Persönlicher Assistent:
Ask Geoffrey erledigt virtuelle Aufgaben

Das Berliner Startup Ask Geoffrey will vielbeschäftigten Personen gegen ein kleines Entgelt zeitraubende Aufgaben abnehmen.

Bisher läuft das mit meinem inoffiziellen Ziel, in diesem Jahr vor allem die Startups aus Berlin ins Rampenlicht zu befördern, die echte Probleme auf neuen Wegen zu lösen versuchen, ganz gut. Sowohl Credport als auch Blinkist und Winemeister erfüllen dieses Kriterium, selbst wenn damit allein nachhaltiger Erfolg natürlich noch lange nicht garantiert ist. Einem weiteren neuen Akteur aus der deutschen Hauptstadt könnte man nun attestieren, dass er nicht nur eine einzige Problemlösung bieten will, sondern ganz viele. Ask Geoffrey nennt sich ein im September 2012 gegründeter Dienst, er Anwendern nichts Geringeres verspricht, als ihnen virtuelle Erledigungen abzunehmen.

Aus Sicht von Usern ist das Konzept denkbar einfach: Sie tragen in das Formular auf askgeoffrey.me ihre E-Mail-Adresse sowie die zu erledigende Tätigkeit ein und schicken ihre Anfrage ab. Einige Stunden später meldet sich das Team des Startups und informiert über die (hoffentlich) erfolgreiche Durchführung der Aufgabe. Das Spektrum der Tätigkeiten, die vom virtuellen Assistenten Geoffrey in Angriff genommen werden können, reicht von Terminreserverungen bei Ärzten und Tischreservierungen bei Restaurants über Produktbestellungen und Rechercheaufträge rund um Reisen oder Informationen bis zur Beschaffung von Offerten. Im Prinzip alles also, was keine physische Arbeit oder Produktion von Gütern beinhaltet, nicht gegen Gesetze verstößt und keine Belästigung von Dritten erfordert wie etwa der Versand von Spam-Mails oder das Durchführen von Kaltakquise. Derzeit sollen sich Aufträge auf den Berliner Raum beschränken.

Wer Ask Geoffrey nur einmal ausprobieren möchte, der kann dies sofort und kostenfrei erledigen. Um die Dienste der Berliner regelmäßig in Anspruch zu nehmen, muss eines der kostenpflichtigen Angebote genutzt werden. Zur Auswahl stehen ein Drei-Aufgaben-Paket für 20 Euro, ein Fünf-Aufgaben-Paket für 30 Euro, ein 10-Aufgaben-Paket für 55 Euro und ein 20-Aufgaben-Paket für 100 Euro. Als Alternative kann auch ein Abo gebucht werden, welches zwischen 5 und 20 Aufgaben monatlich beinhaltet, bei Kündigung jeweils am Monatsende via E-Mail. Als Bezahlungsmethode wird derzeit nur Paypall akzeptiert.

Aus nicht näher erläuterten Gründen wollen die Hauptstädter zum aktuellen Zeitpunkt weder Auskunft darüber geben, wer die Macher des Dienstes sind, noch wie er bisher finanziert wird und auch nicht, wie die Roadmap aussieht. Eine Antwort auf unsere Anfrage in Form eines Auftrags verwies auf den derzeitigen Beta-Status und enthielt keinen Namen. Ein Blick in das Whois der Domain liefert Auskünfte zum Besitzer, der laut seinen Onlineprofilen aus der Pharmabranche kommt. Sollte es sich dabei um den Gründer von Ask Geoffrey handeln, was ich vermute, so dürfte die Geheimniskrämerei daher rühren, dass er aufgrund eines noch laufenden Anstellungsverhältnisses in seiner neuen Rolle als Startup-Macher noch “unter dem Radar” bleiben möchte. Wir haben schon in der Vergangenheit erlebt, dass wir aus dem beschriebenen Grund von noch in einem festen Job befindlichen Neu-Entrepreneuren darum gebeten wurden, ihre Namen nicht zu veröffentlichten. Bei einem kostenpflichtigen Webangebot führt das allerdings zu einem Interessenkonflikt, da zahlende Kunden durchaus Bescheid wissen sollten, wem sie ihr Geld geben. Aber dieses Dilemma für Gründer ist wohl ein Thema für einen anderen Blogbeitrag.

Weil uns Ask Geoffrey über die auf der Website befindlichen Informationen keine weiteren Details verraten wollte, können wir über den Aufgaben-Erledigungs-Prozess nur spekulieren. Vorstellbar wäre, dass das Startup vor Ort Schüler, Studenten oder andere Niedriglohn-Arbeitskräfte beschäftigt. Praktikabel wäre je nach benötigten Sprachkenntnissen auch eine Auslagerung von simplen Rechercheaufträge an “Klick-Arbeiter” bei Amazons Mechanical Turk oder Clickworker.

In jedem Fall verfolgt das Unternehmen einen spannenden Ansatz, dessen Idee, vielbeschäftigten Privatpersonen und Geschäftsleuten wertvolle Zeit zu sparen, in der Theorie schnell überzeugtt. Ob das Konzept am Ende auch in der Praxis funktioniert, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit das Ask Geoffrey-Team die Aufgaben der Nutzerschaft zufriedenstellend erledigen können.

Ask Geoffrey vom Grundprinzip nicht unähnlich ist der französische Service I-Dispo, der allerdings nur eingeladenen Mitgliedern zur Verfügung steht.

Link: Ask Geoffrey

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Letztendlich auch nur ein Klon von Diensten wie GetFriday, AskSunday, etc… Aber zumindest in deutscher Sprache, das ist schön! GetFriday bot seinen Service vor einiger Zeit ebenfalls mal auf deutsch an, stellte diese Angebot aber wohl mangels Nachfrage bald wieder ein. (Schade, denn damals 7$/h waren natürlich top!).

vgwort