Mobile Kartenlesegeräte für Smartphones:
Ein Nischenmarkt mit hoher Anziehungskraft

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein Unternehmen seinen Einstieg in den Markt mobiler Kreditkartenreader verkündet. Dabei handelt es sich nicht gerade um ein Produkt für die Masse.

Ob Twitter-Mitgründer Jack Dorsey geahnt hat, was für eine Welle er lostreten würde, als er Anfang 2010 sein neues Startup Square lancierte? Das Unternehmen aus San Francisco präsentierte damals erstmals einen Steckaufsatz für das iPhone, der es jedem Besitzer des Apple-Smartphones ermöglichte, Kartenzahlungen entgegen zu nehmen. Heute ist die mit 3,25 Milliarden Dollar bewertete kalifornische Jungfirma zwar deutlich breiter aufgestellt. Der Cardreader – mittlerweile auch für Android erhältlich – stellt aber weiterhin das Herzstück des Angebots von Square dar. Mehr als zwei Millionen Privatpersonen, Händler und Kleinunternehmen in den USA besitzen mittlerweile einen Square-Kartenleseaufsatz.

Weil die Kalifornier um ihren Cardreader herum erfolgreich ein Ökosystem für den Handel aufbauen und dafür haufenweise Investorengelder einsacken, haben sie eine enorme Zahl an Nachahmern auf den Plan gerufen. Obwohl die Fähigkeit zur Entgegennahme von Zahlungen mittels Kreditkarte nichts ist, wovon Otto-Normal-Verbraucher nachts träumen, scheint bei Gründern und Geldgebern der Glaube vorzuherrschen, jeder Gewerbetreibende, Flohmarkverkäufer und Gelegenheitshändler benötige einen Cardreader für sein Smartphone. Hier ist eine Liste der uns bekannten Anbieter in diesem Segment.

Aus den USA

PayPal Here
Es verwundert nicht, dass der zu eBay gehörende Paymentgigant PayPal nicht einfach dabei zusehen will, wie Square den stationären Handel erobert. PayPal Here startete in diesem Jahr und ist derzeit für das iPhone in den USA, in Kanada, Japan, Hong Kong und Australien verfügbar.

Groupon Payments
Der kriselnde Schnäppchenriese Groupon glaubt, mit einem seit einigen Tagen in den USA für das iPhone angebotenen Cardreader die mit ihm zusammenarbeitenden Händler enger an sich binden zu können. Für sie fallen geringere Transaktionsgebühren an als für Händler, die keine Rabattkampagnen bei Groupon durchführen.

Amazon
Ein neuer Trend im Handel, ohne dass Amazon mitmischt? Ziemlich unvorstellbar. Glaubt zumindest die Gerüchteküche. Angeblich arbeitet der Konzern an einer entsprechenden Lösung, die mit besonders niedrigen Transaktionsgebühren unter den bisher üblichen 2,7 Prozent auftrumpfen soll.

Intuit GoPayment
Der schon fast 30 Jahre alte kalifornische Softwarehersteller Intuit bietet mit GoPayment ebenfalls einen Cardreader für iPhone und Android.

ROAMpay
ROAM Data aus Boston bietet mit ROAM Pay einen Smartphone-Kartenleseaufsatz an, der laut eigenen Angaben besonders sicher sein soll.

VeriFone Mobile
VeriFone betreibt nicht nur herkömmliche Kartenterminals für den Handel (bekannt aus der Presse), sondern offeriert seit einiger Zeit auch Aufsätze für Smartphones – an der wenig aussagekräftigen Website sollte das 1981 in Hawaii gegründete Unternehmen aber nochmal arbeiten.

Aus Europa

iZettle
Das schwedische Startup iZettle war Europas erste Antwort auf Square. Der für iPhone und Android angebotene Kartenleseaufsatz wird derzeit in den nordischen Ländern sowie in begrenzter Stückzahl in Großbritannien angeboten.

mPowa
Aus Großbritannien stammt Konkurrent mPowa und kam kürzlich ins Gespräch, weil es ein Symbolbild von Square auf seiner Website verwendet hatte.

Aus Deutschland

payleven
Ein seltenes Ereignis: Die Samwers betreten einen Markt, der auch die Bereitstellung einer Hardwarekomponente erfordert. payleven heißt Rocket Internets Antwort auf Square. Der Inkubator fokussiert sich neben Großbritannien mit Deutschland, Brasilien, Polen, Italien und den Niederlanden wie gehabt auf Märkte, die von der Konkurrenz bisher vernachlässigt wurden. Nicht unsympathisch: Externen Entwicklern steht seit einigen Tagen eine API zur Verfügung. iZettle bietet ebenfalls eine, Square hingegen noch nicht.

streetpay
Hinter streetpay steckt der Starnberger Zahlungsdienstleister Masterpayment. Anders als beim Wettbewerb gibt es neben iOS und Android auch Apps für BlackBerry und Windows Phone – für Kunden in Deutschland und Großbritannien. E-Plus kooperiert seit Juli mit streetpay im Vertrieb.

SumUp
SumUp macht von der Darstellung und Produktpräsentation den Eindruck eines kombinierten Klons aus Square und iZettle. deutsche-startups.de lieferte im April einige Details zu dem Berliner Startup, das seinen iPhone-Reader momentan in Deutschland, Österreich, Großbritannien und Irland vertreibt.

Preisfrage: Wie viele sich teilweise bis ins Detail gleichende Anbieter von in der Regel kostenfrei bereitgestellten Smartphone-Kartenleselösungen verträgt der Markt?

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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7 Kommentare

  1. Geniale Idee. Wie ist das denn bis jetzt an mir vorbeigegangen. Hat schon jemand Erfahrungen damit gemacht, wie gut solche funktionieren?

  2. hallo,

    ich habe hier nochmal alle zusammen gefasst:
    http://paymentandbanking.…ht-stand-24-04-2012/

    und auch ein paar erfahrungen zusammen getragen:
    http://paymentandbanking.…z-ablauf-in-bildern/

    ich denke aber schon, dass es wenn eine frage der masse ist. und ich sehe durchaus ein großes potential für die lösungen, da sie das business modell der alten pos-größen auf den kopf stellen. keine anschaffung und miete mehr, sondern nur noch kosten per tx.

    allerdings sind die kartenleser aus meiner sicht nur eine vorübergehende erscheinung. schaut man sich levelup aus den usa an, sieht man wohl schon die zukunft. keine direkten tx-kosten mehr für den händler, dafür ein preis für die leadgenerierung.

    also lassen wir uns überraschen wie es weiter geht.

  3. ich sehe durchaus einen massen-markt für das thema. allerdings nicht unbedingt in deutschland, sondern eher in typischen kreditkartenländern.
    andererseits ist die durchdringung mit kartenterminals in deutschland, gerade bei den kleinen händler, noch sehr gering. daher auch hier noch luft.

    das andere thema ist, dass die kartenleser aus meiner sicht nur ein übergangsszenario darstellen und die lösung in richtung des echten “payments in the cloud” gehen, wie wir es im appstore (apple, google) oder im ecommerce (paypal) schon haben.

    zudem sollte die frage gestellt werden, ob nicht grundsätzlicher an dem thema pos “gerüttelt” werden sollte und nicht nur durch den austausch des karten-terminals. die kollegen von levelup in den usa machen hier etwas vor, was ich sehr spannend finde: die mehrwerte für händler (lead-generierung) und für den kunden (loyalty etc) werden in den fokus gerückt und auf diesen wird auch der business case aufgebaut.

    lassen wir uns überraschen – wer mehr wissen mag, hier ein link auf eine kleine übersicht:
    http://paymentandbanking.…bieter-stand-4-6-12/

    und hier noch ein bisschen hintergrund zu einem der deutschen player, sumup:
    http://paymentandbanking.…z-ablauf-in-bildern/

  4. Hi, zur Komplettierung findet Ihr hier neben André’s Link die derzeit in Dtl. kompletteste Übersicht für Online und Mobile Payment: Payment Service Provider (PSP) für E-Payment und M-Payment in 2012

3 Pingbacks

  1. [...] Tod und die Zukunft wird spannend. Die Huffington Post kommt nicht nach Deutschland und Smartphones können Kreditkarte. Klout kann man nicht mehr ignorieren und Apple googled. Timeline geht groß, Kirchengemeinden [...]

  2. [...] Samwer-Beitrag zum aktuellen Boom der mobilen Kartenlesegeräte. Jüngst hatten wir elf Anbieter aus diversen Ländern aufgelistet, die Gelegenheitshändlern und Betreibern von Geschäften eine kostengünstige, flexible [...]

  3. [...] dieses Aspekts zu einem Konkurrenzvorteil machen lässt. Und diesen benötigt iZettle im hart umkämpften Markt der mobilen Kartenlesegeräte.Bisher wird iZettle in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark angeboten, außerdem läuft ein [...]

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