Harlem Shake:
Wie ein tolerierter Urheberrechtsverstoß dem Urheber einen Geldsegen beschert

Mit dem Harlem Shake geht ein Mem um die Welt. Möglich wurde es, weil der Macher des dazu verwendeten Musikstücks davon absieht, Urheberrechtsverstöße zu verhindern. Stattdessen verdient er an diesen kräftig mit.

Ein beeindruckendes Mem verbreitet sich seit einigen Wochen bei YouTube, der sogenannte Harlem Shake. Jeder kann mitmachen. Es braucht lediglich eine kleine Gruppe von Freunden, Kollegen oder Bekannten, ein paar möglichst dämliche Masken oder Verkleidungen und eine Kamera. Ein Protagonist lässt sich mehrere Sekunden lang mit einer eigenwilligen Tanzbewegung filmen,  inspiriert von dem aus der HipHop-Welt stammenden Harlem Shake, während andere Akteure ihn scheinbar ignorieren. Es folgt ein Schnitt, woraufhin sämtliche Darsteller mit teilweise äußerst übertriebenen Tänzen oder sich wiederholenden Bewegungen gezeigt werden. Nach 30 Sekunden ist alles vorbei. 60.000 Clips finden sich bei YouTube mittlerweile zum Suchwort Harlem Shake – 45.000 kamen in der vergangenen Woche hinzu.

Hätte das Harlem-Shake-Mem seinen Ursprung nicht im angloamerikanischen sondern im deutschsprachigen Web gehabt und sich somit der hierzulande üblichen restriktiven Sicht auf das Urheberrecht gegenüber gesehen – es wäre schon im Keim erstickt worden. Denn das eigenwillige Tanzfieber, das Nutzer rund um den Globus zur Kamera greifen lässt und insgesamt mehr als 200 Millionen Views bei YouTube angesammelt hat, wurde nur dank einer systematischen Urheberrechtsverletzung möglich – die sich jedoch massiv für den Urheber auszahlte.

Die Basis eines jeden Clips stellt der Ausschnitt eines im Mai 2012 veröffentlichten Musikstücks dar, das dem Mem nicht nur zu seinem Namen verhalf, sondern den Tanzenden auch den notwendigen Takt vorgibt. Ohne “Harlem Shake” von “Baauer”, dem Künstlernamen des bisher wenig bekannten US-Produzenten Harry Rodrigues, hätte sich der Komiker Filthy Frank nicht zu dieser bizarren Tanzvorstellung bewogen gefühlt, mit der er Anfang Februar das Shake-Fieber ins Rollen brachte.

Monetarisierung der Urheberrechtsverstöße

Doch anstatt das Baauer und das für das Release von Harlem Shake verantwortliche Label Mad Decent des bekannten Producers und DJs Diplo YouTube über dessen Content ID-System für Urheber dazu veranlassten, die Clips von Filthy Frank und tausenden Nachahmern wegen der nichtautorisierten Verwendung des Musikstücks zu sperren, erkannten sie das enorme Erlöspotenzial, das sich ihnen plötzlich eröffnete. YouTube bietet Urhebern nämlich auch die Option, ihren Content in nicht autorisierten Werken durch eine Werbevermarktung zu monetarisieren. Laut The Verge machten Baauer und sein Label Mad Decent genau davon Gebrauch. Mit jedem von Nutzern an irgendeinem Ort dieser Welt zu YouTube hochgeladenen Harlem-Shake-Clip fließen somit abhängig von der Zahl der Betrachtungen Werbeeinnahmen an Baauer und dessen Plattenfirma. Gleichzeitig verschaffte das Mem dem bisher nur in Electro-Kreisen bekannten Titel eine internationale Bekanntheit, die sich in Spitzenpositionen bei iTunes und einem allgemeinen Rampenlicht für den New Yorker Jungstar Baauer niederschlug und natürlich auch den Weg für künftige kommerzielle Erfolge ebnet.

Hätten Baauer und Label-Bloss Diplo die Harlem-Shake-Videos aufgrund des Urheberrechtsverstoßes verhindert, gäbe es kein Mem. Ohne dieses wäre der immerhin schon neun Monate alte Titel nicht aus seiner musikalischen Nische herausgekommen und hätte seinen Machern nicht mutmaßlich sehr ansehnliche Einnahmen aus Werbeerlösen, Songverkäufen und Streaminghonoraren beschert.

Die Ignoranz der Urheberrechtsmaximalisten 

Es ist genau diese Dynamik, die von den Urheberrechtsmaximalisten in der deutschen Medienbranche und Politik ignoriert oder schlicht nicht verstanden wird. Angenommen, Baauer wäre ein deutscher Produzent und hätte seinen Titel bei einem hiesigen Label publiziert, dann wäre die Entstehung eines Mems mit großer Wahrscheinlichkeit bereits an der GEMA-Hürde gescheitert. Träumen wir einmal und stellen uns eine Welt mit einer kooperativeren GEMA vor, die sich mit YouTube einig ist, dann muss man davon ausgehen, dass entweder Baauer selbst oder sein Label per Content ID die nicht autorisierte Verwendung des Titels in User Generated Content unterbunden hätten. Denn in der hiesigen Wertevorstellung vieler Medienschaffenden sind Kontrolle und Verbote besser als das Nutzen sich bietender, deutlich attraktiverer Möglichkeiten, die entstehen, wenn man den Konsumenten mehr Freiheit bei der Verwendung des Materials gibt.

Es wäre sehr zu wünschen, wenn die hiesige Medien- und Kreativlobby sowie ihre verlängerten politischen Arme wie etwa der unsägliche Kulturstaatsminister Bernd Neumann Kulturphänomene wie Harlem Shake oder auch Gangnam Style zum Anlass nehmen würden, ihr Hardliner-Haltung zum Urheberrecht zu überdenken. In beiden Fällen war es nämlich die Nichtdurchsetzung von Urheberrechtsansprüchen, die den Künstlern die Kassen gefüllt hat. Mehr Beweise dafür, dass Kreativität sowie die finanzielle Entlohnung künstlerischer Arbeit im digitalen Zeitalter durch ein enge Grenzen setzendes Urheberrecht eher behindert als gefördert wird, braucht es nicht. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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35 Kommentare

  1. Interessanterweise scheint Baauer an anderer Stelle aber doch restriktiv bei der weiteren Verwendung seines Songs umzugehen: Azealia Banks wurde offensichtlich aufgefordert, einen Freestyle von Soundcloud zu entfernen.
    http://spinner.com/2013/0…aauer-azealia-banks/

    • Ja hab ich auch gelesen. Ändert aber wenig an der Kernstory. Es ist auch ein Unterschied, ob man anderen die eigene Produktion verwenden lässt, oder ob andere diese unautorisiert covern. Ich sage nicht, dass Baauer hier die richtige Entscheidung getroffen hat, sehe aber dabei dennoch zwei unterschiedlich gelagerte Fällle. Denn bei Coverversionen kann er über Content ID nicht mehr mitverdienen.

    • Bei Azelia Banks geht es tatsächlich um etwas ganz anderes. Azelia hatte schon zuvor und so auch beim ersten Upload der Single die du beschreibst, Songs anderer Künstler als ihre eigenen ausgegeben, ohne die Künstler anzufragen oder sie auch nur zu erwähnen. Im ersteren Fall, mit dem Produzenten Munchi, sollte Azelias Version sogar käufliche Single werden – wie bemerkt ohne Erlaubnis. Das Ganze hat für Aufruhr in der elektronischen Musikszene gesorgt und ist sicher auch nicht an Baauer vorbei gegangen. Ich würde sagen, sie hat es sich verspielt. Zumal sie Baauers Song zu Anfang auch ohne Credits und unter anderem Namen als ihr Original gekennzeichnet hat.

  2. meme nicht mem omg

  3. Obern steht: “YouTube bietet Urhebern nämlich auch die Option, ihren Content in nicht autorisierten Werken durch eine Werbevermarktung zu monetarisieren.”

    Wie genau muss man sich das vorstellen? Wie nennt sich das Programm, das Youtube dazu anbietet? Woher weiss Youtube, welcher nichtautorisierte Beitrag wem zuzuordnen ist?

  4. Sehr interessant, was YouTube für Möglichkeiten bietet, seine Sachen zu vermarkten. Aber wie du ja schon sagst, was kümmern diese Chancen den Deutschen?

  5. Nicht mit jedem Hype kann man Geld verdienen, aber Schaden hat man als Künstler immer.

    • ja, und zwar nen hype zu machen, weil dann musste die scheisse die bei nem hype halt immer so rum kommt fuer den rest deiner, ich will daraus jetzt kapitalisieren phase beibehalten. wie bei malern, den armen teufeln. einmal style, bleibste geil. aber die definition muss man ja auch mal einbringen, und da ist fuer mich auch immer der knackpunkt.

      Ein Kuenstler klebt an seinem Werk … Gesellschaft vergisst langsamer als Urheberrecht. ob er will oder nicht, und da ist das deutsch Gesetz ja auch ziemlich explizit, man kann Urheberrecht nicht abtreten.

      Ob jetzt jemand vermarktet (freigabe) oder vermarktet (nicht freigabe) hat ja tatsaechlich nichts damit zu tun, wie sich der Typ der das da gemacht hat fuehlt nach seiner Kulturleistung, bzw. alle die das nachmachen. Und glaub mir, die angesprochene Dinosaurier GEMA wuerde sich in keinster Weise beschweren, dass sagen wir 10 man zu nem Konzert von ner Band oder Essemble aus 50 kommt. Weil das ist Elitenbildung und zwar auf Kulturebene. Da kann der Hyperaktiveman nicht viel gegen machen. In der Oper wird der nie auftreten, und die stehen nun mal noch. Inzest vs. Likezest … nunja, ich bleib fuers erste bei Inhalten, denen die Form egal bleibt.

      Im allgemeinen, wenn wir Meme als Schulfacheinfuehren wollen, dann muss man sich ueberlegen, warum Misswahlen noch nicht zum Lehrplan gehoeren.

      Zu allerletzt, eine lustige Anekdote, aus der Universitaet noch, auch um hier mal bloss zu stellen.

      1. Universitäts Kommunikation (UK) produziert einen Lip dub (… das ist ne Weile her)
      2. UK entscheidet sich den Song selber zu komponieren das die GEMA nicht verletzt wird … (????? wie dumm kann man ein Meme falsch verstehen)
      3. nach nur 100 klicks: der Studentenkörper protestiert und macht Remixe, von Techno Viking bis Bauhaus Porno Szenen
      4. UK sperrt die remake Videos bei Youtube
      5. Remixe landen bei Ruporn
      6. sagen wir mal, von Bauhaus zu Pornhaus in nur einer Kampagne…

      das nenne ich design/oder war es marketing, oder stellen die FAT Lab leute mittlerweile in offiziellen stellen an?

      danke fuer den Artikel, seit langem mal wenigsten wieder in die Sache ohne Brechreiz reindenken koennen.

    • Was für einen Schaden denn?

  6. Danke für diesen sorgfältige Analyse! Ich habe noch etwas ergänzt, das von Kirby Ferguson in seinem “Everything is a Remix” gut beschrieben wird:
    http://www.wosolldasallesenden.de/?p=1846

  7. Danke für den Artikel. Anhand der im Artikel skizzierten Vorgehensweise des Künstlers und des Labels ist zu hoffen, dass diesem Beispiel weitere folgen werden. Wie schon gesagt, ich finde Kirby Ferguson hat mit seiner 4-Teiligen Serie “Everything is a Remix” einige schöne Gedanken zu der gesamten Thematik beigetragen.

  8. In wie weit kann man bei einer (möglichen) monentarisierung des Verstoßes noch von Verstoß sprechen?

    • Naja juristisch gesehen ist es dennoch ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

    • ein Verstoß gegen das urheberrecht ist es doch nur, wenn die Leute die es verwenden behaupten sie hätten den song geschaffen.

  9. “Träumen wir einmal und stellen uns eine Welt mit einer kooperativeren GEMA vor [...]”

    Haha, davon trau ich mich noch nicht einmal zu träumen..

  10. Das mit dem “Harlem Shake” ist sicherlich eine nette, witzige Geschichte, wo diese Urheberrechtsgeschichte sicher irgendwie auch zu passt. Sie ist jedoch bezogen auf den Gesamtmusikmarkt vollkommen unrepräsentativ. Der Normalfall ist nämlich, dass sich aus so einem Titel eben KEIN Riesen-Hype entsteht, sondern eben als “ganz normale” Platten-Veröffentlichung gemacht wird. Da sieht dann die Kalkulation nämlich folgendermaßen aus: Der Musiker hat vielleicht einen Monat lang 1000 Euro für Miete, Lebenshaltungskosten und Einstellgebühren bei iTunes, Amazon etc. bezahlt, und ist nun darauf angewiesen, dass jetzt 1000 Leute den Download für 1 € kaufen – ansonsten macht er Minus. Nehmen wir mal an, diese Verkaufszahl würde gerade so eben zusammenkommen. Dann kommt der Musiker gerade so über die Runden. Jetzt kommt Youtube ins Spiel: Selbst auf deren FAQ-Seite ist nicht herauszufinden, wieviel Geld es für wieviele Video-Aufrufe gibt, ich meine aber mal gelesen zu haben, dass man mehrere Tausend Views braucht, um einen Euro zu verdienen. Von den 1000 Interessenten kaufen jetzt vielleicht nur noch 100 bei iTunes & Co, die restlichen 900 ziehen sich den Song bei Youtube. Dann kommen beim Musiker nur noch die 100 € aus dem Downloadverkauf und mit viel Glück noch 50 Cent oder 1 Euro aus der Adsense-Werbung rein. Das lohnt sich schlichtweg nicht. Schon vor 3 Jahren brachte der “Spiegel” einen hervorragenden Artikel zum Thema:
    http://spiegel.de/wirtsch…usiker-a-689372.html
    Wenn man also zufällig das “große Los” des Mega-Hypes zieht, kann das mit der Internet-Werbung tatsächlich funktionieren. In jedem anderen Fall scheint ein traditioneller Plattenvertrag immer noch das einzig Erfolgsversprechende zu sein. Wer in die zahllosen Musiker-Foren im Internet schaut, kann sehen, dass fast alle aufstrebenden Künstler/Bands versuchen, eine Plattenfirma an ihre Hand zu bekommen.

    DJ Nameless

    • Wieso sollte es auch der Normalfall sein, dass Musiker das große Los ziehen und allein mit der Produktion einiger Songs reich werden? Das war es noch nie und das wird es auch nie sein.

      Erfolgreich ist, wer Kreativität mitbringt. Sowohl künstlerisch, aber auch, was Distribution und einen Riecher für sich auftuende Möglichkeiten angeht.

    • Dass die 1000 Viewer bei YouTube zusätzliche Fans sind/werden, kommt dir nicht in den Sinn, oder?

      Und mal ehrlich, wenn du mit einem einzigen Song ein Monatseinkommen generieren willst, dann solltest du deine Ansprüche überdenken.
      Andere Leute schuften sich 8 Stunden pro Tag den Buckel krumm, um ein Einkommen von 1000 Euro zu generieren.

      Das ist bei Musikern wirklich auffällig: Die Erwartungshaltung, der Rest der Gesellschaft möge ihnen ihr Hobby finanzieren.

    • Das ist bei Musikern wirklich auffällig: Die Erwartungshaltung, der Rest der Gesellschaft möge ihnen ihr Hobby finanzieren.

      Yep. Wobei es womöglich nur eine kleine, aber lautstarke Zahl der Musiker ist, die so denkt.

    • Das soll doch nur ein Bsp von ihm sein. Eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Bevor man sich an die Arbeit macht muss man sein Kosten beziffern können, damit das Risiko nicht zu groß wird. Davon werden hier sicherlich nicht viele Ahnung haben…

      Hier wird einfach unterstellt, dass ein Musiker nur aus Hobby Musiker ist. Dass viele dieser Künstler (nicht nur Musiker) jahrelang von der Hand in den Mund leben und sich irgendwie durchschlagen müssen, wird halt gerne übersehen.

      Ich glaube nicht, dass hier jemand bereit wäre nur ein einzigen Monat ohne Lohn arbeiten zu gehen und dann sich bewerten zu lassen ob man gut oder schlecht war. So ne Art, “willst du von einem Monat arbeiten etwa reich werden? Hier hast 100eur.” Die Meisten die im Angestelltenverhältnis sind, haben Verträge, wo klar geregelt was man leisten muss und wieviel man verdienen wird. Warum darf auch nicht einen Künstler selber entscheiden lassen, was er mit seiner Arbeit machen will?

    • Martin Weigert schrieb:
      [quote]Wieso sollte es auch der Normalfall sein, dass Musiker das große Los ziehen und allein mit der Produktion einiger Songs reich werden? Das war es noch nie und das wird es auch nie sein.[/quote]

      Da kommt die Definition von “reich” ins Spiel. Mehrere Millionen mit einem einzigen Schlager zu scheffeln halte ich auch für völlig übertrieben. Aber es darf m. E. nicht so sein, wie im von mir verlinkten Spiegel-Artikel beschrieben, dass sich Musiker, von einzelnen Top-Stars abgesehen, nur mit einem Hungerlohn zrufrieden geben müssen. Alex beschrieb die Sache da schon besser:
      [quote]Eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Bevor man sich an die Arbeit macht muss man sein Kosten beziffern können, damit das Risiko nicht zu groß wird. Davon werden hier sicherlich nicht viele Ahnung haben… Hier wird einfach unterstellt, dass ein Musiker nur aus Hobby Musiker ist. Dass viele dieser Künstler (nicht nur Musiker) jahrelang von der Hand in den Mund leben und sich irgendwie durchschlagen müssen, wird halt gerne übersehen. Ich glaube nicht, dass hier jemand bereit wäre nur ein einzigen Monat ohne Lohn arbeiten zu gehen und dann sich bewerten zu lassen ob man gut oder schlecht war.[/quote]

      Besser kann man es nicht formulieren.

      DJ Nameless

    • Der Spiegelartikel beleuchtet nur die direkten Einnahmen der Künstler von den jeweiligen Plattformen, nicht jedoch die aus den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften, die natürlich immer fleißig mitkassieren.

      Tatsächlich steht es aber den Urheberrechtsinhabern frei, die Verwendung ihrer Kunst auf solchen Plattformen zu unterbinden bzw. sich erst gar nicht anzumelden.

      Aber wie so oft muss der Künstler schon ein Interesse daran haben, sein Werk möglichst vielen Menschen bekannt zu machen, damit die dann auch auf die Idee kommen können zu kaufen. Wenn ihn niemand kennt, dann kauft das natürlich auch keiner. Und wieviel Geld man ausgeben kann, um bekannt zu werden, davon können die Kunden der Werbeindustrie ein Lied singen.

  11. Wow, endlich mal eine gute Meldung, wenn es um Urheberrecht geht. Wäre echt schön, wenn es bei uns manchmal weniger Gema und mehr solche eigentlich schönen Meldungen gebe. Das mit dem Harlem Shake finde ich wirklich eine geniale Idee. Habe erst heute Morgen wieder ein Video bei Facebook gesehen, wo dieser Harlem Shake auch bei uns in Nürnberg nach gespielt wurde in einem Fast Food Restaurant:-))))

  12. Prinzipiell ein guter Weg um mit Kunst und Urheberschaft umzugehen. Jede Kopie bedeutet ja schon eine Verbreitung des eigenen Werkes. Aber wäre der Urheber auch so tolerant gewesen, wenn es die Werbemöglichkeit nicht gegeben hätte?

    Mich interessieren die Originale meist genauso wie deren Kopien, weil die Interpretation die Kunst erweitert und öffnet.

  13. Ich bin kein Freund der GEMA aber die Geschichte von Haarlem Shake basiert auf der sogenannten “Fair Use”-Regelung des us-amerikanischen Urheberrechts. Darin wurde festgelegt, dass ein kreatives, nicht wirtschaftlich ausgerichtetes Verwenden von urheberrechtlich geschützten Werken erlaubt ist. Diese Regelung gibt es bereits seit 1976 in den USA. Von daher ist auch die Azealia Banks-Debatte nachvollziehbar und im Rahmen, da die Fair-Use-Kriterien hier nicht mehr greifen.
    Das deutsche Urheberrecht hingegen hat keine derartige Fair-Use-Regelung. Auf diesem Urheberrecht fusst schlussendlich auch das gesamte Vorgehen der GEMA.

    • Ich kenne die Fair Use Regelung. Diese bedeutet aber nicht, dass jeder x-beliebige urheberrechtlich geschützte Song einfach in voller Länge in andere YouTube-Videos reingeschnippelt werden darf, ohne dass der Urheber dagegen etwas tun kann. Wie gesagt: Dank Content ID von YouTube können Urheber derartigen Content entweder blocken oder monetarisieren.

  14. Harlem Shake ist dank des Hypes in den USA auf der Nummer 1 der Billboard-Charts:
    http://crackajack.de/2013…2/22/harlem-shake-1/
    http://waxy.org/2013/02/i…arlem_shake_edition/

    Das sollte man nun wirklich als Beispiel jedem GEMA und Urhebermenschen in Deutschland unter die Nase reiben. Wenn man will, gibt es immer ganz viele Möglichkeiten. Aber da hier ja alte “Besitztümer” von Betonköpfen mit aller Gewalt verteidigt werden…

    • Es bestreitet ja auch keiner, dass das funktionieren kann. Hat ja bei Schnappi auch geklappt. Nur sollte man immer vom “Normalfall” ausgehen, dass dieser Mega-Hype eben NICHT entstanden wäre. Denn der “Harlem Shake” ist eigentlich eine stinknormale Underground-Electro/Dupstep-Scheibe, die ohne den Hype weltweit vielleicht wenn es hoch kommt einige wenige hundert Mal verkauft worden wäre. Und von so einem Normalfall muss man als Produzent eigentlich ausgehen. Wie ich schon einige Postings vorher schon erwähnt habe, macht man dann logischerweise eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung, bei der vielleicht rauskommt, dass man 500 zahlende Interessenten braucht, um eine schwarze Null zu bekommen. Nehmen wir mal an, diese 500 Leute, denen die Platte gefällt, existieren tatsächlich. Wenn aber von denen dann nur 450 zahlen, und 50 kostenlos saugen, geht die Rechnung schon nicht mehr auf. In der Praxis kommen freilich auf einen kommerziellen Download 10 oder 20 kostenlose/illegale. Für einen kleinen, mittelständischen Künstler ist das nicht mehr zu stemmen, damit zu überleben. Erst beim Superstar-Status gibt es das Geld. Baauer hat den Status halt zufällig erreicht. Man sollte aber, wenn man solche Rechnungen (“Geldsegen trotz/wegen Urheberrechtsverletzung”) aufstellt, immer erstmal von der Durchschnitts-Veröffentlichung, die keinen Hype auslöst, ausgehen.

  15. So kann man es auch machen! Ein modell für die Zukunft? Am ende haben so alle etwas davon!

11 Pingbacks

  1. myBasti sagt:

    Harlem Shake – Der neue Tanzhype nach Gangnam Style Art (Video)…

      Der Song “Harlem Shake” von “Baauer” alias Harry Rodrigues ist die Basis eines aktuellen Internet-Hypes. Alle Welt fühlt sich – ähnlich wie zuvor bei Gangnam Style – dazu berufen, zu dem Song mehr oder wenige …

  2. [...] schreiben Andere zum Thema: Netzwertig – Wie ein tolerierter Urheberrechtsverstoß dem Urheber einen Geldsegen beschert Schlecky [...]

  3. [...] Irgendeines  der Videos zum Thema “Harlem Shake” wird wohl jedem in den letzten Tagen über den Weg gelaufen sein, wenn nicht mehrere – oder sogar sehr, sehr viele. Ein weltweites Mem, jeden Tag werden Tausende neuer Varianten bei Youtube hochgeladen. Ein ziemlich durchgeknallter Spaß, alles im vermeintlich sinnfreien Bereich. Hat das denn mit Wirtschaft etwas zu tun, wenn Jugendliche mit zu viel Energie und Erwachsene mit zu viel Freizeit sich an einem Massenwitz beteiligen? Aber ja. [...]

  4. [...] daher rührt (ähnlich wie beim Gangnam Style), dass die Urheber NICHT auf ihre Rechte pochen, erklärte Netzwertig (via [...]

  5. [...] Harlem Shake kann man stehen wie man will, interessant ist auf jeden Fall, dass Baauer mit jedem Klick auf ein Harlem Shake Video Geld verdient und dass das in Europa wegen des Urheberrechtsverstosses  wohl kaum möglich gewesen [...]

  6. [...] #DFRK. Manchmal ist der Platz zu eng und die Schweiz hat´s begriffen. Deutschland nicht. Dafür shaken wir (vielleicht ja auch auf dem DFRK?), mit neuer Brille und ohne “Leistungsschutz”? [...]

  7. [...] noch ein paar ganz interessante Betrachtungen zum Harlem Shake Mem lesen möchte, kann dies z.B. hier oder hier [...]

  8. [...] sind. Songs und Bilder werden oft als Basis genommen. So auch beim Harlem Shake. Für seinen Komponisten Baauer bedeutete das ein Geldsegen. Ähnlich war es zuvor auch schon beim Gangnam Style oder den Lip-Sync Videos von Call Me [...]

  9. [...] uns drauf hingewiesen, dass DJ Baauer Urheberrechtsverstöße scheinbar nicht nachgeht. Nachzulesen bei netzwertig.com. Danke für den [...]

  10. [...] Was hat das jetzt alles mit Harlem Shake zu tun? Artikel von Martin Weigert bei Netzwertig.com –> Wie ein tolerierter Urheberrechtsverstoß dem Urheber einen Geldsegen beschert [...]

  11. […] and here is another interesting link discussing “Monetisation” versus “Locking” (DE): http://netzwertig.com/2013/02/19/harlem-shake-wie-ein-tolerierter-urheberrechtsverstos-dem-urheber-e… […]

 
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