250.000 Euro Crowdinvestment für Evolution des P2P-Carsharings:
carzapp steht in den Startlöchern

Nach einem Jahr Entwicklungszeit steht das P2P-Carsharing-Startup carzapp vor dem Launch des Beta-Tests in Berlin. Dank einer Hardwarelösung samt App entfällt die persönliche Schlüsselübergabe. Mittels Crowdinvesting sammelten die Hauptstädter gerade 250.000 Euro ein.

CarzappDer Markt für P2P-Carsharing, also die Vermietung von Privatfahrzeugen, ist zwar noch sehr jung, aber nicht gerade arm an ihn umwerbenden Startups: Nachbarschaftsauto, tamyca, Autonetzer und rent-n-roll kommen alle aus Deutschland und bieten Kfz-Besitzern sowie potenziellen Mietern Plattformen, um einander zu finden. Doch ein entscheidender Nachteil des Ansatzes, ein Auto nicht von einem professionellen Mietwagenanbieter sondern von einer Privatperson zu mieten, ist die Notwendigkeit zur persönlichen Schlüsselübergabe. Man kann mutmaßen, dass viele potenzielle Vermietungen daran scheitern, dass Vermieter und Mieter sich nicht zur gleichen Zeit am Standort des Kfzs einfinden können – etwa, weil der Besitzer des Autos sich auf einer Reise befindet.

Mit carzapp feilt seit längerem ein Berliner Startup an einer Beseitigung dieser dem Erfolg von P2P-Carsharing im Wege stehenden Hürde. Seit einem Jahr tüfteln die Gründer Oliver Lünstedt und Sahil Sachdeva sowie ein mittlerweile achtköpfiges Team an einem ZappKit genannten Hardwaresystem, welches die persönliche Schlüsselübergabe erübrigen soll. Stattdessen entriegelt der vom Besitzer autorisierte Mieter das Fahrzeug per Smartphone-App (bisher nur iOS).

Ursprünglich war der Start einer Testphase bereits für den Sommer 2012 vorgesehen, zog sich jedoch – wie so oft bei derartig ambitionierten Projekten – in die Länge. Nun stehen die Hauptstädter in den finalen Zügen für den Launch ihrer für sechs Monate ausgelegten Beta-Phase in Berlin. Rund 280.000 Euro Seed-Kapital wurden bisher in die Entwicklung gesteckt, mittlerweile habe das mit jedem Fahrzeugtyp kompatible ZappKit laut Unternehmensangaben Marktreife erlangt.

Beta-Test mit 100 Gratis-ZappKits

carzapp200Künftig soll für die Nutzung eines ZappKits, welches einmalig in einer carzapp-Partnerwerkstatt in das Kfz eingebaut wird, eine monatliche Gebühr zur Deckung der Hardwarekosten anfallen. Für den bevorstehenden Beta-Test in Berlin erhalten allerdings 100 Fahrzeuge ein kostenloses ZappKit. Bis zu 2.000 Nutzer sollen eine Einladung erhalten, um carzapp als Mieter auszuprobieren. Die Monetarisierung der Plattform, die in ihrer grundsätzlichen Funktionsweise der existierender P2P-Carsharinganbieter ähnelt, erfolgt über eine Provision für erfolgreiche Vermietungen in Höhe von rund 15 Prozent. Eine weitere Erlösquelle soll mit dem gewerbliche Einsatz des ZappKits angezapft werden. Die zum Patent angemeldete, von den Hauptstädtern selbst entwickelte Technologie eigne sich nach Vorstellung der carzapp-Macher zur Verwaltung von Fuhrparks, ohne dass der dafür sonst notwendige Personalaufwand anfällt. Geht die Rechnung auf, würde carzapp sowohl mit einem B2C- als auch einem B2B-Modell Umsätze generieren, was nach einem attraktiven Geschäftsmodell klingt.

250.000 Euro Crowdinvestment

Das werden sich auch die 350 Investoren gedacht haben, die im Rahmen einer Crowdinvesting-Kampagne bei Seedmatch insgesamt 250.000 Euro für die weitere Expansion des jungen Unternehmens bereitgestellt haben, das laut Angaben im Seedmatch-Profil mit 2,5 Millionen Euro bewertet wird. Die im vergangen April laut den Gründern anvisierte Finanzierungsrunde im siebenstelligen Bereich kam zwar bisher nicht zustande, aber mit dem frischen Geld dürften die nächsten Schritte der Firma gesichert sein. Gleichzeitig ist wahrscheinlich, dass der ein oder andere Investor parallel auch selbst zum carzapp-Nutzer avanciert und damit zum Ziel des Erreichens einer kritischen Masse beiträgt.

Identifizierung über Partnerregistrierungsstellen

Weil zur Miete kein persönlicher Kontakt erforderlich ist und kein Autobesitzer ein Fahrzeug an wildfremde Personen überlassen würde, kooperiert carzapp mit Partnerregistrierungsstellen. Im Launchmarkt Berlin übernehmen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) diese Aufgabe. Erstmalige carzapp-Mieter müssen sich zu einer BVG-Niederlassung begeben, um sich mittels Führerschein und Personalausweis zu identifizieren. Das beschert Nutzern zwar einmalig zusätzlichen Aufwand, aber sofern ihnen daraufhin das Abstimmen von Treffpunkten für Übergabe und Rückgabe des Autos erspart bleibt, lohnt sich diese Investition ihrer Zeit.

Auch wenn das carzapp-Team hinreichend Marktforschung betrieben haben wird: Ob die Idee einer automatisierten Miete ohne persönlichen Kontakt letztlich von einer hinreichend großen Zahl an Kfz-Besitzern als akzeptabel angesehen wird, kann nur der Praxistest zeigen. Speziell in Deutschland hat das Privatauto für viele Heiligenstatus. Manche werden sich auch von der in das ZappKit eingebauten Diebstahlsicherung sowie einer angebotenen Spezialversicherung nicht überzeugen lassen, ihr Fahrzeug in fremde, ihnen völlig unbekannte Hände zu geben.

Stößt das Modell aber auf breite Akzeptanz, ohne dass es zu signifikanten Missbräuchen des Systems kommt, könnte es schnell bei sämtlichen P2P-Carsharern zum Standard werden. carzapp-Konkurrent tamyca testet bereits im kleinen Kreis eine ähnliche Lösung, und auch die US-Anbieter Getaround und RelayRides experimentieren mit Apparturen, um das Öffnen und Schließen der Autos per App zu ermöglichen. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

P2P-Carsharing: carzapp will Autos per App öffnen

16.4.2012, 6 KommentareP2P-Carsharing:
carzapp will Autos per App öffnen

carzapp, ein in der Entwicklung befindliches Startup aus Berlin, will mit einer Hardwarelösung einen der entscheidenden Nachteile des privaten Carsharings eliminieren: die Notwendigkeit zur persönlichen Schlüsselübergabe.

Vielseitigere Finanzierungsoptionen: Schwarmfinanzierung wird erwachsen

8.4.2014, 1 KommentareVielseitigere Finanzierungsoptionen:
Schwarmfinanzierung wird erwachsen

Bislang erlangten internationale Crowdfunding-Portale, bei denen Geldgeber keine Anteile an den finanzierten Projekten bekommen, die mit Abstand größte Aufmerksamkeit bei Medien und Privatinvestoren. Doch länderübergreifende Akteure wie Seedrs und FundedByMe wollen dies ändern.

Kickstarter-Unterstützer sind sauer: Facebooks Kauf von Oculus VR ist ein Argument für Crowdinvesting

28.3.2014, 4 KommentareKickstarter-Unterstützer sind sauer:
Facebooks Kauf von Oculus VR ist ein Argument für Crowdinvesting

Das von Facebook für zwei Milliarden Dollar übernommene Startup Oculus VR entstand im Zuge eine erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne. Manche der damaligen Unterstüzter sind verärgert über den frühen Exit. Rückblickend wäre aus ihrer Sicht eine Finanzierung per Crowdinvesting attraktiver gewesen.

Crowdinvesting: Raumrendite will alle zu Immobilienspekulanten machen

7.3.2014, 3 KommentareCrowdinvesting:
Raumrendite will alle zu Immobilienspekulanten machen

Das Münchner Startup Raumrendite verspricht Privatinvestoren, mit kleinen Beteiligungen in Immobiliensgeschäfte ausgezeichnete Renditen einzufahren - eine eher kontroverse Variante des Crowdinvesting-Prinzips.

FlightCar: Wie ein US-Startup privates Carsharing clever weiterdenkt

14.11.2013, 5 KommentareFlightCar:
Wie ein US-Startup privates Carsharing clever weiterdenkt

Das US-Startup FlightCar will Flugreisende dazu bewegen, ihr Privatfahrzeug kostenfrei am Flughafen zu parken und während ihrer Abwesenheit zur Miete anzubieten. Eine clevere Idee!

Intelligente Mobilität: CiteeCar experimentiert mit  neuem Carsharing-Ansatz

13.9.2012, 7 KommentareIntelligente Mobilität:
CiteeCar experimentiert mit neuem Carsharing-Ansatz

Mit CiteeCar begibt sich in Berlin ein weiteres Startup in den umkämpften Markt der intelligenten und effizienten Mobilität. Anwender, die sich um einzelne CiteeCar-Fahrzeuge kümmern wollen, fahren fast gratis.

Gerichtsurteil im Streit zwischen tamyca und Sixt: P2P-Carsharing und Autovermietung unterscheiden sich

12.7.2012, 1 KommentareGerichtsurteil im Streit zwischen tamyca und Sixt:
P2P-Carsharing und Autovermietung unterscheiden sich

Das Landgericht München hat im Fall "tamyca gegen Sixt" entschieden: Das Angebot von Carsharingdiensten, bei denen Privatpersonen ihre Fahrzeuge vermieten, ist nicht mit den Leistungen von professionellen Mietwagenfirmen vergleichbar.

  • Sponsoren

  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.
 
vgwort