Junges Startup aus Schweden:
Magine will TV-Konsum neu definieren

Magine heißt ein gerade in geschlossener Beta-Phase lanciertes Startup aus Schweden, das mit der TV-Branche das anstellen möchte, was Spotify mit der Musikindustrie getan hat. Bis dies auch in Deutschland geschehen kann, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.

Als ich mich 2006 nach dem Studium dazu entschloss, nach Stockholm zu ziehen, wusste ich noch nicht, dass mir dies eines Tages einen gewissen strategischen Vorteil in meiner künftigen Tätigkeit als Tech-Berichterstatter verschaffen würde. Denn in den vergangenen Jahren hat sich Schweden zu einem angesagten Zentrum innovativer Startups entwickelt – die sich angesichts des vergleichsweise kleinen Marktes oft schnell auf einen Expansionskurs ins Ausland begeben. In meiner Rolle als netzwertig.com-Redakteur heißt dies, dass ich frühzeitig von neuen Anbietern erfahre und über diese berichten kann, noch bevor sie außerhalb des schwedischen Marktes wahrgenommen werden. Bei Spotify, iZettle, Voddler und Wrapp (dort allerdings etwas spät) nutzte ich diese Gelegenheit schamlos aus. Nun eröffnet sie sich mir erneut.

Mit Magine macht sich ein Stockholmer Startup bereit, die TV-Landschaft zu revolutionieren. Große Worte, die nicht von mir stammen, sondern von den Gründern Erik Wikström, Mattias Hjelmstedt, Håkan Tranvik och Michael Werner. Der Dienst hat in den letzten Tagen in Schweden einiges an Medienaufmerksam erhalten und wurde – vielleicht etwas klischeehaft – mehrfach als “Spotify für Fernsehen” bezeichnet. Zwei Jahre hat das Gründerquartett an dem Angebot gefeilt, seit Montag ist es in geschlossener Beta-Phase und mit einer restriktiven Invite-Only-Policy online. Selbst warte ich noch auf eine Einladung, weshalb ich einen persönlichen Erfahrungsbericht bisher nicht bieten kann.

Bei Magine handelt es sich um eine Kombination aus einem Streamingdienst für lineares Fernsehen, ähnlich Zattoo und den nur in der Schweiz verfügbaren Anbietern Wilmaa und nello, sowie einer Video-On-Demand-Flatrate im Stile von Netflix oder Lovefilm. Für eine monatliche Pauschale von etwa 200 Kronen (ungefär 25 Euro) sollen Nutzer nach dem Ende der Beta-Phase vollen Zugriff auf alle schwedischen TV-Kanäle sowie ein breites Angebot an On-Demand-Content erhalten – über jede nur erdenkliche Plattform. In einem Video führt Joakim Jardenberg, eine Art schwedischer Robert Scoble, Magine vor und zeigt dabei, wie sich eine Live-Sendung im linearen TV problemlos “zurückspülen” lässt. Derartige “Timeshift”-Funktionen kennt man etwa von Festplatten-Videorekordern oder PC-TV-Karten. Wer will, kann bei Magine auch zu einem Punkt in der Vergangenheit springen, um eine verpasste Sendung nachträglich anzuschauen.

Schweizer Lesern wird dies von den beschriebenen TV-Apps bekannt vorkommen, welche nicht nur Livestreams, sondern auch die “Aufnahme” sämtlicher linearer Fernsehsender erlauben. Aufgrund einer deutlich komplizierteren Rechtslage in Deutschland und einer Blockadehaltung der Sender fehlen Zattoo hierzulande entsprechende Funktionen, und explizit zur Aufnahme von Free-TV-Kanälen geschaffene Dienste wie Save.TV und Onlinevideorekorder sehen sich immer wieder juristischen Attacken der TV-Konzerne ausgesetzt.

In Schweden hat Magine laut eigener Aussage bereits eine Reihe wichtiger Fernsehstationen und Filmverleiher als Kooperationspartner an Bord, die nach dem offiziellen Launch anteilig an den Umsätzen aus den Monatsabos beteiligt werden. Im Herbst soll die Beta-Phase ausgeweitet werden, der offizielle Start ist für das erste Quartal 2013 vorgesehen. Der schwedische TV-Markt steht damit vor großen Veränderungen, immerhin wollen auch Netflix und der US-Fernsehanbieter HBO noch in diesem Jahr in den nordischen Ländern On-Demand-Plattformen lancieren.

Zu Pänen der Internationalisierung äußern sich die Magine-Macher noch nicht. Angesichts der von Land zu Land unterschiedlichen, aber zumeist hochkomplexen Rechtelage wird eine Verfügbarmachung von Magine in anderen Märkten einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Spotify benötigte nach seinem Debüt in Schweden dreieinhalb Jahre, um in Österreich, der Schweiz und Deutschland seine Zelte aufzuschlagen – zumal in Deutschland die Verhandlungen mit der GEMA noch immer nicht abgeschlossen sind.

Doch wenn die Geschichte der vergangenen 15 Jahre den etablierten Akteuren der TV-Landschaft etwas gelehrt haben sollte, dann, dass sich die Entwicklung zu einem rein IP-basierten, plattformübergreifenden und nicht zwangsweise an feste Zeiten gebundenen Medienkonsum bremsen, aber nicht aufhalten lässt. Bedenkt man, wie sich RTL und ProSieben nach wie vor dagegen wehren, in das deutsche Zattoo-Programm aufgenommen zu werden, und wie das ZDF sich vor Smart-TV fürchtet, dann entsteht zwar der Eindruck, wieder einmal verschließe sich eine Branche den unaufhaltsamen Veränderungen des Digitalen. Aber vielleicht muss ja wieder erst ein schwedisches Startup kommen, um einen Sinneswandel zu erzwingen.

Und wer sich fragt, wie es Skandinavien geschafft hat, zu einem weltweit anerkannten Startup-Exporteur aufzusteigen, der sollte sich folgenden Artikel zu Gemüte führen: “The Secret Scandinavian Ingredient That Makes Their Tech Good For The World

Link: Magine

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

Mehr lesen

Debüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot: Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

24.4.2014, 5 KommentareDebüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot:
Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

In seinem Heimatland Schweden hat der TV-Dienst Magine den wichtigsten Partner verloren und deshalb Deutschland als neuen Fokusmarkt auserkoren. Für hiesige User heißt dies erst einmal: ein Gratis-Angebot, das als Novum selbst die Sender von ProSiebenSat.1 und RTL streamt.

Fernsehstreaming: Live TV will den Etablierten einheizen

16.4.2014, 1 KommentareFernsehstreaming:
Live TV will den Etablierten einheizen

Der Markt für legale Dienste, die TV-Sender über das Web auf mobile Geräte streamen, kommt endlich auch in Deutschland in Bewegung. Mit dem Münchner Startup Live TV will noch ein Neuling mitmischen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Aufbereitung basierend auf Echtzeit-Quoten.

Gegenrede: Warum lineares Fernsehen sterben wird

26.3.2014, 27 KommentareGegenrede:
Warum lineares Fernsehen sterben wird

Befürworter des linearen Fernsehens verteidigen eigentlich nicht das einem festen Zeitplan folgende TV-Programm an sich, sondern die hohe Bequemlichkeit und den Entspannungsfaktor des Konsums. Sobald On-Demand-Dienste in diesen Punkten gleichziehen, ist das Ende des linearen Fernsehens besiegelt.

Debüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot: Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

24.4.2014, 5 KommentareDebüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot:
Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

In seinem Heimatland Schweden hat der TV-Dienst Magine den wichtigsten Partner verloren und deshalb Deutschland als neuen Fokusmarkt auserkoren. Für hiesige User heißt dies erst einmal: ein Gratis-Angebot, das als Novum selbst die Sender von ProSiebenSat.1 und RTL streamt.

Keine Furcht vor Zattoo und Magine: Couchfunk kündigt Live-TV an

10.3.2014, 1 KommentareKeine Furcht vor Zattoo und Magine:
Couchfunk kündigt Live-TV an

Das Dresdner Startup Couchfunk will seine Social-TV-App um Live-Streams gängiger Fernsehsender erweitern. Die Differenzierung zwischen "First Screen" und "Second-Screen" soll damit der Vergangenheit angehören.

Magine-Mitgründer Mattias Hjelmstedt: \

31.1.2014, 4 KommentareMagine-Mitgründer Mattias Hjelmstedt:
"Wir haben in Deutschland drei Jahre verhandelt"

Drei Jahre lang hat der aus Schweden stammende TV-Streamingdienst Magine mit den Medienkonzernen und Rechteinhabern in Deutschland verhandelt. Das zahlt sich aus: Wenn Magine in Kürze offiziell startet, wird es Usern mehr bieten können, als sie bislang aus diesem Segment gewohnt sind.

Fernsehstreaming: Live TV will den Etablierten einheizen

16.4.2014, 1 KommentareFernsehstreaming:
Live TV will den Etablierten einheizen

Der Markt für legale Dienste, die TV-Sender über das Web auf mobile Geräte streamen, kommt endlich auch in Deutschland in Bewegung. Mit dem Münchner Startup Live TV will noch ein Neuling mitmischen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Aufbereitung basierend auf Echtzeit-Quoten.

TV-Streaming für Komfortsuchende: Zattoo-Konkurrent Wilmaa veröffentlicht eigene Hardware-Box

7.4.2014, 3 KommentareTV-Streaming für Komfortsuchende:
Zattoo-Konkurrent Wilmaa veröffentlicht eigene Hardware-Box

Mit Wilmaa bringt der erste reine TV-Streaming-Anbieter eine Hardwarelösung auf den Markt. Der auch in Deutschland verfügbare Konkurrent Zattoo will sich lieber auf die Erschließung existierender Plattformen konzentrieren.

Anderen beim Zocken zuschauen: Ein Nischenphänomen wird zum Megatrend

11.2.2014, 2 KommentareAnderen beim Zocken zuschauen:
Ein Nischenphänomen wird zum Megatrend

Millionen Internetnutzer verbringen auf der Onlineplattform Twitch oder bei YouTube viel Zeit damit, anderen Usern beim Spielen von Videogames zuzusehen. Der einstige Nischentrend nimmt massive Züge an.

Debüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot: Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

24.4.2014, 5 KommentareDebüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot:
Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

In seinem Heimatland Schweden hat der TV-Dienst Magine den wichtigsten Partner verloren und deshalb Deutschland als neuen Fokusmarkt auserkoren. Für hiesige User heißt dies erst einmal: ein Gratis-Angebot, das als Novum selbst die Sender von ProSiebenSat.1 und RTL streamt.

TV-Streaming für Komfortsuchende: Zattoo-Konkurrent Wilmaa veröffentlicht eigene Hardware-Box

7.4.2014, 3 KommentareTV-Streaming für Komfortsuchende:
Zattoo-Konkurrent Wilmaa veröffentlicht eigene Hardware-Box

Mit Wilmaa bringt der erste reine TV-Streaming-Anbieter eine Hardwarelösung auf den Markt. Der auch in Deutschland verfügbare Konkurrent Zattoo will sich lieber auf die Erschließung existierender Plattformen konzentrieren.

TV-App dailyme: Das Startup, das von Funklöchern profitiert

7.2.2014, 1 KommentareTV-App dailyme:
Das Startup, das von Funklöchern profitiert

Fünf Millionen Nutzer im DACH-Raum hat der Berliner TV-Dienst dailyme, 500.000 nutzen ihn regelmäßig. Das Geheimnis des 2008 gegründeten Startups: Es macht nur eine Sache, die aber gut und zuverlässig. Und es profitert von schlechten mobilen Datenverbindungen.

Gegenrede: Warum lineares Fernsehen sterben wird

26.3.2014, 27 KommentareGegenrede:
Warum lineares Fernsehen sterben wird

Befürworter des linearen Fernsehens verteidigen eigentlich nicht das einem festen Zeitplan folgende TV-Programm an sich, sondern die hohe Bequemlichkeit und den Entspannungsfaktor des Konsums. Sobald On-Demand-Dienste in diesen Punkten gleichziehen, ist das Ende des linearen Fernsehens besiegelt.

Neuer TV-Streaming-Dienst: Magine verkündet Deutschlandstart, ohne Preise oder Sender zu nennen

5.6.2013, 4 KommentareNeuer TV-Streaming-Dienst:
Magine verkündet Deutschlandstart, ohne Preise oder Sender zu nennen

Noch in diesem Monat will das schwedische Startup Magine seinen Streamingdienst für TV-Sender nach Deutschland bringen. Die offizielle Ankündigung verzichtet bewusst auf Angaben zu den beinhalteten Sendern sowie Abopreisen.

Zattoo bekommt Konkurrenz: Magine plant Deutschlandstart im Sommer

13.5.2013, 4 KommentareZattoo bekommt Konkurrenz:
Magine plant Deutschlandstart im Sommer

Trotz der schwierigen rechtlichen Lage, die Zattoo seit Jahren am Wachstum hindert, plant der schwedische Live-TV-Anbieter Magine den Eintritt in den deutschen Markt.

Debüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot: Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

24.4.2014, 5 KommentareDebüt mit bahnbrechendem Gratis-Senderangebot:
Magine ist in Deutschland zum Erfolg verdammt

In seinem Heimatland Schweden hat der TV-Dienst Magine den wichtigsten Partner verloren und deshalb Deutschland als neuen Fokusmarkt auserkoren. Für hiesige User heißt dies erst einmal: ein Gratis-Angebot, das als Novum selbst die Sender von ProSiebenSat.1 und RTL streamt.

Trotz Netflix und Chromecast: Wir werden auf lineares Fernsehen nie verzichten wollen

21.3.2014, 19 KommentareTrotz Netflix und Chromecast:
Wir werden auf lineares Fernsehen nie verzichten wollen

Zattoo vermeldet für die kleine Schweiz den Rekord von 1 Million aktiven Nutzern in einem Monat. Und das, wo Video on Demand langsam unsere Wohnzimmer erreicht. Das lineare Fernsehen wird sich verändern, aber sterben wird es nie.

Keine Furcht vor Zattoo und Magine: Couchfunk kündigt Live-TV an

10.3.2014, 1 KommentareKeine Furcht vor Zattoo und Magine:
Couchfunk kündigt Live-TV an

Das Dresdner Startup Couchfunk will seine Social-TV-App um Live-Streams gängiger Fernsehsender erweitern. Die Differenzierung zwischen "First Screen" und "Second-Screen" soll damit der Vergangenheit angehören.

Ein Pingback

  1. [...] eher darauf ab, dem “First Screen”, also dem heimischen TV-Gerät, Konkurrenz zu machen.Wie am Freitag berichtet, entsteht in Schweden mit Magine gerade ein potenzieller Kontrahent für Tweek, der sich ebenfalls [...]

 
vgwort