Bezahlinhalte mit Google Wallet:
Google lässt One Pass unter neuem Namen wieder auferstehen

Im April schloss Google seinen One Pass genannten Micropaymentdienst für Onlineinhalte. Jetzt lanciert der Internetkonzern unter dem Dach von Google Wallet ein sehr ähnliches, aber modernisiertes Angebot.

Google hat, wie eben in Linkwertig schon erwähnt, eine neue Micropaymentlösung für Anbieter von Onlineinhalten vorgestellt. Google Wallet for Web content nennt sich der Service, der unter dem Dach von Googles digitaler Geldbörse “Wallet” Unterschlupf findet. Anbieter von Webcontent erhalten mit dem Service die Möglichkeit, in wenigen Schritten eine Bezahlschranke für einzelne Bereiche ihrer Website zu errichten.

Aufmerksame Leser werden sich jetzt vielleicht denken: “Das kommt mir doch bekannt vor”. Richtig: Erst im April beendete der Internetriese mit “One Pass” ein sehr ähnliches Projekt. One Pass wurde Anfang 2011 als Bezahlsystem für Verlage präsentiert und von einer Reihe von Nachrichtenangeboten ausprobiert. Leser, die einen mit One Pass geschützten Artikel aufrufen wollten, mussten diesen über Googles bisherigen Zahlungsdienst Checkout erwerben. Besonderes Merkmal von One Pass war es, dass es Micropayments ermöglichte. Verlage konnten etwa zehn Cent von Nutzern verlangen, die Zugriff auf einen bestimmten Text erhalten wollten. Google beanspruchte jeweils eine Transaktionsgebühr von zehn Prozent.

One Pass erfuhr jedoch niemals eine nennenswerte Verbreitung. Im Frühjahr gab Google die Einstellung des Dienstes bekannt und empfahl Publishern als Ausweichlösung “Google Consumer Surveys”, ein Instrument, bei dem Leser gesponsorte Umfragen absolvieren müssen, bevor sie Inhalte von Nachrichtenwebsites abrufen können.

Doch ganz scheint sich Google nicht von dem Gedanken verabschieden zu können, Erstellern von Onlineinhalten Werkzeuge in die Hand zu geben, um ihre Arbeit über Micropayments zu monetarisieren. Denn Google Wallet for Web content bietet in weiten Teilen eine analoge Funktionalität zu One Pass. Die Unterschiede liegen im Detail: Die Integration der Zahlungsaufforderung in Websites mittels eines Codeschnipsels wirkt für Anwender deutlich moderner, da sie nicht wie One Pass dem eigentlichen Inhalt vorgeschaltet ist, sondern sich über diesen legt und den Content bis zur Bezahlung unkenntlich macht (Beispiel). Website-Betreiber können Nutzer bei längeren Beiträgen auch erst ein Stück weit gratis scrollen lassen, bevor der Wallet-Banner erscheint.

Die Zahlung erfolgt nun über Google Wallet, nicht länger über Checkout, das mit Wallet fusioniert wurde. Der grundsätzliche Ablauf ist aber ähnlich: Wer seine Zahlungsdaten bereits bei Google hinterlegt hat, kann den jeweiligen Content mit einem Klick freischalten – bei One Pass wurden Anwender zur Bestätigung der Zahlung noch auf eine zwischengeschaltete Seite geleitet. Neu ist eine Geld-zurück-Garantie für User, die mit dem erworbenen Inhalt nicht zufrieden sind. Von diesem Angebot kann innerhalb der ersten 30 Minuten nach einem Kauf Gebrauch gemacht werden. Google weist darauf hin, dass diese Möglichkeit nicht systematisch zum kostenfreien Zugang von Bezahlinhalten missbraucht werden darf. Wer zu oft eine Rückzahlung einleitet, für den behält sich das Unternehmen vor, diese Option ganz zu deaktivieren.

Mit Google Wallet for Web content senkt der Onlinekonzern nochmals die Transaktionskosten für Micropayments: Gemäß dieser Übersicht für Transaktionsgebühren, die bei Wallet-Käufen digitaler Güter anfallen, behält Google lediglich fünf Prozent des Umsatzes ein – bei One Pass waren es doppelt so viel. Publisher, die beispielsweise einen Artikel für 25 Cent verkaufen, erhalten folglich 23,75 Cent ausgezählt. Ein äußerst attraktives Angebot, bedenkt man, dass die fixen Gebühren der Zahlungsabwickler traditionell einer wirtschaftlichen Realisierung von Micropayments im Wege standen.

Und wo ist abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob Paid Content im Netz angesichts von immer nur einen Klick entfernten Gratis-Alternativen tatsächlich ein massentaugliches Konzept darstellt, der Haken? Momentan befindet sich One Pass im Test-Modus. Website-Betreiber, die den Service ausprobieren möchte, müssen ein Formular ausfühlen, woraufhin sie erfahren, dass ein Google-Mitarbeiter zeitnah Kontakt aufnehmen wird. Bisher werden Preise auch nur in US-Dollar beziehungsweise -Cent angegeben, insofern ist unklar, ob das Angebot überhaupt schon weltweit forciert wird. Aus den Hilfe-Dokumenten von Google Wallet geht zudem nicht hervor, inwieweit der Service für jeden Website-Betreiber zur Verfügung steht oder sich lediglich an professionelle, gewerbliche Anbieter richtet.

Generell macht Google Wallet for Web content aber einen guten, zeitgemäßen Eindruck und schafft es, sowohl den Interesse von Publishern als auch Nutzern entgegen zu kommen – letzteren speziell durch die Geld-zurück-Funktion und die flexible Konstruktion der Bezahlschranke.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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Ein Kommentar

  1. Und jetzt ist es auch schon wieder eingestellt: http://musclecat.com/614/…nt-wird-eingestellt/ Ich glaube mit Paid Content wird das in den nächsten Jahren nix werden.

Ein Pingback

  1. [...] mehrerer Websites im Zeitverlauf zu erhalten. Jetzt wurde der Dienst eingestellt.Google-Freitag bei netzwertig.com. Eines der für unsere Arbeit sehr praktischen Werkzeuge war Google Trends for Websites. Das [...]

vgwort