Journalismus im Netz:
Was Qualität wirklich bedeutet

Immer wieder führen Presseverlage die Rettung des Qualitätsjournalismus an, wenn sie rückwärtsgewandte Forderungen wie das Leistungsschutzrecht stellen. Doch was ist Qualität im digitalen Zeitalter eigentlich?

Kein Zweifel, die wilde, emotional geführte Debatte über die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter wird noch eine ganze Weile die Gemüter erhitzen. Aus Sicht der Verlage wahrscheinlich so lange, bis wieder jeder Leser für Inhalte Bares auf den Tisch legt. Doch da extrem unwahrscheinlich ist, dass dieser Tag jemals kommen wird, sind Medienmogule und Anhänger des bisher so schön praktizierten gebündelten Verkaufs von gedruckten Nachrichten, Analysen und Werbefläche schlicht zum Umdenken gezwungen. Mein Vorschlag: Sie sollten dabei ihren geliebten Qualitätsbegriff einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Immerhin ist es ja der die angeblich die Demokratie stützende Qualitätsjournalismus, der auf der Kippe stehe und nun unter anderem durch das überflüssige Leistungsschutzrecht gerettet werden soll (was völliger Quatsch ist).

Ich schlage den altehrwürdigen Verlagen, aber auch allen mit dem Internet entstandenen journalistisch arbeitenden Onlinemedien mit Paywall-Ambitionen ein Gedankenspiel vor: Was, wenn das Problem ganz einfach darin liegt, dass die Qualität der Inhalte schlicht nicht als hoch genug wahrgenommen wird, um Nutzer zum Bezahlen zu bewegen? Was, wenn 95 Prozent des produzierten Journalismus noch nie den hohen Ansprüchen genügte, die Verlage gerne vorgeben, an sich zu stellen, und die Leser erfüllt sehen müssen, um in der heutigen Ära massiver Ablenkung trotzdem die Brieftasche zu zücken? Was, wenn die einzig effektive Maßnahme zur Rettung des Qualitätsjournalismus darin liegt, Journalismus besser zu machen?

Qualität ist relativ

Qualitätsjournalismus ist relativ. Was in den Augen einer Redaktion ein absolutes Highlight mit einem enormen Produktions- und Rechercheaufwand darstellt, entlockt Lesern im schlimmsten Fall nur ein Gähnen. Etwa dann, wenn sie zwei Wochen zuvor Ähnliches schon an anderer Stelle gesehen haben. Relativ ist er auch, weil die Wahrnehmung von Qualität immer davon abhängt, was die Wettbewerber bieten – vom kleinen Blog bis hin zum Verlagsimperium. Je niedriger diese die Messlatte legen, desto leichter ist es, den eigenen Inhalt als Qualitätsjournalismus zu positionieren. Je mehr die Konkurrenz liefert, desto stärker müssen sich alle ins Zeug legen.

Qualitätsjournalismus muss auch nicht zwangsläufig teuer sein. Qualitätsjournalismus könnte heißen, Lesern Informationen und Ideen zu vermitteln, die für sie äußerst hohen Neuigkeits- und Nutzwert haben. Jeff Jarvis formulierte dies jüngst ganz nett, als er vorschlug, den Erfolg von Journalismus nicht daran zu messen, wie viele Klicks ein Artikel erhält, sondern wie stark die Öffentlichkeit informiert wird. Dazu braucht es intelligente und kreative Menschen, die um die Ecke denken, den Blick für das Große Ganze besitzen, empathiefähig sind und die heute wissen, was Leser morgen wirklich lesen wollen. Und natürlich stellen auch exklusive Enthüllungsgeschichten Qualitätsjournalismus dar.

Wer sich anheftet, Qualitätsjournalismus zu machen, bietet Lesern also entweder eine Mischung aus diesen Aspekten oder spezialisiert sich auf einzelne Disziplinen. Und ist dabei besser als der überwiegende Teil der Mitbewerber.

Leser zahlen nicht, wenn keine Qualität geboten wird

Würde man die Zahlungsbereitschaft einer großen Zahl an Menschen als Maßstab dafür nehmen, ob ein Medienangebot im Internet Qualitätsjournalismus anbietet oder nicht, müsste man schlussfolgern, dass die meisten Medienhäuser – von den Konzernen bis hin zu Mini-Onlinverlagen – dabei versagen.

Für einige, wie Spiegel Online, wird dies kein Problem sein, da sie mit der Werbefinanzierung und anderen indirekten Monetarisierungsverfahren zufrieden sind und gar nicht den Plan hegen, sich direkt von den Lesern vergüten zu lassen (wobei sich das natürlich auch bei SPON schnell ändern kann). Ob das, was sie machen, dann objektiv als Qualitätsjournalismus bezeichnet werden darf oder nicht, spielt da keine Rolle.

Andere wiederum werden insgeheim zustimmen und sich maximal zum Schein darüber echauffieren, dass Leser für ihren scheinbaren Qualitätscontent nicht Geld hinblättern möchten.

Bleibt die dritte Kategorie. Diejenigen, die tatsächlich glauben und dies an einzelne Beispielen auch belegen können, Qualitätsjournalismus zu machen, und trotzdem nicht in der Lage sind, dauerhaft hinreichend viele Onlineleser als zahlende Kunden gewinnen zu können. Also etwa die FAZ oder die Süddeutsche.

Qualität heißt, Quantität zu reduzieren

Fakt ist: Auch diese liefern nicht Qualität am laufenden Band (ausgehend von oben beschriebenen Kriterien), sondern mischen ihre wirklichen Meisterstücke, Exklusivgeschichten, den Leser bewegendes Gedankenfutter und hochgradig nützliche Serviceangebote mit allerlei Füllmaterial, bestehend aus kurzen Nachrichtenartikeln, austauschbaren Presseagenteur-Texten, Apple-Gerüchten, Mini-Kolumnen, TV-Kritiken, Sportberichten und Boulevard. Kurzum, mit Inhalten, die eine Halbwertszeit von zwei Sekunden haben. Sie unterhalten vielleicht im Moment des Lesens, sind danach aber schnell vergessen und würden niemals Leser dazu bringen, auch nur einen Cent zu zahlen.

Jetzt kommt eine kleine Rechnung: Welches Produkt wird in den Augen der Leser eher als hochwertiges Qualitätsmedium wahrgenommen? Eines, das täglich 100 Artikel publiziert, von denen fünf oder zehn von einem signifikanten Teil der Leser als wirklicher, einzigartiger Qualitätscontent bezeichnet werden, oder eines, das täglich zehn Artikel publiziert, von denen fünf Beiträge Leser vom Hocker reißen?

Die Antwort ist offensichtlich: Nicht die absolute Zahl der die Leser begeisternden Beiträge entscheidet über die Wahrnehmung und erfolgreiche Positionierung als Premium-Produkt, sondern der prozentuale Anteil. Vergessen wir nicht: Das Angebot an aktuellen Inhalten im Netz ist schier unbegrenzt. Wer für digitalen Journalismus zahlt, der erwartet dafür einerseits inhaltliche und funktionelle Qualität, und andererseits Rücksicht auf die eigenen begrenzten Ressourcen (= Zeit) in der Aufmerksamkeitsökonomie, in der Ablenkung immer nur einen Klick oder Swipe entfernt ist.

Ein sinnvolles Experiment für Qualitätsmedien wäre es, eine exklusive App unter einer eigenen Marke zu veröffentlichen, die einmal pro Tag oder in der Woche eine extrem begrenzte Auswahl von besonders lesenswerten Inhalten liefert, das ganze mit einer passenden, jungen Premium-Markenidentität schmückt und – anders als etwa die FAZ-iPad-App – bewusst auf die Erwähnung des falsche Assoziationen weckenden Begriffs “Zeitung” verzichtet. In etwa so wie The Magazine von Instapaper-Macher Marco Arment, nur eben für eine breitere Zielgruppe.

Qualität vor Quantität. Weniger ist mehr. Selten trafen diese Sprichwörter den Nagel besser auf den Kopf als beim Journalismus im Netz. Kurzlebigen, austauschbaren Fast Food Content sowie Nachrichten gibt es an jeder Ecke gratis, und das wird angesichts der niedrigen Einstiegsbarrieren zum Publizieren im Web für immer so bleiben. Wer mehr bieten will, muss weniger bieten: Ballast, versteht sich. Abspecken lautet die Devise.

(Foto: Flickr/dulnan, CC BY 2.0)

 

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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20 Kommentare

  1. Ich stimme häufig mit Deinen Analysen nicht überein, aber diesmal hast Du meines Erachtens den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Sehr schöner Artikel! Geradezu Qualitätsjournalismus…

  2. Ich fand diesen Beitrag sehr interessant. Und für mich ist DAS das Kriterium des Qualitätsjournalismus. Ich gehöre (noch) zu den Abonennten der SZ. Doch schon länger bemängele ich den Zustand, den der Blog-Autor anspricht: die Zeitung ist so dick, dass man damit Menschen erschlagen kann. Doch INTERESSANTE Artikel füllen (aus meiner Sicht) vielleich drei-vier Seiten. Wozu brauche ich die restlichen 50-60?

    Ich wünschte, man könnte sich aus einem Angebot (eventuell gestützt durch lernende Software) selbst die Zeitung (oder wie auch immer man es dann nennt) aus eben interessanten Artikeln zusammenstellen – und eben nur dafür muss / soll man bezahlen.

    Mir wären diese 4-5 Seiten auch 2,50 Euro wert.

    Genauso wie 50 Cent für diesen Blog-Beitrag. Nur wie soll ich bezahlen? Ja, ich weiß, was Flattr ist, Nein ich will mich nicht auf einer weiteren Online-Plattform registrieren… Aber das ist ja ein ganz anderes Thema!..

    • Überleg es dir nochmal mit Flattr, damit kannst du ja gleich eine Reihe an Blogs unterstützen, auch viele private die wohl weniger finanziellen Rückhalt genießen als das Blogwerk-Team (natürlich seid ihr es trotzdem wert!). ;-)

      Immer noch besser als sich dafür Paypal auszuliefern…

  3. Nun ja, große Onlinemedien brauchen für die umfängliche Versorgung auch den ganzen Informations-”Ballast”. Es kommt wohl auf das bestmögliche Verhältnis von Qualität und Ballast an – und auf die gute Strukturierung und Abscheidung von Qualität und Ballast.

  4. super artikel in letzter zeit. den von le web fand ich auch super. ich finde auch artikel von dir gut, die von deiner seite gut begründet sind, wo ich persönlich aber anderer meinung bin.

    das konzept weniger ist mehr sollten die zeitungen ruhig mal versuchen zu verstehen und dann ausprobieren (nicht umgekehrt).

    zusammen mit keep it simple ist das eine meiner hauptphilosophien, die ich auf so ziemlich alles anwende.

    apple hat beim design mit “weniger ist mehr” vorgemacht, dass man mit “hardware / unterhaltungselektronik” gutes geld verdienen kann, wenn das produkt auch nur gut. das ist sicherlich nicht der einzige grund – aber ein sehr wichtiger.

    abgesehen von inhalt und design lassen sich noch sehr viele bereiche finden, wo “weniger mehr ist”. aber das überlasse ich jedem selbst.

  5. @ Nada
    Danke, das freut mich dann ganz besonders zu hören.

    @ Peter
    Uns freut es einfach, wenn du “bezahlst”, in dem du den Beitrag im Web teilst oder Bekannten von dir von netzwertig.com erzählst ;)

    @ Jurnalist

    Nun ja, große Onlinemedien brauchen für die umfängliche Versorgung auch den ganzen Informations-”Ballast”

    Wieso?

    @ steffen
    Vielen Dank! Das motiviert.

    Ich sehe das wie du: “Weniger ist mehr” verdient es eigentlich, das Motto dieses Jahrhunderts zu werden. Auch im Hinblick darauf, dass durch das bisher gültige “Mehr ist mehr” die Welt ziemlich in Mitleidenschaft gezogen wurde.

    Die Frage ist allerdings, ob der Mensch dazu grundsätzlich in der Lage ist.

    • Gute Frage. Vielleicht, nein, sicher braucht in der Tat nicht jedes Onlinemagazin den ganzen Ballast, ja heute schon nicht, wie Beispiele Carta, netzwertig usw. zeigen. Aber die ganz großen wie SPON, SZ usw. schon – wenn sie als General Interest laufen wollen.

  6. Für mich ist Qualität gleich Einzigartigkeit, Exklusivität.

    Einfach nur über das Schreiben, über das bereits andere einen Artikel herausgebracht haben, ist keine besondere Leistung. Wie Martin bereits geschrieben hat, egal wie hoch der zusätzliche Produktions- und Rechercheaufwand war, wenn man bereits darüber erfahren hatte ist der Mehrwert meist gering.

    Auch für SEO gilt ‘unique content’ – also einzigartige Inhalte – sind König. Anstatt wie von Zeitungskonzernen geschehen, die lokalen Abteilungen der Zeitungen zuzumachen und zu zentralen Newsdesks zusammenzuschalten, welche nun den gleichen Massenbrei für alle lokalen Zeitungen liefern, wäre genau die gegensätzliche Strategie richtig gewesen: möglichst viele einzigartige Inhalte zu produzieren aus den verschiedenen Städten.

    Gestern war bei mir um die Ecke wo ich wohne ein schwerer Unfall an dem ich am Feierabend vorbei kam. Qualitätsjournalismus wäre für mich bereits ein einfacher Bericht über das Geschehen. Was ist passiert und warum. Das mag keinen Einfluss auf die Weltgeschichte haben, aber wäre für mich interessant. Genauso sind Kolumnen immer interessant, da sie meist einzigartige Stellungnahmen oder neue Ideen sind.

    Qualität ist für mich etwas, dass ich nirgendwo anders bekomme, ob einfacher lokaler Journalismus oder eine anspruchsvolle Kolumne eines Nobelpreisträgers. Auch wenn ich mich wiederhole: Qualität sollte an Einzigartigkeit gemessen werden, nicht an Quantität (egal ob viel, oder wie von Martin vorgeschlagen, wenig). Wieviele andere Quellen haben sich ebenfalls die Mühe gemacht darüber zu berichten, egal ob lokaler Unfall oder ein kompliziertes Quantenphysikexperiment in Singapur.

  7. Schöner Text! Das Verhältnis zwischen professionellem Journalismus und Social Media ist hochkomplex, jedenfalls deutlich komplizierter, als sich in der Blogosphäre in den meisten Fällen lesen lässt. Qualitätsjournalismus IST Selektion, Bewertung, Einordnung, Kontextualisierung – und zwar in aller Regelmäßigkeit (also mit Erwartungssicherheit) und zu einem breiten Themenspektrum. Das kann und will das Social Web ja gar nicht leisten.

  8. @ Miri: Wenn Du da etwas weiterlesen willst, kann ich Dir folgendes Buch empfehlen (vor allem den 3. Teil zur Medienöffentlichkeit, u.a. auch GuttenPlag-Wiki):

    http://amazon.de/Internet…Medien/dp/383603588X

  9. Ich stimme prinzipiell zu, dass Zeitungsinhalte reduziert werden sollen. Insbesondere Meldungen, die am nächsten Morgen einfach keine Nachricht mehr sind, weil das Medium zu langsam dafür ist.

    Allerdings trifft der hier beschriebene Ansatz nicht wirklich das Problem. Es ist ja nicht so, als gebe es keine Veröffentlichungen, die auf Qualität statt Quantität setzen. Mir fällt spontan BrandEins oder Cicero ein. Auch der Spiegel in gewisser Weise.

    Dann ist da auch das Problem der Vielfältigkeit. Zumindest früher war die Zeitung ein Familienprodukt. Da wurden die einzelnen Ressorts aufgeteilt, oft sogar gab es für die kleinsten eine Kinderseite. Von dem Gedanken müssen sich Zeitungen verabschieden, da stimme ich ein. Dennoch ist eine Tageszeitung kein Nischenprodukt. Es geht hier darum, das Tagesgeschehen abzudecken. Und das erwarten auch die meisten Leute, ansonsten würden sie zu einer Spezialveröffentlichung greifen.

  10. Ich finde es sehr gut, dass Netzwertig nicht jeden Tag zig neue Newsartikel bringt, sondern wie du sagst, Wert auf Qualität legt. Wie schafft ihr es denn eigentlich euch zu finanzieren?

  11. @ dos
    Cicero kann ich nicht kommentieren, aber BrandEins wird ja immer wieder als Vorzeigebeispiel für Qualitätsjournalismus angeführt – und Leute zahlen viel dafür.

    BrandEins macht damit im Prinzip genau das, was ich im Artikel beschreibe. Und eines Tages wird sie nur noch online erhältlich sein, und dabei ihre Käufer nicht verlieren. Weil die Leute wissen, das sie bei BrandEins viel Qualität und wenig Füller bekommen.

    @ Robert
    Danke ja wir versuchen, bei der Frequenz nicht über die Stränge zu schlagen. netzwertig.com als eines der Blogs von Blogwerk finanziert sich durch Werbung (Display, Advertorials).

  12. Ich hab mir etwas mehr erwartet von dem Artikel.
    Ich meine, ich stimme Eurer Meinung natürlich voll und ganz zu aber das hier Geschriebene ist ja nun nichts Neues. Ich dachte, da kommen noch ein paar neue Vorschläge und Denkansätze.
    Ich möchte gern auch noch dem Robert beipflichten und Euch mal kurz loben. Die Frequenz der Artikel sagt mir zu und die Auswahl der Themen wirkt gezielt und ausgewählt. Wer ein Newsreader benutzt merkt schnell, welche Blogs ständig zur selben Zeit über den selben “heißen Schitt” im Internet bloggen. Ihr fahrt immer mehr Eure eigene Schiene, das tut gut.

  13. Ich bleib dran, natürlich.:o)
    Das wollt ich unbedingt noch loswerden:
    Auf Artikel über Facebook und Apple könnte ich als Blogleser verzichten.
    Oder anders, ich kann es nicht mehr lesen.

  14. Du sprichst mir aus der Seele. Ich als Student habe (noch) ein Zeit-Abo, aber aus meiner (subjektiven) Sicht steht da zunehmend belangloser Schrott drin, der letztendlich aboslut keine Aussagekraft besitzt. Auf der Buchmesse wurde ich zudem mit Probeabos überhäuft, aber tatsächlich habe die diese nur gekündigt und in die Blätter selbst kaum einen Blick geworfen. Insbesondere bei der Zeit kommt noch dieser unmögliche Formfaktor hinzu, der das Blatt nicht einmal richtig in meine (auch nicht unbedingt kleine) Messenger-Bag passen lässt, schon gar nicht neben Laptop/Tablet/Büchern.
    Die Entscheidung, welche Strategie man fahren sollte, bleibt natürlich auch zu großen Teilen von der Zielgruppe abhängig. Die Frage ist, wie der Großteil der Zeit-Leser (um bei dem genannten Beispiel zu bleiben) mit einer Umstellung des Formates, also kleiner zugunsten weniger, besserer Artikel, bei Beibehaltung des Preises reagieren würde. Eine Preisanpassung nach unten halte ich für unwahrscheinlich, weil man einerseits mit den aktuellen Preisen eine gewisse Zeit vorauskalkuliert hat und seine Margen natürlich nicht schmälern will. Und wie würden die Verhältnisse zwischen Stammlesern, die sich erzürnt abwenden, und Neukundengewinn aussehen?
    Der Ansatz “weniger für besser” käme der journalistischen Qualität sicherlich zugute, da stimme ich dir völlig zu, aber ich denke, dass darüber auch in den Verlagshäusern eine gewisse Klarheit herrscht. Die letztendliche Umsetzung – könnte ich mir sehr gut vorstellen – dürfte wohl aber zu großen Teilen durch wirtschaftliche Erwägungen verhindert/verzögert werden.

  15. Durch Libyen aufgewacht

    Ein entscheidender Wendepunkt war die Berichterstattung über den Feldzug gegen Libyen. Die Darstellungen in Funk und Presse einerseits sowie im Internet, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Nach diesem ungeheuerlichen Zivilmassaker, das die ‘Qualitätsjournalisten’ dem interessierten Leser als humanitäre Hilfeleistung verkaufen wollten, hat sich der Leserrückgang massiv beschleunigt. Die Medienkonzerne hatte offenbar die Buschtrommel unterschätzt, mit der sich Arbeitskollegen via Flurfunk informierten. Kurzum, es hat sich rumgesprochen, dass da etwas nicht stimmen kann mit unseren Leidmedien.

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