Flohmarkt für das Smartphone:
Stuffle zieht Bilanz

57.000 Mal wurde die iPhone-App des aus Hamburg stammenden Startups Stuffle seit Mai aus dem App Store geladen, 2500 Käufe kamen zustande. Kein schlechter Start also. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Eigentlich ist es merkwürdig: Über 20 Millionen Menschen allein in Deutschland besitzen ein Smartphone. Und trotzdem gibt es bisher keine dominierende, weit verbreitete Lösung für die zahlreichen Situationen, in denen diese Menschen spontan und vor allem unkompliziert nicht mehr benötigte Dinge loswerden oder Second-Hand-Gegenstände erwerben möchten. Seit Mai versucht mit Stuffle ein Startup aus Hamburg, das potenziell lukrative Segment des mobilen Kleinanzeigenmarktes einzunehmen. Wir berichteten zum Debüt über den derzeit nur für das iPhone angebotenen Dienst.

Nicht zuletzt weil wir die grundsätzliche Idee eines “Flohmarktes für die Hosentasche” sinnvoll finden, haben wir uns bei Stuffle-Geschäftsführer Morten Hartmann um einige Statistiken zur bisherigen Nutzung von Stuffle bemüht. Immerhin hängt das Gelingen eines digitalen Marktplatzes zu einem großen Teil davon ab, dass sowohl auf Angebots- als auch auf Nachfragerseite genug Aktivität vorherrscht. Speziell in den ersten Monaten nach dem Launch ist dies selten der Fall. Und genau da entscheidet sich zumeist, ob ein neuer Service tatsächlich eine Zukunft hat.

Erfreulicherweise scheint Hartmann wenig von der von vielen Startups praktizierten Geheimniskrämerei zu halten und gab bereitwillig Einblick in die Metriken der Elbstädter: 57.000 Mal wurde die iPhone-Applikation bisher aus dem App Store geladen. Im August lag die Zahl der Downloads bei 41.000 und im Juli bei 29.000. 51.000 Nutzer sind laut Hartmann aktiv und haben 25.000 Angebote online gestellt. Die Zahl der zustande gekommenen Verkäufe liegt bei 2500. Das heißt, zehn Prozent der bei Stuffle inserierten Produkte finden schließlich einen Abnehmer. Zurückzuführen sein dürfte dieser relativ niedrige Wert auf die noch nicht erreichte kritische Masse in vielen Regionen Deutschlands. Die meisten Nutzer hat Stuffle in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin, Baden-Württemberg und Hamburg – in dieser Reihenfolge. Am unteren Ende des Rankings rangieren Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Bisher fokussiert sich Stuffle auf den deutschsprachigen Markt. Zudem gebe es noch kleinere Communities in einigen europäischen Metropolen. Kurios: In Peru gelang es der App mit lediglich zwei Downloads kurzzeitig, auf den zweiten Platz im App-Store-Ranking vorzustoßen. Die derzeitige Konzentration auf DACH birgt natürlich das Risiko, dass parallel in anderen Ländern Konkurrenten entstehen und dann Stuffle dort den Markteintritt versperren. “Wir sind, was die Internationalisierung angeht, sehr gut vorbereitet und können schnell reagieren. Unser Plan ist definitiv, zumindest in Europa sehr schnell zu wachsen”, so Hartmann.

Überhaupt steht Wachstum derzeit im Vordergrund. Denn für eine Monetarisierung ist Voraussetzung, dass erst einmal hinreichend viele Menschen auf Stuffles “mobilem Flohmarkt” stöbern. Geplant sind für die Zukunft zwei Erlösquellen: Zum einen soll eine integrierte Bezahllösung Transaktionen innerhalb der App erlauben – derzeit wickeln Nutzer die Bezahlung noch persönlich im Rahmen der Übergabe des gekauften Gegenstands ab. An dem geplanten Paymentfeature würde Stuffle mitverdienen. Außerdem sollen zusätzliche Premiumfunktionen entwickelt werden, die kostenpflichtig sind. Stuffle-Chef Morten Hartmann betont aber, dass die App in der Grundversion für Nutzer immer kostenlos bleiben wird.

Als nächste größere Ergänzung steht die Einführung einer Suchefunktion sowie vollständiger Anwenderprofile auf dem Programm. Außerdem arbeitet das Startup an der Android-App. Zum Launch hieß es, man wolle erst einmal abwarten, wie das Debüt von Stuffle verläuft. Nachdem dieses für den Dienst aus Hamburg zufriedenstellend verlaufen ist, soll Stuffle noch in diesem Jahr für Android-Geräte verfügbar gemacht werden. Derzeit sind fünf Leute in Festanstellung und zwei Studenten für Stuffle tätig.

Vier Monate nach der Veröffentlichung bewegt sich Stuffle also langsam aber sicher auf die Marke von 100.000 Downloads zu – die im besten Fall noch 2012 geknackt werden könnte. Die Norddeutschen tun gut darin, sich für die Expansion nicht allzuviel Zeit zu lassen. Denn der Wettbewerb schläft nicht: Aus Wien kommt mit Shpock ein Konkurrent, der sich beim Design und Slogan ziemlich offensichtlich von Stuffle hat inspirieren lassen. Allerdings können die Österreicher bereits seit dem Start in der vergangenen Woche Apps für sowohl iOS als auch Android vorweisen. Fragwürdig: Die auf der Website im Hintergrund dargestellte Google Maps suggeriert, in der unmittelbaren Umgebung des Nutzers seien bereits zahlreiche Angebote vorhanden – was dann jedoch gar nicht der Fall ist.

Auf dem European Pirate Summit hat mit Osom auch ein schwedisches Startup einen mobilen Kleinanzeigenmarkt vorgestellt – der sich jedoch stärker an Instagram orientiert.

Es besteht wenig Zweifel daran, dass das Thema mobiler Kleinanzeigen in den nächsten Monaten weiter an Bedeutung gewinnt. Es wird uns daher in nächster Zeit noch häufiger beschäftigen.

Link: Stuffle

 

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7 Kommentare

  1. Es gibt [...] “bisher keine dominierende, weit verbreitete Lösung für die zahlreichen Situationen, in denen [...] Menschen spontan und vor allem unkompliziert nicht mehr benötigte Dinge loswerden oder Second-Hand-Gegenstände erwerben möchten.”

    Aha!? Habe ich etwas verpasst oder hat Marktführer eBay seine App wieder aus dem AppStore entfernt? ;)

    • eBay richtet sich deutlich weniger an den “Casual” Verkäufer und ist deutlich breiter aufgestellt.

      eBay war auch noch nie wirklich eine “Kleinanzeigenplattform”.

  2. Dieser ganze App Hype erinnert doch sehr an die späten 90er – Wie soll eine solche App jemals auch nur 1 Programmierer im Monat finanzieren können?

    Das ist wie Napster – sobald die User fdafür zahlen sollen, ist der kaum vorhandene Mehrwert gegenüber ebay kleinanzeigen so gering das sich die User abwenden. Craigslist schaut aus wie 1980 und wurde nie erfolgreich aus dem Markt verdrängt.

    Es fehlt an derZahlungsbereitschaft der User. Verstehe nicht, wie das nach dem anfänglichen Presserummel bestehen soll, sonderlich viral ist der Verkauf meiner Garderobe ja sicherlich nicht (anders als bei Games/Networks).

    Verstehe nicht, was an einer Todo-liste, einem Lückentext-Twitter oder einem ebay Kleinanzeigen ohne Kategorien mit großem “Bild aufnehmen” Knopf ein Geschäftsmodell ausmachen soll. Aber solange jemand Geld reinpumpt

  3. Wer war eigentlich früher da? Stuffle oder http://www.getyardsale.com ?

  4. Zwar oben schon gesagt. Aber auch bei uns ist das so. Meine Frau nutzt eBay Kleinanzeigen (http://kleinanzeigen.ebay.de/anzeigen/).
    Ich sehe nicht wirklich einen Vorteil zu stuffle. Wünsche aber dennoch optimalen Erfolg. Vielleicht kauft eBay die App dann ja einfach, damit Ruhe ist auf dem Markt.

Ein Pingback

  1. [...] Die Flohmarkt-App Stuffle zieht vorläufige Bilanz. Die App wurde 57.000-mal heruntergeladen. Bislang wurden 2500 Käufe abgewickelt. Zum Artikel [...]

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