Verschlüsselung in der Cloud:
BoxCryptor veröffentlicht Chrome-Erweiterung für Google Drive und Dropbox

Bisher mussten Nutzer die kostenfreie BoxCryptor-Software installieren, um Ordner bei Dropbox oder Google Drive zu verschlüsseln. Jetzt hat das Startup aus Augsburg eine sehr nützliche Erweiterung für Chrome veröffentlicht.

Vor rund einem Jahr lancierte das Augsburger Startup Acomba (jetzt Secomba) mit BoxCryptor ein Verschlüsselungstool für die Cloud, welches sich im Gegensatz zu fortgeschritteneren Lösungen wie TrueCrypt an die breite Masse der Anwender richtet. Nachdem Dropbox, Google Docs (jetzt Google Drive) und SkyDrive das Ablegen von Dateien in der Wolke salongfähig gemacht haben und bei Nutzern durch den parallelen Einsatz verschiedener Geräte mit Webzugriff – Rechner, Smartphone, Tablet – der Bedarf aufkam, auf persönliche Daten mittels der Cloud von überall aus zugreifen zu können, entstand auch Raum für eine einfache Lösung, um bei den genannten Diensten selektiv eine zusätzlich Verschlüsselung zu aktivieren. Mit dem für Windows, Windows RT, Mac, Linux, iOS und Android angebotenen, in der Basisversion kostenlosen Tool lassen sich Ordner bei diversen Clouddiensten in wenigen Schritten mit einer AES-256 Encryption versehen und sämtliche darin befindlichen Dateien vor fremden Blicken schützen.

Das vergangene Jahr verlief für das mittlerweile zehnköpfige BoxCryptor-Team recht erfolgreich. Eine sechsstellige Finanzierungsrunde im Mai 2012, einige Auszeichnungen wie der Telekom Innovationspreis (2. Platz und Publikumspreis) sowie der Sieg beim Startup-Pitch des European Pirate Summit und über 400.000 Downloads der Windows-Version sowie fast 100.000 Downloads der mobilen App für iOS und Android signalisieren, dass BoxCryptor sowohl bei Investoren und Branchenvertretern als auch bei Anwendern einen Nerv trifft. Zu den wirtschaftlichen Zahlen äußert sich das Startup bisher nicht. Umsätze werden über eine erweiterte Version für Privatanwender sowie über Businesslizenzen generiert.

Selbst wenn eine Verschlüsselung im Ernstfall vor großem Ungemach schützen kann, erhöht sich ihre Unattraktivität aus Sicht der Anwender mit jedem erforderlichen Schritt, der für ihre Einrichtung notwendig ist. Gerade weil die Arbeit in der Cloud bei herkömmlichen PCs vorrangig aus dem Browser heraus geschieht, stellt die Erforderlichkeit der Installation einer lokalen Software eine Einstiegshürde dar. Am Mittwochabend veröffentlichte das BoxCryptor-Team eine Alternative für alle, die kein Interesse daran haben, die BoxCryptor-Software zu installieren: eine Browsererweiterung für Chrome.

Einmal zu Googles beliebtem Browser (in der Developer-Version für Windows, Mac und Linux) hinzugefügt, gestattet die Erweiterung das Anlegen von verschlüsselten Ordern sowie den Zugriff auf mit BoxCryptor geschützte Verzeichnisse. Dies funktioniert derzeit sowohl für Google Drive als auch für Dropbox. Alle Dateien, die in ein mit der Erweiterung verschlüsseltes Verzeichnis gelegt werden, können über dieses und alle anderen Endgeräte nur dann eingesehen werden, wenn dort BoxCryptor beziehungsweise ebenfalls die Erweiterung installiert ist und wenn das bei der Einrichtung festgelegte Passwort korrekt eingegeben wird.

Ich bin kein Sicherheitsexperte, weshalb ich mich nicht dazu äußern kann, wie verlässlich diese Art der Verschüsselung ist. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass eine hundertprozentige Sicherheit im Netz existiert, aber darum geht es auch nicht. Entscheidend ist, dass Nutzer es Angreifern so beschwerlich wie möglich machen, an ihre privaten und potenziell sensiblen Daten zu kommen, was sowohl als Abschreckung dient als auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man rechtzeitig von einer Attacke mitbekommt.

Ich konnte die Erweiterung in den letzten Wochen testen und empfand sie als angenehm unauffällig und nicht merklich die Performance von Chrome beeinträchtigend. Sicherheitshalber sollte man jedoch nach erfolgter Verschlüsselung den jeweiligen Dropbox- oder Google-Drive-Ordner von einem anderen Browser oder Endgerät ohne BoxCryptor-Installation testweise zu öffnen versuchen, um sich zu vergewissern, dass die Encryption tatsächlich funktioniert. Beim ersten Mal klappte dies bei mir nämlich nicht, da ich es versäumt hatte, mir die Chrome-Developer-Variante zu besorgen.

BoxCryptor-Geschäftsführerin und Mitgründerin Andrea Wittek kündigt eine ähnliche Erweiterung für andere Browser an, ohne jedoch ein Releasedatum zu nennen. Dafür kann sie noch eine weitere Neuigkeit bekanntgeben: Ab heute erlaubt die BoxCryptor-iOS-App auch die Entschüsselung und Verschlüsselung von Verzeichnissen bei Google Drive und SkyDrive. Bisher funktionierte dies lediglich für Dropbox.

In einer Zeit, in der Millionen von Menschen immer mehr Dateien in die Cloud auslagern, erfüllt ein Service wie BoxCryptor eine wichtige Aufgabe. Selbst wenn sich die Mehrheit der Anwender wohl bisher nur sehr wenige Gedanken darüber gemacht hat, ihre Daten zu verschüsseln. Am sinnvollsten wäre es daher, wenn entsprechende Encryption-Werkzeuge ab Werk in Browser integriert sind. Warten wir ab, was Chrome-Herstellerin Google von BoxCryptor hält.

Ein Hinweis zur Einrichtung der Erweiterung in der Chrome-Developer-Version: Ladet die BoxCryptor-Extension herunter, öffnet die Chrome-Einstellungen, navigiert euch zur Übersicht der Erweiterungen und zieht die BoxCryptor-Datei von der Festplatte dort hinein. Die direkte Ein-Klick-Installation gestattet Google künftig nur noch bei Extensions im Chrome Web Store. 

Link: BoxCryptor

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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