Last-Minute-Hotelbuchungen von unterwegs:
HRS startet Hotels Now
als Antwort auf JustBook

Erst wollte das alteingesessene Hotelbuchungsportal HRS dem Berliner Startup JustBook die Hoteliers abspenstig machen. Nun lanciert es mit Hotels Now eine Konkurrenz-App.

Ein seit Jahresanfang schwelender Konflikt zwischen einem altehrwürdigen Unternehmen und einem jungen Markteindringling findet am heutigen Montag seine Fortsetzung. Die Rede ist vom in Europa laut eigenen Angaben marktführenden Hotelbuchungsportal HRS und dem Berliner Startup JustBook. Letzteres erlaubt es Reisenden über mobile Apps, täglich zwischen 12 Uhr mittags und 2 Uhr nachts stark im Preis gesenkte Hotelzimmer in einer Reihe deutscher Großstädte sowie europäischer Metropolen zu buchen – jeweils für die aktuelle Nacht.

HRS, Kölner Marktführer im deutschen Hotelbuchungsmarkt, gefiel dieses Konzept gar nicht. Das 1972 gegründete Unternehmen soll daraufhin von bei HRS sowie gleichzeitig bei JustBook partizipierenden Hotels gefordert haben, Zimmer nirgends günstiger anzubieten als bei HRS. Darin sahen die JustBook-Gründer Stefan Menden, Sebastian Fallert, Florian Waldmann und Ognjen Zeric ein Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung. Sowohl das Bundeskartellamt als auch das OLG Düsseldorf beschäftigten sich mit dem Vorfall, woraufhin es den Hauptstädtern gelang, eine einstweilige Verfügung zu erwirken, die HSR derartiges Geschäftsgebaren untersagt sowie die HRS “Best-Preis-Garantie” für nichtig erklärt.

Der Branchendinosaurier HRS reagierte auf zweierlei Wegen auf die juristische Niederlage: Zum einen lancierte er die neue Auszeichnung “Top Quality Hotel” für Partnerhotels, die unter anderem voraussetzt, dass bei HRS gelistete Zimmer über keinen anderen Vertriebskanal günstiger angeboten werden – und versucht damit, seine Best-Preis-Garantie durch die Hintertür aufrecht zu halten. Zum anderen machte sich das Unternehmen daran, eine eigene mobile App für Last-Minute-Buchungen zu entwickeln und damit JustBook direkte Konkurrenz zu machen.

Heute startet dieses Angebot unter dem Namen Hotels Now. Mindestens 30 Prozent Rabatt für Kurzentschlossene verspricht die zum Beginn nur für das iPhone angebotene App. Zielgruppe sind ähnlich wie bei JustBook primär Geschäftsreisende, die kurzfristig von unterwegs Zimmer buchen müssen. HRS erklärt, dass mehr als die Hälfte der mobilen Buchungen erst am Tag der Anreise durchgeführt werden – mit Hotels Now bietet sich ihnen nun ein alternatives Angebot zur HRS-App. Zum Debüt offeriert Hotels Now Last-Minute-Hotel-Deals in insgesamt 46 europäischen Städten, darunter 14 in Deutschland. Angeboten werden ausschließlich Einzelzimmer in zentralen Stadtlagen in vier Preiskategorien.

Bei JustBook beobachtet man die Entwicklung bei der Kölner Konkurrenz kritisch. Nachdem HRS anfänglich unmissverständlich klar gemacht hat, dass es von dem Last-Minute-Ansatz der Berliner nichts hält, veröffentlicht es nun plötzlich eine konzeptionell und auch optisch sehr ähnliche Anwendung – die Skepsis des Startups, das nicht auf über Jahrzehnte aufgebaute Beziehungen zu Hoteliers und eine enorme Marktmacht bauen kann, ist verständlich.

Die Beunruhigung der JustBook-Macher über das, was der Hotelbuchungsgigant aus dem Rheinland im Schilde führt, veranlasste die Berliner sogar dazu, eigens eine Pressemitteilung zum Launch der Konkurrenz-App zu veröffentlichen. “HRS hat eine App angekündigt, die unserem Geschäftsmodell erstaunlich ähnlich sieht. Dass ein etablierter Anbieter nachzieht, bestätigt uns dabei, mit der JustBook-App im richtigen Markt zu sein”, lässt sich JustBook-Mitgründer Stefan Menden darin zitieren. Und Christoph Becker, Geschäftsführer der Fachgruppe Hotels und Tourismus im Dehoga NRW, rät in der Mitteilung Hotels von der Teilnahme an Hotels Now ab: “Es macht aus Sicht der Hotellerie wenig Sinn, sich dem Angebot anzuschließen. Damit bietet man nur dem bereits vorhandenen HRS Kundenstamm eine um nochmals mindestens 30 Prozent reduzierte Tagesrate an. Unabhängig von der Frage der Glaubwürdigkeit der Preisgestaltung geht auch der Ansatz der Neukundenansprache fehl. ‚Hotels Now’ wird direkten Einfluss auf das HRS Buchungsportal haben und damit die Preisspirale weiter nach unten drücken.”

JustBook unterstreicht, dass es anders als Hotels Now keinen bestimmten Rabatt erzwingt, sondern stattdessen individuelle Vereinbarungen mit den Hoteliers treffe. “So erzeugt man sinnvoll zusätzliche Einnahmen und macht Last-Minute für alle Seiten attraktiv”, schlussfolgert die Pressemitteilung.

Dass die Fronten zwischen JustBook und HRS verhärtet sind, wäre noch untertrieben formuliert. Der Branchepionier hat mit seinem von Hotels Exklusivität einfordernden Verhalten gezeigt, dass er den Eindringling am liebsten wieder aus dem Markt drängen würde, anstatt sich dem Wettbewerb zu stellen. In diesem Lichte erscheint auch die Lancierung von Hotels Now fragwürdig. Angenommen, HRS würde JustBook zur Aufgabe zwingen können, hätte es keinen Grund, weiterhin sein eigenes Angebot mit einer Last-Minute-App zu kannibalisieren. Zumindest muss man bei den Kölnern ausgehend von der bisherigen Historie eine derartige Denkweise vermuten. Verlierer wären die Kunden.

Über die Tatsache, dass es sich bei Hotels Now um eine Nachahmung von JustBook handelt, sollte sich das junge Startup dagegen nicht zu sehr echauffieren. Immerhin gibt es mit HotelTonight bereits seit 2010 ein US-Vorbild.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. HotelTonight sucht laut Jobs-Seite gerade nach Country Managern für Deutschland und Spanien. Dass der Ansatz “Based in London” jedoch viel Erfolg hat, bezweifele ich fast.

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