Anstelle von Mappe und Fernbedienung:
SuitePad bringt Tablets in Hotelzimmer

Das Berliner Startup SuitePad hat sich zum Ziel gesetzt, alle modernen Hotelzimmer mit iPads oder Android-Tablets auszustatten. Sowohl Gäste als auch Hoteliers sollen davon profitieren.

Rund eine Million Menschen übernachten täglich allein in Deutschland im Hotel. Beim Beziehen ihrer Unterkunft finden sie nicht selten einen Ordner mit Informationen rund um besondere Angebote, Freizeitaktivitäten und kulinarische Erlebnisse vor – sowie ein Telefon, um entsprechende Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dass moderne Technologie sowohl für Gäste als auch Hoteliers deutlich mehr Komfort und Effektivität bieten kann, liegt auf der Hand. Tilmann Volk und Moritz von Petersdorff-Campen sind davon ebenfalls überzeugt und haben mit SuitePad ein Startup gegründet, das sich diesem Sachverhalt annimmt.

Das junge, in Berlin ansässige Unternehmen ist zwar insofern anders als die sonst bei uns vorgestellten Startups, da es einen reinen B2B-Ansatz besitzt und anstatt vorgefertigter Preiskategorien ausschließlich auf maßgeschneiderte Angebote für Hotels setzt, die über die SuitePad-Website mit den Hauptstädtern Kontakt aufnehmen. Andererseits werden Tausende oder gar Zehntausende Reisende künftig auf das Produkt von SuitePad stoßen – nämlich dann, wenn sie ihr Hotelzimmer betreten und sie dort ein im Dock stehendes iPad oder Android-Tablet anstrahlt.

“In fünf Jahren wird in modernen Hotelzimmern heute vorhandene Ausstattung, wie Hotelmappe, Prospekte, Wecker und Fernbedienung auf einem Gerät vereint”, so die Vision des SuitePad-Duos. Für Gäste erfüllt das von der Firma entwickelte System verschiedene Aufgaben. Es liefert alle wichtigen Informationen zum Hotel und erlaubt die Inanspruchnahme des Zimmerservice sowie das Buchen von Wellness-Anwendungen und örtlichen Aktivitäten. Auch lassen sich Reservierungen in Bars und Restaurants des Hotels tätigen und Nachrichten an das Servicepersonal bezüglich der Reinigung des Zimmers übermitteln. Die Tablet-Software von SuitePad erlaubt zudem das Abrufen eines individuellen Entertainment-Programms sowie das Einkaufen im hoteleigenen Shop, außerdem enthält sie eine Weckfunktion. SuitePad-Tablets funktionieren im sogenannten “Kioskmode” und gestatten nur den Einsatz der SuitePad-App. Selbst nach einem eventuellen Reset des Geräts öffnet sich sofort wieder die SuitePad-Anwendung, was auch vor Diebstahl schützt.

Alle Komponenten des für die Gäste sichtbaren Angebots können vom Hotelpersonal über ein eigenes Backend am PC eingepflegt und aktualisiert werden. Das Startup legt Wert darauf, die Software in die bestehenden Prozesse von Hotels zu integrieren, damit Buchungen und Anfragen direkt an zuständige Mitarbeiter weitergeleitet werden. Besondere Funktionen stellt die Möglichkeit zum simultanen Versand von Push-Benachrichtigungen an alle Gäste dar sowie Statistiken darüber, welche Angebote Gäste über SuitePad in Anspruch nehmen. Geschäftsführer Moritz von Petersdorff-Campen unterstreicht, dass dies lediglich in aggregierter Form geschieht. Das Hotelpersonal sieht also nicht, welcher Gast welche Anwendungen nutzt.

Speziell das Push-Feature bietet Raum für interessanten Kampagnen und Marketingaktivitäten, erlaubt es doch die Verbreitung von Sonderaktionen und speziellen Angeboten in Echtzeit, ohne dass sich Gäste dabei belästigt fühlen. Ein Beispiel wäre etwa ein zeitlich begrenzter Rabatt auf alle Speisen im Hotelrestaurant, sofern dessen Auslastung eine bestimmte Grenze unterschreitet.

Hoteliers, welche die Dienste von SuitePad in Ansprucn nehmen möchten, zahlen einen monatlichen Fixpreis für die Miete der Geräte. Nach Aussage von Moritz von Petersdorff-Campen ist diese besonders bei Android-Geräten sehr erschwinglich.

Eine kurze Websuche zeigt, dass international bereits eine Reihe renommierter Spitzenhotels “digitale Concierge-Dienstes” eingeführt haben, oft eingerichtet vom US-Unternehmen Intelity, dem Marktführer in diesem Segment auf der anderen Seite des Atlantiks. SuitePad ist also nicht alleine mit seinem Konzept, was angesichts der offensichtlichen Vorteile nicht verwundert. im europäischen und deutschsprachigen Raum allerdings existiert eine große Marktlücke, die SuitePad nun zu füllen versucht.

Am heutigen Mittwoch geben die Berliner eine Seed-Finanzierungsrunde bekannt (üblicherweise liegen diese im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich). HW Capital, der VC Fonds Technologie Berlin, eine Reihe von Hotelbranchengrößen sowie die DailyDeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann beteiligen sich an dem Startup, das mit dem frischen Geld seine Expansion im deutschsprachigen Raum vorantreiben will. Zu den Hotels, die SuitePad bereits einsetzen, gehören das Mandala Hotel Berlin sowie die Falkensteiner Gruppe. Auch mit Hotels in europäischen Metropolen außerhalb des DACH-Raumes führe man Gespräche, so von Petersdorff-Campen.

Link: SuitePad

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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10 Kommentare

  1. Ein fremdes iPad nutzen?
    Ich hätte da Probleme mit der Hygiene. Glaube nicht, dass man das Gerät richtig desinfizieren kann (und ob es getan würde).

    Punkt 2 – fremdes Gerät mit Kamera und Mikro im Hotel(Schlaf)zimmer begeistert mich auch nicht.

    • @Cess: Na doch, es gibt recht einfache Möglichkeiten, Touch-Geräte zu desinfizieren. Ausserdem sind die herkömmlichen Hotelmappen auch nicht gerade ein Ausbund an Hygiene.

      Zu Punkt 2: Bei den eigenen Geräten ist man auch nicht gänzlich vor Missbrauch geschützt, wie manche Hacker immer wieder gerne vorführen.

      Aber Ihr Kommentar zeigt, dass gegenüber solchen Angeboten eine verbreitete Skepsis zu bestehen scheint – was zum Teil auch verständlich ist.

      Sowohl als Hotelbesitzer, als auch als Gast würde ich eine kostenlose App bevorzugen, die das gleiche Feature-Set bietet und die der Gast bei Bedarf auf sein eigenes Handheld laden kann.. Für solche, doch recht überschaubare Anwendungen braucht man kein Extra-Gerät.

      Deshalb bezweifele ich, dass das hier vorgestellte Konzept grossen Erfolg haben wird.

    • @Thomas L.

      Das ist richtig, auch das eigene Gerät birgt Risiken.
      Subjektiv hat man aber zu den eigenen Geräten ein höheres Vertrauen. Man weiss da eher, was man installiert hat und welche Sicherheitsvorkehrungen man getroffen hat. Welche Schad- oder Überwachungssoftware auf wohl auf so einem Hotel-iPad installiert ist, vom Betreiber oder vorherigen Gast?

      Ich würde auch lieber mit einer App auf dem eigenen Gerät (das wohl fast jeder Gast mittlerweile hat) auf die Hotelangebote zugreifen.

      Zudem – warum sollte ich ständig 2 Geräte (eigenes & vom Hotel) im Blick behalten? Ich habe ja auch nicht ein Smartphone für myTaxi und eines für gmail. Die Variante würde auch die Hotelbetreiber finanziell entlasten.

    • Prinzipiell ist der Einsatz von Apps sicherlich wünschenswert. Allerdings funktionieren die für die Hotellerie schlicht nicht. Mehr Informationen haben wir in einem kurzen Blogbeitrag zusammengetragen:
      http://suitepad.de/hotel-app/

      Die Kernarguemente sind vor allem, dass die Apps im Schnitt von ca. 2% der Gäst heruntergeladen werden.

      Der Nutzen der durch die Geräte auf den Zimmern entsteht ist deutlich höher. Wir fangen mit dem Zusatzverkauf an, verringern Personalkosten (z.B. durch den Checkout über das Gerät) und haben einen gehörigen Marketingeffekt. Gäste berichten beispielsweise auf Tripadvisor und co. von SuitePad!

  2. Interessante Konzept. Welche Tablets werden denn eingesetzt?

  3. Hi Cess,
    da halten die Hotels ja zwangsläufig hohe Standards ein. Da die wenigsten Gäste ein Problem damit haben das Bad oder die Fernbedienung nach einem anderen Gast zu nutzen, sehen wir das unproblematisch.
    Das reinigen der Geräte ist Teil der Hotelprozesse und vermutlich ist das SuitePad sauberer als manches private Gerät.

    Bzgl. Kamera und Mikro kann ich Dir versichern, dass diese Funktionalitäten unterdrückt werden können und Dritte (auch wir) darauf keinen Zugriff haben.

    Viele Grüße, Moritz

  4. Ja. Eine eigene herunterladbare variante für mein iPhone wäre mir lieber.

    Bei reservierung und buchung des hotelzimmers bekomme ich nen buchungcode mit welchem ich dann auf dem iphone schon VORAB die hotelangebote sehen kann und restaurant etc auch schon reservieren kann.

  5. Klasse Idee!

  6. Macht doch erst mal Fernseher die Funktionieren und Infos bieten für Hotels.
    Die Bedienung und UI sind oft Katastrophe

  7. Mensch, super Idee…

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