Quabel:
Schreiben ohne Ablenkung

Wer viele Texte schreibt, wird ungern abgelenkt, etwa durch eine völlig überladene Textverarbeitungssoftware. Der Online-Editor Quabel will sich als Alternative empfehlen.

Die Reduktion von Ablenkungen im Bereich digitaler Medien liegt im Trend – vielleicht nicht nur beim Konsum von Texten, sondern auch beim Erstellen selbiger. Herkömmliche Desktop-Texteditoren sind mit Funktionen, Toolbars und Formatierungswerkzeugen überladen, was sie schwerfällig macht. Nicht jeder stört sich daran. Bedenkt man aber, wie Instapaper, Pocket, Quote.fm, dotdotdot und andere mit ihren minimalistischen, eleganten, auf das Wesentliche reduzierten Textdarstellungsformen Eindruck schinden und Fans gewinnen, liegt die Vermutung nahe, dass auch ein gewisser Bedarf an entsprechenden Tools für die Kreation von Texten besteht.

Ein deutsches Startup namens Quabel will sich nun in dieser Nische etablieren und herausfinden, ob sich aus ihr vielleicht sogar ein Markt von signifikanter Größe machen lässt. Vor drei Wochen erwähnte Markus den Service bereits im Samstag App Fieber, angesichts der allgemeinen Stimmungslage möchte ich den Dienst aus Mannheim an dieser Stelle aber nochmals hervorheben.

Quabel ist im Prinzip nicht unähnlich Google Docs (beziehungsweise Google Drive) oder Microsoft Office Web Apps, unterscheidet sich aber von den genannten Diensten dadurch, dass es auf alle überflüssigen Steuerungselemente verzichtet und das ins Zentrum stellt, worum es Nutzern entsprechender Angebote geht: die konzentrierte Arbeit an Texten. Quabel-Gründer Benjamin Flesch ist von dem browserbasierten Texteditor so überzeugt, dass er selbstbewusst erklärt, dass keine einfacher zu bedienende Schreibsoftware existiert.

Auch wenn die Quabel-Arbeitsfläche für das Verfassen von Texten durch die Abwesenheit von Toolbars glänzt, heißt dies nicht, dass Quabel keinerlei Funktionen mitbringen. Die Macher legen jedoch Wert darauf, nur solche Features zu integrieren, die für die anvisierte Zielgruppe von Studenten, Autoren, Journalisten und Bloggern einen hohen Nutzwert liefern. Dazu gehört unter anderem das Erstellen von Schreibzielen. User können festlegen, wie lange das Lesen oder das laute Vorlesen dauern sollen, und sich von Quabel mittels eines Statusbalkens und eines visualisierten Pixelfeuerwerks darüber informieren lassen, wenn dieses Ziel erreicht ist. Wer gerne weißen Text auf schwarzem Untergrund schreibt, kann in den Nachtmodus wechseln.

Weitere Features sind die Unterstützung der Markdown-Formatierung, ein Drag and Drop-Import von docx-Dokumenten, der Export nach PDF/ODT/Latex oder Markdown sowie das Veröffentlichen als Onlinedokument, das über einen eindeutigen Link von anderen Personen aufgerufen werden kann. Quabel lässt sich sowohl als Editor für Texte als auch als Onlineablage für selbige nutzen. Schlagwörter helfen beim Sortieren und Wiederfinden von Dokumenten.

Quabel funktioniert in allen modernen Browsern, auf PCs wie Tablets. Auf der Roadmap stehen native Apps für Mac OS und Windows 8. Geplant sind zudem eine Exportfunktion, um Texte direkt bei Dropbox abzulegen, ein Offline-Modus, eine Versionierung sowie Funktionen zur Kollaboration. Finanziert wird Quabel bisher aus eigener Tasche des Gründers, der auf eine Monetarisierung mittels Freemium setzt. Die werbefreie Gratisversion erlaubt das Ablegen von fünf Dokumenten. Für 24 Euro jährlich bietet Quabel unbegrenzten Speicherplatz, auch die nativen Apps sollen Premium-Nutzern vorbehalten bleiben.

Mit einem ablenkungsfreien Texteditor im Browser lassen sich gewiss nicht alle Probleme dieser Welt lösen. Doch so einfach das Konzept minimalistischer, um sämtlichen aus der IT-Vergangenheit ins Onlinezeitalter mitgeschleppten Ballast bereinigter Produktivitätswerkzeuge auch anmuten mag, so schwer scheint dessen Umsetzung den bekannten Akteuren in der Praxis zu fallen. Angesichts der klaren Preisstruktur und der geringen operativen Kosten für ein Angebot wie Quabel benötigen die Kurpfälzer nur eine vergleichsweise kleine Gruppe zahlender Nutzer, um daraus einen wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Vielleicht werden es ja auch mehr. Das Timing erscheint in jedem Fall gut.

Die ersten zehn netzwertig.com-Leser, die sich bei Quabel registrieren und anschließend hier einen Kommentar unter Angabe der für die Registrierung genutzten E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld veröffentlichen, erhalten einen lebenslangen Premium-Account.

Nachtrag: Die Premium-Accounts sind weg.

Link: Quabel

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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18 Kommentare

  1. Das mit dem ablenkungsfreien Schreiben hat mit ähnlichen Diensten auch schon ansatzweise funktioniert bei mir, ein Test könnte sich lohnen. Sieht auf jeden Fall gut und angenehm aus.

  2. Gern, klingt perfekt für konzentriertes Schreiben.

  3. Ist da mein Kommentar verlorengegangen, oder schleift er in der Moderationsschleife?

    Egal. Sieht gut aus, hätte ich gerne. Und wenn das hier der zweite Kommentar mit der selben Adresse ist: einfach löschen!

  4. Lebenslang Premium? Da bin ich dabei

  5. Sieht spannend aus. Viel Erfolg!

  6. Aber gerne doch!

  7. Macht einen guten Eindruck :-)

  8. Da bin ich dabei!

  9. Ich würds auch gern testen. Danke!

  10. Da bin ich doch auch gern dabei :) – Vielen Dank!

  11. Sieht interessant aus. Das würde ich gerne mal länger testen…
    Danke!

  12. Erinnert ein wenig an iA Writer oder Ulysses. Sicherlich einen Test wert.

  13. So, die ersten zehn sind dabei. Sorry an euch Henriette, Marcus und Jan.

  14. Vielen Dank für das rege Interesse. Ich habe nun Marcel, Georg, Michael, Konstantin, Sachar, Anne, Jan, Marcus, Roland zu Premiumbenutzer gemacht. Die die Änderungen sind aktiviert, nachdem ihr euch über das Benutzermenü abmeldet und wieder anmeldet. Wir hoffen, dass ihr viel Spaß mit eurem Premiummembership haben werdet! :-)

    @Tobias: Deine Emailaddresse habe ich leider nicht gefunden, schick uns doch bitte eine Email an team@quabel.com damit wir deinen Premiumaccount aktivieren können.

    Für weiteres Feedback und Kommentare sind wir natürlich offen!

  15. Vielen Dank, Benjamin. Freue mich sehr auf die Arbeit mit Quabel!

  16. Bei aller Freude ueber die Aufmerksamkeit fuer ein Startup aus Mannheim…das ist nicht Nordbaden,sondern die Kurpfalz ! Kleine Offtopic-Randbemerkung zum insgesamt spannenden Thema.

2 Pingbacks

  1. [...] Für alle Schreiberlinge einen Blick wert: Quabel – ein Webservice nur zum Schreiben. Quabel besticht nicht nur durch die einfachste Nutzeroberfläche der Welt (behaupte ich jetzt einfach mal – jedenfalls deutlich angenehmer als MS Word, Open Office, Google Docs oder was man sonst so kennt) – der Onlinedienst bietet außerdem ein interessantes Freemium-Modell, dass auch langfristige Finanzierung komplett ohne Werbung realistisch erscheinen lässt. via netzwertig [...]

  2. [...] herausfinden, ob sich aus ihr vielleicht sogar ein Markt von signifikanter Größe machen lässt.Weiterlesen bei netzwertig.com Twittern Flattr.flattr{margin-top:0px !important}Mehr lesenSchreibentextTools26.11.2012, 12 [...]

 
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