Digitale Musik:
Wie SoundCloud das bessere Spotify wird

Viele Musiker publizieren neue Songs und Remixe bei SoundCloud. Anders als On-Demand-Dienste wie Spotify dient die Berliner Plattform für Künstler in erster Linie der Promotion. Dabei sind die Voraussetzungen ideal, den Dienst auch zur Erlösquelle zu machen.

Der Löwenanteil meines digitalen Musikkonsums wird seit langer Zeit von Spotify bestritten. Und das bis vor kurzem auch einigermaßen unangefochten. Doch in den letzten Wochen beobachte ich, wie meine Spotify-Nutzung in kleinen aber durchaus vernehmbaren Schritten abnimmt. Weiterhin schaue ich nach wie vor recht regelmäßig bei musicplayr vorbei und höre mir die Songempfehlungen der von mir abonnierten User an. Der große Gewinner in meinem persönlichen digitalen Musikmix ist jedoch SoundCloud.

Erst vor einigen Monaten begann ich damit, bei SoundCloud aktiv von mir geschätzten Musikern/Produzenten sowie kleinen unabhängigen Labels zu folgen – die zumindest im Segment der elektronischen Musik fast ausnahmslos bei der Berliner Audioplattform präsent sind und dort auch fleißig neue Release und Remixes zum Streaming präsentieren. Auch was andere Genres wie etwa HipHop & Rap betrifft, bietet SoundCloud mittlerweile ein reichhaltiges Musikangebot.

SoundCloud ist anders als On-Demand-Plattformen

Nun hat SoundCloud etwas, das Spotify fehlt: Einen sich selbst aktualisierenden Feed aus den neuesten Titeln der von einem abonnierten Nutzer. Dessen Kraft entfaltet sich so richtig, hat man erst einmal eine hinreichend große Zahl an Interpreten und Indie Labels abonniert. Irgendwann neulich gelangte ich an einen Punkt, seitdem ich täglich neue musikalische Highlights in meinem Feed vorfinde – von den Produzenten, Musikern und DJs, die mir wirklich am Herzen liegen. Mittlerweile streame ich an normalen Tagen häufig mehrere Stunden via SoundCloud. Zu Spotify wechsel ich primär dann, wenn ich nach einem spezifischen Song oder Album Ausschau halte oder eine meiner Spotify-Playlisten hören möchte.

Noch etwas anderes unterscheidet SoundCloud von Spotify und anderen klassischen On-Demand-Diensten wie Rdio – wo es ein Follow-Feature auch für Artists gibt: In der Regel sind die Produzenten und Musiker persönlich dort registriert und laden in Eigenregie Tracks, Edits und Remixe hoch, ohne dabei den Umweg über ihr Label zu gehen. Ich hatte vor einiger Zeit erklärt, wieso ich glaube, dass der Musikdienst der Zukunft den Künstlern näher steht und zu Selfpublishing ermuntert – etwas, womit gerade auch Spotify erste experimentelle Gehversuche wagt.

Bisher keine Monetarisierung der Hörer

Damit komme ich zum Kern dieses Artikels: Ich höre also pro Woche mindestens zehn Stunden die Musik, die meine favorisierten Künstler bei SoundCloud vorrangig zum Zwecke der Promotion und Musiker-Fan-Bindung direkt und ohne Mittler hochladen. Und abgesehen von meiner Aufmerksamkeit, gelegentlichen Kommentaren und der Aussicht, mich bei einem künftigen Live-Gig im Publikum anzutreffen, erhalten sie dafür von mir nichts. Denn SoundCloud ist für Standard-Nutzer kosten- und auch werbefrei. Umsätze werden mit Premium-Konten für Mitglieder generiert, die besonders viel Audiomaterial bei dem 2007 gegründeten Berliner Startup ablegen wollen – also durch Musiker, Journalisten und andere Contentproduzenten. Ausschüttungen an die Musiker wie bei Spotify und Konsorten gibt es keine – SoundCloud erfüllt in erster Linie einen anderen Zweck als die On-Demand-Dienste.

Plädoyer für freiwillige Bezahlmöglichkeit

Ich als Hörer werde bisher von SoundCloud in keiner Weise monetarisiert, möchte jedoch in der Lage sein, mich bei den Künstlern für ihre Arbeit auch finanziell erkenntlich zu zeigen. Nicht umständlich über die Flattr-SoundCloud-Integration, bei der ich eine Browser-Erweiterung installieren und dann immer klicken muss, um ein paar Cents an den jeweiligen Künstler zu geben. Stattdessen sehe ich eine andere Lösung vor mir:

SoundCloud führt den Status verifizierter Interpreten-Profile ein. Diesen erhält, wer eine bestimmte Zahl eigener Produktionen vorweisen kann und diese bei SoundCloud zum Streaming anbietet. Allen registrierten Usern würde die Plattform, die immer mal als “YouTube für Audio” bezeichnet wird, die Möglichkeit einräumen, einen monatlichen Betrag zu zahlen, der zwischen allen abonnierten Mitgliedern mit Interpreten-Status aufgeteilt wird. Zehn Prozent des Betrags behält SoundCloud als Provision. Bisher deutet nichts darauf hin, dass das Unternehmen die Profitabilität erreicht hat. Insofern täte den Hauptstädtern, die sich in einer Rolle als internationales Aushängeschild für die aufblühende Berliner Internetlandschaft wiederfinden, eine weitere Erlösquelle ohnehin gut.

Alle würden profitieren

Profitieren würden bei einem solchen System alle: Loyale, musikbegeisterte und anspruchsvolle Hörer, die sich bei ihren Lieblingsinterpreten erkenntlich zeigen können, Künstler, die damit ihr Einkommen aufbessern, und SoundCloud, das einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit näher kommt. Wer nicht zahlen möchte, der wird nicht gezwungen. Ein Abzeichen auf dem persönlichen Profil könnte die freiwillig Zahlenden als solche identifizieren und ihnen so Anerkennung zollen.

Das Besondere an dem beschriebenen Verfahren ist, dass der vollständige Geldbetrag abzüglich eventueller Transaktionsgebühren und der SoundCloud-Provision direkt an die Musiker geht – oder an die Indie Labels, deren SoundCloud-Accounts man folgt. Entgegen mancher Behauptungen mangelt es aufgeklärten digitalen Mediennutzern nicht an einer Zahlungsbereitschaft, sondern an einer Bereitschaft, aufgeblasene Apparate und veraltete, kostenintensive Strukturen, die zur Produktion und Verbreitung qualitativer Musik nicht mehr unbedingt notwendig sind, weiter zu finanzieren.

SoundCloud könnte zu diesem Wandel einen enormen Beitrag leisten. Loyalen Anhängern eine Möglichkeit einzuräumen, ihre bevorzugten Musiker auf der Plattform zu unterstützen, wäre ein logischer Schritt in diese Richtung, und dürfte den positiven Nebeneffekt haben, weitere Künstler zu SoundCloud zu locken.

Um wirklich ein besseres Spotify zu werden, müsste SoundCloud auch in funktioneller Hinsicht noch zulegen, etwa bessere Tools zum Entdecken von Musik bereitstellen. Das allerdings ist Stoff für einen anderen Artikel.

Nachtrag 22.11.: Spotify plant laut einer heutigen Meldung die Implementierung eines Follower-Features.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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18 Kommentare

  1. Das ist der Grund, warum viele Musiker über bandcamp.org verkaufen (der Minecraft Komponist z.B.: http://c418.bandcamp.com/ )

  2. “Entgegen mancher Behauptungen mangelt es aufgeklärten digitalen Mediennutzern nicht an einer Zahlungsbereitschaft, sondern an einer Bereitschaft, aufgeblasene Apparate und veraltete, kostenintensive Strukturen, die zur Produktion und Verbreitung qualitativer Musik nicht mehr unbedingt notwendig sind, weiter zu finanzieren.”

    Sehr schöner Satz und natürlich auch super Text als Ganzes!

  3. Man kann doch links zu Beatport, iTunes, … Hinterlegen und somit seine Titel verkaufen. Finde ich sinnvoller, als wieder ein neues System zum kaufen hinzuzufügen.

  4. Bei Soundcloud gibt’s doch einen “Buy”-Link den Du nur zu füllen brauchst?

    Übrigens sind auf Soundcloud zu 90% nur andere Musiker unterwegs und selten echte “Konsumenten”.

    Deine ganzen Follower sind also “Mitbewerber” die nicht wirklich ernsthaft an Deiner Musik interessiert sind. Eher folgen sie Dir nur (umd kommentieren bei Dir), um für sich selbst Werbung zu machen. Oder sie sind auf der Suche nach Ideen zum klauen ;)

    Soundcloud wird nicht besser als Spotify, es wird immer mehr zur Spamschleuder von der sich Musiker entfernen.

  5. Ich glaube Soundcloud ist nur so groß geworden und so gut, weil sie einen ganz konkreten Zielgruppenfokus haben: Musiker, DJs, Hobby-Musiker und Leute mit tiefergehenden Interesse an Musik, Musikproduktion und alles drumherum.

    Aber reine “Konsumenten” finden zu Soundcloud eigentlich nur aus dem unmittelbaren oder erweiterten Umkreis dieser Zielgruppen.

    Das schöne an Soundcloud ist doch, dass es genau nur seinen Zweck erfüllt ;-) Es wäre schade, wenn das zweckentfremdet würde, dann würden die eigentlichen und bisherigen Zielgruppen das Nachsehen haben.

  6. PS: Stimmt, die “PR-Agenten”, die da in letzter Zeit unterwegs sind sind schon nervig genug.

    Und dann noch massenhaft Private dort? Dann wird Soundcloud Geschichte sein.

  7. Mag sein, dass Soundcloud in einigen wenigen Musikgenres tatsächlich was bringt. Aber letztlich sind solche Seiten auch nichts anderes, als das, was es vor zehn Jahren schon mit MP3.com oder Vitaminic gab. Und die sind alle gnadenlos gescheitert: Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmeerscheinungen, die man an einer Hand abzählen kann, hat die Idee mit der Selbstvermarktung bis heute nicht funktioniert, obwohl die Technologie seit 15 Jahren da ist. Eher entsteht für den “Normalverbraucher” der Eindruck “Kostet ja nix = taugt ja nix”. So ist es auch zu erklären, dass Musiktitel, Filmmaterial oder auch E-Books aus dem Selbstverlag (bzw. jedenfalls ohne Mittler) in den Charts und Bestseller-Listen bislang praktisch nicht existent sind. Auch Songs wie “Schnappi” oder aktuell “Gangnam Style” verbreiteten sich zwar anfänglich übers Netz, der große Verkaufserfolg kam aber immer erst nach der “Veredelung” durch ein klassisches Label. Daher ist die ganze Geschichte für mich erst dann wirklich glaubwürdig, wenn sich mal einige Self-Publishing-Produktionen in den Charts wiederfinden (und davon sind wir noch weeeeeit entfernt). Bis dahin halte ich das Ganze für einen Blender.

    DJ Nameless

  8. Interessanter Gedanke, wieder mal ein sehr guter Artikel.
    Auch ich bemerke, wie ich circa 50% der Zeit Musik auf Soundcloud höre. Dort wäre ich als normaler Nutzer und nicht-Künstler auch bereit etwas zu bezahlen.
    Was nach meinem Geschmack dann bei soundcloud noch fehlt ist die Möglichkeit, ähnlich wie bei Spotify, Musik offline verfügbar zu haben.

  9. Anna-Lena schrieb:

    Was nach meinem Geschmack dann bei soundcloud noch fehlt ist die Möglichkeit, ähnlich wie bei Spotify, Musik offline verfügbar zu haben.

    Das geht! Voraussetzung ist ein Wave-Editor-Programm auf dem Rechner z. B. Wavelab oder die Freeware “Cool Edit”.

    Als erstes geht ihr rechts unten in die Taskleiste, auf die Windows-Lautstärkeregelung, dann links oben auf Optionen -> Eigenschaften -> Aufnahme und setzt ein Häkchen beim Eintrag “Stereo-Mix”. Dieser Vorgang muss nur einmalig vorgenommen werden.
    Anschließend öffnet ihr den Wave-Editor, startet eine Aufnahme, spielt den Song in Soundcloud ab, wechselt dann wieder in den Wave-Editor und speichert das Ergebnis als MP3. Fertig!

    Das Verfahren funktioniert natürlich nicht nur mit Soundcloud, sondern auch bei ausnahmslos allen Musikangeboten wie Youtube, Spotify oder iTunes. Mit diesem Trick könnt ihr übrigens auch sämtliche DRM-verseuchten Musikdownloads von dem Kopierschutz befreien.

    DJ Nameless

    • Lieber DJ Nameless,

      sowas nennt man Urheberrechtsverletzung und du tust der Musikindustrie/dem Künstler damit keinen Gefallen – ich würde das nicht schreiben, wenn es bei SoundCloud nicht die Möglichkeit gäbe, als Künstler seine Sachen kostenlos zum Download anzubieten.

    • Victor schrieb:

      sowas nennt man Urheberrechtsverletzung

      oder aber Unfähigkeit von Musikindustrie und Politik, die Gesetzeslage und Wirtschaftssysteme an diese neuen technischen Möglichkeiten anzupassen.

      Die ohnehin längst vorhandene Urheberrechtsabgabe müsste eigentlich längst dem aktuellen Nutzungsverhalten (Internet, Filesharing…) angeglichen worden sein, und alle Weiterverwertungsrechte beinhalten.

      Weiterhin halte ich zur Problemlösung immer noch die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens für überlegenswert. Gerade im hier diskutierten Kultur- und Musikbereich haben wir das Problem, dass auf eine Handvoll Hits Tausende Flops kommen. Bei den großen Plattenfirmen zahlen wir die Flops jetzt schon mit, auch wenn wir einen Nr. 1. Hit kaufen. Der so oft genannte “Schaden” durch formaljuristische Urheberrechtsverletzungen ist marginal gegenüber den volkswirtschaftlichen Schäden durch unkalkulierbare Flops.
      In unserer modernen Wohlfahrtsgesellschaft ist es zudem dank Sozialhilfe, Grundsicherung, Arbeitslosengeld, Hartz 4, oder wie man das auch schimpft, eher unwahrscheinlich, dass jemand, der einen Flop produziert, tatsächlich verhungert. Aber diese Gelder zahlen wir alle mit unseren Steuern. Von daher finanzieren WIR ALLE die Flops mit. Selbst der ehrliche CD- oder MP3-Käufer finanziert über die Mehrwertsteuer den Bau des Gefängnisses, wo die Raubkopierer eingesperrt werden, mit.
      Von daher muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man diesen ganzen administrativen Aufwand nicht einfach durch Pauschalen ersetzen kann.

      DJ Nameless

  10. Sorry, aber das ist eine ganz ganz schlechte idee, die Soundcloud sofort töten würde.

    Aus zwei Gründen:

    Soundcloud ist ein soziales Netzwerk. (Ich nenne es spaßeshalber immer “das Facebook ohne den ganzen non-music-crap”). Ich denke nicht, daß es funktionieren kann, für ein soziales Netzwerk Geld zu verlangen.

    Soundclouds Kernkonpetenz ist es, eine Promoplattform zu sein. Es wurde geschaffen, damit Labels und Musikern, ihre Stücke entweder mit geschlossenen (klassische Labelpromo) oder offenen Gruppen zu teilen und dort zu promoten.
    Habt ihr euch mal die sehr ausgefeilten Features angesehen, um Soundcloud-Player auf anderen Webseiten einzubetten? DAS ist der USP von Soundcloud, nicht der, das bessere Spotify werden zu können.

    Meines Wissens lebt Soundclouds sehr gut von den Bezahlaccounts (Ich habe selbst einen). Warum sollten sie das ändern und dabei ihren USP über Bord werfen um Spotify nachzuäffen? Das wäre vollkommen idiotisch.

    BTW: Es stimmt auch schon lange nicht mehr, daß man dort keine Konsumenten findet. ich kenne mittlerweile sehr viele reine Höreraccounts, die Hören, bewerten, kommentieren und teilen, aber selbst keine Files hochladen.
    Tatsächlich entdecken täglich mehr Menschen die Vorteile einer handkonfektionierten Musiktimeline. Es ermöglicht dem Normalhörer sehr viel leichter als früher, sich von Musikern oder Musikinterressierten die eigenen Inhalte kuratieren zu lassen. Nur müssen sie dazu nicht mehr wie früher (zB) zu mir und anderen nach Hause kommen, sondern folgen mir und anderen auf Soundcloud und werden so zB über die Tracks informiert, die ich like. Ich merke daß daran, daß in meinem Facebookstream immer öfter Soundcloud-Files von Freunden gehört werden, unmittelbar nachdem sie von mir geliked wurden.

    Es ist einfach perfekt so wie es ist, ein Bezahlmodell würde es zerstören.

    (Und wie schon mehrfach erwähnt, kann man ja ganz problemlos einen “buy”-Link in den Player einbauen…)

  11. Das sehe ich noch anders.

    Erstens habe ich – obwohl ich SoundCloud schon länger nutze – den ‘Bezahl’ Knopf nur aufgrund dieses Artikels gefunden: der ist nämlich in einem Submenü des Submenüs: (siehe hier). Andere Musiker haben das selbe gemacht wie ich (heute) – nämlich ebendort einen Link auf Bandcamp gesetzt – was naürlich weder für Bieter noch Kunden optimal ist, beide müssen die Plattform wechseln.

    Stattdessen könnte SoundCloud z.B. ein ‘social’ shopping Modell anbieten. Ich bin z.B. in mehreren Musikprojekten, komme aber bei einem nicht zum Aufnehmen. Wenn ich jetzt meinen Song in eine Kompilation mit anderen anbieten könnte, mit einem Discount über die Kompilation, hätte SoundCloud etwas was m.W. kein anderes Portal bietet. Das ‘normale’ SoundCloud Konzept sehe ich dadurch nicht korrumpiert.

  12. Danke für eure Kommentare. Ich sehe, das Thema bewegt.

    Zwei Anmerkungen:

    Das von mir skizzierte Modell basiert auf einer Freiwilligkeit. Es geht also nicht um “Geld verlangen”. Befürchtungen, SoundCloud würde daran sofort kaputt gehen, erscheinen mir angesichts der beschriebenen Freiwilligkeit vollkommen unnötig.

    Zweitens: In fünf Jahren wird niemand mehr einzelne digitale Musikstücke kaufen. Das ist auch viel zu aufwändig. Streaming ist die Zukunft. Insofern ist es für mich keine Alternative, doch einfach bei Beatport oder iTunes als Support einzelne MP3s zu kaufen.

    Die Lösung, die mir vorschwebt, ist für die Nutzer, die Artisten unterstützen wollen, mit so wenig Aufwand wie nötig verbunden. Alles andere wird nicht funktionieren.

  13. Finde deinen Artikel interessant, verstehe aber die Richtung nicht und eher noch schädlicher für SC. Wie schon beschrieben war die Zielgruppe junge, kleine Produzenten, DJ, Podcaster etc.., sobald so ein Verkaufs-System wieder reinkommt, ist alles wieder hinfällig. Es ging ja schon los, als Soundcloud eine ähnliches ID-System wie Youtube hatte, das heisst du machst einen Remix – und er wird sofort abgelehnt, weil Plattenfirma XY irgendwas automatisiert gefunden hat. Klar Rechtesicherung, aber das ist Remix-Kultur und eben wieder ein anderes Thema. Jedenfalls ging es für mich ab da Berg ab. Damit fallen eigene innovative Remixe weg, gesampelte Tracks, Mitschnitte im Radio etc., Mixtape – alles das was vorher Soundcloud attraktiv gemacht hat. Und ja klar Rechte müssen gesichert sein, die haben aber eben kleine No-Name-Gesichter noch nicht. Dafür waren ja Plattformen wie Soundcloud Gott und haben zu Ruhm verholfen. Nur jetzt werden die aussperrt, durch automatische Algorithmen. Eine Plattfirma könnte ja immer noch, wenn sie was findet, jemand anschreiben: und um das Runternehmen bitten oder ein Lob aussprechen und einen Vertrag ausstellen – nur so, wie es augenblicklich läuft gibt es keine Chance und alles wird im Keim erstickt – mit einem Wink in die Spotifiy-Richtung erst recht, denn die Musik die du gerade magst, wird dann nicht mehr vorhanden sein.

  14. Die Diskussion “wie Geld verdienen” über Spotify oder andere ist müßig. Mit 1 Million Plays erwirtschaftet man dort nicht einmal 12 Euro. Die Investition an Mühe und Geld für eine Million Plays sind aber gewaltig. Mal von einer guten Produktion abgesehen.

    Solche Modelle können lediglich das Schnäppchen-Gen des Smartphone Liebhabers befriedigen :-)

    Ich halte es so, wie nun einige bekannte Bands und Künstler, und stelle da aus Prinzip nichts ein. Viele bekannte Künstler wandern aus Protest ab, und das ist auch gut so.

    Würden alle Künstler konsequent diese Musikschleudern nicht bestücken, wären diese Dienste in einem Monat vom Planeten verschwunden.

    Ob eine Spende an den Künstler besser wäre, kann ich nicht beurteilen. Kaufen ist aber eher nicht mehr so interessant, außer ein T-Shirt winkt.

    Am Ende bleibt, was Musik tatsächlich ist. Eine große Freude, wenn man Sie macht. An Geld zu denken, verdirbt einen nur den Spaß :-)

    Und für 98% aller Musiker bleibt sie ganz einfach brotlose Kunst. Weiter machen :-)

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  1. [...] timing is right. On Monday, I explained at netzwertig.com how my main digital music consumption slowly is shifting from Spotify to SoundCloud. I still use [...]

  2. [...] Wochen sang ich ein kleines Loblied auf die Berliner Audioplattform SoundCloud und unterstrich ihr mögliches Potenzial als besseres Spotify. Inwieweit das von mir in dem Beitrag vorgeschlagene freiwillige Vergütungsmodell eines Tages [...]

 
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