Verlinkungen von Individuen:
Wieso das Netz eine “Wikipedia für Personen” benötigt

Häufig verlinken Onlinetexte bei der Erwähnung von Personen ganz grundsätzlich auf deren vergängliche Social-Media-Präsenzen. Besser wäre eine kollaborative, nicht gewinnorientierte Datenbank, die sämtliche aktuellen Links zu Personen sammelt.

In vielen unserer Artikel verweisen wir auf Personen mit einer gewissen Sichtbarkeit im Internet. Seien es Unternehmer, Investoren, Journalisten und Blogger, Netzaktivisten oder ganz einfach leidenschaftliche Anhänger des Webs, die nicht nur konsumieren, sondern eigenen Content publizieren oder existierende Inhalte kuratieren. Jedes Mal, wenn es darum geht, auf eine solche Person Bezug zu nehmen, stehen wir vor der Frage, wie dies geschiehen soll. Manchmal reicht die Nennung des Namens und der Rolle eines Individuums. Häufig empfiehlt sich aber eine Verlinkung, etwa wenn Leser uns Hinweise auf interessante Geschichten oder Startups gegeben haben.

Speziell innerhalb der Internet- und Digitalwirtschaft wird in solchen Fällen zumeist auf Twitter-Profile verlinkt – selbst wenn es nicht um einen spezifischen Tweet geht. Wir machen das so und viele Kollegen ebenfalls. Die Gründe hierfür sind offensichtlich: Kaum jemand innerhalb der Branche besitzt kein regelmäßig gepflegtes Twitter-Konto. Zudem werden diese von ihren Besitzern im Gegensatz zu Facebook-Profilen meist als öffentliche Aushängeschilder verwendet. Gleichzeitig beinhaltet das Auffinden einer Person bei Twitter wenig Rechercheaufwand. Der schnellste Weg ist eine Google-Suche nach “site:twitter.com Vorname Nachname”. Je nach Häufigkeit eines Namens muss man sich dann zwar durch die Profile einiger Namensvetter klicken, aber meist wird man innerhalb weniger Sekunden fündig.

Doch obwohl die generelle Linksetzung zu persönlichen Twitter-Konten so praktisch ist, würde ich sie gerne vermeiden – zumindest als alternativlose Maßnahme, um auf Netzpersönlichkeiten Bezug zu nehmen. Denn niemand weiß, ob Twitter-URLs in einigen Jahren noch funktionieren werden. Oder ob die jeweiligen Personen auch 2015 noch ihre Präsenz bei dem Microbloggingservice pflegen. Als gewinnorientiertes Unternehmen hat Twitter in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass es mitunter unpopuläre Entscheidungen treffen muss, um seine Firmenziele zu erreichen. Daran ist nichts auszusetzen, so funktioniert die Wirtschaft nunmal. Doch weil die Kontrolle über ein Twitter-Profil in den Händen des kalifornischen Unternehmens und nicht in denen des Nutzers liegt, erscheint es nicht wünschenswert, dass sich das Twitter-Kürzel als primäre Art zur Referenzierung von Menschen im Web entwickelt.

Vorzuziehen wäre stattdessen eine Verlinkung persönlicher Websites. Auch diese garantieren zwar keine Existenz für alle Ewigkeit, aber verhindern wenigstens, dass auf einen Schlag Millionen Verlinkungen ins Leere führen, sollte bei Twitter eines Tages das Licht ausgehen. Aus heutiger Sicht wirkt dies zwar äußerst unwahrscheinlich, aber niemand weiß genau, wie sich die digitale Landschaft in Zukunft verändert.

Private Websites sind Twitter-Profilen unterlegen

Leider besitzen private Websites aus Autorensicht eine Reihe von Nachteilen, weshalb sie im Vergleich zu Twitter-Profilen bei der Verlinkung leicht den Kürzeren ziehen: Nicht jede Netzperson besitzt eine eigene Website außerhalb der Social-Media-Sphäre. Nicht jede Site lässt sich mit wenig Aufwand auffinden. Manche Onlinepräsenzen von Individuen wurden seit Jahren nicht mehr aktualisiert, oder sie bieten so wenig Informationsgehalt, dass sich der Mehrwert einer Verlinkung für die Leser eines Artikels sehr in Grenzen hält. Andere Anwender wiederum betreiben verschiedene Blogs und Websites, weshalb Unklarheit darüber besteht, auf welche ein Verweis zeigen soll. Ganz generell sieht jede Website anders aus und enthält andere Angaben zur Person, wogegen Twitter-Profile eine einheitliche Struktur mit jeweils ähnlichen Informationselementen aufweisen. Zu Guter Letzt bietet Twitter natürlich auch immer die Option, User zu abonnieren und damit einen losen Kontakt zu ihnen herzustellen. Websites besucht man einmal, an dauerhaften, komfortablen Interaktionsmöglichkeiten mangelt es ihnen vom Nischenfeature RSS abgesehen aber.

Kurzum: Solange Twitter die Profile seiner Mitglieder nicht gänzlich auf den Kopf stellt, überwiegen die Vorteile einer Verlinkung von Twitter-Profilen in Onlinetexten oder anderen Webinhalten gegenüber den theoretischen Nachteilen.

Gesucht: eine Wikipedia für Personenprofile

Ein Blick auf die Nachteile der Website zeigt auch, was notwendig wäre, damit doch eine praktikable Alternative zum exzessiven und alleinigen verlinken von Twitter-Profilen (oder anderen Social-Web-Präsenzen) entsteht: eine Art Wikipedia für Personenprofile.

Ein solcher Service würde die Vorzüge von Twitter als persönliche Webvisitenkarte mit den Vorteilen einer nicht gewinnorientierten Betreiberorganisation ähnlich der Wikimedia Foundation vereinen. Ziel wäre die Schaffung einer kollaborativen Datenbank, die für jeden Netznutzer eine kurze, einprägsame Profil-URL bereitstellt, unter der in strukturierter Form im Rahmen eines übersichtlichen, simplen Layouts sämtliche Onlinepräsenzen der Person aufgelistet werden – sowohl die bei kommerziellen Diensten wie Twitter, Facebook und Google als auch private Websites und Blogs. Die jeweiligen User wären selbst dafür verantwortlich, ihre Profile aktuell zu halten, oder können darauf hoffen, dass Mitglieder der Community diese Arbeit für sie übernehmen.

Denkt man die Idee weiter, so könnte ein solches Profil nach einer manuellen Verifizierung durch den Besitzer im zweiten Schritt auch zu einer waschechten Onlineidentität werden, die über OAuth die Authentifizierung auf anderen Websites ermöglicht. Mit OpenID gibt es zwar bereits einen nichtkommerziellen Gegenentwurf zu den externen Login-Lösungen von Facebook, Twitter und Google (der auch zuerst da war), dieser konnte sich jedoch trotz weitreichender Implementationen nie bei den Usern durchsetzen.

Angenommen, die von mir skizzierte “Wikipedia für Personen” würde eine ähnlich große Bekanntheit erreichen wie das beliebte Online-Nachschlagewerk, dann hätte die Etablierung nachgelagerter Dienstleistungen wie eben eine “Online ID” à la OpenID deutlich bessere Chancen, da Nutzer beim Sichten eines entsprechenden Login-Buttons auf einer beliebigen Website oder innerhalb einer App sofort wüssten, worum es sich handelt.

Es existieren unzählige Personensuchmaschinen im Netz. Doch zumeist sind sie mit Werbung überladen und bestücken ihre Resultatseiten mit aus dem Web importierten Personenangaben, die dann ein mehr oder weniger stimmiges Gesamtbild ergeben. Allein die Existenz der Personensuchmaschinen belegt aber, dass die Suche nach Personen eine häufig praktizierte Tätigkeit von Onlinenutzern darstellt. Doch da die meisten User heute auf die ein oder andere Weise eine Präsenz im Netz betreiben, erscheint es sinnvoller, diese direkt zu besuchen, als sich die von Personensuchmaschinen mit einer gewissen Fehleranfälligkeit “zusammengescrappten” und mit Werbung ummantelten Inhalte anzutun. Zumal sich die Resultatseiten ohnehin nicht zum Verlinken aus Onlinetexten eignen.

Ein Beitrag zur Beibehaltung des offenen Internets

Eine gemeinnützige Personendatenbank mit der Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit von Wikipedia, die sich darauf beschränkt, öffentliche Profile eines Individuums an zentraler, werbefreier Stelle zu vereinen, wäre ein schöner Beitrag zur Beibehaltung eines offenen Webs, ohne sich dabei der Illusion hingeben zu müssen, eines Tages würde jeder Partizipierende am Onlinegeschehen eine private Website unter eigener Top-Level-Domain betreiben. Denn das wird nie geschehen.

Da eine Refinanzierung durch Spenden, wie sie von Wikipedia praktiziert wird, bei der beschriebenen Personendatenbank aufgrund des sehr einfachen Contents vermutlich nicht so gut funktionieren würde, könnte auf eine Monetarisierung durch Verifizierungsdienstleistungen zum Zwecke der Kostendeckung gesetzt werden. Vorstellbar wäre, dass Anwender einen einmaligen Betrag zahlen, um ihr Profil in eine geprüfte Onlineidentität umzuwandeln, woraufhin sie anschließend das Login-Verfahren bei Drittanbieterwebsites verwenden dürfen.

Neben der Wikimedia Foundation kämen auch andere Nonprofit-Organisationen als Initiatoren und Betreiber eines derartigen Projekts in Frage, etwa Mozilla, das ohnehin schon an einem Authentifikationsdienst arbeitet. Gleichzeitig würde der nach wie vor ansehnliche Marktanteil des Mozilla-Browsers Firefox dabei helfen, die Datenbank mit den Links zu persönlichen Webpräsenzen bekannt zu machen.

Die sogenannten “Wallen Gardens” der führenden Webgiganten werden sich nicht ohnes Weiteres wieder verdrängen lassen. Bedenkt man, dass erst dank ihnen und ihrer Zielstrebigkeit die Webnutzung zu einem Phänomen der Masse geworden ist – mit allen damit verbundenen Netzwerkeffekten und Vorteilen für alle Menschen – wäre dies auch gar nicht wünschenswert. Wofür man jedoch eintreten sollte, ist die Aufrechterhaltung einer Linkkultur, bei der man von einer alleinigen Verlinkung zu diesen “geschlossenen Gärten” mit ihrer unklaren Halbwertsszeit absieht. Links machen das Netz zu dem, was es ist. Eine schlanke Datenbank unter der Ägide einer nicht gewinnorientierten Organisation, welche dabei hilft, die jeweils gültigen, aktuellsten Profile von Nutzern zu finden – auch dann noch, wenn Twitter und Facebook schon längst nur noch in der Erinnerung existieren – wäre ein wichtiger Schritt zur Beibehaltung des offenen Webs. Es würde Journalisten und Bloggern außerdem die Frage abnehmen, ob sie nun zum Twitter-, Google+- oder Facebook-Profil einer Person linken sollen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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31 Kommentare

  1. Warum machst du nicht einfach ein “Wikipedia” der Personen auf? Erstmal mit existierender Software und auf einem eigenen Server?

    • Ich denke nicht, dass man so ein Projekt nebenbei als Hobby betreiben kann oder sollte. Zumindest nicht, wenn es einmal die Bedeutung/Bekanntheit erreichen soll wie Wikipedia.

  2. Was ist mit about.me? Oder ihr erfasst die wichtigsten Personen einfach selber, so wie das http://www.gruenderszene.de/datenbank/koepfe macht.

    • About.me ist ein kommerzieller Dienst, der locker von heute auf morgen verschwinden oder was ganz anderes machen kann. Und so Gründerdatenbanken sind rein Special Interest. Hier geht’s ja um etwas für die Masse – zumindest die im Netz sichtbare Masse.

  3. Eine hübsche Lösung – aber gehst du wirklich davon aus, dass eine relevante Zahl von Netznutzern dieses, dein persönliches Problem teilt und somit Bedarf an einer derartigen Lösung hätte? Wer könnte denn ein Bedürfnis an einer kostenpflichtigen geprüften Onlineidentität nebst Authentifikationsdienst haben, wenn er diesen Bedarf nicht längst bei einem anderen Anbieter gedeckt hat? Und was genau gewährleistet denn bei einem nichtkommerziellen Anbieter eine höhere Überlebensrate als bei kommerziellen Dienstleistern? Mit Verlaub: Derzeit sehe ich keinen Markt für eine Plattform, die netzaktive Menschen kaserniert.

    • Ich denke, wie bei Wikipedia reicht es aus, wenn eine kleine aktive Community die Einträge pflegt. Das könnten etwa die Journalistnen und Blogger selbst sein. Angenommen, ich schreibe einen Artikel und will dazu zu einer bestimmten Person verlinken, dann lege ich flux bei dem anvisierten Dienst ein Profil an und trage etwa die persönliche Website als auch das Twitter-Profil des Nutzers ein. Anschließend verlinke ich dorthin.

      Sicherlich gibt es keine absolute Überlebensrate. Aber für wie wahrscheinlich hältst du es, dass Wikipedia beispielsweise nicht mehr existiert? Imo unvorstellbar. Solange die Spenden reinkommen, wird Wikipedia nicht verschwinden. Und sollte es mit Spenden nicht mehr refinanziert werden können, dann gibt’s eine Werbevermarktung, aber garantiert ohne, dass sich Wikimedia dabei verbiegt.

      Bei Facebook, Twitter & Co sind es ganz andere Zwänge, die das Handeln der Unternehmen beeinflussen. Nämlich die Notwendigkeit, Gewinn zu erwirtschaften. Damit besteht bei einem Social Webdienst immer die Gefahr, dass sich Anwender von ihm abwenden, weil er bestimmte eigennützige Entscheidungen trifft. Sicherlich erscheint das aus heutiger Sicht schwer vorstellbar. Aber das Web wandelt sich schnell.

      Und ein wenig geht es sicher auch um das Prinzip. Die ganzen Artikel mit dem Tenor “früher war im Web alles besser”, die in letzter Zeit publiziert worden sind, zeigen, dass es eine Gruppe von Netzaktiven gibt, die Wert darauf legt, nicht jede Kontrolle den kommerziellen Big Playern überlassen. Wenn diese die skizzierte “Wikipedia für Personen” mit pflegen würde, reicht dies imo. Denn ein paar Profileingaben einzutragen, ist ja definitiv weniger Arbeit, als lange, sachlich stimmige Textein Wikipedia zu verfassen.

    • Du legst flugs für irgendeine Person ein Profil an – und was macht diese Person dann, wenn sie bei dieser Plattform kein Profil haben möchte? Genügt es nicht, wenn kommerzielle Dienstleister wie Klout oder Favstar Zwangsprofile von Usern ohne deren Zutun anlegen, die diese dann nur mit Mühe und Aufwand wieder löschen können? Danke, ich möchte nicht darüber diskutieren müssen, ob ich oder andere auf einer Plattform wie von dir gefordert die Deutungshoheit über meine Personendaten haben. Profile Dritter ungefragt anzulegen halte ich schlicht für unverschämt und eine Zumutung.

    • Also wenn du eine eigene Website betreibst und einen öffentlichen Twitter-Stream, dann ist es nach meinem Empfinden albern, ein Problem damit zu haben, wenn diese Links auf einer nicht-kommerziellen Seite aufgeführt werden. Und nur um diesen Content geht es mir.

      Genau das Zeug finde ich, wenn ich über Google nach deinem Namen suche – nur mit viel Aufwand.

    • Leider kann ich dir nach wie vor nicht folgen. Der Aufwand, einen Namen in die Suchmaschine deines geringsten Misstrauens zu hacken ist ebenso groß wie der, ihn in deine neu zu erschaffende, kostenpflichtige Plattform einzugeben. Die großen Suchmaschinen haben die benötigten Daten bereits, in deine Plattform müssen sie erst mit erheblichem redaktionellen Aufwand erfasst werden. Dein Projekt erscheint mir daher schlicht obsolet. Lesetipp: § 3a BDSG

    • Möglich.
      Von kostenpflichtig war da übrigens keine Rede.

  4. So ein Dienst, hätte durchaus seine Vorteile und Chancen.
    Die größte Chance daran wäre nicht nur eine immer gleiche Struktur, die das Verlinken einfach macht. Viel wichtiger ist die Wiederauffindbarkeit (sofern der dauerhafte Betrieb gewährleistet ist). Gerade SocialMedia-Profile unterliegen oftmals einem starken Wandel bzw. eine einzige Person befeuert mehrere.
    Hätte ich dann eine einfache Übersicht (eventuell mit dem Verlauf alter Profile) wäre das schon eine Stärke.
    Ein ähnlicher Dienst ist ja Gravatar – auch wenn dieser komerziell ist. Würde man aber dieses Konzept noch ein bisschen aufbohren indem man es um kolaborative Communityelemente erweitert und in eine freie Trägerschaft überführen, wäre man in der Nähe deines vorgeschlagenen Dienstes.
    Die Wikimedia Foundation hätte auf jeden Fall das KnowHow, die Technik und die Reputation so etwas zu etablieren. Allerdings hat sie in diesem Feld noch gar keine Erfahrungen gesammelt und daher wäre Mozilla sicher geeigneter.

  5. Ich halte das zwar nicht für unverschämt und eine Zumutung, aber für sowas ähnliches und stimme Jens Arne zu. Interessanter wäre, wenn man dort nur selber über sich schreiben dürfte und nicht andere, was gegen das Wikipedia-Prinzip spricht.

    • Dann hätte man das Problem, dass eben nur sehr wenige Personen ein Profil für sich an anlegen würden.

      Ein Hybridmodell wäre, dass eine Redaktion die Profile erstellt, und zwar erst, nachdem sie das ok eingeholt haben. Das wäre dann deutlich aufwändiger und schwerer zu finanzieren.

    • Es ginge auch, dass ein Profil zwar erst einmal um typische Dienste offen editiert werden kann, die volle Hoheit kann aber nur der eigentliche Nutzer erlangen, das wäre auch ein Hybridsystem, aber deutlich billiger.

  6. Mozillas Personas könnten hier aber tatsächlich ein vielversprechender Ansatz sein. Genug Leute würden dort ein Konto eröffnen. Dort sollte es dann eine Möglichkeit geben, bestimmte Informationen öffentlich zu machen (Namen, eigene Repräsentanzen im Netz).
    Mozilla könnte sogar vorschlagen, die typischen Accounts aufzuführen, sobald sie mit dem Konto verknüpft werden (Twitter, Facebook, Google+, …).
    Wichtig ist aber: Es muss auch weiterhin per Pseudonym gehen. Vielleicht sollen ja nicht alle meiner Twitter-Accounts mit mir verknüpft werden?

  7. Die Daten, die Du ansprichst, könnte man jetzt schon nutzen. Sie stehen im Telefonbuch, zumindest bis Du widersprichst. Ich kenn nur die Schweizer Situation, vermute aber, dass es in Deutschland ähnlich ist. Den Blogwerk-Kollegen Mathias findest Du zum Beispiel hier: http://tel.local.ch/de/d/…vettiger&where=

    Der Vorteil der Daten liegt auf der Hand: Die Daten stammen aus den Melderegistern der Ämter und sind daher in aller Regel korrekt.
    Diese Daten kannst Du theoretisch jeder nutzen, um darauf seine Datenbank/Wiki etc aufzubauen. Bei kommerziellen Anbietern musst Du bezahlen, ich könnte mir vorstellen, dass Du als nicht-kommerzieller Anbieter da gratis rankommst. Das löst zumindest das Problem der fehlenden Daten für die Anfangszeit.
    Die Kerndaten (Name, Adresse) könnte man schützen und andere Bereiche editierbar machen.

    Die Frage, wer das ganze dann betreibt, hostet etc. steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

  8. Kollaborativer Aufbau – damit hätte ich ähnliche Probleme wie Jens Arne Männig. So eine Sammlung unter jedermanns Mitwirkung hätte neben allen ehrenwerten Zielen durchaus das Potenzial, zu einem Mix aus Yasni und Rotten Neighbor zu werden. Die Dienstleister für Web-Reputation würden sich die Hände reiben, denn da gäb’s allerhand zu tun.

    Übrigens, was den Einwand betrifft, die Daten wären längst auch jetzt schon im Netz aufzufinden: Der qualitative Unterschied zwischen verstreuten Daten und aggregierten Daten ist schon klar, oder?

  9. Viele Aspekte:

    - Realnamen und Pseudonyme (ich habe ja mit meinem Realnamen im Web kein Problem, aber vielfach ist das halt eine sehr verfahrene Diskussion.)
    - Respekt vor der Löschung des eigenen Eintrags (werde regelmässig von Leuten, die in der wikipedia stehen, angesprochen, ob man da “nicht was machen könne” -> geht natürlich nicht, aber da es sich ja dann um Personen von öffentlichem Interesse handelt, ist da die Rechtsprechung nicht einfacher, aber wenigstens in den Grundzügen klar)
    - Wer darf editieren, welche Informationen sind zulässig, welche nicht.
    - erinnert mich ein wenig an kressköpfe, da kann man glaube ich auch andere Personen eintragen lassen (ist allerdings grob redaktionell gepflegt -> Mehrkosten

    Vorschlag: Fang an, setze ein Wiki auf, rufe zur Teilnahme auf, mach edit-a-thons – wenn sich eine “Start”-Community bildet, die dann Inhalte erzeugt, für Verbreitung sorgt und die Diskussion über die Regeln führt – dann kann es was werden.

    • Würd ich selbst gerne machen, hätte ich nicht schon einen Fulltime-Job. Imo kann so ein Projekt nur etwas werden, wenn es vom Initiator ernsthaft und mit vollem Fokus forciert wird.

  10. Und wenn ich kein Twitter-Profil habe, oder eben Twitter die Nutzung meiner Daten erlaube und dort ein Profil anlege, es bei dieser Personen-Wikipedia nicht will? Wenn dieses Wiki die Relevanz der Wikipedia erreichen würde wäre es auch ein großes Risiko – ein gefakter Beitrag könnte nur über ein, zwei Stunden unverändert online sein und es würde reichen um die Reputation einer Person nachhaltig zu ruinieren. Mal schnell reinschreiben das Politiker X für Kinderpornografie-Besitz angezeigt wurde…
    Diese Komplexität die die Recherche nach Personen im Netz (noch) besitzt ist auch ein Schutz. Wer es wirklich darauf anlegt mir nach zu spionieren wird dies auch schaffen, aber allein das es für den neugierigen Chef und den unliebsamen Nachbarn aktuell nicht lohnenswert ist die Arbeit auf sich zu nehmen ist in Sachen Privatsphäre von großer Bedeutung.

    • Es sollte ein Nachschlagewerk sein, keine umfassende Biografie. http://kress.de/kresskoepfe/updates.html

      Vorstellbar wäre auch, dass man sich verifiziert, und dann vor Änderungen in seinem Profil durch andere, diese sichten kann. (wobei hier natürlich der gegenteilige Effekt, nämlich das “schönschreiben” droht. Aber besser als Datenschutzverletzungen.

  11. Ich bin mir nicht sicher, warum man nicht einfach gleich direkt die Wikipedia verwenden sollte? :) Wäre das nicht das naheliegendste?

    Durchaus interessant (wissen auch wenige), ist die Tatsache, dass man Personendaten von Wikipedia auch gut exportieren kann. DBPedia ist hier das Stichwort. Bzw. “Semantic Web”. SPARQL, RDF und los gehts: http://dbpedia.org/About

    Bin aber immer noch der Meinung: Man könnte direkt auf die Wikipedia verlinken. Würde vermuten, dass mind. 70% der Personen, die du taggen möchtest, bereits eine Seite auf Wikipedia haben.

  12. Nicht ganz das Thema, aber ORCID, ist aus dem wissenschaftlichem Publishing heraus entstanden und vergibt eindeutige Author IDs. Das ist zumindest ein non-profit, das langfristig denkt, und koennte eine Basis fuer etwaige Projekte bilden.

  13. also man mutiert zum gläsernen Mensch,mit wikipedia für Personen wirds noch schlimmer !

  14. Sehr gute Idee. Ich habe mal eine Personen-Wikipedia vorgeschlagen. Allerdings ging es mir da um Kompetenzen und Reputation. Doch diese Linkliste gehört da zweifelsohne auch rein. Das ist natürlich noch sehr viel unverschämter als die reine Linklinste. Praktisch unvorstellbar unverschämt, bedeutet es doch, seine Meinung über andere Leute zu veröffentliche: http://schrotie.de/index.php/2010/11/ki-is-who-wi/

  15. was hier vorgeschlagen wird, existiert bereits. Es hört auf den Namen RebelMouse und kommt aus New York.

    so sieht dann ein mit alllen Netzwerken verknüpftes Profil aus: https://www.rebelmouse.com/CompassTo/

  16. Ich denke, es wäre technisch möglich, die Wikipedia zu nutzen, somit die Dauerhaftigkeit zu gewährleisten und trotzdem den o.g. gewünschten Service anzubieten ohne dass man im ersten Schritt das grosse organisatorische Fass aufmachen muss.

    Ich sehe allerdings keinen VC der das finanzieren würde hier.

    Deutsche VCs und Angels sind ja darauf spezialisiert Geld zu vernichten, nicht es zu mehren.

  17. Sehr interessanter Artikel.

    Bevor wir mit Credport angefangen haben, haben wir uns auch dieser Thematik angenommen. Fuer uns war klar, dass die “offenen” Loesungen ideel besser sind aufgrund der schon von dir genannten Gruende, es aber extrem hart waere es massiv zu verbreiten. Das Schicksal von OpenID oder auch Diaspora zeigt uns wie hart dieses Problem ist ohne jede zentrale Lenkung.

  18. Wikipedia für Personen ja, aber man sollte selber alles editieren und löschen oder hinzufügen können. da wäre ich auch dabei. übrigens sehr interessanter Beitrag danke.

2 Pingbacks

  1. [...] An sich eine sehr spannende Entwicklung, die Sichtweise auf Medien und Medienschaffende wandelt sich spürbar. In der Bloggerszene war die Liste 75 deutscher Internet-Köpfe von t3n eines der Topthemen der vergangenen Woche. Hier wurden nicht die Medien und Blogs verlinkt, sondern die Social Media Profile der Akteure. Tech-Magazine sind schließlich zunehmend austauschbar, Menschen sind es nicht. Auf Netzwertig.de fordert man gar ein Wikipedia für das Netz-Personal. [...]

  2. [...] Verlinkungen von Individuen: Wieso das Netz eine “Wikipedia für Personen” benötigt » … [...]

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