myTaxi schickt Smartphone-Cardreader ins Rennen:
Taxifahrer sollen alle Kartenzahlungen über myTaxi abwickeln

Ab März können Taxifahrer in Deutschland, Spanien und den USA mit myTaxi Kartenzahlungen der Fahrgäste abwickeln, selbst wenn die Touren nicht über die App des Hamburger Startups vermittelt wurden.

Wir würden ja gerne einmal eine kurze Pause einlegen, was Berichte über Smartphone-Kreditkartenmodule und mobiles Bezahlen angeht. Doch die Branche lässt uns keine Ruhe. Bei einer aktuellen Meldung steht zudem eines der momentan erfolgreichsten und populärsten Startups aus Deutschland im Mittelpunkt, nämlich der Taxivermittler myTaxi. Im Dezember konnte VentureVillage exklusiv verkünden, dass myTaxi an einem eigenen Kartenlesemodul für Smartphones arbeitet, um Taxifahrern ein separates Kartenterminal zu ersparen. An Details mangelte es bisher jedoch. Jetzt hat myTaxi-Macherin Intelligent Apps aus Hamburg den Vorhang gelüftet und uns Informationen zu der Neuerung zukommen lassen.

Kostenloser Kartenleser

Ab März können die über 20.000 Taxifahrer, die myTaxi zur Fahrgastvermittlung verwenden, von dem Startup ein kostenloses Kartenlesemodul beziehen. Dieses unterstützt im ersten Schritt MasterCard und EC-Karten und funktioniert unabhängig davon, ob der Fahrgast seine Reise über die myTaxi-Applikation oder klassisch über eine Taxizentrale gebucht hat. Die Transaktionsgebühr beträgt für den Fahrer marktübliche 2,75 Prozent vom Umsatz. Nachdem der Fahrer den Fahrpreis auf seinem Smartphone eingetippt und die Karte des Passagiers eingelesen hat, unterschreibt der Gast mit seinem Finger, ergänzt die Summe um ein eventuelles Trinkgeld und bestätigt die Zahlung. Auf Wunsch kann er sich per E-Mail eine Quittung zusenden lassen.

Keine Unterstützung von EMV-Chips

Das myTaxi Kartenmodul liest in seiner derzeitigen Ausführung nur Magnetstreifen und nicht den in Europa zunehmend verbreiteten EMV-Chip. Da es sich bei Chips im Gegensatz zu Magnetstreifen um Miniaturcomputer mit eigener Rechenleistung handelt, ist davon auszugehen, dass Chip-Reader in der Fertigung teurer sind als solche, die lediglich den Magnetstreifen auslesen, und dass myTaxi zum Debüt deshalb die günstigere Variante gewählt hat – immerhin soll sie sie an die Taxifahrer gratis ausgehändigt werden. myTaxi hat den Kartenleser zusammen mit dem Zahlungsdienstleister Wirecard entwickelt, nutzt also nicht eine der Plattformlösungen, die in letzter Zeit von Startups ins Rennen geschickt wurden.

All-in-one-Lösung für Fahrer

Bei den Elbstädtern sieht man den myTaxi Kartenleser als weiteren Schritt hin zu einer All-in-one-Lösung für Fahrer. Aus Sicht des Unternehmens ist der neue Service eine Loyalitäts- und Fahrerakquisitionsmaßnahme. Während es Fahrgästen relativ egal sein kann, ob sie ihre Kartenzahlung über ein klassisches Terminal oder einen auf das Smartphone aufgesteckten Aufsatz durchführen – solange es sicher ist -, animiert der neue Dienst Fahrer dazu, im Alltag noch häufiger die myTaxi-Applikation einzusetzen – selbst dann, wenn sie auf herkömmliche Weise über Zentralen vermittelte Fahrten durchführen. Gleichzeitig dient er als zusätzliches Argument für zögernde Fahrer, die Services von myTaxi doch einmal auszuprobieren.

Ob sich der Einsatz des myTaxi Kartenlesers für Fahrer finanziell lohnt, hängt von der Häufigkeit der Kartenzahlungen sowie den Konditionen des Kartenterminalanbieters ab. Für Zahlungen mit EC-Karten liegt die übliche Autorisierungsgebühr bei weniger als einem Prozent vom Umsatz und damit deutlich unter den pauschalen 2,75 Prozent, die Fahrer bei Kartenzahlungen über myTaxi abführen müssen. Dafür entfallen sämtliche Kauf-/Leih- und Betriebskosten für das Terminal.

Das myTaxi Kartenmodul ergänzt das von den Norddeutschen im Sommer 2012 vorgestellte myTaxi-Payment-Verfahren, das Fahrgästen bei über myTaxi gebuchten Touren das Zahlen direkt über die App erlaubt. Lediglich einmal müssen dazu die Karten- beziehungsweise Kontodaten im myTaxi-Mitgliederbereich hinterlegt werden.

Ab März können Taxifahrer in Deutschland, Spanien und den USA den myTaxi Kartenleser nutzen. Die anderen drei myTaxi-Märkte Österreich, Schweiz und Polen folgen später. Laut Unternehmensangaben haben sich mehrere tausend Fahrer für das Kartenmodul vorregistriert.

Ende 2012 hatte das Berliner Startup payleven angekündigt, im Rahmen eines Tests mit dem Taxiverband Berlin (TVB) einige Fahrzeuge mit einem mobilen Kartenlesegerät auszustatten. Eine direkte Konkurrenz zu myTaxi stellt dies jedoch nicht dar, da es tatsächlich nur um Zahlungen geht. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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4 Kommentare

  1. ich weiss nicht ob es nur mir so geht,
    aber Kreditkarten kommen bei mir nur in halbwegs amtliche Kartenlesegeräte. Solch ein smartphone Aufsatz ist doch das ideale Handwerkszeug für Kleinkriminelle die sich damit Kartenkopien verschaffen… Nein Danke

  2. Man sollte schon zwischen EC-Karten und Kreditkarten differenzieren.
    Erstere sind über eine PIN-Nummer geschützt, bei letzterer reicht die bloße Kenntnis einer Kreditkartennummer für Missbrauch aus.

    Kartenlesegeräte für EC-Karten sind seit Jahren erprobt (u.a. im Einzelhandel) und hinreichend sicher.

    Smartphone-Apps, die dem Original von aussen identisch sind und die sämtliche Kartendaten zur späteren Decodierung auslesen kann jeder Hobbyentwickler basteln.

  3. Also in unsere Unternehmen wird schon seit einigen Monaten mit Smartphone und Karteneser gearbeitet, und das ohne Probleme.

    Zur Zeit arbeiten wir mit dem Unternehmen SUM UP zusammen und es klappt einwandfrei, dort wird aber schon mit dem Chip auslesen geaarbeitet und auch das it topp

    Also Kollegen ihr könnt dem vol vertrauen.

    MfG Frank

  4. Was für ein Blödsinn – mT kann seit Wochen nicht liefern. Grund sind wahrscheinlich technische Schwierigkeiten.
    Wie immer bei so jungen Startups bekommen halt die Leute einfach die Technik nicht in den Griff.
    Braucht keiner und bringt nichts.

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