Im Laden mit dem Smartphone bezahlen:
SumUp kopiert Square Wallet, alle anderen werden folgen

Es war nur eine Zeitfrage, bis die innovative Smartphone-Bezahllösung Square Wallet von einem europäischen Startup nachgeahmt werden würde. SumUp aus Berlin will den Anfang machen. Die Konkurrenz wird folgen.

Vor sechs Tagen beschrieb ich, wie Smartphone-Kartenlesemodule nach dem Vorbild des US-Startups Square von einer magisch anmutenden Innovation zu einer Commodity wurden, und wie der von einigen europäischen Square-Nachahmern eingeschlagene Plattformweg die einzige Möglichkeit darstellt, mit der Verwandlung von Mobiltelefonen in Kartenleseterminals ein dauerhaft attraktives Business aufzubauen. Mit dem Anbieten eines Cardreader-Moduls für Smartphones allein lässt sich angesichts des massiven Wettbewebs nicht viel erreichen.

Eine andere Option für die Startups in diesem Sektor, die eigenen Wachstumsaussichten zu verbessern, liegt in der Erschließung neuer Marktsegmente und speziell darin, sich nicht länger nur auf den B2B-Markt zu fokussieren sondern auch Endkonsumenten direkt anzusprechen. Genau diesen Schritt vollzog Branchenprimus Square mit seiner App “Pay with Square”, die mittlerweile Square Wallet heißt. Dabei handelt es sich um eine Anwendung für Verbraucher, die in unterstützten Geschäften die Zahlung ohne Bargeld oder Kreditkarte ermöglicht.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis einer der europäischen Square-Konkurrenten sein Geschäftsfeld auf ähnliche Weise erweitern und dabei abermals auf den Pfaden von Square wandeln würde. Das Berliner Startup SumUp will den Anfang machen: VentureVillage und Computerwoche berichten, dass SumUp-Geschäftsführer Stefan Jeschonnek am gestrigen Dienstag auf der Finovate-Konferenz in London eine neue Anwendung mit Namen SumUp Pay demonstriert hat, die vom Prinzip haargenau Squares Wallet-Lösung entspricht.

Nutzer der App hinterlegen nach der Installation einmalig ihre Kontodaten und ein Foto. SumUp Pay läuft dann permanent im Hintergrund und informiert das System nutzende Geschäftsinhaber über eine spezielle Händler-App, wenn ein Kunde ihr Lokal betritt. Will dieser bezahlen, reicht für das Ladenpersonal ein Blick auf das Foto, um die Identität zu verifizieren. Der jeweilige Kassenbetrag wird dann vom Konto des SumUp Pay-Anwenders abgebucht. Der Vorzug eines solchen Verfahrens liegt nicht nur darin, dass Kunden weder Bargeld noch Debit-/Kreditkarten mit sich herumtragen müssen. Da das Personal im Geschäft neben dem Foto auch den Namen sowie eine Historie in der Vergangenheit im jeweiligen Laden erworbener Produkte aufgeführt bekommt, kann es den Verkaufsprozess deutlich stärker personalisieren, etwa Kunden mit ihrem Namen begrüßen und ihnen Sonderangebote empfehlen, die zu ihren Präferenzen passen. “Es geht um ein persönlicheres Einkaufserlebnis und Kundenpflege”, sagte SumUp-Chef Jeschonnek der dpa laut Computerwoche. Derzeit befindet sich SumUp Pay in einer Test-Phase und soll im Laufe des Jahres offiziell lanciert werden.

SumUp erhöht damit nochmals das Tempo im ohnehin schon harten Konkurrenzkampf der mobilen Zahlungsanbieter, und hier speziell der Square-Nachahmer. So lange Square mit dem Sprung über den großen Teich zögert, werden die Wettbewerber in Europa Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sich Marktanteile zu sichern. Immerhin bietet sich die Aussicht auf einen vorzüglichen Exit an Square – erst recht, wenn es einem Anbieter gelingt, in Europa ein engmaschiges Netz an Geschäften aufzubauen, die eine Lösung im Stile von Square Wallet unterstützen.

Die Ankündigung einer entsprechenden Lösung von SumUp heißt natürlich noch nicht, dass die Hauptstädter tatsächlich als Erste einen solchen Dienst debüttieren werden. Johan Bendz, Marketingchef beim SumUp-Wettbewerber iZettle, erklärte mir vor einiger Zeit im Gespräch, dass man bei dem schwedischen Unternehmen wenig davon halte, Neuigkeiten zu verkünden, wenn bis zur tatsächlichen Verfügbarkeit noch Monate vergehen. Gefragt, ob iZettle ebenfalls an einer Lösung im Stile von Square Wallet arbeitet, hieß es von Bendz heute lediglich: “kein Kommentar”.

Letztlich wäre es eine Überraschung, wenn die europäischen SumUp-Kontrahenten NICHT an einem Produkt im Stile von Square Wallet arbeiten würden. Zwar bestätigt die Imitation des Services abermals die Vorreiterrolle der US-Digitalbranche, aber das wird die Investoren und Gründer der hiesigen Startups nicht daran hindern, die lukrative Öffnung ihrer Angebote für Endkonsumenten voranzutreiben. Nachdem SumUp den Startschuss für die nächste Stufe des Square-Nachbaus gegeben hat, werden ähnliche Meldungen des Wettbewerbs nicht lange auf sich warten lassen. Zwar ist nicht klar, ob Konsumenten in Europa reif für die stückweite Aufgabe ihrer Privatsphäre und Anonymität beim Einkauf sind. Doch es gar nicht erst auszuprobieren, während die Konkurrenz voranprescht, würde einer vorzeitigen Kapitulation gleichkommen. Ich habe auch bei Payleven nachgefragt, ob es ähnliche Pläne hegt wie SumUp, und aktualisiere diesen Beitrag im Falle einer Antwort.

Das beschriebene Konzept ist freilich nur eines von vielen, das dem mobilen Bezahlen in Geschäften zum Druchbruch verhelfen soll. Unter anderem planen derzeit auch barcoo und Sqwallet einen gemeinsamen Vorstoß in dieses äußerst angesagte Segment. /mw

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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