App Advisor:
secure.me schaut Facebook-Apps
auf die Finger

Die Macher von secure.me lancieren mit App Advisor einen Dienst, der Auskunft über die Reputation von über 500.000 Facebook-Applikationen gibt. Mit einer Browser-Erweiterung sollen Nutzer des Dienstes aus München bessere Entscheidungen treffen können, welchen Apps sie Zugriff auf ihre Facebook-Daten gewähren.

Als vor einer Woche bekannt wurde, dass der Bundesverband der Verbraucherschützer Facebook aufgrund der Weitergabe persönlicher Daten an Apps im Rahmen eines nicht deutlich gekennzeichneten Installationsprozesses abgemahnt hat, muss dies beim Münchner Startup myON-ID Media eigentlich ein Grund zum Feiern gewesen sein. Denn das Unternehmen, das mit secure.me seit November vergangenen Jahres einen Monitoring-Dienst für Facebook betreibt, steht gerade vor dem offiziellen Launch eines neuen Produkts, das genau an diesem schon immer kritischen Punkt der Facebook-Plattform ansetzt. Im Lichte der jüngsten Abmahnung durch die Verbraucherschützer dürfte es den Bayern, die mit ihren Privacy-Dienstleistungen eine internationale Nutzerschaft ansprechen und mit einem Büro in San Francisco vertreten sind, nicht sonderlich schwer fallen, für ihren neuen App-Ratgeber “App Advisor” Aufmerksamkeit zu schaffen.

Reputationsanalyse von über 500.000 Facebook-Apps

Bei App Advisor handelt es sich um eine durchsuchbare Datenbank mit Informationen zu über 500.000 Facebook-Applikationen. Anders als bei klassischen App-Entdeckungs-Services geht es nicht darum, zu den persönlichen Vorlieben passende Apps zu finden, sondern sich ein schnelles Bild über den Informationsbedarf und das Privatsphäre-Verhalten spezifischer Facebook-Anwendungen zu verschaffen. App Advisor basiert auf der Analyse des App-Verhaltens bei 50 Millionen Facebook-Profilen, die seit dem Launch von secure.me von Nutzern auf Datenschutz- und Sicherheitslücken gescannt wurden. Eine Milliarde App-Aktivitäten wurden unter die Lupe genommen und für den App Advisor aufbereitet.

Zu jeder App findet sich bei apps.secure.me eine ansprechend gestaltete Profilseite, die auf einen Blick einen Eindruck davon vermittelt, welche Rechte sie sich im Bezug auf die Nutzerdaten der Facebook-Anwender einräumt. Neben einem prominent platzierten Fazit (beispielsweise bei Groupon: “This app has a poor reputation”) informiert App Advisor darüber, auf welche Datentypen eine Anwendung zugreift, inwieweit sie im Namen des Nutzers eigenhändig Aktivitäten durchführt und welche Erfahrungen andere secure.me-Nutzer mit ihr gemacht haben.

Browser-Erweiterung kommt am Mittwoch

Der eigentliche Clou des secure.me App Advisors ist allerdings eine Browsererweiterung für Chrome, Safari und Firefox, die am morgigen Mittwochabend lanciert wird. Einmal installiert unterichtet sie vor der Aktivierung einer Facebook-App darüber, welche Daten Anwender freigeben würden. Dazu wird oberhalb der jeweiligen Seite eine kurze Zusammenfassung der App-Reputation eingeblendet, mit einem Klick gelangen User zum App-Profil beim App Advisor. Die Erweiterung meldet sich sowohl vor dem eigentlichen Installationsprozess einer App innerhalb von Facebook als auch beim Besuch einer Website außerhalb des sozialen Netzwerks, sofern diese eine eigene Facebook-Applikation anbietet.

Während kaum ein Aspekt der digitalen Welt so sehr zu Hysterie animiert wie Datenschutz und Privatsphäre, so ist die Frage nach dem Informationsbedarf und Verhalten von Facebook-Apps für den Großteil der fast eine Milliarde aktiven Facebook-Nutzer von Relevanz. Selbst für versierte Anwender gestaltet es sich manchmal schwer, die Seriosität und Vertrauenswürdigkeit von Applikationen der Facebook-Plattform zu beurteilen. Und angesichts der Millionen von Websites und mobilen Apps, die mit ihr integriert sind, stellt ein gänzliches Fernhalten von Facebook-Apps für die Mehrzahl der User keine praktikable Alternative dar. Im Gegenteil: Sich auf einer beliebigen externen Website mit den Facebook-Benutzerdaten registrieren zu können, ist so bequem, dass viele Nutzer dies mittlerweile einem herkömmlichen, aufwändigeren Anmeldeprozedere vorziehen.

Nutzerbewertungen werden nicht verifiziert

Die Pflege der App-Datenbank wird sowohl durch Algorithmen erledigt, die auch weiterhin das Verhalten der auf den mit secure.me geschützten Facebook-Profilen befindlichen Apps untersuchen, sowie durch manuelle Prüfungen und Bewertungen der Nutzer, erklärt uns secure.me-Chef Mario Grobholz den mehrgliedrigen Ansatz zur Qualitätssicherung. Da der Einsatz des App Advisors und die Bewertung von Anwendungen keine Registrierung erfordern, besteht zumindest grundsätzlich die Gefahr von manipulierten Nutzerbewertungen. Insofern sollte man diese Angabe mit einer gewissen Vorsicht genießen und eher das von App Advisor präsentierte Gesamtbild beachten. Eventuell wäre es besser, wenn secure.me für die Bewertungen einen Login über das eigene Facebook-Konto voraussetzt, um Betrugsversuche zu erschweren.

Mit dem App Advisor und der dazugehörigen Browsererweiterung bietet secure.me ab morgen ein sehr nützliches Werkzeug, um sich vor der Freigabe des Facebook-Profils für eine App über deren Reputation zu informieren. Vorausgesetz, die vom App Advisor aufgeführten Angaben stimmen mit der Realität überein, und angesichts der besonderen Aktualität der Datenschutzthematik, stehen die Chancen gut, dass die App Advisor-Erweiterung innerhalb kurzer Zeit in Millionen Browsern einen Platz einnehmen wird. Sein Geld verdient secure.me mit kostenpflichtigen Zusatzleistungen rund um sein Monitoringangebot. Der jetzt vorgestellte Service ist eine Maßnahme, um die Bekanntheit der Marke secure.me zu erhöhen.

myON-ID Media setzt mit dem Start des App Advisors seine mit dem Relaunch im vergangenen Jahr eingeleitete Neupositionierung als global ausgerichteter Privacy-Spezialist für Endanwender unter der Marke secure.me fort. Im Juni dieses Jahres wurden mit der Schließung von myON-ID die letzten Überbleibsel des früheren, zu wenig fokussierten Konzepts beseitigt. Im Grunde profitieren die Süddeutschen mit ihrem neuen, auf Facebook konzentrierten Modell von jedem Ausrutscher des übermächtigen Social Networks. Da derzeit nichts darauf hindeutet, dass der Datenhunger des blau-weißen Riesens aus Kalifornien bald gestillt sein könnte, darf sich das secure.me-Team auf eine arbeits- und erfolgreiche Zukunft freuen.

Link: App Adivsor

 

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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2 Kommentare

  1. Klingt sehr gut. secure.me bringt ein wenig Übersicht in den App Jungle, zumindest was Rechte angeht und Daten die Apps benötigen.

  2. Finde ich klasse – war an der Zeit, dass das mehr kontrolliert wird!

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