Siebenstellige Kapitalspritze und neue Benutzeroberfläche:
Hojoki verspricht hohe Produktivität
in der Cloud

Eine Finanzierung in siebenstelliger Höhe und eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche sollen dem Chemnitzer Startup Hojoki dabei helfen, sich zu einer Art HootSuite für Produktivität in der Cloud zu entwickeln.

Vor knapp einem Jahr öffnete das Chemnitzer Startup Hojoki die Tore zu seinem Aggregator und Kollaborationsdienst für persönliche Konten bei Clouddiensten. “Make all your cloud apps work as one”, so das Motto zum Debüt im Dezember 2011. 25 einschlägig bekannte Cloud- und Produktivitätsanwendungen, von Dropbox und Google Drive über Basecamp und Github bis zu Skydrive und Yammer, lassen sich mittlerweile über Hojoki zentralisieren, als einheitlicher oder gefilterter Stream darstellen und für die effiziente Arbeit alleine oder im Team nutzen. Einen Statusbericht zu dem von Martin Böhringer, Lutz Gerlach, Danilo Härtzer und Thilo Schmalfuß gegründeten Dienst publizierten wir im April, als Hojoki gerade die Marke von 20.000 Nutzern durchbrach und eine mobile Version lancierte. Während ein anderer Vertreter der “neuen deutschen Produktivitätswelle”, Wunderkit, nach anfänglicher Euphorie nicht mehr weiterentwickelt wird, geht es für die Sachsen in nicht eiligen, aber zielstrebigen Schritten nach vorne. Heute verkündet das Unternehmen diverse Neuigkeiten.

Kapitalspritze in siebenstelliger Höhe und über 50.000 Nutzer

Die aus Sicht des Startups wichtigste Meldung zuerst: Nach einer initialen Finanzierungsrunde in Höhe von 500.000 Euro durch Kizoo Technology Capital im November 2011 erhält Hojoki eine frische Kapitalspritze in siebenstelliger Höhe. Neben Kizoo, das seine Beteiligung ausbaut, ist Creathor Venture mit an Bord. Das Geld verschafft dem 16-köpfigen Team neuen Spielraum für die Verwirklichung der Vision, die tägliche Arbeit mit Cloud Apps zu vereinfachen – oder, um es mit den Worten der Hojoki-Gründer auszudrücken, ein Art “HootSuite für Produktivität in der Cloud” zu werden. Momentan kann Hojoki komplett kostenlos genutzt werden. Für das kommende Jahr kündigen die Macher zwar eine kostenpflichtige Premium-Version an, die jüngste Finanzierung erlaubt es ihnen jedoch, sich vorerst weiter auf den Ausbau des Produkts zu fokussieren und die Zahl der Anwender zu erhöhen.

Parallel zur Nachricht der Finanzierung geben die Chemnitzer auch bekannt, mittlerweile mehr als 50.000 User vorweisen zu können. Demnach legt Hojoki um rund 4000 bis 5000 Nutzer pro Monat hinzu, was für einen auf eine internationale Anwenderschaft ausgerichteten Anbieter noch kein schwindelerregendes Wachstumstempo darstellt, aber doch signalisiert, dass Hojoki mit seinem Konzept den Nerv mancher Cloudworker zu treffen scheint.

Neue Benutzeroberfläche 

Eine weitere Neuigkeit aus dem Hause Hojoki ist ein kompletter Relaunch der Benutzeroberfläche, der in diesen Minuten scharf geschaltet wird. Ich konnte das neue Interface bereits vorab ausprobieren und fühlte mich deutlich wohler als in der Vorgängerversion. Auch diese präsentierte sich zwar aufgeräumt und um alle störenden, überflüssigen Funktionen bereinigt, trotzdem entstand nicht die richtige Atmosphäre, die mich dazu bewogen hätte, Hojoki tatsächlich ernsthaft als Produktivitäts- und Kollaborationstool zu verwenden. Die neue Fassung mit einem nüchternen, textbasierten und vertrauten Dreispaltensystem, einem hellgrauen, einheitlichen Hintergrund statt dem bisherigen Holzmuster sowie einer zentralen Darstellung aller wichtigen Kern-Features sorgt für eine Stimmung, die sich erheblich besser für die Anwendungsszenarien eignet, die Hojoki in den Mittelpunkt rückt.

Wie bisher erlaubt Hojoki das Verbinden des eigenen Accounts mit den 25 unterstützten Cloud-Apps und zeigt sämtliche Aktivitäten von dort in einem Stream an. Über individuell erstellbare Arbeitsflächen kann einzelner Content aus diesen Quellen hervorgehoben und Kollaborteuren zugänglich gemacht werden. Jedes Contentelement besitzt eine Kommentarfunktion. Um mit anderen zusammenzuarbeiten, empfiehlt es sich, dass diese ebenfalls bei Hojoki registriert sind. Allerdings hindert der Dienst per E-Mail zu einer Arbeitsfläche eingeladene User nicht daran, sich über eine geheime URL an einer Kommentardebatte zu beteiligen, auch wenn sie kein Hojoki-Konto besitzen.

Neu ist die Möglichkeit, Kommentare zu einem Contentelement in Hojoki auch direkt bei der jeweilige Cloudanwendung publizieren zu lassen. Wer etwa die Projekttools Highrise, Basecamp und Trello mit seinem Hojoki-Account verbunden hat und einen von dort stammenden, zu Hojoki importierten Eintrag in Hojoki kommentiert, macht diesen Kommentar parallel den Kollegen in den anderen Services zugänglich – selbst wenn diese nicht bei Hojoki dabei sind. Analog zu HootSuite oder TweetDeck fungiert Hojoki damit als app-übergreifende Nachrichtenzentrale, von der aus man einen vollständigen Überblick über alle Geschehnisse bei den genutzten Onlineservices hat. So hofft das Startup zumindest, von den Usern wahrgenommen zu werden.

Nische oder Werkzeug für die Masse?

Eine Prognose darüber, ob Hojoki ein Nischenwerkzeug für einige besonders eifrige Cloudnutzer bleibt oder zu einer auch von der breiten Masse verwendeten Cloudzentrale aufsteigen könnte, wage ich an dieser Stelle nicht zu treffen. Fakt ist, dass das neue Hojoki optisch eine signifikante Verbesserung zur ersten Fassung darstellt. Zu erfahren, inwieweit es sich in den persönlichen Onlinealltag einfügt, setzt aus Anwendersicht voraus, dass man sich intensiv mit dem Service beschäftigt und ihn über einen längeren Zeitraum ausprobiert. Genau die Bereitschaft dafür müssen sich Startups mühsam erarbeiten. Mein Eindruck ist, dass die Hojoki-Crew ein gutes Gespür dafür besitzt, wie man in einem umkämpften, in den Kinderschuhen steckenden Markt die Neugier der Nutzer auf sich zieht, ohne dabei durch zu vollmundige Versprechungen im Nachhinein enttäuschte Gesichter zurückzulassen.

Eine ab heute laufende Kooperation mit dem Onlinespeicherdienst und Dropbox-Konkurrenten Box könnte dem sächsischen Startup ebenfalls dabei helfen, neue Nutzer zu akquirieren: Hojoki-Mitglieder erhalten über einen Link auf ihrem Dashboard die Gelegenheit, bei der Registrierung eines Box-Kontos 25 Gigabyte statt der üblichen fünf Gigabyte einzuheimsen.

Der größte direkte Konkurrent von Hojoki kommt übrigens aus Österreich und heißt Refinder.

Link: Hojoki

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. also im grunde nix anderes als friendcaster ?! nur die teurere version davon

Ein Pingback

  1. [...] und Cloudaggregators. Für ein internes Projekt testeten wir den Service in den vergangenen Wochen.Ende November verpasste sich der Chemnitzer Produktivitätsdienst und Cloudaggregator Hojoki eine komplett neue Oberfläche. Diese [...]

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