Wenn Erwartungen sich nicht erfüllen:
Die neue Sichtweise
auf Startup-Misserfolge

Die hiesige Startup-Szene unterscheidet sich in vielen Punkten von der US-amerikanischen. Ein gravierender ist der Blick auf die Konsequenzen aus gescheiterten Vorhaben. Doch mittlerweile bewegt sich hier auch in Deutschland etwas.

Man liest und hört es immer wieder: In Deutschland herrscht eine zu fatalistische Sichtweise auf das Scheitern von jungen Unternehmen – im Gegensatz zu den USA, wo Trial & Error ein ganz normaler Aspekt von Entrepreneurship ist. Wer hierzulande einmal ein Startup in den Sand gesetzt hat, dem haftet dieser Makel noch lange an. Freunde, Verwandte und Öffentlichkeit sehen nicht den enormen Zugewinn an Know-how als unmittelbare Folge einer nicht nach Plan verlaufenen Firmengründung, sondern eher Schulden, Depression und eine langfristige Stigmatisierung. Da verwundert es wenig, dass hiesige Entrepreneure als risikoscheu gelten. Immerhin schmerzt angesichts dieses gesamtgesellschaftlichen Klimas ein eventueller Misserfolg als Gründer deutlich mehr als in einem Umfeld, in dem nach dem vorzeitigen Schließen eines unternehmerischen Kapitels die allgemeine Ermunterung, es gleich wieder zu versuchen, überwiegt.

Während bestimmte bürokratische und strukturelle, das Trial-&-Error-Prinzip erschwerende Gegebenheiten in Deutschland nicht von heute auf morgen verschwinden werden, ist immerhin ein Mentalitätswechsel zu spüren. Nachdem auf Podiumsdiskussionen, in Gründerblogs und bei anderen Zusammenkünftigen der Webbranche seit Jahren gebetsmühlenartig die Notwendigkeit einer neuen Perspektive auf unternehmerisches Scheitern wiederholt wird, hat sich diese Botschaft mittlerweile zumindest in den Köpfen vieler am Branchengeschehen beteiligten Akteure festgesetzt. Beschleunigt wird die Entwicklung durch den Zuzug vieler internationaler Entrepreneure, Entwickler und Multiplikatoren besonders in die boomende Gründerstadt Berlin, wodurch eine weitere Vermischung von Mentalitäten und Werten stattfindet.

Das Wunderkit-Aus als Symbol für den Gesinnungswandel

Ein in diesem Kontext nicht ganz unwesentliches Ereignis dürfte die vor einigen Wochen bekanntgegebene Einstellung des mit großen Ambitionen gestarteten Produktivitätstools Wunderkit darstellen. Da die vom Berliner Startup 6Wunderkinder Anfang 2012 lancierte Anwendung im Vorfeld eine für hiesige Neugründungen untypisch umfangreiche und aufmerksamkeitsweckende PR-Kampagne durchführte, sorgte auch das vorzeitige Ende des Projekts für viel Beachtung und ausgiebige Diskussionen in Szenekreisen und Kommentarspalten. Obwohl Kritik und feindselige Aussagen nicht ausblieben, signalisiert der allgemeine Tenor eine echte Zäsur im Bezug darauf, wie das Scheitern eines viele Blicke auf sich gezogenen Projekts innerhalb der deutschen Internetwirtschaft aufgefasst wird. “Wir bekamen unglaublich viel positives Feedback von unseren Nutzern und aus vielen Bereichen unserer Industrie. Vermutlich erhalten wir aktuell sogar mehr Unterstützung als jemals zuvor”, beschrieb uns 6Wunderkinder-Chef Christian Reber die Reaktionen in der Branche auf die von ihm sehr offen kommunizierte Nachricht, Wunderkit nicht weiterentwickeln zu wollen und sich stattdessen auf den Taskmanager Wunderlist zu konzentrieren.

Wir fragten Reber, der nun – freiwillig oder unfreiwillig – zu einer Art Botschafter des beschriebenen Gesinnungswandels in der deutschen Online- und Gründerwelt wird, welche Ratschläge er für Entrepreneure hat, die einschneidende Planänderungen ins Auge fassen müssen. Einsicht sei der erste kritische Punkt, so der gebürtige Brandenburger: “Zu verstehen, dass ein Produkt nicht funktioniert, oder eine Unternehmensstrategie nicht langfristig ist, aus welchen Gründen auch immer (z.B. Ressourcen, Qualität, Geschwindigkeit, Kapital…), ist ein kritischer Moment – und findet in vielen Unternehmen viel zu spät statt. Diesen Punkt zu überwinden ist nicht einfach. Das weiß ich nun auch aus eigener Erfahrung.”

Reber ist sich sicher: Der Misserfolg von Wunderkit war für seine persönliche Entwicklung mindestens genauso wertvoll wie der gute Verlauf von Wunderlist. “Erst dadurch habe ich wirklich verstanden, worauf es uns als Unternehmen und mir als CEO ankommt”. Für ihn bedeutet ein drastischer Richtungwechsel und die Einstellung eines mit enormen Hoffnungen versehenen Produkts auch nicht, im klassischen Sinne zu scheitern. Diesen negativ beladenen Begriff definiert er anders: “Scheitern ist nur ein Misserfolg, wenn man Tatsachen ignoriert und nichts daraus lernt”.

Sebastian Kurt hält Scheitern für notwendig

Der 6Wunderkinder-Mitgründer ist bei weitem nicht der einzige Entrepreneur aus der hiesigen Webwelt, der in letzter Zeit eine schwerwiegende Entscheidung treffen musste. deutsche-startups.de listete gestern eine ganze Reihe von Jungfirmen auf, die 2012 vom Markt verschwanden. Eins davon: The Chicken, eine aus Berlin stammende Plattform für Produkterlebnisse. Auch Co-Founder Sebastian Kurt übt sich darin, aus der Not eine Tugend zu machen: “Aus meiner Sicht muss man unbedingt einige Male scheitern. Man darf nur nie den gleichen Fehler erneut begehen”.

Als Triathlet und zweifacher Ironman weiß er, wovon er spricht. “Ich selbst sehe das Scheitern wie eine große Treppe. Jede Stufe stellt eine Hürde dar. Man hat jeweils seinen Anlauf um hinauf zu kommen. Einige Stufen sind flacher, andere sind höher. Wenn man in einem Schritt hängen bleibt, sollte man beim nächsten Versuch nicht wieder hier abbrechen müssen. Wie Kollege Reber hält er das frühzeitige Ziehen der Reißleine für essentiell, um ein unnötig schmerzhaftes Ende zu verhindern. Man müsse ja nicht mit Vollgas gegen die Wand fahren, so Kurt. Sein zweiter Ratschlag: Ab und an einen Schritt zurückmachen, um nicht zu dicht vor dem Problem zu stehen, und um auch einmal eine andere Sichtweise einzunehmen. Zudem hält er ein persönliches Sicherungsnetz im Hintergrund für empfehlenswert: “Wenn man nicht existentiell bedroht ist, nimmt man bei vielem weit mehr in Kauf”.

Wappwolf baut um – und lernt

Während Reber und Kurt die schwierigen Schritte schon hinter sich haben, befindet sich Wappwolf-CEO Michael Eisler gerade mitten drin. Nachdem das Startup im vergangenen Jahr in Teilen von Wien ins Silicon Valley zog und dort mit der Entwicklung des WappwolfAutomator durchaus einen Achtungserfolg hinlegte, erkannte das Management, dass Wappwolf trotz 85.000 Usern nicht in ein Masseprodukt zu verwandeln sei. Trotz der positiven Tendenzen entschloss sich die Firma deshalb, den WappwolfAutomator in seinem aktuellen Zustand zu belassen und sich auf die Entwicklung eines völlig neuen Dienstes zu konzentrieren. Gleichzeitig war Eisler gezwungen, das Team von zwölf auf vier Mitarbeiter zu schrumpfen – mit dieser Besetzung reichen die Finanzmittel seiner Aussage nach noch weitere sechs Monate.

Seine Learnings aus diesem natürlich nicht ganz angenehmen Prozess sind also noch sehr frisch. Er empfiehlt, schon bei der Gründung den Grundstein dafür zu legen, um im Falle einer frühzeitigen Veränderung diesen Vorgang erschwerende Konflikte vermeiden zu können – indem man unbedingt die Zusammenarbeit, die Bezahlung und die Besitzansprüche vertraglich regelt. Auch wenn man mit Freunden gründet. Was Eisler außerdem unterstreicht: Ein Startup ist nur etwas für risikobereite Menschen und kein Platz für Leute, für die der Beibehalt ihrer Komfortzone höchste Priorität hat. Kurzum: Wer ein junges Web- oder Mobile- Unternehmen mitgründet oder frühzeitig dort mitarbeitet, muss sich einfach darauf einstellen, dass die Uhren anders ticken als in einem Großkonzern oder einem Jahrzehnte altem Traditionsunternehmen.

Während Eisler nun von Palo Alto aus mit einem kleinen Team ein völlig neues Produkt aus der Taufe hebt und Kurt dem Ende von The Chicken als CTO beim Münchner Startup Snipclip angeheuert hat und somit eine zumindest temporäre Pause vom Gründerleben einlegt, sieht 6Wunderkinder-Chef Christian Reber trotz – oder gerade wegen – der Ereignisse der letzten Zeit zuversichtlich in die Zukunft: “Wir haben den Strategiewechsel von Wunderkit zu Wunderlist ohne großen Schaden überstanden. Unser Team ist exzellent und voller Energie, wir haben großartige Partner und noch ausreichend Kapital um uns 2013 voll auf Wunderlist 2 zu fokussieren – das bedeutet für mich Erfolg”.

Sicherlich hat nicht jeder das Zeug zum erfolgreichen Entrepreneur, und es wäre fatal, selbst den untalentiertesten Gründern nach jedem Flop aufs Neue zu raten, wieder von vorne anzufangen. Zumindest gemäß den Definitionen von Reber und Kurt erkennt man diese Personen jedoch relativ leicht daran, dass sie die gleichen Fehler immer wieder machen. Wer sich selbst dabei ertappt, sollte darüber nachdenken, ob Entrepreneurship für sie oder ihn tatsächlich die ideale Betätigung darstellt. Firmengründer aber, deren Vorhaben trotz guter Ideen nicht verlaufen wie erhofft, die jedoch jeweils weiter kommen als beim vorherigen Versuch, befinden sich auf dem richtigen Weg. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie selbst in Deutschland in Zukunft häufiger auf öffentliche Ermunterung stoßen.

(Foto: stock.xchng/lusi)

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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14 Kommentare

  1. Ich verstehe nicht das je jemand am scheitern von Wunderkit gezweifelt hat.
    Eine Startup kann nunmal keinen Erfolg haben wenn die Crew nur aus Graphikern und Bwl Heinis besteht.

    Es gab weder fähige Programmierer noch Leute die Visionen haben anders lässt sich die Absolute Feature Armut nicht erklären.
    BWL Heinis können zwar erfolgreich Geld ranschaffen aber leider sind sie vollkommen nutzlos wenn es um das Produkt selber geht.

    • Darum geht’s im Artikel nicht.

      “Es gab weder fähige Programmierer noch Leute die Visionen haben ”

      Und das weißt du woher?

    • Genau, wo ist das Problem, dass man keine Programmierer an Board hat? Ist doch viel günstiger das extern erledigen zu lassen. Außerdem ist man so flexibler! Wenn ich mir denke, du müsst sonst nen IOs-, Android-, Blackberry-, Symbian- und einen Windows Phone Entwickler einstellen …
      Apple hat auch nicht 1 Person, die ein Handy zusammenbaut….

    • Norman Thomas: Wenn das eigene Geschäftsmodell damit beginnt, dass man eine Software auf den Markt werfen will, dann ist es eine ganz schlechte Idee, die eigentliche Entwicklung dieser Software außer Haus zu geben: die beauftragten Entwickler könnten Lunte riechen (und selbst auf den Markt wollen), sie könnten aber auch einfach schlechte Qualität liefern, und so oder so verliert man selbst die Kontrolle über das Kernprodukt. Man macht sich selbst ganz leicht austauschbar. Und das ist meistens keine gute Idee ;-)

      Wenn die Software sekundär wäre, dann wäre das etwas anderes.

    • Da kann ich Robert Recht geben, wobei die “Lunte” meiner Meinung nach nicht das schlagendste Argument sein muss, sondern die enge, iterativen Entwicklung unter den Beteiligten – vor allem in der Vor-Skalierungsphase. Hier sollten Marketing, Design und Programmierung sehr stark Hand in Hand arbeiten, was bei einer Auslagerung sich als eher hinderlich herausstellen dürfte. Auch die Lerneffekte für alle Beteiligten würden in der Firma verbleiben und synchron laufen. Drei Hirne decken halt dann doch mehr mit als nur 1 oder 2. ;-)

  2. Die App von Wunderliste ist eine Auftragsapp und wurde extern entwickelt.umgesetz, Wunderliste = Wunder der PR-Maschinerie… nicht mehr und nicht weniger.. just simply good played

    • Und auf diese PR-Maschine sind ziemlich viele Startups, die unfähig sind, Aufmerksamkeit zu generieren, neidisch. Dabei ist dies ein wesentlicher Teil der Schaffung eines Startups im B2C Segment. Wo die App letztlich entwickelt wurde, spielt da eine untergeordnete Rolle.

  3. Aus meiner Deutsch-Kanadischen Erfahrung ist der deutsche Hang zum fatalistischen Versagen den Nordamerikanern weitgehend unbekannt, und wird dort im speziellen auch tradionell tiefgruendig abgelehnt. Die angeblich neu endeckte deutsche Erkenntnis des „glueckbringenden Trial and Error“ in der Gruenderszene wirkt auf mich wie verzweifelte Koketterie, naemlich als ein infantiler hipper Versuch gegen das eigene Stigma des Unvermoegens anzukaempfen. Die grosse breite deutsche Masse ist traditionell fatalistisch veranlagt und wird es auch bleiben, und daran aendert auch Berlin als Zentrum der neuen coolen Erkenntnisse nichts.

    Guys don’t get me wrong, I’m certainly not fatalistic by nature, but what I know for sure is, the so called young German IT entrepreneurs are still on a long way to true enlightenment….just keep moving.

  4. Meines Erachtens können viele Menschen mit dem Scheitern nicht umgehen. Nun mag der eine historische Bezüge von US-Amerikanern und Deutschen herstellen, der andere ein latentes Minderwertigkeitsgefühl der Deustchen und ein Dritter eine Debatte über Schadenfreude und Neid ins Feld führen. Letztlich kommt es auf die Persönlichkeit des Gescheiterten an und wie er mit dem Scheitern umgeht. Sebastian Kurt bringt es mit seinen Aussagen im Absatz “Sebastian Kurt hält Scheitern für notwendig” auf den Punkt und unterstreicht damit seine persönliche Einstellung zum Scheitern. Eine derartige Einstellung braucht jeder, der sich in das Unterfangen “Startup” begibt.

    Natürlich ist man im ersten Moment enttäuscht, wenn ein Ziel nicht erreicht wird. Die Kunst ist im zweiten Schritt zu analysieren, warum das Ziel nicht erreicht wurde. Das bedeutet unter anderem einen emotionalen Abstand zur persönlichen “Niederlage” zu gewinnen, um dabei analytisch vorgehen zu können. Nur dann kommen auch aussagekräftige Ergebnisse heraus. Eines dieser Ergebnisse kann durchaus sein, dass der Weg bis kurz vor dem Ziel völlig richtig war. Lediglich die letzte Aktion vor dem Ziel hat zur Ziel-Nicht-Erreichung geführt. Wer dies nachvollziehen kann, hat die Möglichkeit an diesem Punkt nochmals anzusetzen und die Sache zu einem guten Ende zu führen. Schwierig wird es dann, wenn der Fehler schon sehr früh gemacht wurde und man sich lange Zeit auf dem Holzweg befand. Dann schmerzt es umso mehr – Schade um Zeit und Geld. Die Ursachenforschung dauert dann um einiges länger und zögert einen neuen Anlauf noch weiter hinaus – sofern dann überhaupt noch die Lust dazu hat.

    Ein weiterer Punkt ist, dass viele Menschen nicht “gelernt” haben zu scheitern. Auch hier kann ich Sebastian nur zustimmen: Wer die notwendigen Vorkehrungen wie “den Schritt zurück” nicht kennt und systematisch geht, um das Risiko zu minimieren, dem bricht das Scheitern das Genick – anstatt nur mit Schürfwunden aus der Sache rauszukommen.
    Wer “blauäugig”, ohne Sicherheitsnetz – mit fremden Geld, ohne risikominimierende Methodik und/oder der “Coolness” wegen – ein Startup hochzieht, der hat nicht begriffen, was ein Startup ist und welche Konsequenzen drohen. Er wird dabei nur sehr schwer lernen, sich und sein Team an den kleinen Erfolgen aufzubauen, Stufe um Stufe zu erklimmen und oben anzukommen.

    Apropos: Die Iterationsschleife ist eine Möglichkeit, das Risiko zu minimieren. Leider haben noch sehr wenige deutsche Startups dies erkannt und auch verstanden. Mit der Running Lean-Website kann jeder gewissenhafte Startupper einen Einstieg finden.

  5. Oh Nein, bitte nicht den Christian Reber zum Botschafter machen!

    Es gibt so viele Unternehmer, die ständig im Großen und Kleinen scheitern. Und viele davon sogar mit ziemlich guten Geschäftsmodellen.

    Das Wunderkit war nun wirklich keine gute Idee — auf so vielen Ebenen (Analyse dazu gerne später, wenn interessiert). Allein schon die vielen kritischen Kommentare Anderer dazu könnten etwas andeuten ;-)

    Die Wunderkinder und Herrn Reber nun für ihr (doch so absehbares) Scheitern hochzustilisieren ist absurd und geradezu eine Beleidigung für andere Unternehmer.

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  1. [...] Dateien von Freunden, Bekannten oder Kollegen über andere Cloudservices abrufen lassen.Im Herbst berichteten wir, dass der aus Österreich ins Silicon Valley umgezogene Dienst Wappwolf seinen gleichnamigen [...]

  2. [...] Netzwertig: Wenn Erwartungen sich nicht erfüllen: die neue Sichtweise auf Start-up-Misserfolge [...]

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