Wettstreit der Messenger-Applikationen:
WhatsApp-Konkurrent yuilop erlaubt kostenlose SMS und Telefonate

Der deutsch-spanische Smartphone- und Tablet-Messenger yuilop fährt schweres Geschütz auf, um Marktführer WhatsApp in Bedrängnis zu bringen: Neben kostenfreien SMS bietet der Dienst ab sofort nahezu unbegrenzte Gratis-VoIP-Telefonate auf Mobilfunk- und Festnetznummern in 110 Ländern.

Auch wenn sich lange darüber rätseln lässt, wie es dazu kommen konnte: WhatsApp ist der momentan unbestritten führende mobile Chatdienst mit schätzungsweise mehreren hundert Millionen Anwendern weltweit. Für die große Zahl an konkurrierenden Anbietern – gestern hatten wir hier einige aufgezählt – gestaltet sich dieser Markt deshalb äußerst herausfordernd. Nur aggressive Mittel sind überhaupt in der Lage, kurzfristig den von WhatsApp geschaffenen Lock-In aufzubrechen. yuilop, ein deutsch-spanischer WhatsApp-Konkurrent, fährt nun ganz schwere Artillerie auf, um den Marktführer in Bedrängnis zu bringen.

Das im November 2010 von dem Deutschen Jochen Doppelhammer in Barcelona gegründete Startup bot schon länger die Möglichkeit an, kostenfreie SMS-Nachrichten an herkömmliche Handy-Nummern zu verschicken. Auf diese Weise wurde das Henne-Ei-Problem umgangen, da die für iOS und Android verfügbare App so auch dann einen Nutzwert bot, wenn yuilop im Freundes- und Bekanntenkreis nicht ähnlich stark verbreitet war wie WhatsApp.

Neue yuilop-App mit Gratis-Telefonie

Vor wenigen Tagen lancierte das Unternehmen eine neue Version seiner App, die nun nicht mehr nur Gratis-SMS auf Mobilfunknummern sondern auch kostenfreie VoIP-Telefonate auf Festnetz- sowie Handynummern in 110 Ländern erlaubt. “Mit der neuen yuilop-App revolutionieren wir den Mobilfunkmarkt”, lässt sich CEO Jürgen Doppelhammer in einer Pressemeldung zitieren. “Liebe Handys: Eure Zeit ist abgelaufen”, kündigt er an. Ein Grund für das selbstbewusste Auftreten: yuilop-Nutzer in Deutschland können mit der App Gespräche und SMS nicht nur einleiten, sondern auch aus dem Fest- oder Handynetz empfangen.

yuilop hat sich ein interessantes System ausgedacht, um sein ambitioniertes Versprechen einzulösen: In Deutschland kann jedes yuilop-Mitglied innerhalb der App eine eigene, kostenfreie, an yuilop geküpfte Mobilfunknummer registrieren. Jedes Mal, wenn Nutzer auf diese eine SMS oder einen Anruf erhalten, verdienen sich sich sogenannte Energiepunkte. Mit diesen Energiepunkten können anschließend ausgehende Anrufe geführt und SMS geschickt werden. Für die direkte Kommunikation mit anderen yuilop-Mitgliedern in Text- oder Voice-Form sind keine Energiepunkte erforderlich.

Mit eigener yuilop-Nummer zum perfekten Lock-In

Das Kalkül von Doppelhammer und seinem Team: Um Energie erhalten und damit kostenfrei mit anderen Telefonnummern kommunizieren zu können, müssen User ihre nicht yuilop nutzenden Freunde, Verwandten und Bekannten dazu animieren, sie über ihre spezielle yuilop-Handynummer zu kontaktieren. Damit binden sie sich sukzessive enger an yuilop, denn sonst bestünde die Gefahr, dass sie Nachrichten und Gespräche auf ihrer yuilop-Nummer verpassen. Es entsteht der perfekte Lock-In. Weil die yuilop-zu-yuilop-Kommunikation noch etwas mehr Komfort bietet, werden existierende Anwender zudem ihren Bekanntenkreis dazu ermuntern, ebenfalls yuilop auszuprobieren. Egal ob dort bisher WhatsApp die größte Popularität genießt.

“Energiepunkte” auf mehreren Wegen verdienen

Eine Gratis-Mobilfunknummer bietet yuilop bisher nur Personen in Deutschland (identifiziert über eine existiere Mobilfunknummer). Aber auch in allen anderen Ländern, darunter Schweiz und Österreich, gibt es Wege, um Energiepunkte zu sammeln und damit kostenfrei telefonieren und SMS verschicken zu können: Chataktivitäten innerhalb der Anwendung, das erfolgreiche Einladen von Freunden zu yuilop per SMS oder E-Mail, das Einlösen von Gutscheincodes, die über yuilops Social-Media-Kanäle verteilt werden, sowie die Teilnahme an (nicht immer hundertprozentig seriös wirkenden) Partnerangeboten über den Dienstleister SponsorPay füllen das Energiekonto auf.

yuilop lässt sich diese Offensive augenscheinlich einiges kosten: Immerhin existiert bisher keine Möglichkeit für Nutzer, Energiepunkte käuflich zu erwerben. Verständlich, würde dies das Versprechen “unbegrenzter Gratis-SMS und Gratis-Anrufe” abschwächen und dem Startup sein Alleinstellungsmerkmal nehmen. So ist yuilop gezwungen, seine Dienstleistung durch besagte Partnerangebote (etwa das Registrieren bei einem Gewinnspielservice oder das Durchlaufen einer Umfrage) sowie Werbeanzeigen innerhalb der App zu monetarisieren. Dass das Startup damit kostendeckend arbeitet, ist unwahrscheinlich. Angesichts der Tatsache, dass nur rasantes, aggressives Wachstum in dem umkämpften Segment mobiler Chat- und Kommunikationsdienste überhaupt Chancen auf eine langfristige Existenz bietet, bleibt dem Dienst aus der katalanischen Mittelmeermetropole aber nichts anderes übrig, als kräftig zu investieren. Im Mai nahm das Unternehmen 4,5 Millionen Euro Risikokapital auf.

Die Insolvenz der deutschen Tochter des dänischen Mobile Virtual Network Enabler (MVNE) Telogic, die yuilop bisher mit deutschen Mobilfunknummern versah, hat zur Folge, dass bestehende yuilop-Anwender eine neue Nummer registrieren müssen. Das wird alle diejenigen vor Probleme stellen, die ihre alte yuilop-Nummer bereits fleißig im eigenen Kontaktnetzwerk verbreitet hatten. Die Einführung von Gratis-Gesprächen dürfte dabei helfen, ihre Verärgerung darüber zu lindern. Nummern werden nun durch E-Plus bereitgestellt.

In Deutschland hat sich die Kunde über die neue yuilop-App bereits herumgesprochen: Im iTunes App Store belegt sie den ersten Platz in der Kategorie “Soziale Netze” (Free”).

Link: yuilop

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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4 Kommentare

  1. Die Idee mit der zusätzlichen Nummer ist zu kompliziert, und eignet sich eher für iPod Besitzer. Ich sehe einfachere Lösungen wie z.B. Viber im Vorteil…vor allem wenn sie auf den meisten OS-Platformen erhältlich sind.

    Yiulop war beim ersten Launch mit viel Werbung und PR schon mal in den Top 10. Danach haben sich die Platzierungen Woche für Woche verschlechtert. Mich würde es wundern, wenn sich die App jetzt besser hält.

  2. Muss man bei yuilop auch sein Telefonbuch übertragen?

    • Ich erinnere mich, dass dazu eine Anfrage kam, muss aber gestehen, dass ich in diesem Moment nicht richtig aufgepasst habe. Meine Vermutung ist aber: nein. Denn da man ja auch mit Nicht-Usern kommunizieren kann, ist der Dienst nicht wie WhatsApp darauf angewiesen, Nutzern zu zeigen, welche ihrer Freunde bereits die gleiche Anwendung nutzen.

    • Die Yuilop-App für iOS verlangt Zugriff auf das Adressbuch, verweigert ohne aber zumindest nicht den Dienst. Hingegen wird penetrant darauf hingewiesen, wenn man Benachrichtigungen deaktiviert hat. In der App wird Werbung angezeigt und sie stürzt immer mal wieder ab … dazu kommen die gängigen Sicherheitsprobleme bei Apps dieser Art (Datenschutz, keine Verschlüsselung, …). Kurz: Weg damit!