Telekom erwägt Einstieg bei Fon:
Die längst überfällige Einheit aus Festnetz und Mobilfunk

Die Telekom erwägt einen Einstieg bei der WLAN-Community Fon. Ziel wäre eine Entlastung der eigenen Mobilfunknetze. Die Herausforderung liegt vor allem in der eigenen Produktbürokratie: Bislang haben die Bonner es nicht geschafft, Festnetz und Mobilfunk in einem Tarif zu vereinen.

Die Idee wird seit einiger Zeit lebhaft diskutiert: Steigende Nutzerzahlen und immer höherer Datentraffic jedes einzelnen überlasten die Mobilfunknetze und erfordern höhere Kapazitäten, als man mittelfristig nachschießen kann. Warum also nicht die Brücke zwischen Festnetz und Mobilfunk schlagen und das oft brach liegende WLAN in die Netzversorgung mit aufnehmen? Damit könnten Mobilfunkkunden unterwegs Daten über die WLANs ihrer Mitmenschen herunterladen, als Ergänzung zum teuren und ausgelasteten Mobilfunknetz. Das plant die Telekom jetzt über einen Einstieg bei der WLAN-Community Fon. Sie könnte damit ein lange aufgeschobenes Problem bearbeiten, was in Deutschland bislang kaum ein Provider zufriedenstellend gelöst hat: Mobilfunk und Festnetz vereinen.

Es kann für einen Mobilfunkanbieter zumindest nicht schaden, Kapazitäten der WLAN-Community Fon mit aufzunehmen: Mit Hilfe eines Fon-Routers kann jedes Mitglied einen Teil seiner WLAN-Bandbreite freigeben und damit Geld verdienen oder das Recht erwerben, andere Fon-Hotspots kostenlos zu nutzen. Sieben Millionen Hotspots stehen Fon-Nutzern mittlerweile weltweit zur Verfügung. Es hat ein wenig gedauert, aber zuletzt haben immer mehr kommerzielle TK-Anbieter im Ausland dieses Potenzial erkannt. Sie kooperieren mit dem Netzwerk als Partner und nutzen die gegenseitigen Potenziale ihrer Netze. Laut einem Bericht des Wall Street Journals vom Wochenende könnte die Telekom mit Fon kooperieren oder bei dem spanischen Unternehmen sogar einsteigen.

Stark in Belgien, UK und Japan

Weit verbreitet sind Fon-Hotspots mittlerweile vor allem in den drei Ländern: In Belgien kooperiert der Mobilfunkprovider Belgacom mit dem Netzwerk und kombiniert das Netz aus eigenen Hotspots mit denen der Fon-Community. In Japan macht der TK-Riese Softbank das gleiche. Kunden erhalten beim Kauf eines Tablets oder Smartphones einen Fon-Router gleich dazu. In UK bietet die Kooperation zwischen dem Mobilfunkriesen British Telecom (BT) und Fon ebenfalls ein sehr engmaschiges Netz von Hotspots. Für die Niederlande verkündete Fon erst in der vergangenen Woche eine Kooperation mit dem dortigen TK-Anbieter KPN, der gleichzeitig Muttergesellschaft der deutschen Eplus-Gruppe ist.

Interessant wäre ein Einstieg bei Fon für die Telekom unter anderem in UK. Die dortige Tochter T-Mobile UK ging 2010 ein Jointventure mit dem Mobilfunkprovider Orange UK ein. Nach eigenen Angaben entstand dadurch der größte britische Mobilfunknetzbetreiber Everything Everywhere, der derzeit ein LTE-Netz in UK aufbauen will. Könnte man dabei auch noch die Kapazitäten von Fon nutzen, könnte man in UK in der Tat ein fast nahtloses 4G-Netz anbieten.

Bislang keine Synergie zwischen Festnetz und Mobilfunk

In Deutschland stellt sich die Sachlage etwas anders dar: Fon-Hotspots sucht man in den meisten Städten mit der Lupe. Selbst für Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Köln findet der Fon-Hotspot-Finder nur einige Dutzend Netzwerke. Würde die Telekom ihr eigenes Hotspot-Netz mit 11.000 Standorten und vor allem einigen ihrer 11 Millionen Festnetzanschlüsse mit einbringen, könnte das der Community in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Wollte man Nutzer dazu bewegen, ihre Bandbreite mit anderen zu teilen, könnte man ihnen das vor allem über kostenlose Router und finanzielle Anreize schmackhaft machen. Ein lukrativer Anreiz wäre etwa, Kunden einen Teil ihrer Grundgebühr zu erlassen, wenn Sie ihren Anschluss mit anderen Kunden teilen. Die Telekom würde auf lange Sicht profitieren, in jedem Fall wäre es allerdings für sie mit hohen Investitionen verbunden.

Und Netzentlastung wäre nur einer der Gründe für einen möglichen Einstieg bei Fon. Würde man über eine Beteiligung auch das Recht erwerben, die Netze der anderen Fon-Partner mitzunutzen, dann könnte die Telekom ihren Kunden in Zukunft auch für Reisen ins Ausland einiges bieten. Größte Herausforderung der Telekom ist allerdings ihre eigene Produktpolitik. Drei Jahre nach der Wiedereingliederung von T-Mobile hat man es noch immer nicht geschafft, einen Kombitarif aus Festnetz und Mobilfunk zu schnüren. Beide Unternehmenseinheiten laufen nach wie ohne wesentliche Synergien nebeneinander her statt miteinander Hand in Hand. Eine Integration von Fon wäre damit auch eine Chance des trägen Bonner Konzerns, die mittlerweile undurchschaubar gewordene Tarifstruktur radikal zu vereinfachen und Festnetz und Mobilfunk endlich zu vereinen.

 

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Redakteur bei neuerdings.com, netzwertig.com und dem Euronics Trendblog. Neue Gadgets und Software? Liebend gerne! Aber nur, wenn sie das Leben auch wirklich leichter machen.

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8 Kommentare

  1. Brauchen wir das? Warum nicht einfach kostenlose Hotspots nutzen?
    Bereits heute ist fast überall irgendwo ein kostenloser WLAN Hotspot zu finden. Hilfe bei der Suche bieten div Apps oder Portale wie [Link entfernt].

  2. Solange Daten-Tarife des “Mobilen Internets” mit einer Drosselung nach wenigen MB oder GB verkauft werden dürfen, ist das alles uninteressant. Ich wette, die Telekom würde auch einen Deal mit Fon zu irgendwas netz-schädlichen verwenden – wie es z.B. der achso tolle Deal mit Spotify ist: http://jensbest.net/2012/…e-auf-der-ifa-damit/

  3. Mit so einer Kooperation würde das Thema “Störerhaftung” dann aber mal so richtig an Fahrt aufnehmen ;)

  4. @andi Störerhaftung ist bei Fon nicht das Problem. Jeder Fonero logt sich mir Sturm jeweiligen Account bei anderen Zugängen ein, dies wird von Fon allein schon aus Abrechnungsgründen gespeichert.

    • D.h., wenn ich mittels Fon bei Dir irgendwas ungesetzliches tue, kannst du das entsprechend weitergeben, falls la policia was von Dir will?

  5. könnte natürlich auch die Nutzung der mobilen Datenflatrates senken, was auch wieder Vor- und Nachteile hat..