Für Recherche und Einordnung:
Tame bringt Kontext zu Twitter

Das Berliner Startup tazaldoo hat mit Tame ein Analyse- und Recherche-Werkzeug für Twitter entwickelt, das Journalisten, Social Media Managern und Nachrichteninteressierten dabei helfen soll, Tweets und ihre Bedeutung besser und schneller einordnen zu können.

Twitter ist trotz aller Kritik der unangefochtene Champion im Social Web, was die Verbreitung von Nachrichten, Eilmeldungen und Augenzeugenberichten angeht. Für Journalisten, Blogger, PR-Profis, Marketingleute, Social Media Manager und alle anderen am Nachrichtengeschehen interessierten Personen heißt dies, dass sie bei einem regelmäßigen Blick auf ihre Zeitleiste frühzeitig über Neuigkeiten aus der Welt sowie ihren besonderen Interessensgebieten erfahren, und dass sie mittels der Twitter-Suche und ihres Netzwerks nach zusätzlichen Informationen zu aktuellen Geschehnissen recherchieren können. Das junge Berliner Startup tazaldoo hat sich auf die Fahne geschrieben, Werkzeuge zu entwickeln, die sämtlichen “Informationworkern” dabei helfen sollen, effizient und effektiv die Flut an Tweets auf wichtige Meldungen und sie verbreitende Anwender zu durchforsten.

Der erste Dienst der Hauptstädter heißt Tame und wurde in diesen Tagen in der offenen Beta-Phase lanciert. Die drei tazaldoo-Gründer Arno Dirlam, Frederik Fischer und Torsten Müller bezeichnen das Tool als “Kontext-Suchmaschine für Twitter”. Der Service soll alle dejenigen ansprechen, denen eine Recherche nach bestimmten Schlüsselwörtern bei search.twitter.com zu allgemein und wenig zielführend erscheint, und die sich eine Einordnung und Relevanzbewertung der gefundenen Inhalte wünschen.

Nachdem man sich mit Hilfe der eigenen Twitter-Benutzerdaten bei Tame angemeldet hat, präsentiert einem der Service auf dem Dashboard eine Zusammenfassung der jüngsten Ereignisse in der persönlichen Twitter-Timeline. Diese Übersicht besteht aus den von den bei Twitter gefolgten Nutzern zehn am meisten verwendeten Hashtags, den zehn am häufigsten erwähnten Twitter-Konten sowie den zehn am häufigsten getwitterten URLs. Die berücksichtigte Zeitperiode umfasst dabei ab 24 Stunden nach dem ersten Login bei Tame jeweils 24 Stunden. Wer also eine besonders stressige Woche hat und nicht dazu kommt, in regelmäßigen Abständen die 140-Zeichen-Nachrichten der abonnierten User zu verfolgen, dem liefert Tame jeweils eine Zusammenfassung über das Wichtigste aus der Timeline des zurückliegenden Tages.

Jeder der zehn aufgelisteten Hashtags, Benutzernamen und Links lädt per Klick den jeweils relevantesten Tweet. Als Kriterium dienen hier sowohl die absolute Interaktion mit dem Tweet, als auch die der eigens bei Twitter gefolgten Anwender. Zu den aufgeführten URLs liefert Tame nach einem Klick einen kurzen Textanriss von der Originalquelle, um Nutzer noch vor dem Öffnen des Artikels eine Vorahnung davon zu geben, was sie erwartet.

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Neben jedem Hashtag, Benutzername und Link befindet sich eine kleine Lupe. Wird diese betätigt, aktiviert Tame die integrierte Echtzeit-Suchmaschine, die daraufhin zusätzlichen Kontext präsentiert. Momentan rangiert in meiner Zusammenfassung beispielsweise der Hashtag #ftd auf dem ersten Platz, wurde also in den vergangenen 24 Stunden in meiner Timeline besonders häufig erwähnt. Ein Klick auf die Lupe befördert mich auf eine neue Seite, auf der die zehn am häufigsten gemeinsam mit #ftd genannten Hashtags (etwa #fr, #faz, #grunder) erscheinen, die zehn Twitter-User, deren diesen Hashtag enthaltende Tweets am häufigsten geretweetet wurden, sowie die zehn populärsten URLs in den den Hashtag #ftd enthaltenden Twitter-Nachrichten.

Tame ist somit in der Lage, zu einem beliebigen Hashtag blitzschnell entscheidende Informationen zu liefern: Welche verwandten Themen (= Hashtags) gibt es, welche Twitter-Anwender stehen im Zentrum des Hashtags (bei #ftd ist es wenig verwunderlich Peter Ehrlich, Büroleiter der Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien), und welche online publizierten Artikel spielen im Bezug auf den Hashtag eine wichtige Rolle. Twitters eigene Suchmaschine liefert kaum welche dieser äußerst wertvollen Informationen. Natürlich erlaubt Tame die Suche nach beliebigen Hashtags, ist also nicht auf die individuellen Top 10 beschränkt. Eine Suche nach #gaza liefert innerhalb einer Sekunde die zehn Twitter-Accounts, denen Journalisten und an der Situation im Nahen Osten interessierte Menschen folgen sollten. Analog zur Hashtag-Suche serviert Tame auch zu Benutzernamen und URLs passenden Kontext rund um Hashtags, Twitter-User und Weblinks.

Ein Problem von Twitter ist es seit jeher, seinen Nutzern keine gut sortierte, leicht durchsuchbare Übersicht aller Apps anzubieten, die von Twitter Gebrauch machen. Es existieren bereits zahlreiche Tools, die einzelne Aspekte von Tames Funktionalität aufgreifen (etwa diverse Hashtag-Analysetools). Doch entweder kennt sie niemand, oder sie sind schlecht umgesetzt, oder es handelt sich um Hobby-Projekte, die von einen auf den nächsten Tag verschwunden sein können. tazaldoo will mit Tame eine vertrauenswürdige, nützliche und die Bedürfnisse von allen das Echtzeitweb schätzenden Twitter-Nutzern erfüllende zentrale Anlaufstelle bieten, um Themen, Trends und Nachrichten zu entdecken, zu erforschen und Multiplikatoren, Schlüsselpersonen und Quellen zu identifizieren. Schon in der Beta-Phase ist ihnen das ganz gut gelungen.

Die derzeitige Fassung von Tame, dessen Entwicklung bisher aus dem EXIST-Gründerstipendium finanziert wurde, entspricht der Basis-Version, die heute und auch in Zukunft kostenfrei genutzt werden kann. Premium-Features und eine White-Label-Lösung sollen als Erlösquellen dienen und werden derzeit entwickelt. Die Browseranwendung setzt auf ein reponsives Design, passt sich also der Bildschirmgröße an und eignet sich so auch für Smartphones und Tablets. In der momentanen Frühphase geht es laut Aussage von tazaldoo-Chef Frederik Fischer darum, die Reaktionen der frühen Tester zu beobachten und von da aus die exakten nächsten Schritte zu definieren.

Klar ist bereits, dass tazaldoo neben Tame weitere Anwendungen für Journalisten, Reporter und Informationworker erschaffen wird, die Social Media Buzz um dringend benötigten Kontext ergänzen. Fischer stellt unter anderem ein Facebook-Äquivalent zu Tame als separaten Dienst in Aussicht. Die verschiedenen tazaldoo-Tools sollen letztendlich eine umfangreiche Suite an Suche-, Analyse- und Verifizierungs-Werkzeugen ergeben, die dann als kostenpflichtige, an individuelle Bedürfnisse von Redaktionen und Agenturen angepasste Paketlösung vertrieben wird.

Die vollständige Abhängigkeit von Twitter beunruhigt die Berliner nicht. Geht es um die Distribution von Nachrichten und Informationen, könne derzeit kein anderes soziales Netzwerk mit dem Microbloggingdienst mithalten, weshalb der Fokus auf selbigem nahe läge, so Fischer. Die kürzlich zum Leidwesen vieler Entwickler geänderten Richtlinien der Twitter-API tangieren Tame nach Aussage des zum Entrepreneur mutierten Journalisten eher positiv denn negativ: Das Kontingent der Art von API-Abfragen, die der Service am häufigsten durchführt, sei von Twitter gar erhöht worden.

Twitters Standpunkt hinsichtlich externer Apps ist eindeutig: Sie dürfen nicht Twitters Kernfunktionalität nachahmen und müssen eine Ergänzung zu selbiger darstellen. Sicher könnten die Kalifornier eines Tages ihre Suche mit noch mehr Kontext aufbohren und dann auf einen Schlag eine direkte Konkurrenz zu Tame darstellen. Als Tool mit einer Positionierung als B2B-Anwendung besteht aus heutiger Sicht dennoch wenig Gefahr, dass der Microbloggingdienst zum Spielverderber wird. Auch wenn dieses Szenario bei Plattformen von werbefinanzierten Diensten nie ausgeschlossen werden kann.

Link: Tame

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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  2. […] übersichtlicher gestaltet. Hier half mir ein Artikel von Martin Weigert, der einen ausführlichen Bericht über den Service von Tame schrieb.  Mit Tame ist die Verwaltung des Twitter-Accounts wirklich um einiges […]

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