Zentrale für musikerspezifische Inhalte aus dem Netz:
endore.me will Künstler-Fan-Beziehungen neu definieren

Das Berliner Startup endore.me hat einen Dienst entwickelt, der Fans an einem zentralen Ort aus verschiedenen Quellen importierten Content rund um ihre Lieblingsmusiker präsentiert. Interpreten sollen so neue Erlösquellen winken.

Nahezu alle Menschen können einige Musiker nennen, für deren Arbeiten sie ein besonderes Interesse mitbringen, wenn nicht gar eine regelrechte Faszination. Wege, um sich über Neuigkeiten dieser Künstler und Ereignisse aus ihrem Leben zu informieren, existieren zwar viele. Doch einen Gesamtüberblick zu erhalten, kann sich aufgrund der fragmentierten Social-Web-Welt als schwierig und zeitaufwendig erweisen. Das Berliner Startup endore.me hat einen Dienst entwickelt, der Fans an einer zentralen Stelle alles Wissenswerte über ihre Lieblingsintrepreten serviert, und Künstlern eine Plattform bietet, um ihre Anhänger an sich zu binden.

Hinter endore.me stecken mit Tobias Schiwek und Tim Klama zwei ehemalige simfy-Köpfe. Auch wenn beide nicht mehr bei dem Musikstreamingdienst tätig sind, bleiben sie ihrer bisherigen Branche treu und nutzen ihr erworbenes Know-how und Netzwerk, um mit endore.me die Vision eines “Flipboard für Entertainment” zu verwirklichen – mit Musik als anfänglicher Fokus.

Facebook eignet sich nicht wirklich für Künstler-Fan-Beziehungen, ist endore.me Co-Founder Schiwek überzeugt. Die Vermischung von News aus dem privaten Freundes- und Bekanntenkreis mit Status Updates von Lady Gaga erschwere optimale Wege der Vernetzung zwischen den Beteiligten. Zudem ist Facebook nicht der einzige Ort im Netz, an dem Musiker Spuren im Web hinterlassen, mit Anhängern interagieren und Content publizieren. endore.me wurde als Aggregator konzipiert, der sämtliche wichtigen Inhalte rund um Bands und Musiker im Netz aufspürt und in einem zentralen Profil zur übersichtlichen Begutachtung (oder Anbetung) durch Fans zusammenstellt.

Inhalte werden automatisiert importiert

Rund 220.000 Künstler-Profile hat endore.me bisher automatisiert mit Content aus Facebook und Twitter, mit Fotos und Videos, Neuigkeiten, Diskografien und Veranstaltungshinweisen befüllt. Per Suche-Funktion auf der endore.me-Site lassen sich die einzelnen Profile ansteuern. Auf diesen werden die verschiedenen Quellen, Informationen und Medientypen aufgelistet und liefern ein kompaktes Bild darüber, woran Künstler gerade arbeiten, mit welchen Nachrichten sie die Schlagzeilen beherrschen und wo man sie demnächst live erleben kann. Die Mehrzahl der Inhalte, inklusive Tweets, Facebook-Updates, YouTube-Videos und Fotos, stellt endore.me direkt innerhalb eines Profils dar. Weiterführende Links zur jeweiligen Fanpage, zum Twitter-Konto, zu Gossip-Artikeln aus dem Web sowie zu Ticketbestellmöglichkeiten für Konzerte komplettieren das Angebot.

Jedes Interpretenprofil enthält eine Follow-Funktion, die nach dem derzeit obligatorischen Login über Facebook bei den bei dem sozialen Netzwerk favorisierten Künstlern automatisch aktiviert ist. Auf dem persönlichen endore.me-Dashboard werden sämtliche Updates der abonnierten Interpreten zusammengefasst. Wer über die Suchefunktion nach einem Musiker recherchiert, für den endore.me bisher kein Profil generiert hat, kann per Knopfdruck dessen Erstellung veranlassen. Der Algorithmus macht sich dann auf, die passenden Inhalte aus dem Web zu importieren.

Ein Ort für alle News und Infos zu Stars und Sternchen

Ziel des endore.me-Gründerduos ist es, endore.me als DEN Ort im Netz zu etablieren, an dem Nutzer sich über ihre Lieblingsstars informieren. Zum Start begrenzen sich die Berliner auf Musiker, später sollen auch Schauspieler und andere Facetten der Entertainment-Welt hinzukommen. Die Realisierung des Konzepts erfolgt in verschiedenen Phasen: Zuerst geht es darum, möglichst viele Nutzer zu den automatisch erstellten und stetig mit neuen Inhalten ausgestatteten Künstlerprofilen zu leiten. Besitzen Musiker dann eines Tages eine signifikante Zahl an Followern bei endore.me, folgt die zweite Phase: Künstler dazu zu bewegen, ihre Profile zu übernehmen, eigenhändig zu pflegen und mit exklusiven Inhalten zu erweitern. Hier sehen Schiwek und Klama neben Affiliate-Links zu MP3- und Ticketshops auch das größte Monetarisierungspotenzial: Ist die Künstler-Fan-Beziehung erst einmal etabliert, wollen sie sich die Loyalität eingefleischter Fans zunutze machen, um für exklusive Services, Inhalte oder Merchandising-Produkte Geld zu verlangen. Vom Umsatz, den Interpreten über ihr Profil erwirtschaften, verbleibt ein Teil bei endore.me.

Noch ist diese Erlösquelle aber Zukunftsmusik. Derzeit feilt das neunköpfige endore.me-Team an den letzten Feinheiten der Kernfunktionalität und dem Algorithmus, von dessen Leistungsfähigkeit abhängt, wie Nutzer die Qualität der präsentierten musikerspezifischen Inhalte wahrnehmen. Vorerst beschränken sich die Hauptstädter auf eine responsive Browserversion, die zwar auch auf mobilen Geräten vernünftig dargestellt wird, aber nicht die Rafinessen bietet, die man von mobilen Apps her kennt. Demnächst sollen aber natürlich auch native Apps veröffentlicht werden. Zuvor will das Startup jedoch sicher sein, im Browser die ideale User Experience für den in dieser Form bisher völlig neuen Ansatz entwickelt zu haben. Das aktuelle Stadium der geschlossenen Beta-Phase trägt dem Rechnung.

Die Geburtsstunde von endore.me war im April, bisher hat die Entwicklung des Dienstes nach Aussage von Schiwek einen niedrigen sechsstelligen Betrag gekostet. Das bisherige Kapital stammt von Business Angels, darunter die Stiftung der deutschen Wirtschaft für Arbeit und Beschäftigung (SWAB). Momentan befindet sich das Startup in Gesprächen für eine größere Finanzierungsrunde, ist aber nach eigenem Bekunden auch noch an weiterer Unterstützung durch Angels interessiert.

Die Idee von endore.me ist originell, auch wenn die Macher die Frage, wieso eine Fanpage bei Facebook nicht ausreicht, um Fans und Künstler miteinander in Kontakt zu bringen, wohl noch häufiger hören werden. Doch je stärker Anhänger ihre Idole anhimmeln, desto wichtiger wird es ihnen sein, kein noch so nebensächliches Detail zu verpassen. Diesem Anspruch kann Facebook konzeptionell nicht gerecht werden, endore.me jedoch schon.

Abzuwarten bleibt, wie Künstler darauf reagieren werden, dass endore.me eigenmächtig Profile mit teilweise von ihnen bei anderen Social-Media-Kanälen publizierten Inhalten anlegt. Mit der ein oder anderen Kontroverse sollte gerechnet werden.

Wir haben 50 Einladungen zur geschlossenen Beta-Phase von endore.me. Über diesen Link seid ihr dabei (Facebook-Konto ist Voraussetzung, Einladung kommt innerhalb weniger Tage).

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. “Ist die Künstler-Fan-Beziehung erst einmal etabliert, wollen sie sich die Loyalität eingefleischter Fans zunutze machen, um für exklusive Services, Inhalte oder Merchandising-Produkte Geld zu verlangen.”

    Und schon wieder ein Angebot, wo es eigentlich wieder nur um diesen “Starkult” geht, der m. E. vom eigentlichen Inhalt, der Musik, nur ablenkt. Und über solche Geschichten kriegen diese eh schon etablierten “Superstars” dann auch NOCH MEHR Geld …

    Ich warte immer noch auf ein Musikportal, welches auch jenen Musikern solche Einkommensmöglichkeiten bietet, denen diese Mediengeilheit am Ar*** vorbeigeht, weil sie eben die Musik für sich selbst sprechen lassen wollen. (Bekanntes kommerziell erfolgreiches Beispiel: Vangelis). Da Endore.me außerdem nur auf die “Loyalität eingefleischter Fans” setzt, haben da alle die Künstler das Nachsehen, deren Zielgruppe sehr illoyal ist. Auch hierfür ist mir im ganzen WWW nicht ein einziger Anbieter bekannt.

    Aber das gefühlt 30.000ste Starkult-Portal brauche zumindest ich nicht.

    DJ Nameless

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