Internet der Dinge:
tado gibt Startschuss für sein intelligentes Thermostat

Das Münchner Startup tado hat ein intelligentes Thermostat entwickelt, das sich per Smartphone steuern lässt und die Heizkosten um etwa ein Viertel senken soll. Ab jetzt ist das System erhältlich.

Gründer in Deutschland vernachlässigen das Zukunftsthema des Internets der Dinge, zumindest was das Endkundengeschäft und dabei Produkte mit möglichst geringer Komplexität angeht, monierte ich im März. Ein halbes Jahr später hat sich daran wenig geändert. Immerhin: Mit tado rettet ein junges deutsches Startup die Ehre der hiesigen Branche. Wir stellten das Konzept des Münchner Jungunternehmens, das ein intelligentes, mittels Smartphone mit dem Internet verbundenes Thermostat entwickelt hat, im Mai vor. Am gestrigen Dienstag gaben die Gründer Christian Deilmann, Johannes Schwarz und Valentin Sawadski den offiziellen Startschuss für ihr Produkt, das ab sofort im Onlineshop bestellt werden kann.

Ziel der Nutzung von tado ist es, die Heizkosten in Wohnungen und Büroräumen durch eine smarte, automatisierte Wärmeregulierung zu senken – um durchschnittlich 27 Prozent, so die Erkenntnis aus dem tado-Betatest, bei dem Einsparungen zwischen 12 und 40 Prozent erzielt wurden. Das eigens konzipierte Thermostat erhält von der tado-Smartphone-App für iPhone und Android Informationen darüber, wann Personen die Räume verlassen oder sich ihnen annähern, und reguliert davon ausgehend unter Berücksichtigung von standortspezifischen Wetterdaten die Temperatur. tado ist lernfähig und versteht innerhalb weniger Tage, zu welchen Zeiten die Wahrscheinlichkeit von Anwesenheit beziehungsweise Abwesenheit am höchsten ist, woraus es eine Heizstrategie mit maximaler Effizienz entwickelt. Auch manuelle Modifikationen der Temperatur aus der Ferne über die tado-App sowie das Anlegen von vordefinierten Heizplänen sind möglich, ebenso die Installation der App auf mehreren Mobiltelefonen im selben Haushalt oder Büro.

In seiner jetzigen ersten Fassung eignet sich tado vorerst nur für einen spezifischen Nutzerkreis: Denn das momentan verfügbare Thermostat setzt eine eigene Heiztherme pro Wohnheit voraus, an die das Thermostat in laut Firmenangaben wenigen Handgriffen im Do-it-your-self-Verfahren angeschlossen wird. Das umfasst beispielsweise Einfamilienhäuser und Wohnungen mit Gasetagenheizung. An einem System für Zentralheizungen arbeiten die Münchner derzeit, dies soll frühestens 2013 erhältlich sein.

Da tado die Energiekosten reduzieren soll, müssen potenzielle Nutzer sich im Vorfeld auch ausrechnen, inwieweit die Kosten für den Betrieb von tado die erwarteten Einsparungen bei den Heizkosten rechtfertigen. Für den Einsatz von tado werden pro Jahr 99 Euro fällig. Für das erste Jahr muss der komplette Betrag gezahlt werden, danach ist eine monatliche Kündigung mit Rückzahlung des Restbetrags möglich. Hinzukommen einmalig 149 Euro für die aus dem Thermostat, einem an den WLAN-Router anzuschließenden Gateway sowie den benötigten Kabeln bestehende Hardware. Für die ersten 1000 Besteller entfallen diese Anschaffungskosten allerdings.

Um herauszufinden, ob sich die Investition in tado lohnt, soll auf der Website künftig ein Rechentool angeboten werden. Noch ist dieses allerdings nicht verfügbar. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die potenziellen Einsparungen von tado mit der Größe der zu beheizenden Fläche, der Anzahl der Heizkörper und der Höhe der momentanen Energiekosten zunehmen. Wer in einer 15-Quadratmeter-Einraumwohnung lebt, sollte sich nicht allzugroße Hoffnungen darauf machen, mit tado pro Jahr über 99 Euro (oder 99 Euro + einmalig 149 Euro) weniger an Heizkosten zu zahlen. Das Startup, das wie sein US-Wettbewerber Nest viel Wert auf eine elegante, möglichst leicht verständliche Produktpräsentation legt, wird in der Startphase auch darauf hoffen, den ein oder anderen Early Adopter als Kunden gewinnen zu können, dem es weniger um die Einsparung als mehr um das Prinzip geht, von jedem Ort auf der Welt mit dem Smartphone die heimische Temperatur regulieren zu können.

Gefertigt wird die Hardware in Bayern, die Komponenten werden international beschafft. Geliefert wird derzeit an Adressen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mittelfristig will tado auch in Länder außerhalb des deutschsprachigen Raums expandieren. Das bisherige Kapital stammt von Target Partners und Shortcut Ventures.

Aus Bayern kommt mit controme auch ein weiterer, tado nicht unähnlicher Heizmanager fürs Smartphone. Während ein Vergleich der Leistungsfähigkeit beider Systeme aus der Ferne schwer fällt, hapert es bei diesem Unternehmen an der Außendarstellung und Schlagfertigkeit von tado. Möchte man controme ausprobieren, wird man dazu aufgefordert, seine Daten zu hinterlassen, um ein persönliches Angebot zu erhalten. Insofern spielen die beiden Anbieter in puncto Marktpotenzial klar in unterschiedlichen Ligen.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Im ARD Ratgeber Internet vom 10.11.2012 wurde Tado (neben anderen Anbietern) vorgestellt.

    Link zum Artikel + Mediathek

    http://daserste.de/inform…gskontrolle-100.html

  2. spannendes Interview mit Matt Rogers von Nest:
    http://revision3.com/foundation/matt-rogers-nest

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  1. [...] Der Preis für das Hervorheben eines Eintrags variiert je nach Reichweite und geografischer Lage. Unseren Beitrag zum Startup tado von heute Morgen etwa haben rund 900 Personen der rund 7700 netzwertig.com-Fans bei Facebook in [...]

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