Contentypen separat anzeigen lassen, etwa solche, die sich auf Musik beziehen, oder die allein Fotos enthalten. Das Problem: Die Existenz dieser Filter vergaß ich, kurz nachdem ich mich für meinen damaligen Artikel zum Thema mit ihnen auseinandergesetzt hatte. Sämtliche Filter verstecken sich rechts neben dem Newsfeed hinter einem ausklappbaren Menü. Das jedoch sitzt dort mehr als unscheinbar, drängt sich nicht auf und erinnert auch nicht daran, dass sich verschiedene Feed-Typen aufrufen lassen. Die Folge: Innerhalb von gut vier Wochen habe ich das Filtermenü nicht ein einziges Mal eines Blicks gewürdigt.

Natürlich wäre es für Facebook ein Leichtes, dies durch grafische Elemente, eine auffälligere Gestaltung oder eine Umpositionierung der Filter zu ändern. Ob das jedoch zu dem gewünschten Effekt führen würde, dass User die wenigen bisher existierenden contentspezifischen Feeds stärker nutzen, bezweifle ich. Was auch damit zu tun hat, dass diese relativ einfallslos sind. Wirklich interessante Beispiele für thematische Feeds, etwa Content rund um Orte, Regionen, Produkte oder Videos, existieren bisher nicht.

Am Ende sind es nicht die Filter, die meine Beurteilung des Feeds beeinflusst haben, sondern die großformatigen Fotos und das generell eleganter wirkende Design des neuen Feeds. Es klingt lapidar, aber es macht den Feed lebendiger und das Scannen des Contents unterhaltsamer. Trotzdem: Knapp einem Monat nach der Präsentation des überarbeitenden Feeds wirken Jubel und Aufregung von damals noch übertriebener. Gleiches gilt für Tatsache, dass das soziale Netzwerk hierfür extra die Presse zu einer Veranstaltung lud. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. unter “veranstaltung” wird das wetter zu dem zeitpunkt angezeigt. wenigstens etwas neues

  2. Die Unbeholfenheit der großen Internet-Ökosysteme bei der Ordnung der Informationsmassen ist in der Tat bestürzend und steht wesentlich für das, was hier unlängst völlig zurecht als Mangel an Empathie thematisiert wurde. Diese unterentwickelte Ordnung ist für mich DIE Achillesferse der Internetentwicklung und zeigt, wie sehr sie immer noch am Anfang steht.

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