Telekom und Fon kooperieren:
Das WLAN anderer Kunden als Hotspot nutzen

Ab dem Sommer können Telekom-Kunden ihren Festnetz-Anschluss für andere Kunden öffnen und dann weltweit WLANs der Hotspot-Community Fon nutzen. Ganz uneigennützig sind die Bonner dabei zwar nicht, die Entscheidung ist jedoch vorbildlich.

Bereits im Januar hatte das “Wall Street Journal” über einen Einstieg der Telekom bei dem offenen WLAN-Provider Fon spekuliert. Die Kooperation, die man nun heute auf der CeBIT in Hannover bestätigt hat, ist überraschend simpel: Telekom-Kunden können anderen Nutzern ihren Breitband-Festnetzanschluss über WLAN zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung erhalten sie kostenlos Zugang zu anderen Telekom- und Fon-Hotspots im In- und Ausland. Auch bei den eigenen Töchtern in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, der Slowakei und Ungarn startet die Kooperation, womit Hotspots für deutsche Kunde auch dort nutzbar werden.

Konkurrenzdruck und Netzentlastung

Die Telekom schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie lagert Kapazitäten der mobilen Datennetze auf das Festnetz aus. Und sie kann ihren Kunden damit den Zugang zu Hotspots im Ausland anbieten. Dafür ist die Kooperation mit Fon wichtig: Hotspots der internationalen WLAN-Community sind bislang in Deutschland kaum zu finden (was sich jetzt ändern dürfte), im Ausland allerdings schon. Vor allem in Belgien, U.K. und Frankreich ist Fon weit verbreitet. Die Telekom wirbt auch mit den zahlreichen Hotspots in Brasilien, wohin viele deutsche Fans im kommenden Jahr zur Fußball-Weltmeisterschaft und 2016 zu den Olympischen Sommerspielen reisen werden.

Natürlich geht es dabei auch um Konkurrenzkampf: Andere europäische Telco-Schwergewichte wie British Telecom kooperieren bereits mit Fon, Vodafone mit dem Provider m3, O2 mit dem Anbieter The Cloud. Noch zu klären wäre, ob Telekom-Kunden damit auch Fon-Hotspots nutzen können, die von anderen Telcos unterstützt werden. In Belgien etwa steht Belgacom Pate für zahlreiche Fon-Hotspots. Außerdem könnte es die Kartellwächter in Deutschland auf den Plan rufen: Dass die Telekom die eigene Kundenmacht dazu verwendet, um sich ein landesweites Hotspot-Netz aufzubauen, könnte man als Ausnutzung eines Wettbewerbsvorteils interpretieren.

Nächster Schritt: Nutzerfreundliches Datenroaming

Telekom-Kunden kann das indes egal sein. Sie erhalten hier ohne große Einbußen einen Vorteil. Und anders als bei der Telekom sonst üblich, soll das Angebot “WLAN to Go” für teilnehmende Kunden kostenlos sein. Das klingt für Nutzer zwar logisch. Allerdings hätte ich den Bonnern bei ihrer ansonsten sonderbaren Tarifpolitik (der SMS-Nachfolger und WhatsApp-Konkurrent Joyn etwa ist in manchen Tarifen kostenpflichtig) zugetraut, für den Service ein paar Euro extra zu verlangen. Bei all meiner sonstigen Skepsis und Ablehnung gegenüber der Telekom sei diesmal gesagt: Das ist die fortschrittlichste Entscheidung, die der Provider in den vergangenen Jahren traf.

Für die Nutzung mobiler Daten über alle Grenzen hinweg kann das aber natürlich nur der erste Schritt sein. Es wird Zeit, dass Datenroaming im EU-Raum einfacher und noch weit billiger wird. Dass man immer noch fünf Euro und mehr für eine “Tagesflat” mit 20 Megabyte Daten bezahlt, nur weil man eine nicht mehr sichtbare Grenze überfahren hat, darf im Jahre 2013 eigentlich nicht mehr sein.

Update: Die Telekom hat in einem Blogpost erläutert, wie WLAN to Go genau funktionieren soll.

 

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2 Kommentare

  1. Die Idee ist klasse und ich hätte beinahe geschrieben das sie (mindestens) einen Haken hat. Bis ich im Blogpost las das auch “externe” das System nutzen können. Hier sehe ich nämlich den Fortschritt. All die Menschen die keinen oder einen anderen DSL-Anbieter daheim haben aber trotzdem gern unterwegs online gehen wollen. Kommt also ganz darauf an in welcher Preisregion sich die Kosten für Zugriff als Externer bewegen.

    • Korrekt. Wenn auch nur bei Buchung eines Hotspot-Pakets, das sicher nicht billig wird. ;)

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