Xing Radar:
iPhone-App informiert über
Xing-Nutzer in der Nähe

Das Münchner Startup twofloats hat eine iPhone-App auf Basis der Xing API veröffentlicht, die im Hintergrund arbeitet und sich meldet, wenn andere Nutzer der Anwendung den eigenen Weg kreuzen.

Die meisten von uns lernen gerne neue Menschen kennen. Besonders, wenn man über gemeinsame Interessen, Hobbies oder Fachgebiete verfügt. Dennoch hat die mobile “People Discovery”, eines der Hype-Themen der Startup-Szene in der ersten Hälfte dieses Jahres, bisher keinen Durchbruch erlebt. Das hindert neue Akteure wie etwa den Bremer Dienst F1eld allerdings nicht daran, es trotzdem nochmal zu versuchen. Aus Gilching bei München kommt ein weiterer deutscher Anbieter, der sich auf die Fahne geschrieben hat, spontane, persönliche Treffen zwischen einander bisher unbekannten Personen in die Wege zu leiten. Xing Radar heißt die gerade veröffentlichte iPhone-App des Startups twofloats, und der Name lässt schon erahnen, worum es bei der zum Debüt in Deutschland, der Schweiz und Österreich kostenlos verfügbaren Anwendung geht: Xing-Kontakte in der Nähe von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen.

Xing Radar nutzt eine von twofloats entwickelte, batterieschonende “Proximity Detection”-Technologie, um andere iPhone-Nutzer in der unmittelbaren Umgebung zu identifizieren. Die App überprüft dazu in regelmäßigen Abstanden einen Radius von zwei Kilometern und informiert per Push-Mitteilung, sofern sich die eigenen Wege mit denen eines anderen Users von Xing Radar kreuzen. Geschieht dies, bietet die Applikation Nutzern verschiedene Optionen zur Kontaktaufnahme: Neben einer Chatfunktion zum Versand von Direktnachrichten kann auch eine SMS oder eine E-Mail gesendet oder direkt ein Anruf getätigt werden. Indem Nutzer sich bei Xing Radar mit ihren Xing-Benutzerdaten anmelden, entscheiden sie sich automatisch für die Freigabe dieser Profilinformationen für andere, in der Nähe befindliche User der App. Auch nachträglich lässt sich innerhalb des Xing Radar nachschauen, wann man sich in der Nähe welcher Nutzer befand.

Zeigt nur andere Nutzer der Xing Radar-App

Xing Radar macht von der vor einigen Monaten veröffentlichten Xing-API Gebrauch und spinnt auf Basis der Xing-Mitgliedschaft ein mobiles Location-Netzwerk. Angezeigt werden jedoch nur Personen, die Xing Radar ebenfalls installiert haben. Wie alle People-Discovery-Services der letzten Zeit steht somit auch Xing Radar vor der Herausforderung, die Anwendung auf möglichst viele iPhones (ab iOS 5) von Xing-Nutzern im deutschsprachigen Raum zu bringen, selbst wenn in der Anfangsphase spontane Zusammentreffen aufgrund der geringen Nutzerdichte noch selten sind. Dennoch soll die App ohne Marketingaktivitäten von twofloats bereits vierstellige Downloadzahlen verzeichnen. Xing zugute kommt hier einerseits der Neuigkeitsfaktor und zum anderen die hohe Affinitiät des harten Kerns der Xing-Mitglieder für alles, was ihr geliebtes Networking bereichert. Blogger Joachim Rumohr, der sich selbst als “Deutschlands Xing-Experte Nummer 1″ bezeichnet, sieht in Xing Radar “eine der ersten massentauglichen Anwendungen, die auf der Basis der Xing API entstanden”. Xing bietet in seinen eigenen Apps mit dem “Handshake-”-Feature zwar ebenfalls eine Gelegenheit, sich über in der Nähe befindliche Nutzer zu informieren. Dieses muss jedoch jeweils manuell aktiviert werden, berücksichtigt einen kleineren Radius und macht nicht im Hintergrund über Push-Meldungen auf potenzielle Zusammentreffen aufmerksam.

Noch präsentiert sich Xing Radar mager, was den Funktionsumfang betrifft. Filter für eine Feinabstimmung von Benachrichtigungen über in der Nähe befindliche Nutzer fehlen ebenso wie eine Option, um Hinweise auf sich erstmalig bei Xing Radar anmeldende Xing-Kontakte abzuschalten. Bedauernswert ist auch die Abwesenheit eines Buttons, um einfach die permanent eingeschaltete Standortbestimmung zu pausieren und in einen “Unsichtbarkeits”-Modus zu wechseln. Da das Location Tracking im Hintergrund bei geschlossener Xing Radar-Anwendung Teil der Kernfunktionalität darstellt, bleibt temporär die Einsamkeit suchenden iPhone-Nutzern nichts anderes übrig, als in den iOS-Systemeinstellungen die Standortbestimmung für die App abzustellen. In allen Punkten versprechen die Münchner bereits Nachbesserungen für ihre nächste Version.

Xing Radar funktioniert nur tagsüber Montag bis Freitag

Skurril mutet das erzwungene Pausieren der App nach 19:00 Uhr und vor 7:00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen an. Xing Radar informiert lediglich Montag bis Freitag und jeweils tagsüber über andere Xinger in der Nähe. In der Pressemitteilung von twofloats wird dies als Eigenheit der kostenlosen Basis-Version bezeichnet. Eine “Nachtschicht-Option”, die “besonders bei Abendgestaltungen” interessant sei, steht demnach auf der Roadmap – könnte dann aber Geld kosten.

Dass ein soziales Netzwerk nur zu vorgegebenen Zeiten genutzt werden kann, dürfte in der Geschichte des Internets zumindest in der westlichen Welt nahezu einmalig sein und macht nicht den Eindruck einer smarten Produktdifferenzierung in Vorbereitung auf eine Bezahl-Version der App. Speziell in der Anfangsphase, in der nichts wichtiger ist als das schnelle Erreichen einer kritischen Masse, stellt jede Limitierung eine kontraproduktive Wachstumsbremse dar. Aber vielleicht geht es den Bayern auch einfach darum, verhindern zu wollen, dass alkoholisierte, entfesselte Schlipsträger zu fortgeschrittener Stunde dazu übergehen, Xing Radar nicht mehr für geschäftliche sondern eher für private “Synergiepotenziale” zu nutzen.

Xing Radar demonstriert die twofloats-Technologie

Auch wenn die twofloats-Gründer Markus Otte, Karsten Bubinger und Dr. Florian Odronitz anstreben, Xing Radar zu einer Erlösquelle zu machen, dient die App gleichzeitig als Demonstration der von dem Unternehmen entwickelten Location-Technologie, die analog zum Konzept von Xing Radar Firmen die Chance bietet, ihre Nutzer beziehungsweise Kunden untereinander mobil und standortbasiert zu vernetzen.

Ob Xing Radar tatsächlich zu kurz- oder langfristig wertvollen Business-Bekanntschaften führt, werden die Nutzer in den nächsten Wochen und Monaten erfahren. Auch wenn zu jedem den eigenen Radius streifenden Nutzer maximal eine Push-Meldung innerhalb von 24 Stunden angezeigt wird, klingt der Einsatz der App eher nach einem Zufallsspiel, solange nicht selektive Filter und Blockierwerkzeuge angeboten werden. Selbst wenn für manch leidenschaftliche Xing-Nutzer schon der gleiche Wohnort oder der Profileintrag “Social Media” genügen, um sich vernetzen zu wollen, stellen Xing-Nutzer keine derartig homogene Gruppe dar, als dass allein die Mitgliedschaft ein überzeugender Grund ist, miteinander einen Kaffee trinken zu gehen. Aber überzeugte Xing-Networker sehen das vielleicht ganz anders.

Link: Xing Radar

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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