Windige Flirtplattform:
Wie Nutzer auf die Smudoo-Abzocke reagieren sollten

Immer wieder melden sich Nutzer bei uns, die sich mit Forderungen der dubiosen Flirtplattform Smudoo konfrontiert sehen. Ein Experte gibt Ratschläge zur richtigen Verhaltensweise.

Jedes Jahr veröffentlichen wir hunderte Artikel über spannende Startups sowie unsere Welt verändernde Digitaltrends. Doch der im vergangenen Jahr am häufigsten aufgerufene Text auf netzwertig.com handelt von einem ganz und gar nicht faszinierenden oder wegweisenden Unternehmen oder Phänomen. Statt um Innovation geht es um Abzocke unbedarfter Nutzer, die sich in freudiger Erwartung eines prickelnden Flirts bei dem “dubiosen Badoo-Klon” Smudoo anmelden und mit unaufgeforderten E-Mails und Zahlungsaufforderungen konfrontiert werden.

Unsere Geschichte über Smudoo könnt ihr hier nachlesen. Auch wenn die Site beim ersten Aufrufen einen harmlosen Eindruck machen mag: Sie dient lediglich als Fassade, um Nutzer zur Registrierung und dem darauf folgenden Abschluss einer kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft zu bewegen. Schon um die von angeblichen Mitgliedern an einen gesendeten Nachrichten lesen zu können, ist ein Abo erforderlich. Das zehntägige Testpaket kostet 1,99 Euro per Bankeinzug – und verlängert sich jeweils um vier Wochen zum Preis von 39,96 Euro, sofern man nicht einen Monat vorher kündigt – was bedeutet, dass das Testpaket grundsätzlich um mindestens einen Monat verlängert wird.

Der beste Rat an alle Flirtwilligen ist es, sich von einem Angebot wie Smudoo fernzuhalten. Scheint bei der Registrierung noch alles einigermaßen seriös zuzugehen, sollten spätestens bei den kundenunfreundlichen Konditionen die Alarmglocken klingeln. Doch augenscheinlich gibt es genug Nutzer, welche die Konditionen, den für ein derartiges Angebot sehr unüblichen Firmensitz im fernen Kuala Lumpur sowie die wenig vertrauenerweckende Optik im Stile der ganz frühen 2000er Jahre nicht davon abhalten, für Smudoo das Portemonnaie zu öffnen.

Verunsicherte Nutzer

In den vergangenen Monaten und Wochen haben sich zahlreiche Personen in den Kommentaren zu unserem Beitrag gemeldet, die (oder deren Kinder) sich auf das Testpaket einließen und anschließend einen kaum überraschend ineffizienten Kündigungsprozess über sich ergehen lassen mussten, Inkassoforderungen inbegriffen. Viele andere Nutzer berichten von Spam-Mails aus dem Hause Smudoo, die vorgeben, jemand hätte ihnen bei Smudoo eine Nachricht geschickt, obwohl sie dort gar kein Konto besitzen. Einige User beschreiben sogar, dass Name und Herkunft von in der Mail genannten angeblich Nachrichten verschickenden Smudoo-Mitgliedern mit tatsächlichen Personen aus dem Bekanntenkreis übereinstimmen. Das kann Zufall sein, es ist jedoch nicht auszuschließen, dass Smudoo sich auf irgendeinem Weg an Namen aus dem zu E-Mail-Adressen gehörenden Facebook-Kontaktnetz bedient.

Zwei Strategien gegen Abzocke

Wir haben Adrian Fuchs vom Verbraucherportal Abzockenews.de um Ratschläge zur Verhaltensweise im Bezug auf Smudoo und ähnliche Angebote gebeten. Fuchs thematisiert auf seiner Site das Treiben von Onlineschurken, Abmahnern und dubiosen Webfirmen und versorgt Betroffene mit Informationen und Hinweisen, um sich vor unerfreulicher Post und ungerechtfertigten Rechnungen zu schützen.

Fuchs skizziert zwei unterschiedliche Strategien, sofern man nicht nachvollziehbare Rechnungen erhalten hat. Eine Option ist, einen von den Verbraucherzentralen empfohlenen Musterbrief zu verwenden und Widerspruch gegen eintreffende, unangemessen erscheinende Forderungen einzulegen. Alternative kann man sie schlicht ignorieren. Fuchs hält diesen Ansatz für sinnvoller, da auf diese Weise nicht eine Verifizierung der eigenen Identität erfolgt (die im schlimmsten Fall neuerliche Spammails und Abzockversuche nach sich zieht).

Ignorieren als Option

Nach Fuchs’ Erfahrung ist ein Ignorieren von unberechtigten Forderungen der beste Weg, irgendwann von den Cyberbetrügern in Ruhe gelassen zu werden. “Es gibt immer genug User, die eben doch bezahlen werden. Wer also nicht bezahlt, kann sein Geld in der Regel behalten”. Bis dahin müssen Betroffene allerdings mitunter verschiedene Zahlungsaufforderungen vom Anbieter, von Inkassobüros und/oder Inkassoanwälten über sich ergehen lassen, die im Ton auch sehr harsch werden können.

Wer also Smudoo auf dem Leim gegangen ist und, wie von einigen Leserinnen und Lesern geschildert, trotz Widerruf des Vertrags oder fristgerechter Kündigung weitere Abbuchungen durch das Unternehmen feststellt, hat die Möglichkeit, diese bei seiner Bank rückgängig zu machen. Das kann besagte Zahlungsaufforderungen per Post oder E-Mail nach sich ziehen, auf die dann wie oben beschrieben zu reagieren (oder nicht reagieren) ist. Weitere Informationen zur Vorgehensweise und zu den juristischen Hintergründen finden sich nicht nur bei abzockenews.de sondern auch auf zahlreichen anderen Portalen.

Es ist bedauerlich, dass einige wenige Individuen das Web dazu nutzen, ahnungslose Anwender über den Tisch zu ziehen. Einstmals mit Dialern, die während der Internetnutzung teure Mehrwertnummer anriefen, und heute mit windigen, hochpreisigen “Premiumangeboten”, die nichts als heiße Luft bieten. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen: Es handelt sich nur um eine vergleichsweise kleine Zahl an Personen, die hinter den meisten Abzockangeboten und dazugehörigen internationalen Briefkastenfirmen stecken. In der Regel reicht gesunder Menschenverstand sowie ein Minimum an Interneterfahrung aus, um unseriöse Abzockerangebote zu identifizieren, noch bevor man ihnen die Kontodaten ausgehändigt hat. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Derzeit erhalten Nutzer unaufgefordert Mails, die auf eine Datingplattform namens Smudoo aufmerksam machen. Was auf den ersten Blick nach einem deutschen Badoo-Klon aus der Feder eines bekannten Inkubators aussieht, entpuppt sich als Fassade.

2 Kommentare

  1. Ich habe die Nase voll von solchen Abzockern. Das die Leute sich morgens noch im Spiegel anschauen können. Ich will doch mein Geld durch Leistung verdienen. Naja, aber das bringt das Internet so mit sich. Es bietet den perfekten Schutz. Eine Wand sozusagen, bei der man seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen muss. Aber das schlimmste dabei ist, wenn mal wieder ein Reporter die Verantwortlichen zur Rede stellt, ist sich keiner einer Schuld bewusst. Traurige Welt.

  2. Dieses Problem betrifft leider uns alle, sei es als Privatperson oder Unternehmen. Das fängt bei gefakten Handelsregistereinträgen an und hört bei Branchenbuchanmeldungen auf, die beim Durchlesen des Kleingedruckten locker 400 € pro Eintrag kosten. Leider haben wir auch gefakte Mahnungen zu angeblichen Online-Käufen per E-Mail in gebrochenem Deutsch erhalten. Jeder sollte wissen, dass eine Mahnung lediglich in Schriftform bzw. als Brief rechtlich gültig ist. Darüber hinaus sollte man trotzdem immer alles genauestens überprüfen und nicht in Panik geraten!

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