Produktverwaltung in der Cloud:
Itembase will zur Zentrale für Onlineshopper werden

Das Berliner Startup Itembase will Onlineshoppern eine komfortable Möglichkeit bieten, um Rechnungen und Informationen zu im Netz gekauften Produkten in der Cloud zu verwalten. Auf der Agenda stehen auch Funktionen, um den bequemen Weiterverkauf zu erlauben.

Reposito und garanbo heißen die zwei Onlinedienste aus Deutschland, die Verbrauchern dabei helfen, Ordnung in ihre Quittungen und Garantieunterlagen zu bringen. Beide Services konzentrieren sich dabei auf Dokumente aus dem stationären Handel, die über mobile Apps eingescannt und dann online archiviert werden. Doch damit vernachlässigen sie eine wachsende Zielgruppe: Onlineshopper – immerhin fast 50 Millionen Deutsche kaufen online ein. Wer dies häufiger macht, bei dem sammeln sich nach und unzählige Bestellbestätigungen und Rechnungen im E-Mail-Postfach an. Optimal ist das nicht, finden die Macher des Berliner Startups Itembase.

Itembase bietet Konsumenten einen Webservice zum bequemen Verwalten von Rechnungen aus dem Onlinehandel. Jeder registrierte Nutzer erhält eine eindeutige E-Mail-Adresse. Diese kann entweder direkt beim Kauf angegeben werden, oder User leiten Mails an diese im Nachhinein aus ihrem Posteingang weiter. Itembase versucht dann, aus den eingegangenen Mails von Webshops die entscheidenden Produktdaten zu extrahieren, und stellt diese anschließend in der Übersicht der erworbenen Produkte da. Parallel liefert es einen Link zur Gebrauchsanweisung – oder, sollte sich diese bisher nicht im Archiv befinden – dann verspricht es, diese im Netz zu suchen und später nachzuliefern. Wer möchte, kann auch auf der Festplatte gespeicherte Rechnungen hochladen.

Neben dieser potenziell sehr nützlichen Dienstleistung, die Benutzern die manuelle Verwaltung der Dokumente ihrer Bestellungen erspart und das nachträgliche Auffinden erleichtert, will das Itembase-Team um Gründer und Geschäftsführer Stefan Jørgensen das Angebot mit einer Reihe von Zusatzservices aufwerten. So wird zu Produkten automatisch eine Schätzung des ungefähren Wiederverkaufspreises generiert. Eine Follow-Funktion erlaubt es, den Aktivitätenstream von bei Itembase präsenten Facebook-Freunden zu abonnieren, um deren erworbene Produkte zu sehen und sich dadurch inspirieren zu lassen. Ein Discover-Feature liefert Empfehlungen für Produkte von Personen aus dem eigenen Netzwerk.

Auch wenn die Idee des automatisierten Auslesen und Verwaltens von E-Commerce-Rechnungen nicht neu ist – der US-Dienst Shoeboxed macht das schon länger – so ist das grundsätzliche Anliegen von Itembase zu begrüßen. Immerhin ist Shoeboxed vollständig auf den US-Markt ausgerichtet. Allerdings macht sich der Beta-Status von Itembase derzeit noch sehr bemerkbar: Zu einem iPhone 4S, das ich manuell in die Liste meiner Itembase-Produkte eintrug, konnte keine Bedienungsanleitung gefunden werden – was bei einem derartig populären Smartphone verwundert. Außerdem kamen diverse von mir an Itembase weitergeleitete Mails zwar in meinem dortigen Posteingang an. Die von dem Service versprochene automatische Übernahme der jeweiligen Produkte in meine Collection funktionierte jedoch nicht. Wünschenswert wäre zumindest, wenn Itembase Nutzern von Fall zu Fall einen entsprechenden Hinweis gibt, wieso die jeweilige Extrahierung der Produktdaten erfolglos blieb. Vielleicht erfordert Itembase ja unbedingt eine Rechnung als Anhang anstelle von Rechnungen, die sich direkt im Mailtext befinden? Ohne derartige Informationen entsteht auf Anwenderseite schnell der Eindruck, dass nicht wirklich Verlass auf die semantische Intelligenz des Startups ist – keine gute Ausgangssituation.

Die automatisierte Strukturierung von Text und Daten aus Dokumenten ist bekanntlich eine harte Nuss, wie erst gestern Frank Thelen beschrieb, der mit doo einen umfassenden, smarten Dokumentenverwaltungsdienst entwickelt und dafür zehn Millionen Euro Kapital eingesammelt hat. Auch Itembase, mit dessen Entwicklung rund ein Dutzend Personen beschäftigt sind, will keine kleinen Brötchen backen: In der vergangenen Woche konnten die Berliner eine zweite Seed-Finanzierung in sechsstelliger Höhe bekanntgeben. Im nächsten Evolutionsschritt soll die Positionierung stärker auf die Möglichkeiten des einfachen Wiederverkaufs von bei Itembase gelisteten Produkt gelegt werden. Mit minimalem Aufwand sollen Nutzer dann aus ihren Itembase-Einträgen Kleinanzeigen bei eBay oder anderen Plattformen erstellen können.

Damit diese Option aber auf Zuspruch stößt, ist ein reibungsloses, nahezu fehlerfreies Auslesen von Produkt- und Rechnungsdaten aus den an Itembase übermittelten Mails jedoch essentiell. Die Hauptstädter sollten alles dafür tun, damit Nutzer, die den Dienst erstmalig ausprobieren und testweise einige Bestellbestätigungen und Rechnungen an ihre Itembase-E-Mail forwarden, einen hervorrangenden Eindruck von diesem Prozess erhalten – entweder, indem er korrekt funktioniert, oder, indem ihnen klar und deutlich vermittelt wird, woran es gescheitert ist.

Wer Itembase in der Beta-Fassung ausprobieren möchte, kann sich auf www.itembase.com für eine Einladung anmelden.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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