6Wunderkinder kündigt Debüt von Wunderlist 2 an:
Das Spiel beginnt von vorn

Das Berliner Startup 6Wunderkinder steht kurz vor dem Debüt von Wunderlist 2. Nachdem die Weiterentwicklung der ambitionierten Produktivitätssuite Wunderkit eingestellt wurde, ruhen nun auch die wirtschaftlichen Hoffnungen auf dem Taskmanager.

Eine Sperrfrist für die Ankündigung eines Startups, demnächst die Neufassung einer bereits existierenden Produktivitätsanwendung zu veröffentlichen? In 99 Prozent der Fälle würden wir es ohnehin vorziehen, mit einem Bericht bis zum tatsächlichen Launch zu warten. Dann für eine “Coming soon”-Meldung sogar ein Embargo zu erhalten, das sicherstellen soll, dass eventuelle Presseberichte nicht vor dem offiziellen Blogbeitrag veröffentlicht werden, erfordert schon ein mächtiges Selbstbewusstsein. 6Wunderkinder, das Berliner Startup hinter dem populären Aufgabenmanager Wunderlist, scheint diese Selbstsicherheit mitzubringen und gab am heutigen Nachmittag in dem erwähnten Blogbeitrag die baldige Lancierung von Wunderlist 2 bekannt.

An dieser Stelle ein kurzes Wort an alle Webunternehmer, denen schon beim Stichwort 6Wunderkinder das Blut in den Kopf steigt und die der Meinung sind, ihr Marktplatz für gebrauchte Staubsaugerbeutel verdiene mehr Aufmerksamkeit als ein mit Risikokapital überhäufter Taskmanager aus Berlin: In der perfekten Welt mag dies so sein. 6Wunderkinder hat es jedoch geschafft, mit einer erfolgreichen To-Do-App in einem Segment voller austauschbarer Applikationen, einer hocheffektiven PR-Strategie für seine ambitionierte Produktivitätsstrategie Wunderkit, einem schnellen Scheitern eben dieser und eines einsichtigen, transparenten Umgangs mit den daraus resultierenden Erkenntnissen, die Aufmerksamkeit und auch den Respekt vieler Branchevertreter zu erlangen. Wahrscheinlich so sehr wie kaum ein anderes jungen deutsches Onlineunternehmen aus dem Netz in diesem Jahr. Insofern sollte es wirklich niemanden verwundern, dass sich viele Augen auf Wunderlist 2 richten. Selbst wenn auch das wieder “nur” ein Aufgabenmanager wird.

Heute also kommt von den Hauptstädtern die offizielle Nachricht, dass die iPhone-App und der Mac-OS-Client von Wunderlist 2 zur Freigabe an Apple übermittelt wurden, und dass der Launch der neuen Edition von Wunderlist damit unmittelbar bevorsteht. Auch Versionen für Android und Windows sind fertig. Mit konkreten Details halten sich die Wunderkinder dagegen noch zurück, aber immerhin vermittelt ein 30-sekündiges Teaser-Video (unten) einen ersten Eindruck der Neufassung, die noch mehr Fokus auf Simplizität legt, eine Reihe neuer Features mitbringt und für Retina-Bildschirme optimiert wurde.

Ich habe von den Berlinern einen Zugang zur Beta von Wunderlist 2 erhalten, musste dafür jedoch geloben, mich zur Funktionalität nicht weiter zu äußern. Dem füge ich mich, wobei mir dies nicht sonderlich schwerfällt, da wir bei netzwertig.com ohnehin selten ausführlich jedes Detail von den von uns vorgestellten Diensten hervorheben. Wunderlist 2 ist keine grundsätzliche Abkehr vom bisherigen Konzept, so viel sei an dieser Stelle gesagt. Wunderlist wurde bis zum September dieses Jahres 5,5 Millionen Mal heruntergeladen.

6Wunderkinder werden mit Wunderlist nicht nur versuchen, erneut ein Momentum zu generieren, sondern müssen sich langsam auch um die Monetarisierung kümmern. Ursprünglich war Wunderlist nur als “Teaser” für Wunderkit vorgesehen, das über Premiumfeatures Geld verdienen sollte. Diese Erlösquelle fällt nun aus. Der Druck, der auf dem Unternehmen lastet, ist nicht gerade gering.

Wäre ich in der Rolle von CEO Christian Reber und seinem Team, hätte ich wahrscheinlich darauf verzichtet, allein die Ankündigung zum baldigen Launch von Wunderlist 2 erneut groß aufzublasen. Andererseits haben die Berliner in der Vergangenheit gezeigt, dass sie wissen, wie man sich ins Rampenlicht befördert. Egal, ob es ihnen gelingt, Wunderlist 2 nun auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen oder nicht, so ist die Grundlage dafür eine möglichst große Nachfrage auf Seiten der User. Wie es aussieht, ebnen sie gerade den Weg dorthin.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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4 Kommentare

  1. Skeuomorphism ist auch in Berlin noch am Leben.

    Das Design ist nun wirklich nichts besonderes. Was das angeht, ist Clear ein ganz anderes Niveau.

  2. Holzoptik ist doch sowas von 2010. Ist doch schon lange out. Hatte gehofft die würden das Holz mal wegmachen in Wunderlist 2

  3. Das Ding war vom Start weg zum Scheitern verurteilt. Ich frage mich nur, warum die VC den Sterbeprozess bis zum letzen Atemzug unbedingt mitverfolgen wollen …

  4. Ich kann mir nicht helfen, aber mich erheitert das ungemein. Habe eben auch erst erfahren, dass das Wunderkit schon wieder Vergangenheit ist. Köstlich. Social-App-Media-Startup-Soap-Opera … was anderes ist das doch nicht. Ich muss ständig an “die Holding” der von Lahnsteins denken. Das hat alles mit Wirtschaft weit weniger zu tun als mit Theater. :)

4 Pingbacks

  1. [...] Das Spiel beginnt von vorn (Martin hat’s ausprobiert, redet aber nicht drüber bzw. “darf” [...]

  2. [...] 6Wunderkinder will noch vor Weihnachten die “Wunderlist 2″ präsentieren: Das zwischenzeitlich sehr gehypte Startup aus Berlin, das sich allerdings mit der ambitionierten Produktivitätssuite “Wunderkit” verzettelt hatte und dessen Entwicklung vor kurzem eingestellt hatte, setzt nun seine Hoffnungen voll auf seinen beliebte To-Do-List, die mit dem Relaunch deutlich verbessert werden soll. Einigen Ideen aus der Team-Lösung “Wunderkit” fließen in das neue Produkt ein, die Monetarisierung soll über ein Freemium-Modell erfolgen. gruenderszene.de, netzwertig.com [...]

  3. [...] Produkt ein, die Monetarisierung soll über ein Freemium-Modell erfolgen. gruenderszene.de, netzwertig.comweitere tagesaktuelle News und Trends finden Sie täglich frisch [...]

  4. [...] gehängt. Wirklich heiter ist aber, dass sie für die Ankündigung der baldigen Veröffentlichung eine Speerfrist herausgegeben haben. Wirklich [...]

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