Meinungs-App fürs Smartphone:
qwavr bringt das Thumb-Konzept zu deutschsprachigen Nutzern

Die Münchner App-Schmiede 7creo adaptiert das Konzept der rasant wachsenden US-Smartphone-Anwendung Thumb für deutschsprachige Nutzer. qwavr erlaubt iPhone- und Android-Anwendern das spontane Einholen von Meinungen.

Viele lokale Adaptionen erfolgreicher US-Dienste lassen eine handfeste Existenzberechtigung vermissen. Das Netz ist global und das Gros der an Endnutzer gerichteten Services aus dem Ausland kann problemlos auch von deutschen User verwendet werden – gerade im Social-Web-Segment. Doch einige Ausnahmen gibt es, unter anderem solche, bei denen sprachliche Barrieren einer zufriedenstellenden Nutzung im Wege stehen. Ein Beispiel hierfür: Die aus New York stammende mobile App Thumb, mit der sich innerhalb weniger Minuten Meinungen zu beliebigen Alltagsfragen einholen lassen. Wir berichteten im März über die Smartphone-Anwendung. Beeindruckt hatte mich damals die enorme Nutzeraktivität. Jüngste Zahlen des Startups von der Ostküste zeigen ein fortgesetzt rasantes Wachstum.

Doch da die mit Fotos illustrierten Fragen und Antworten bei Thumb auf Englisch gestellt werden müssen, bereit die App nur solchen Anwendern Spaß, die einigermaßen mit der englischen Sprache vertraut sind. Auch eignet sich Thumb nicht für Fragen, die sich auf spezifische Ereignisse, Eigenheiten oder Sachverhalte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beziehen. Insofern war das Auftauchen eines deutschsprachigen Thumb-Nachahmers nur eine Zeitfrage – und nicht ganz unlogisch. Es würde angesichts des beeindruckenden Nutzerengagements und der damit verbundenen kommerziellen Potenziale bei Thumb nicht überraschen, wenn hierzulande derzeit parallel mehrere Thumb-Imitationen am Entstehen sind. Die erste, von der wir erfahren haben, heißt qwavr und debütierte vor wenigen Tagen als kostenfreie App für iPhone und Android.

Das qwavr-Konzept ist identisch mit dem von Thumb: Nutzer können mit einem Foto illustrierte Fragen an die Community stellen. Als Antwortalternativen dienen ein fröhliches und ein trauriges Smiley, was für Zustimmung respektive Ablehnung steht. Zusätzlich existiert ein Kommentarfeld, um das Feedback auf Wunsch zu konkretisieren. Die gewählte Struktur unterstreicht den Schwerpunkt der App als Meinungswerkzeug, mit dem User etwa Kommentare zu einem Kleidungsstück, einem Produkt oder einer beliebigen anderen Frage einholen können, die keine ausführliche, differenzierte Erläuterung erfordert, sondern sich mit einem simplen Ja oder Nein beantworten lässt.

Wer bei qwavr eine eigene Kurzumfrage erstellt hat, kann anschließend unter dem Menüpunkt “Ergebnisse” die Reaktionen und Kommentare einsehen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Alter. Benutzernamen, öffentliche Profile oder Chatfunktionen existieren nicht. Anwender sollen durch das so geschaffene Gefühl der Anonymität auch zu eher persönlichen Fragen animiert werden, etwa zu Beziehungen.

Ähnlich wie Thumb bietet sich auch qwavr als kurzweiliger Zeitvertreib an, selbst wenn man keine Frage an die Community hat. Stattdessen klickt man sich durch die nacheinander präsentierten Spontanumfragen anderer Nutzer, stimmt ab und erhält jeweils einen Blick auf das aktuelle Ergebnisse. Da qwavr erst wenige Tage alt ist, hält sich die Aktivität der Anwender noch merklich in Grenzen. Während man bei Thumb innerhalb von einer Minute 50 oder mehr Reaktionen erhält, muss man bei dem Münchner Service derzeit eher mit einer Antwort innerhalb mehrerer Stunden rechnen. Laut Marius Wahl von 7creo, der Münchner App-Schmiede hinter qwavr, sind innerhalb der ersten Tage immerhin schon 3000 Antworten eingegangen.

Da es sich bei qwavr nicht um ein eigenständiges Startup sondern ein Nebenprojekt von 7creo handelt, müssen sich die Bayern derzeit noch keine großen Gedanken über die Monetarisierung machen. qwavr ist schlicht ein Experiment der Münchner – und sieht leider auch ein wenig so aus: Rein vom Interface her kann die App nicht sonderlich begeistern. Pluspunkte gibt es allerdings für den parallelen Launch auf den beiden wichtigsten mobilen Plattformen.

Schon weil die Programmierung einer Anwendung im Stile von Thumb keine großen Würfe und überdurchschnittliche Ressourcen erfordert, ist mit weiteren Nachahmern zu rechnen. Letztendlich handelt es sich allerdings um einen typischen Winner-Takes-It-All-Markt, bei dem ein Anbieter durch das Erreichen von Netzwerkeffekten und in der Folge außergewöhnlich hoher Aktivitätslevels schließlich alle anderen Akteure hinter sich lässt. qwavr besitzt als frühzeitig präsenter, plattformübergreifender Anbieter nun einen Vorteil gegenüber künftige Konkurrenten, leidet jedoch unter einer lieblosen Optik und einem wenig eingängigen Namen. Aber immerhin ist er kurz.

Simple Umfrage- und Meinungsapps für Smartphones dürften uns in nächster Zeit noch häufiger beschäftigen – und im Speziellen natürlich Thumb.

Link: qwavr

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

6 Kommentare

  1. Lustige Sache, für zwischendurch kann ich mir das ganz gut vorstellen.

  2. Nachdem ich Deinen Artikel gelesen habe, habe ich die App runtergeladen und ausprobiert. Nett, man bleibt hängen und macht noch eine Frage und noch eine und… Lediglich das Niveau der Fragen schreckt ab.

  3. Das Ding nervt. Es ist technisch ungenügend und inhaltlich lieblos. Und wenn man schon kopiert, dann könnte man sich mindestens am bewährten Funktionalitätsumfang des Originals orientieren …

  4. Ich find die App recht gelungen, da man sich prima die Zeit vertreiben kann. Gehe mal stark davon aus dass die Jungs das Interface noch mal überarbeiten – momentan steht das ja eher als offene BETA um Meinungen einzuholen da…
    Funktionsumfang wird sich sicher auch noch ausweiten – ich bin gespannt auf das erste Update.

  5. Hallo zusammen, die App hat mittlerweile ein neues Design, ist komplett überarbeitet worden und hat ein paar mehr Funktionen bekommen – einfach mal ausprobieren!

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