Geschenke als Erlösquelle:
Wieso Geburtstagskinder
für Facebook so wichtig sind

Als Facebook Pläne für einen Geschenke-Shop bekannt gab, stieg der Aktienkurs kurz darauf um mehr als sechs Prozent. Nicht ohne Grund, zumal sich Funktionen rund um Geschenke noch deutlich ausbauen lassen.

Viele werden es kennen: Eine Person aus dem Freundes- oder Familienkreis hat Geburtstag und verschiedene Menschen an unterschiedlichen Orten beteiligen sich an einem gemeinsamen Geschenk. Nun geht es darum, dafür das Geld zu sammeln. In der Regel geht einer der Gebenden in Vorauslage und kassiert im Nachhinein die ausstehenden Beträge. Auch ich war jüngst in einen derartigen Prozess involviert, der noch verkompliziert wurde, weil die Partizipierenden der Geschenkrunde in verschiedenen Ländern wohnen und sich selten sehen. Der gesamte Vorgang wurde per Facebook-Gruppennachricht geplant – nur als es an die Geldübermittlung ging, war der Umweg über Kontonummern oder Bargeld beim nächsten Zusammentreffen erforderlich.

Onlinedienste wie Friendfund oder BonaYou bieten spezielle Lösungen an, um gemeinsam mit anderen Geld für Geschenke zu sammeln. Doch da sich ohnehin die gesamte Kommunikation zur Auswahl und Beschaffung eines Geschenks bei Facebook abspielte – was angesichts von einer Milliarde Nutzern auch kein seltenes Vorkommnis sein wird – läge die Ideallösung eigentlich auf der Hand: Facebook selbst müsste einen Service anbieten, mit dessen Hilfe sich kleinere Geldbeträge zwischen Kontakten sammeln lassen.

Mit der Lancierung von Facebook Gifts, die derzeit in den USA anläuft, begibt sich das soziale Netzwerk schon einmal auf ähnliches Terrain: Künftig erlaubt es Nutzern, ausgewählte physische Produkte von Partnern über die Plattform zu erwerben und direkt als Geschenk an den Empfänger schicken zu lassen. Für Facebook ist das äußerst attraktiv, denn es erhält für Verkäufe jeweils eine Provision. Als das Angebot Ende September vorgestellt wurde, katapultierte die Nachricht den Aktienkurs des Social Networks um über sechs Prozent in die Höhe.

Sollte der neue Geschenke-Shop, der noch kein Launchdatum für den deutschsprachigen Raum hat, die großen Hoffnungen des Unternehmens erfüllen, wäre das Verschenken durch mehrere Personen der nächste logische Schritt. Spezielle Geschenkgutschein-Apps wie Wrapp und Dropgifts erlauben dies bereits, beschränken sich aber auf Gutscheine für Einzelhandelsketten. Facebook könnte hier weiter gehen, indem es schnell ein großes Sortiment an Geschenken von Kooperationspartnern aufbaut und Schenkenden eine Option einräumt, jeweils Teilbeträge zu zahlen. Wenn die Gesamtsumme erreicht wurde, beginnt der Versand.

Ein derartiges Feature für Gruppengeschenke ist vergleichsweise unproblematisch zu realisieren. Nachdem dies von Facebook implementiert wurde, wäre es konzeptionell nicht mehr weit bis zu einer Option für Überweisungen an andere Personen. Facebook-Mitglieder laden einfach ihr Facebook-Payment-Konto mit dem gewünschten Betrag auf, den sie dann als Gutschrift dem Käufer des Geschenks zukommen lassen. Dieser kann sich den Betrag auf ein Konto auszahlen lassen oder innerhalb der Facebook-Plattform ausgeben.

Die große Herausforderung läge in den juristischen Implikationen. Denn sobald Geldmittel zwischen Privatpersonen hin- und her transferiert werden können, besteht bei den Behörden die Sorge, dass Kriminelle sich dieser Möglichkeiten anwenden, weshalb traditionell gesetzliche Einschränkungen zum Tragen kommen. Wer etwa mit Western Union mehr als zwei Online-Transaktionen innerhalb von zwölf Monaten durchführen will, muss dazu manuell seine Identität nachweisen.

Ich kenne mich nicht mit der Gesetzeslage aus, weshalb ich es an dieser Stelle bei der Aussage belasse, dass das Anbieten einer Option zur Geldüberweisung für Facebook mit einigen Auflagen verbunden sein dürfte – sofern es überhaupt realisierbar ist. Aus Anwendersicht aber wäre es äußerst hilfreich, wenn man Kontakten nicht nur Nachrichten und Mediencontent zukommen lassen könnte, sondern auch Geldmittel – selbst wenn es sich aus Sicherheitsgründen nur um Beträge im niedrigen zweistelligen Bereich handeln würde.

Jeder der eine Milliarde aktiven Facebook-Nutzer hat einmal pro Jahr Geburtstag. Gelänge es dem sozialen Netzwerk, durch Provisionen aus dem Geschenke-Shop sowie einer mit einer geringen Transaktiongebühr belegten Überweisungsfunktion einen Dollar Umsatz pro Geburtstagskind und Jahr zu erwirtschaften, dann ergäbe dies eine Milliarde Dollar zusätzlichen Umsatz per anno. Nicht wenig angesichts von 3,71 Milliarden Dollar Umsatz im vergangenen Jahr. Und dabei sind die Vielzahl anderer Geschenkanlässe noch nicht einmal berücksichtigt.

Auch wenn man an der Durchführbarkeit des von mir skizzierten Überweisungstools durchaus zweifeln mag – der Geschenke-Shop kann zu einer äußerst wichtigen Säule von Facebooks Geschäftsmodell werden – speziell dann, wenn er Mehrpersonen-Geschenke und die Mitnahme des gesammelten Guthabens zu kooperierenden E-Commerce-Anbietern ermöglicht. Wenn sich überall im Netz mit Facebook-Guthaben einkaufen ließe, dann erübrigt sich die Erforderlichkeit eines direkten Geldtransfers ohnehin.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Ich habe keine Facebook-Aktien, deshalb kann ich mich über zukünftige Zusatzumsätze von Facebook nicht freuen.

Ein Pingback

  1. […] an den Start. Hierbei handelt es sich um einen virtuellen Geschenke-Shop, in dem User ausgewählte physische Geschenke kaufen und direkt an den Empfänger verschicken können. Hierfür will Facebook auf allen Profilen einen „Geschenke-Button“ implementieren. Das […]

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