Freunde in der Umgebung anzeigen:
Facebook fördert persönliche Zusammentreffen

Facebook plant die Veröffentlichung einer separaten Anwendung, die Freunde in der Nähe anzeigt. Viele Startups sind schon an der Idee der “People Discovery” gescheitert. Doch Facebook hat bessere Erfolgschancen.

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Ich bin ein Anhänger der Idee, unterwegs mit gleichgesinnten, interessanten und kommunikativen Menschen ins Gespräch zu kommen – zumindest in Situationen, in denen mir danach ist. Sämtliche bisherigen Versuche junger Startups, erfolgreich Apps rund um dieses als “People Discovery” bezeichnete Konzept zu etablieren, sind jedoch gescheitert. Vor fast einem Jahr erschienen im Vorfeld der populären SXSW-Konferenz im texanischen Austin eine ganze Reihe an derartigen Anwendungen, die jedoch – wie etwa Highlight – bis heute nicht aus ihrer Nische ausbrechen konnten – oder wie Glancee übernommen wurden. Alle unabhängigen, bei null Nutzern beginnenden Anbieter in diesem Segment leiden erheblich unter dem Henne-Ei-Problem. Die Novität des Ansatzes, die hohe Akkubeanspruchung von permanent den Standort abfragenden Apps sowie Datenschutz- und Privatsphäre-Bedenken der Nutzer verstärken dieses Dilemma. Auch Googles Dienst Latitude hat sich bis heute nicht durchsetzen können.

Die besten Chance, das standortabhängige Entdecken von Menschen in der Umgebung salonfähig zu machen, ohne dass dabei explizit die Anbahnung von Flirts im Vordergrund steht (wie bei Badoo, Lovoo), haben Anbieter, die bereits über eine kritische, untereinander vernetzte Nutzermasse verfügen und damit zumindest eine Hürde weniger aus dem Weg räumen müssen. Entsprechend prädestiniert für einen solchen Service ist ergo Facebook, das mit einer Milliarde aktiven Mitgliedern größte soziale Netzwerk der Welt. Einem Bloomberg-Bericht zufolge plant das Unternehmen im März die Veröffentlichung einer eigenständigen Smartphone-Anwendung, die in die beschriebene Richtung geht.

Unbestätigt, aber sehr wahrscheinlich

Noch handelt es sich bei der Meldung um ein nicht von Facebook bestätigtes Gerücht, das allerdings von Bloomberg sehr selbstbewusst vorgetragen wird und auf Aussagen von zwei Insidern basiert. Da eine entsprechende Initiative aus Sicht des Social Networks strategisch äußerst sinnvoll wäre, halte ich ein grundsätzliches Vorhaben dieser Art für sehr wahrscheinlich, zumal Facebook mit der Akquisition des eingangs erwähnten Startups Glancee passendes Know-how eingekauft hat.

Die separate Anwendung soll laut der Meldung den Standort von Nutzern ermitteln und aktuell in der Nähe befindliche Facebook-Freunde anzeigen, welche die App ebenfalls nutzen. Völlig unbekannt ist eine solche Funktionalität für Facebook-Mitglieder nicht. In den ersten Monaten nach der Einführung des Check-In-Features war es möglich, einen gesonderten Überblick über die jüngsten Check-Ins der Freunde abzurufen. Später verschwand diese Option. Im Sommer 2012 dann tauchte für einige Stunden eine “Find Friends Nearby”-Funktion in der mobilen Facebook-Präsenz auf, die Freunde in der Nähe auflistete. Das Feature wurde kurz darauf wieder abgeschaltet. Es habe sich um einen Test gehandelt, so der Kommentar von Facebook.

Separate App vermeidet Datenschutzsorgen

Derartige Tests scheinen nun nahezu abgeschlossen zu sein, weshalb die Veröffentlichung näher rückt. Die Tatsache, dass der Service wie schon zuvor Facebook Messenger und Facebook Camera in Form einer eigenständigen mobilen App daherkommt, trägt der hohen Sensibilität Rechnung, welche die Freigabe und das permanente Bereitstellen von Standortdaten mit sich bringt. Nur wer die neue Anwendung installiert, gibt Facebook das Recht zum kontinuierlichen Location-Tracking und dazu, von Freunden gefunden zu werden.

Wie immer, wenn Facebook einen weiteren Schritt hin zu noch mehr Datensammelei macht, ist aus Presse- und Datenschützerkreisen einiges an Kritik zu erwarten. Während die absehbare Ablehnung einer Location-Tracking-Funktion auf Seiten von Facebook-Skeptikern nachvollziehbar erscheint, verändert sie für aktive mobile Facebook-Anwender nur wenig: Schon jetzt verraten diese dem Konzern durch mit Geodaten verknüpfte Status Updates, Fotos und private Nachrichten regelmäßig ihren Standort. Teilweise so oft, dass sie davon ausgehen sollten, dass Facebook ohnehin eine recht gute Vorstellung davon hat, wo sie sich im Tagesverlauf so aufhalten. Eine transparente Standort-Überwachung, die sich auf Wunsch deaktivieren lässt (eine unerlässliche Option, schon aus Gründen des Akkumanagements), wirkt da nicht wie ein zusätzlicher Eingriff in die Privatsphäre.

Jede auf spezielle Nutzungsszenarien ausgerichtete Facebook-Anwendung ist bis zu einem gewissen Maße ein Experiment. Bevor das soziale Netzwerk allen Anwendern ein neues Feature vorsetzt, testet es dies mit einer Gruppe freiwilliger, neugieriger Nutzer. Sollte das Anzeigen von Freunden in der Nähe bei der Nutzerschaft gut angekommen und sich positiv auf die Einsatzdauer der App und die Interaktionen zwischen Facebook-Kontakten auswirken, wird das Social Network eine Integration in die allgemeine Smartphone-App ins Auge fassen. Dann hoffentlich als Opt-In-Feature.

Erweiterung auf “interessante Personen” liegt nahe

Auch wenn der initiale Funktionsumfang Bloomberg zufolge nur die Darstellung von Freunden in der Nähe beinhaltet, so liegt eine spätere Erweiterung auf “interessante Personen”, mit denen einen gemeinsame Interessen verbinden, nahe. Gestartet mit der Mission, im “realen Leben” einander bekannte Menschen online zu vernetzen, muss Facebook mit zunehmender Marktsättigung und erfolgter Abbildung des kompletten Social Graph der Nutzer seinen Schwerpunkt erweitern, um die Zahl der Interaktionen kontinuierlich zu steigern. Eine separate App, die das persönliche Kennenlernen anderer Facebook-Mitglieder in der Nähe erlaubt, wäre dafür ein probates Mittel, und gleichzeitig eine klare Botschaft an alle, die gerne bemängeln, soziale Netzwerke würden Vereinsamung und Isolation fördern.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Facebook entwickelt sich damit allerdings immer weiter zu einer Ersatz-Vorratsdatenspeicherung – mit viel mehr Möglichkeiten als das Original. Hoffentlich wird es eine Opt-In-Funktion, aber bei Facebook habe ich da wenig Hoffnung.

  2. As Facebook is about your existing friends and connections, it’s hard to imagine them entering the social discovery (new friends and connections) space. I expect Facebook to release something more akin to a mix of Apple’s Where’s My Friends and Foursquare.

  3. Ich hoffe nun sind auch langsam die leichtsinnigen Benutzer dieser Überflüssigen und Wertlosen Seite bekehrt und werden sich endlich von FB abwenden.
    Wer jetzt noch auf FB bleibt ist wirklich selber Schuld und sollte eine hohe Strafe wegen nicht auszuhaltender Dummheit bekommen lol
    Ich habe FB schon seit dem ersten Tag misstraut, bzw habe seit dem ersten Tag die absolute Wertlosigkeit in FB erkannt. FB R.I.P.

vgwort