Credport:
Reputationsplattform für die Welt des kollaborativen Konsums

Das zukunftsweisende und vielversprechende Konzept des kollaborativen Konsums setzt voraus, dass Anwender einander vertrauen können. Das Berliner Startup Credport will genau dafür Sorge tragen.

Eines meiner inoffiziellen Ziele in diesem Jahr ist es, bei Startups aus Berlin besonders die hervorzuheben, die sich der Lösung eines existierenden Problems widmen und deren Lösungsansatz nicht schon von einem Dutzend anderer Webfirmen in ähnlicher Form verfolgt wird. Angesichts der Schwemme an Social-Sharing-Services, mobilen Apps und E-Commerce-Angeboten ist es einiges an Arbeit, die Dienste zu identifizieren, die neue Wege gehen und sich einer Aufgabe verschreiben, von der im Idealfall Millionen Menschen profitieren können – auch ohne Netzwerkeffekte. Schon als ich das erste Mal von dem jungen Service Credport erfuhr, wusste ich, dass das Startup aus der Hauptstadt diesen Anforderungen gerecht werden kann. Dabei basiert Credport, das von dem Berliner Nam Chu Hoai und dem US-Amerikaner Connor McEwen gegründet wurde, auf einer äußerst simplen Idee. Bekanntlich sind dies häufig die besten.

Credport möchte Anwendern von Onlinediensten die Möglichkeit geben, die Vertrauenswürdigkeit von Nutzern auf Marktplätzen zu beurteilen. Speziell mit Blick auf die wachsende Bedeutung des kollaborativen Konsums und das Entstehen einer großen Zahl von Plattformen in diesem Segment, über die Wohnungen, Fahrzeuge, Gegenstände und andere Ressourcen für einen begrenzten Zeitraum vermietet oder verliehen werden, wächst der Bedarf an einer Möglichkeit, mit wenig Aufwand eine eindeutige Aussage über die Seriosität und Verlässlichkeit einer Person zu erhalten. Eine Google-Suche nach dem jeweiligen Namen oder ein Blick auf öffentliche Social-Media-Profile können Indizien liefern, kosten bei manueller Recherche aber Zeit und sind zudem nicht immer hinreichend eindeutig. Manche Anbieter, wie etwa die P2P-Wohnungsplattform Airbnb, setzen auf eine Seriositätsindikation mittels Verifizierung eines Facebook-Profils und der Auflistung von gemeinsamen Kontakten. Auch das kann helfen, aber “nur” etwa die Hälfte aller Onlinenutzer besitzt ein Facebook-Konto, zudem lassen sich leicht “Fake-Konten” kreieren und mit falschen Freunden bestücken.

Die Credport-Macher wollen eine Reputationsplattform errichten, die mittelfristig von Peer-to-Peer-Marktplätzen, bei denen Menschen untereinander Waren und Dienstleistungen handeln, integriert wird.  Sie sollen ihren Anwendern so eine effektive und effiziente Option bieten, um die Vertrauenswürdigkeit von Individuen zu beurteilen.

In der Praxis funktioniert dies so: Nutzer legen bei Credport mittels des Logins via Twitter, Facebook oder LinkedIn ein Profil an und verbinden anschließend bis zu drei weitere “Netzidentitäten” mit ihrem Credport-Konto. Neben den drei genannten Anbietern kann auch der persönliche eBay-Account mit Credport verknüpft werden. Credport importiert dann eine Reihe von Informationen aus diesen Quellen, die nach einer Bearbeitung und Freigabe durch den Nutzer auf dessen Credport-Profil erscheinen. Neben Angaben zur Ausbildung und zu bisherigen Arbeitgebern (aus LinkedIn) sowie der Zahl der Follower beziehungsweise Kontakte bei Facebook und Twitter serviert Credport auch Bewertungen aus eBay und Empfehlungen aus LinkedIn. Ein Credport-Profil liefert also einen Überblick darüber, wie groß das Netzwerk eines Individuums ist, und mit welchen Worten es von eBay- und LinkedIn-Nutzern beschrieben wird. Ist man selbst eingeloggt, listet einem der Dienst auch gemeinsame Kontakte auf. Damit ist Credport als Seriositätsmesser deutlich geeigneter als etwa die Klout-Score, die sich leichter manipulieren lässt. Die URL zum Credport-Profil können Nutzer bei Bedarf an potenzielle Kontakte bei Marktplätzen schicken, um die Wahrscheinlichkeit für einen positiven Geschäftsabschluss zu erhöhen, etwa die Airbnb-Wohnung mieten zu dürfen.

Credport-Profil von Mitgründer Connor McEwen

Damit Credport-Nutzer nicht darauf angewiesen sind, anderen Usern ihre Profi-URLs aufzuzwingen und damit im schlimmsten Fall einen eigentlich guten Eindruck sogar zu beschädigen, animiert Credport Marktplatzanbieter dazu, Credport per API in die eigene Site zu integrieren. Einer der ersten Dienste, der von dieser Gelegenheit Gebrauch macht, ist der Aachener Carsharinganbieter tamyca. Wer dort sein Privatfahrzeug zur Miete stellt, kann sein tamyca-Konto mit Credport verbinden. Anschließend hilft das Credport-Widget Besuchern der tamyca-Seite des Mitglieds durch die Zusammenstellung der bei Credport aggregierten Reputationsdaten bei der Beurteilung, ob sie dem Vermieter trauen können. Umgedreht kann sich der Vermieter ein besseres Bild von den Interessenten machen. Auch von einer baldigen Implementierugn von Credport bei  dem Babysitter-Marktplatz kinderfee.de ist die Rede.

Credport, eines der zehn Startups, die bei der Entwicklung vom Accelerator-Programm Startupbootcamp Berlin unterstützt wurden, kann sich damit rühmen, anders als die Mehrheit der Jungfirmen im Webbereich einen ganz eindeutigen, sofort ersichtlichen Nutzwert zu besitzen, der sich auch nicht erst mühsam durch das Eintreten von Netzwerkeffekten und die Partizipation von Millionen Usern entfalten muss. Kommt es zu einem enormen Nutzeransturm – worauf die Gründer natürlich hoffen – verstärkt dies lediglich die Eignung des Dienstes, weil dann bei mutmaßlich vielen P2P-Marktplätzen das Credport-Widget mit den Reputationsdaten auf den Profilen erscheint.

Die größten Konkurrenten von Credport sind die Geschäftsnetzwerke sowie Facebook und Twitter selbst (Apropos Geschäftsnetzwerke: auch eine Option zur Verknüpfung mit Xing über dessen neuen API wäre sinnvoll). Doch da es grundsätzlich mehr Aufwand kostet, bei mehreren Accounts gefälschte Angaben einzutragen, um zum Erreichen fragwürdiger Ziele den Schein von Seriosität zu geben, statt nur bei einem, liefert ein aus mehreren Quellen gut gefülltes Credport-Profil immer einen vollständigeren Eindruck als lediglich ein LinkedIn-Profil oder ein Twitter-Konto.

Es ist immer leichtsinnig, einem Startup in einer besonders frühen Phase eine große Zukunft vorherzusagen. Eine gute Idee und vielversprechende Umsetzung kann aus vielerlei Gründen doch noch vor dem großen Durchbruch scheitern, auch muss die Teamkonstellation stimmen. Deshalb belasse ich es an dieser Stelle bei folgendem Fazit: Credport stellt eine Dienstleistung bereit, die im boomenden Segment des kollaborativen Konsums sowohl bei Anwendern als auch Anbietern eine große Nachfrage befriedigt. Beide Parteien möchten unangenehme Überraschungen und problematische Vorkommnisse verhindern. Credport liefert ein Mittel dafür – und das genau zum richtigen Zeitpunkt.

Link: Credport

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Ein Kommentar

  1. Moin, eine sehr schöne Idee, habe mich gerade mit Facebook angemeldet.

2 Pingbacks

  1. [...] Instagram hochludt, sondern anderweitig benötigte, etwa um einen Artikel zu illustrieren.Auch das gestern vorgestellte Berliner Startup Credport berücksichtigt die Tatsache, dass Usern bis zum Erreichen einer kritischen Masse ein Argument zum [...]

  2. [...] Rampenlicht zu befördern, die echte Probleme auf neuen Wegen zu lösen versuchen, ganz gut. Sowohl Credport als auch Blinkist und Winemeister erfüllen dieses Kriterium, selbst wenn damit allein nachhaltiger [...]

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