Tablet-Magazine:
Die humpelnde Revolution

Rund um die Vorstellung des ersten iPads sah so mancher strauchelnde Printverlag sein Heil in digitalen Ausgaben seiner Produkte. Die Voraussetzungen für einen Erfolg waren auch gar nicht schlecht, nur die bisherige Umsetzung ist alles andere als gelungen.

Die Idee digitaler Magazine ist nicht neu, aber bis zur Vorstellung des iPad fehlte es am passenden Endgerät. Apple bot zudem mit dem App Store zugleich das Ökosystem inklusive Bezahlmöglichkeit. Das gefiel vielen Verlagen natürlich bestens, wollten sie doch endlich auch in der digitalen Welt direkt Geld mit ihren Inhalten verdienen.

Zu einem Selbstläufer aber ist das Thema ganz offensichtlich nicht geworden, denn von entsprechenden Erfolgsgeschichten hört man wenig. Ich kann das gut verstehen, denn obwohl ich ein großer Freund von Magazinen bin und in digitalen Magazinen ihre potenziell beste Form sehe, konnten mich iPad-Magazine bislang nie auf Dauer begeistern. Die Gründe dafür:

  1. Lange Ladezeiten. Digitale Magazine auf dem iPad sind in der Regel viele hundert Megabyte groß und brauchen entsprechend lange, bis sie geladen sind. Anfangs funktionierte dies zudem nicht im Hintergrund, selbst als das iPad-Betriebssystem es als Möglichkeit bot. Man musste als Nutzer also die App starten, das Magazin anfordern und dann das iPad erst einmal zur Seite legen. Komfort sieht anders aus. Inzwischen können manche Apps im Hintergrund herunterladen und bei einigen kann man das Magazin schon öffnen, während es noch heruntergeladen wird – man darf dann nur keinen Artikel lesen wollen, der noch nicht den Weg aufs iPad gefunden hat. Alles in allem ergibt sich hier nicht das Nutzungserlebnis, das man auf dem iPad bei anderen Anwendungen wie dem Browser kennt.
  2. Platzverschwendung auf dem Gerät. Die teils enorme Größe der Ausgaben nimmt zugleich wertvollen und stets knappen Speicherplatz weg. Das kleinste iPad-Modell hat nur 16 GB Platz und man hat schließlich noch andere Inhalte auf dem Gerät. Letztlich ist man bei intensiver Nutzung der Magazine also immer wieder damit beschäftigt, alte Ausgaben zu löschen. Das lässt sich übrigens nicht automatisieren. Wer nicht regelmäßig aufräumt, muss irgendwann alle seine Magazin-Apps nach alten Ausgaben durchsuchen und diese einzeln entfernen.
  3. Fehlende Durchsuchbarkeit. Ein Grund für die Größe der iPad-Magazine: Die Texte liegen in der Regel als Bilder vor. Das bietet zwar die größtmögliche Freiheit beim Layout. Das hat aber u.a. zur Folge, dass man in der Regel keine Suchfunktion hat, schon gar nicht über alte Ausgaben hinweg. Will man einen früheren Beitrag wiederfinden, bleibt also keine andere Lösung, als Heft für Heft im Inhaltsverzeichnis danach zu forschen – was nur geht, wenn man die Ausgaben heruntergeladen hat.
  4. Fehlende Interaktion. Ein digitales Magazin hat theoretisch den Vorteil, dass es direkt mit dem Internet verbunden sein könnte und alle Features bieten könnte, die man online als selbstverständlich ansieht. Dort kann man Beiträge kommentieren, sie in sozialen Netzwerken teilen, sie abspeichern oder Teile des Textes daraus kopieren. Das alles geht entweder gar nicht oder nur eingeschränkt, sobald man ein iPad-Magazin vor sich hat. Was auf jeden Fall gar nicht geht: einen Link auf einen Artikel setzen. Entsprechend sind die Magazine übrigens auch komplett unsichtbar für Google.
  5. Grafischer Firlefanz. Ein weiterer Grund, warum iPad-Magazine oft so groß sind, ist der Spieltrieb der Gestalter oder ihrer Auftraggeber. Er erinnert bisweilen an die Anfangszeiten des Internets: Hauptsache, es bewegt sich etwas. Ähnlich sinnlos und zweckbefreit finden sich in digitalen Magazinen Animationen oder gar ganze Introfilme, die zum Inhalt nichts Wesentliches beitragen, die Magazindatei aufblähen und den Nutzer spätestes dann nerven, wenn er denselben Artikel ein zweites Mal aufruft. Manche unterfüttern Beiträge gar noch mit Geräuschen, was ebenso toll ist wie eingebettete Videos, die sich von allein abspielen oder tönende Werbung: gar nicht.
  6. Teils undurchschaubare Benutzerführung. Im Gegensatz zum Web gibt es zwar noch kaum gewohnte Handgriffe und Gestaltungsmuster für digitale Magazine. Aber trotzdem müsste doch ableitbar sein, welche Gesten iPad-Nutzer schon kennen, auf welche Signale sie bei Websites reagieren und welche Parallelen aus der Printwelt man übernehmen kann. So sind sich beispielsweise viele digitale Magazine einig, dass die Navigation unsichtbar sein muss und erst mit einer Geste zum Vorschein gebracht werden kann. Das widerspricht allem, was man über Usability weiß. Warum wird das hier so gehandhabt? Wenn, dann wäre es sinnvoll umgekehrt, wie man es beispielsweise bei Lese-Apps auch schon findet: Die Navigation ist sichtbar und man kann sie mit einem Antippen ausblenden, sofern gewünscht. Und ob man zum Lesen nun nach unten oder zur Seite scrollt, ob er der Text durchläuft oder auf Seiten verteilt ist, inwiefern Spalten wirklich sinnvoll sind – alles das sind noch unbeantwortete Fragen. Für den Nutzer bedeutet das, dass er sich nur selten sofort zurechtfindet.
  7. Fehlende praktische Funktionen. Ein Beispiel: Lesezeichen. Manche Magazine haben sie, andere nicht. Eine übergreifende Lesezeichenverwaltung gibt es sowieso nicht – hier wäre Apple gefragt. Zudem hat man nirgends eine Übersicht, welches Magazin man eigentlich bis wohin bereits gelesen hat. Auch hier wäre Apple die Stelle, die das ermöglichen müsste. Generell ist Apples Magazin-Lösung fürs iPad nicht mehr als Augenwischerei: Sie besteht lediglich aus einem eigenen Bereich im App Store und einem speziell gestalteten Ordner namens “Zeitungskiosk”. Davon abgesehen sind Magazine nichts anderes als einzelne Apps. Apple hat hier eindeutig die Chance verpasst, ein Framework für digitale Magazine zu schaffen, innerhalb dessen sich alle Produkte bewegen. Das könnte sich beispielsweise wie eine Bücher-App à la Kindle darstellen, in der man in diesem Fall eben alle seine Magazine findet.

Manche Magazine lösen es besser, andere schlechter, aber alles in allem löst das Nutzungserlebnis beim besten Willen keine Begeisterung aus.

Viele der beschriebenen Probleme ließen sich dabei auf recht simple Weise lösen: Indem man auf HTML5 als Technik und einen Browser als Anzeigegerät setzt. Online-Bezahlsysteme sind inzwischen vorhanden oder ließen sich entsprechend einrichten. HTML5 kann Inhalte auch in einem Cache ablegen, so dass die Magazine ohne Internetverbindung abrufbar bleiben würden. Man hätte alle modernen Gestaltungsmethoden inklusive diverser Schriften. Die Leser könnten kommentieren, Links setzen oder Inhalte per Social Media teilen.

Wenn man als Verlag wollte, könnte man eine Paywall einrichten oder stattdessen auf Werbung und zusätzliche Produkte als Einnahmequelle setzen. In diesem Fall sehe ich aber durchaus Chancen für Paid Content, wenn man eben nicht Kleinstbeträge haben will, sondern interessante, zuverlässige, exklusive und regelmäßig aktualisierte Inhalte im Paket verkauft. So funktionieren Magazine und Fachbücher schon seit vielen Jahren. Genug Menschen wissen es zu schätzen, eine solche Übersicht und Zusammenfassung zu bekommen. Digitale Inhalte haben dabei für den Leser normalerweise den Vorteil, schneller verfügbar, besser archivierbar und durchsuchbar zu sein. Sie lassen sich bei Bedarf durch die Redaktion sogar erweitern und aktualisieren. Alles das wird von heutigen iPad-Magazinen nicht oder kaum genutzt.

Verlage würden sich mit einer Lösung auf Basis von HTML5 gleichzeitig unabhängig von einem Ökosystem machen – was für sie nicht zuletzt im Angesicht von Apples plötzlicher Preisänderung bei Apps durchaus ein attraktiver Gedanke ist. Ihre Magazine wären sofort auf allen Geräten verfügbar. Wahrscheinlich bräuchte es dennoch die Entsprechung eines Kiosk im Internet, damit Menschen auf interessante Magazine stoßen.

Digitale Magazine haben nach wie vor eine Chance. Die Macher sollten aber vor allem darüber nachdenken, wie sie das Nutzungserlebnis für ihre Leser verbessern und wie sie die neuen Möglichkeiten nutzen können, um inhaltlich mehr zu leisten, als es bei einem gedruckten Heft jemals möglich wäre.

 

Jan Tißler

Jan Tißler ist Leitender Redakteur von neuerdings.com und Autor auf netzwertig.com. Er ist fasziniert von Technik und ein leidenschaftlicher Internetintensivnutzer.

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15 Kommentare

  1. Als Magazin-Leser und Designer kann ich die hier genannten Punkte nur bestätigen.

    Aus diesem Grund entwickelten mein Kollege Johannes Ippen und ich den ShowCase des ersten HTML5 Magazins fürs iPad: http://asidemag.com

    Mittlerweile vertreibt die Financial Times ihre digitale Ausgabe ausschließlich als HTML5 Version und wird durch steigende Leserzahlen für ihren Mut ausschließlich auf HTML5 zu setzen belohnt.

  2. Interessant, ähnliche Gedanken zu fast dem gleichen Thema am gleichen Tag:
    http://planetquark.com/20…-we-insist-on-html5/

    • Scheinbar macht man sich auch in Übersee Gedanken um diese Thematik. Schön, dass mal endlich Wind in die Sache kommt.

    • Vielen Dank für den Link. Manchmal liegen solche Überlegungen auch einfach in der Luft ;)

    • Hallo Jan,

      wenn auch ein wenig grundlegender vom Ansatz und doch in die gleiche Richtung denkend, haben wir am Wochenende ein Buchprojekt zu #AgilePublishing über Kickstarter gestartet:
      http://www.agile-publishing.de/

      Vielleicht interessant? Wenn nicht, verzeih mir die Werbung.

      Danke
      Matthias

  3. Klar hätte die beschriebene Lösung mit HTML5 und dem Web-Kiosk seine Vorteile. Großer Nachteil an genanntem Szenario: Apple kann dann selbst kein Geld mehr mitschneiden. Deswegen wird es wohl in nächster Zeit nicht dazu kommen.

  4. Tatsächlich “humpeln” die digitalen Magazine fleissig vor sich her und die angesprochenen Punkte kann ich größtenteils unterschreiben. Gerade im Magazinbereich habe ich aber immer noch den Eindruck, dass die Verlage (mit Ausnahme der wirklich „Großen“ Player) dermaßen weit weg von HTML5 sind, als dass sich kurzfristig was ändern wird.

    Die Strukturen in Layout und Grafik der Verlage sind deshalb auf Lösungen angewiesen, die solche HTML5-basierten Magazine aus einem Gestaltungsprogramm erzeugen lassen. Denn das KnowHow fehlt meist komplett und in eine eigene Web-Abteilung mag und kann im schwächelnden Print-Markt kaum ein Verlag investieren. Die Marktführer im Softwarebereich sind auch schon auf dem Weg mehr und mehr HTML5-Technologie in ihre Lösungen zu integrieren. Sobald es Adobe mit der DPS schafft, die Layouts nicht mehr als jpeg oder PDF in seine Folios zu packen, sondern dies in HTML5 geschieht, werden wir die ersten 3 Punkte abhaken können. Quarks App Studio ist hier mit PressRun-Technologie sogar einen Schritt voraus.

    Die eigentliche Bremse ist meiner Meinung nach die aber Brücken- bzw. Krückentechnologie des PDF-Enrichment, die selbst auf der Buchmesse noch als Innovation angepriesen wurde. Was vor Jahren schon als blätterbares Flash-Magazin im Internet scheiterte, funktioniert auf dem Tablet genausowenig – weil ein Layout auf das Endgerät angepasst werden muss. Zumindest in Magazinen, wo grafische Gestaltung und Bildsprache ein große Rolle spielen und eng zusammengehören.

    Aber bei 80% der vorhandenen „digitalen Magazine“ sieht anders aus: Aus dem Druck-PDF schnell noch ein Magazin generieren um das Geld mitzunehmen. Mehrspaltige Layouts, A3-Doppelseiten aufs Querformat eines Tablets gequetscht – in den meisten Fällen ist nicht mal das Inhaltsverzeichnis verlinkt – dass dafür kein Leser Geld bezahlen mag, liegt auf der Hand. Nicht das solche Tools keine Daseinsberechtigung hätten, aber für Magazine eignen sie sich nur, wenn die zugrundeliegenden PDFs für ein Tabletformat gestaltet wurden – und die Erstellungskosten dafür sind das wirkliche Problem – nicht die Distributionsgebühren für Multi-Issue-Apps.

    Die Web-Apps, aktuell etwa der Playboy, sind auf einem richtigen Weg, überzeugen mich aber nicht vollends – und meine Magazine möchte ich trotz LTE nicht alle im Browsercache verwalten.

    Bei der rasanten Entwicklung der Technologien (das Medium ist ja nicht mal 3 Jahre alt) bleibt für digitale Magazine und vor allem Verlage nur ein Weg: ein vernünftiges Konzept! Kein angereicherter „Abfall“, keine Multimedia-Schlacht, sondern Mehrwert und Usability – dann bekommt man auch Geld dafür.

  5. Ich habe auch den Eindruck, dass es momentan für die Macher der Magazine (aber auch eBooks) wichtig ist, dass sie bestimmen, wie es auszusehen hat.

    Im Netz war man von Anfang an weiter, denn es wurde immer allen eingetrichtert, dass der Nutzer selbst entscheiden soll, wie er den Inhalt lesen möchte. Ok, das wurde mehr oder weniger umgesetzt. ;)

    Ich sehe das aktuell an den eBooks. Da gibt es Verlage, die in ihre Bücher irgendwelche, auf Lesegeräten eher unlesbaren Schriften einbauen, nur damit das eBook genauso wie das Papierbuch ausschaut. Das ist meiner Ansicht nach am Kunden vorbei gedacht, der einfach nur den Inhalt lesen möchte.

    Durch die eBooks und die Lesegeräte begreife ich in letzter Zeit immer mehr, dass der Nutzer im Mittelpunkt stehen muss und nicht der Macher. Nur ist es momentan so, dass die Nutzer keine Wahl haben und das nehmen müssen, was ihnen hingeworfen wird.

  6. Ich finde an diesem Artikel vieles richtig. Hnderte von Megabytes laden, um multimedial aufbereitete Maagzininhalte zu konsumieren ist nervig. Texte, die nicht durchsuchbar sind, weil als Bilder gespeichert – eigentlich ein Unding im Jahr 2012. Und, das Wichtigste: warum setzen nicht alle auf HTML, wo es doch heutzutage fast alles kann?

    Eine Lösung der meisten hier genannten Probleme ist die technische Struktur, die wir fûr die ZEIT iPad App gefunden haben. Hier sind alle Seiten HTML, die Download selten größer als 100MB und jede Ausgabe seit ein paar Wochen entweder als iOS-App im Apple Store, oder aber als WebApp (Stichwort Cache) auf den anderen Geräten verfügbar. Man kann unter webapp.zeit.de mit Android die ZEIT gut lesen, auch offline und wenn die neue Ausgabe kommt, wird die alte eben gelöscht.

    Es sind zwar noch nicht alle hier aufgführten Aspekte umgesetzt, aber die wichtigen.

    Eine Sache, die man Apple, bei größer werdender Kritik, lassen muss: die meisten zahlungswilligen Kunden sind immer noch im AppStore.

  7. Ich finde die Lösung der Frankfurter Rundschau gut. Andere Publikationen bringen eine Doppelseite des gedruckten Magazins auf den iPad Schirm. Um den zu lesen tippe ich auf eine Spalte, die dann so gross ist, dass ich sie lesen kann und die Orientierung verliere – Käse. Letzteres führt dazu, dass ich die Zeitschrift kein zweites mal mehr kaufe, FR lese ich noch heute.

  8. Danke für die sehr interessante Zusammenfassung.
    Hier zur Ergänzung ein Beispiel aus Österreich: Ein Kiosk auf HTML 5 Basis, der seit einem Jahr existiert und immer mehr Besucher findet. http://www.kiosk.at

  9. Einen Gruß an alle Verleger, Redakteure, Designer oder sonstige die mit der Entstehung von digitalen Magazinen zu tun haben, von mir, Euren potenziellen Kunden:

    EIN MAGAZIN DAS SICH NICHT IN DEN ZEITUNGSKIOSK APP VON APPLE EINREIHT WILL ICH NICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Ihr vergesst, bei der Diskussion über HTML5, Website, eigenen Apps, … , dass wir Leser mehr als ein Magazin lesen und mehr als ein App auf unseren Geräten haben.
    Und deswegen will ich meine Magazine an einem zentralen Ort haben, und nicht an mehreren Stellen. Z.B.: Wired und Wired Deutschland – Warum ist das eine Magazin im Zeitungskiosk das andere nicht?
    Und wenn wir gerade dabei sind:
    • Ich will kein billigen Abklatsch der Printausgabe:
    Ich brauche kein QR-Code im digitalen Magazin, ich würde ein Link erwarten!
    Ich brauche keinen Verweis auf Seiten im Magazin, ich will Querverweise!
    • Ich will kein besseres PDF haben:
    Passt die Seitendesign, die Bilder, und den Textfluß den jeweiligen Geräte an, und bitte jeweils für Hoch- und Querformat. Ich hasse es eine Seite hin und her zu schieben, um sie zu lesen!
    • Macht eine vernünftige Preisgestaltung:
    Entweder sind die Magazine in Zukunft optimiert auf die Geräte, und Goodies wie z.B.: CD‘s sind als Download im Internet verfügbar, dann sind die aktuellen Preis gerechtfertigt.
    Oder ihr verkauft weiter den billigen Abklatsch der Druckausgaben, dann dürft Ihr aber nur maximal 50% von dem Preis der Druckausgabe verlangen, weil mehr habt ihr Euch nicht bedient.
    Dass der Erfolg der Zeitungsbranche ausbleibt liegt an der Einstellung:
    Ein schlechte Produkt zu hohen Preis zu verkaufen, ist kein nachhaltiger Umgang mit Kunden.

  10. Ich finde ja “The Magazine” von Marco Arment sehr spannend, das auf all diesen grafischen Firelefanz verzichtet und nur gut Artikel in schönem schlichten Layout bietet:
    http://netzfeuilleton.de/…r-zum-chefredakteur/

  11. Vielen Dank für diesen Artikel und die zahlreichen Kommentare! Einen Aspekt möchte ich gern noch mit einbringen, der hier noch nicht genannt wurde. Sämtliche im Blogbeitrag genannten Punkte stehen auch einer Nutzung durch Blinde im Weg. The Magazine von Marco Arment ist wunderbar auch für Blinde mit VoiceOver lesbar, diese Bilder im PDF-Format sind es ausnahmslos nicht. Dass Die Zeit auf HTML5 basiert, finde ich spannend und werde ich evaluieren auf seine Lesbarkeit für Blinde hin. Andere folgen hoffentlich diesem Beispiel und stellen in naher Zukunft auch auf ein Denkmodell um, das den Inhalt in den Vordergrund stellt und nicht das Design! Apple’s iBooks hat gezeigt, dass man Bücher auch barrierefrei zur Verfügung stellen kann, und jedes eBook, das als ePub zu erwerben ist, vergrößert die Menge an zugänglichen Büchern für Menschen mit Behinderungen.

  12. hey, ein neuer Trend am Horizont: Responsive Print-Design!

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  1. [...] und Digitalausgaben für die Surfbretter immer noch ziemlich schwer. Warum das so ist, wird auf netzwertig.com anschaulich und plausibel beschrieben. Kurz gefasst ließe sich auch sagen: So ganz begriffen haben [...]

  2. [...] Netzwertig-Autor Jan Tißler macht bei Tablet-Magazinen von Verlagen sieben große Mankos aus. netzwertig.com [...]

  3. [...] aus Tageszeitung und Multimediashow war.The Daily steht mit seinem Ansatz nicht allein da. In hatte hier schon einmal zusammengefasst, woran Tablet-Magazine meiner Meinung nach derzeit scheitern. Ein ganz klares Grundproblem: Sie [...]

  4. [...] weil Tablet-Magazine lange Zeit vor allem mit allerlei Multimedia-Gedröhne überzeugen wollten. Von einer „humpelnden Revolution“ schrieb ich noch letztes Jahr im Oktober auf [...]

  5. […] Gelesen: was an iPad-Magazinen schlecht ist und warum der große Durchbruch ausbleibt.  Tablet-Magazine – Die humpelnde Revolution […]