Clevere Idee:
ChangeYourFlight ermöglicht Rückerstattung von Billig-Flugtickets

Das in Barcelona ansässige Startup ChangeYourFlight will Passagieren für nicht angetretene Billigflüge zumindest einen Teil ihrer Kosten erstatten. Noch mangelt es an partizipierenden Airlines, aber die Idee ist gut.

Wo wir schon beim Thema Luftfahrt sind, bleiben wir am besten noch kurz dabei: Folgende Situation dürfte vielen von euch bekannt vorkommen: Ihr habt für vergleichsweise wenig Geld ein Flugticket bei einer Billigairline erworben, stellt jedoch einige Tage vor der geplanten Reise fest, dass ihr den Trip doch nicht antreten könnt. In der Regel bedeutet dies, dass ihr den vollständigen Betrag in den Wind geschossen habt – es sei denn, ihr seid zu einer Umbuchung auf einen andere Flug bereit und akzeptiert die damit verbundenen Gebühren, die etwa bei Ryanair bis zu 60 Euro betragen können.

Ein spanisches Startup namens ChangeYourFlight hat jetzt ein auf dem Papier sehr interessantes Verfahren entwickelt, mit dem es die Situation sowohl für Passagiere als auch für die Fluggesellschaften verbessern möchte. Angeblich verfallen sieben Prozent aller gebuchten und bezahlten Low-Cost-Tickets. Die entsprechenden Sitze bleiben also während der jeweiligen Flüge ungenutzt. Das in Barcelona ansässige Jungunternehmen will nun den Fluggesellschaften eine Möglichkeit einräumen, derartige Plätze nochmals verkaufen zu können – und den verhinderten Passagieren zumindest einen Teil ihres für den Flug gezahlten Preises zurückerstatten.

Der Prozess ist einfach: Nutzer besuchen changeyourflight.com, wählen aus dem Drop-Down-Menü die Fluggesellschaft aus, tragen ihren Buchungscode, ihren Namen sowie ihre E-Mail-Adresse ein, und schicken ihre Anfrage ab. Anschließend übermittelt ChangeYourFlight diese an die jeweilige Airline und benachrichtigt Passagiere nach der Bearbeitung darüber, ob ihre Anfrage genehmigt wurde und wie hoch der erstattete Betrag sein wird. Diesen erhalten sie anschließend aber nicht in Form von Bargeld, sondern als Gutschein für die jeweilige Airline.

Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Airlines erfahren rechtzeitig, dass ein oder mehrere gebuchte Sitze nicht benötigt werden und können diese nochmals zur Buchung anbieten. Reisende, die ihren Flug nicht antreten werden, erhalten zumindest einen Anteil des Preises zurück – sind aber durch die Auszahlung in Gutscheinform weiterhin an die Airline gebunden, der folglich keine bereits erwirtschafteten Umsätze entgehen. Mittelfristig dürfte das Vorhandensein eines Angebots wie ChangeYourFlight zudem dazu führen, dass bei den Kunden die Bereitschaft für Impulsbuchungen zunimmt – da sie wissen, dass im Ernstfall eine partielle Rückerstattung des gezahlten Geldes winkt.

Im momentanen Stadium werden nur die wenigsten Leserinnen und Leser von netzwertig.com von dem Angebot profitieren können, da derzeit lediglich die italienische Billigfluggesellschaft AirOne an das System von ChangeYourFlight angeschlossen ist. Doch die Gründer Iñaki Uriz and Jose Luis Vilar kündigen an, noch bis zum Jahresende einen weiteren Airline-Partner bekanntgeben zu können. Besucher der Site haben mittels Eingabe ihrer E-Mail-Adresse die Möglichkeit, kenntlich zu machen, welche weiteren Airlines sie zur Partizipation bei ChangeYourFlight bewegen wollen. Rund 250.000 Euro Kapital hat das Duo einsammeln können, das es 2013 zur Expansion entweder nach Asien oder in die USA nutzen will. Die Monetarisierung erfolgt über Provisionen, die ChangeYourFlight von den teilnehmenden Airlines für zweitverwertete Tickets erhält.

In der Regel fokussieren wir uns in der Berichterstattung neben den internationalen Big Playern auf smarte, überzeugende Startup-Ideen aus dem deutschsprachigen Raum. Ausnahmen machen wir, wenn ein Konzept sich einfach zu schlagfertig präsentiert. Auf den Ansatz von ChangeYourFlight trifft dies zu, besonders, weil alle Parteien profitieren.

Da ein erneuter Verkauf von nicht benötigten Sitzen für die chronisch unter Druck stehenden Airlines zusätzliche Erlöse bedeutet, dürfte die grundsätzliche Bereitschaft für ein derartiges Experiment durchaus vorhanden sein. Aus Sicht von ChangeYourFlight besteht allerdings das Risiko, dass Fluggesellschaften einfach selbst eine Option implementieren, um gebuchte Tickets an die Airline “zurück zu verkaufen”. Für die Katalanen wäre dies ungünstig. Für die Passagiere bliebe das positive Endresultat das gleiche. Insofern spricht einiges dafür, das Prinzip von ChangeYourFlight zu unterstützen.

Link: ChangeYourFlight

 

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. Einen Vertreter aus Deutschland gibts auch, der sogar das Geld zurückholt.

    http://www.flug-storno.de/

  2. Danke für den Hinweis. Wirkt leider von der Präsentation nicht wirklich vertrauenerweckend, erfordert zu viele persnliche Angaben und kostet bei erfolgreicher Stornierung (was zwar letztlich auch bei CheckYourFlight durch die Provision der Fall ist, aber die Art, wie dies kommuniziert wird, ist deutlich kundenverträglicher).

    Der Ansatz ist ein anderer – flug-storno beruft sich eher auf das Recht zur Rückerstattung (als Nicht-Jurist kann ich das nicht weiter kommentieren). Das hat natürlich den Vorteil, dass es im Prinzip für alle Fluggesellschaften gilt. Aber ich denke, der auf Partnerschaften basierende Ansatz von ChangeYourFlight hat mehr Potenzial – sofern mehr Airlines mitmachen.

  3. Habe noch nicht verstanden, wo genau der Vorteil der Airline liegen soll im Vergleich dazu, dass sie einfach nichts zurückerstatten, den Platz nicht neuvergeben müssen, Geld sparen (weil weniger Gewicht, keine eingecheckten Koffer) wenn der Platz frei bleibt obwohl verkauft.

    Und besseres Image als Grund zählt nicht. Wenn sie ihr Image wirklich verbessern wollen würden, könnten sie einfach die von der EU geforderten Richtlinien umsetzen oder sogar Steuern und Gebühren (die eh einen Grossteil der Ticketkosten bei Billigfliegern ausmachen) einfach zurücküberweisen.

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