Open-Graph-Apps:
Facebook bessert beim
Frictionless Sharing nach

Die Fähigkeit von Applikationen, Nutzeraktivitäten automatisch bei Facebook zu publizieren, war seit dem Start im vergangenen Jahr umstritten. Jetzt bessert das soziale Netzwerk nach. Eine vollständige Abkehr vom “reibungslosen Teilen” ist dagegen nicht geplant.

Vor einem Jahr präsentierte Facebook zusammen mit dem neuen Chronik-Profil auch sogenannte “Open Graph”-Applikationen, die deutlich enger mit dem sozialen Netzwerk verbunden werden können. Ein elementarer Bestandteil dieser Neuerung ist das “Frictionless Sharing” – reibungsloses Teilen. Anwendungen, welche sich diese Freiheiten zunutze machen, können von ihren Usern eine Erlaubnis einholen, um automatisiert Aktivitäten auf deren Facebook-Profilen publizieren zu dürfen. So lassen sich bei Musikapps wie Spotify oder simfy angehörte Titel ebenso wie bei Social-Reader-Applikationen einschlägiger Nachrichtenangebote gelesene Beiträge oder bei MyVideo angeschaute Musikvideos auf dem Facebook-Profil der Nutzer anzeigen – ohne dass User dafür jedes Mal aufs Neue durch Betätigen eines Share-Buttons manuell aktiv werden müssen.

Vielen App-Entwickler gefiel dieses Verfahren sofort, sorgte es doch für eine rasant zunehmende Sichtbarkeit ihrer Anwendungen in den Newsfeeds und Tickern der Facebook-Nutzer. Für Anwender ist der Mehrwert weniger eindeutig. In meinen Augen war und ist vollkommen automatisiertes Frictionless Sharing eine schlechte Idee, da es zu “Oversharing” und Kontrollverlust führt. Zu leicht landen Informationen über Aktivitäten in Drittanwendungen auf dem goldenen, für alle Facebook-Kontakte sichtbaren Tablett – egal ob es sich um eine angehörten Schnulze von Patrick Lindner oder einen Onlineartikel zu den zehn peinlichsten Augenblicken aus dem Big-Brother-Haus handelt. In beiden Fällen hält sich der Nutzen, den Facebook-Kontakte von diesen Informationen haben, in Grenzen.

Relativ unbemerkt von der Mainstreampresse hat das Social Network Nachbesserungen vorgenommen. Facebook würde dem passiven Sharing den Rücken kehren, so heute die Botschaft eines Artikels bei BuzzFeed mit Bezug auf eine Aussage von Facebook-Manager Andy Mitchel, die er am Donnerstagabend auf einer Konferenz gemacht hatte. Sei Facebook gar dabei, Frictionless Sharing ganz abzuschaffen, so die spekulative Frage von BuzzFeed-Autor John Herrman. Es wäre eine bedeutsame Entscheidung, handelt es sich bei dem System doch um eine der signifikantesten Neuerungen des vergangenen Jahres bei Facebook.

Doch unsere Nachfrage bei Facebook ergab: Nein, reibungsloses Teilen verschwindet nicht, so Heiko Hebig, der bei Facebook in Hamburg für Kooperationen zuständig ist. Hebig verwies uns auf einen Beitrag, der Mitte August in Facebooks Entwicklerblog publiziert wurde. Dieser erläutert, wie das Social Network Frictionless Sharing für alle Beteiligten verträglicher gestalten will: Manche Open-Graph-Aktivitäten bei 3rd-Party-Apps haben für Nutzer eine größere Bedeutung als andere. Für diese können Entwickler seit einiger Zeit ein Parameter in ihre Anwendungen integrieren, das Facebook zu verstehen gibt, dass der Anwender die Intention für aktives Sharing bei Facebook signalisiert hat. Entsprechende, von Fall zu Fall durch den Nutzer veranlasste Einträge erscheinen dann auf der linken Seite in ihrer Chronik und erhalten eine höhere Sichtbarkeit in den Newsfeeds der Freunde. Alle anderen Open-Graph-Aktivitäten tauchen weiterhin automatisch im Ticker und in aggregierter Form in speziellen Boxen in der Timeline sowie im Newsfeed von Freuden auf. Was für derartige “Stories” dauerhaft unterbunden wird, ist nicht-aggregiertes, prominentes Erscheinen in den zentralen Bereichen der persönlichen Facebook-Profile.

Vom Ende von Frictionless Sharing kann also Rede sein. Doch Facebook schafft mit der Änderung eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Open-Graph-Aktionen: Solche mit hoher Sichtbarkeit (Explicit Sharing) – deren Umsetzung in einer App von Facebook freigegeben werden muss – und solche mit geringer Sichtbarkeit (“Implicit Sharing”). Es scheint, dass man auch bei Facebook verstanden hat, dass niemand gewinnt, wenn jeder von Anwendern bei einer Open-Graph-App durchgeführte Klick mit maximaler Sichtbarkeit in ihren Facebook-Profilen landet.

Für Open-Graph-Apps, die Aktivitäten ohnehin nicht ungefragt großflächig in die Timeline geklatscht haben, wird sich wenig ändern. Alle anderen werden nun in ihre Schranken gewiesen.

 

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