Unpopulärer Strategiewechsel:
Die unangenehme Machtlosigkeit
der Twitter-Kritiker

Viele engagierte, aktive und frühzeitige Twitter-Nutzer fragen sich dieser Tage, wie sie gegen die vielkritisierte strategische Neuausrichtung des Dienstes aufbegehren können. Doch im Prinzip sind sie machtlos – ein ungewohntes und ungutes Gefühl.

Noch nie in der Geschichte des Internets hat sich ein Unternehmen in einem so relativ kurzen Zeitraum vom Liebling zum Feindbild der Tech- und Programmierer-Community entwickelt wie Twitter. Sicher, Anzeichen für den geplanten Strategiewechsel des Microbloggingdienstes von der offenen Plattform zum in sich geschlossenen Medienanbieter gab es schon länger. Die entscheidenden Maßnahmen zur Umsetzung dieses Vorhabens traf die Firma aus Kalifornien aber in geballter Form in den letzten Wochen und Monaten. Dazu zählen erhebliche Einschränkungen für Entwickler bei der neuen Version der Twitter-API, die Unterbindung der Möglichkeit des Twitter-Kontakte-Abgleichs für Instagram und Tumblr, das restriktive und seltsame Regelwerk rund um das neue Firmenlogo, die sehr an das Verhalten von Medienkonzernen erinnernden Aktivitäten und Partnerschaften bei den Olympischen Spielen sowie die aufsehenerregende Deaktivierung des Accounts eines Journalisten, der sich in Tweets kritisch über Twitter-Partner NBC geäußert hatte.

Im Sommer 2012 lässt Twitter seine Maske Fallen. Zwar nicht aus Boshaftigkeit sondern aus der nach sechs Jahren des Bestehens immer dringender werdenden Notwendigkeit rasant wachsender Werbeerlöse, aber trotzdem zum Unmut einer mutmaßlich kleinen, aber dafür lautstarken Gruppe an Anwendern und Multiplikatoren. Diese stehen angesichts der Ereignisse bei dem Zwitscherdienst vor einer kniffligen Frage: Auf welche Weise drücken sie ihren Unmut aus und zeigen, dass derartige, bei den einst wichtigsten, da ersten Twitter-Nutzern, unpopuläre Entscheidungen nicht ungestraft bleiben?

Die logische Konsequenz hat einen Haken

Die logische Konsequenz wäre, die Nutzung des Dienstes schlicht zu beenden. Genau wie man im Supermarkt nur Produkte wiederholt erwirbt, die den eigenen Ansprüchen gerecht werden, sollte man auch bei digitalen Diensten nur die Angebote konsumieren, die einen nicht ständig enttäuschen. Doch dies ist nicht so leicht. Denn wer den Microbloggingdienst über Jahre regelmäßig für berufliche oder private Zwecke verwendet hat, der ist von ihm auf eine gewisse Weise abhängig. Nicht physisch wie ein Junkie von seinem Heroin, aber doch auf einem subtilen Level.

Wer sich entschließt, am heutigen Freitag aus Protest gegen die Wiedergeburt von Twitter als konservativen Werten folgender Mediengigant die Nutzung des Dienstes einzustellen, dem wird über einen langen Zeitraum etwas fehlen. Je nach bisherigem Einsatzzweck handelt es sich dabei lediglich um ein Gefühl, das sich nach Tagen oder Wochen legt. Oder es entsteht – wie beispielsweise im Falle von Bloggern, Journalisten, Kommunikationsexperten und Marketern – tatsächlich ein Mangel an Echtzeit-Informationen, die negative Auswirkungen auf den beruflichen Alltag haben.

Mangel an Alternativen

Es existiert bisher ganz einfach keine ebenbürtige Alternative zu Twitter. Möglicherweise entsteht diese gerade mit App.net. Noch handelt es sich dabei aber nicht um mehr als einen Testballon im kleinen Kreis mit einem wachsenden, aber noch sehr experimentellen Angebot an Apps. Dass ich heute meine TweetDeck-Desktop-App mit den geliebten Spalten sowie mein Twitter-Kontaktnetz aufgeben und bei App.net ohne immensen Zeitaufwand ein vergleichbares Pendant finden kann, das mich fortan ähnlich gut informiert und unterhält wie Twitter – unwahrscheinlich. Vielleicht nicht für immer, aber derzeit. Auch Facebook und Google+ sind kein adäquater Ersatz. Beide wirken im Vergleich zu Twitter zu komplex und schlicht nicht optimiert für die Einsatzzwecke, in denen Twitters Stärken liegen.

Twitters Untergang heraufbeschwören – und weitertweeten

Das Dilemma derjenigen, die mit Sorge Twitters Neupositionierung beobachten: Um mit dem Tweeten von heute auf morgen aufzuhören, sind sie auf eine akzeptable Ausweichlösung angewiesen. Diese jedoch gibt es nicht. Die Folge ist, dass selbst ein Beobachter wie Nico Lumma, der Twitter unaufhörlich den baldigen Exitus voraussagt, trotzdem weiterhin tweetet wie ein Weltmeister. Twitters größte Kritiker sind nicht in der Lage, dem Dienst den Rücken zu kehren.

Ich bin sicherlich nicht der einzige, der sich nicht dabei wohlfühlt, mich regelmäßig hier oder – noch besser: bei Twitter – besorgt über den eingeschlagenen Pfad des Microblogginganbieters zu äußern, in der nächsten Sekunde aber schon wieder von dessen vielseitiger Einsatzbarkeit entzückt zu sein und es mit Begeisterung den ganzen Tag im Hintergrund laufen zu haben.

Ungewohnte Machtlosigkeit

Viele engagierte, bewusste Nutzer werden es spüren: Wenn Twitter mit seiner jetzt Schlag auf Schlag in die Tat umgesetzten Transformation durchkommt, dann wäre dies eine ganz bittere Pille für alle, die glaubten, im Zeitalter von Social Media könnten Unternehmen nicht mehr einfach rücksichtslos unpopuläre Entscheidungen durchsetzen. Gerade die Firma, die von Verbrauchern gerne zur (kollektiven) Ventilation ihrer Unzufriedenheit über Unternehmen und Organisationen genutzt wird und eine maßgebliche Komponente so genannter “Shitstorms” darstellt, erweist sich dem Eindruck nach immun gegen Proteste seiner Anwender.

Selbstverständlich kann dieser Eindruck trügen. Eine Nutzerabwanderung beginnt mitunter langsam und gewinnt erst nach und nach an Tempo – vorausgesetzt, App.net oder ein anderer Konkurrent erreicht den Tipping Point. Derzeit aber sieht es danach aus, als könnte sich die Tech-Community noch so sehr über das beklagen, was bei Twitter gerade geschieht: Nicht einmal sie kann die Finger von dem Service lassen. Und muss so mit dem unguten und für sie sehr ungewohnten Gefühl leben, machtlos zu sein.

(Foto: Flickr/greg westfall; CC BY 2.0)

 

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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22 Kommentare

  1. Gute Zusammenfassung. Ich bin auch ratlos. Einerseits bekommt man wichtige News und Updates am schnellsten via Twitter, andererseits nervt der geringe Signal-/Rausch-Abstand manchmal gewaltig.

    Vielleicht ist es einfach noch zu früh, Twitter komplett aufzugeben. Ich bin zuversichtlich, dass es in naher Zukunft brauchbare Alternativen geben wird. Sollte es einem neuen Dienst gelingen, das nötige Drehmoment zu erreichen, wird es rasch zu Massenabwanderungen kommen.

  2. Was genau macht App.net so interessant gegenüber Status.net? Letzteres hat immerhin ein Subset der Twitter-API nachgebaut und, nunja, existiert.

    • Ich halte das beschriebene „Wer nicht schnell Buzz aufbaut und überexponentiell wächst, ist schon tot“ für arg startup-trend-kapitalistische gefärbte Denke. Firefox hat jahrelang gelauert, Emacs nutzt nur eine Nerd-Nischenbevölkerung und dennoch sind dessen Keybindings überall und es ist mit allem kompatibel.

      Gedankenexperiment: Was, wenn App.net hintenrum nur eine Bezahlinstanz von Status.net wäre (ich würde so etwas sicher aufsetzen, wenn man mir tausende Nazigold dafür gibt)? Würde es dann auch als total revolutionär empfunden werden?

    • Es ist nicht bewusste Denke, sondern menschliche Psychologie. Die muss man nicht gutfinden, sich aber trotzdem deren Rahmenbedingungen anpassen.

  3. Ich kann mich Herrn Landgraeber nur anschließen. Wir nutzen Twitter auch in der Firma und wären momentan noch aufgeschmissen ohne seinen Dienst. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich Alternativen ergeben werden. So lange heißt es durchhalten und reflektiert twittern.

    _________________________________
    Clickworker Community& Support

  4. Twitter ist sozusagen das Proof of Concept.

    Was jetzt fehlt ist das jemand mit Einfluss sich hinsetzt und mal ein Protokoll definiert.

    Im Grund ist doch Twitter nichts anderes als ein einfacher RSS-Feed (+Push Möglichkeit). Ich biete meine Nachrichten an und wer will ruft sie ab. Und die verschiedenen Clients stellen je nach Vorliebe die Dinge unterschiedlich dar.

    Und wenn die Entwickler der ganzen Tools, die sich jetzt beschweren, clever sind könnten sie das System Parallel zu Twitter einbauen. Mir als Nutzer ist es doch egal über welchen Kanal das ganze läuft.

    • Stimmt. Und App.net ist ja eigentlich genau dieser Versuch.

      (Statusnet auch, aber denen fehlt das Momentum und die Power)

    • Nein App.net ist nicht der Versuch. App.net konzentriert sich nicht auf das Wesentliche sondern versucht gleich noch andere Dinge zu lösen wie Werbefreiheit. Das ist aber ein Feld wo es einfach mehrere Ansichten gibt und grenzt somit schon potentielle Nutzer aus.

      Wenn wir uns mal anschauen was sich im Internet langfristig durchsetzt dann ist das Schema sehr häufig Offenes Standardisiertes Format/Protokoll!
      Einer der Gründe ist, dass es nicht einfach aufgekauft werden kann wenn es einer Firma nicht passt. Ein weiterer ist, es steht allen offen,auch denen die es anfänglich abgelehnt haben oder die sogar anfänglich dadurch einen Nachteil haben.

      Nehmen wir die Email. Der erste offizielle Standard ist mittlerweile 30 Jahre alt und wurde danach nur 2 mal erweitert. Das gibt den Leuten die dafür Software/Produkte entwickeln die nötige Planungssicherheit und Zeit.
      Durch die lange Zeit gibt es sehr viel Software zum Email lesen und schreiben und es gibt noch immer neue Innovationen bei den Clients. Außerdem ist sie unabhängig von Firmen/Institutione/Ländern. Selbst heute wo die Email teilweise schon totgesagt wird, werden noch 1000x soviele Emails wie Facebooknachrichten geschrieben!
      Solche dezentralen, robuste und jahrzentelang funktionierende Systeme sind meiner Meinung nach nur mit offenen Standards zu realisieren.

      Deswegen plädiere ich bzgl Twitter auch für einen Standard und nicht für einen anderen Anbieter. Dann kann für jeden bedarf ein Anbieter entstehen. Kostenpflichtig+Werbefrei, kostenlos mit Werbung , auf dem eigenen Webspace oder mit verschlüsselten Nachrichten – jeder wie er es mag, so wie es heute bei der Email ist.

      btw: Die Argumente sind auch der Grund warum ich tent.io langfristig gute Chancen einräume im Gegensatz zu diaspora.

    • Unsinn, es gibt doch bereits implementierte Protokolle zuhauf: ATOM-Feeds, ATOMpub, activity streams, pubsubhubbub, Ostatus. Warum nutzt du die als Nutzer bzw. Entwickler nicht?

    • Es ist richtig, es gibt schon diverse Protokolle die ausgereiften davon kann man auch benutzen, aber was ich hier konkret meine ist eine Spezifikation für ein Tweet-Datenobjekt ähnlich dem der Activity Streams.

      Man könnte die API von App.net indirekt als solch eine Spezifikation ansehen, nur das sie von einer Firma gestaltet wird und wir somit das Problem von Twitter wieder haben – dem Wohlwollen einer Firma ausgeliefert zu sein.

      Davon mal abgesehen sieht man der API auch an das sich nicht intensiv mit dem Ziel/Zweck beschäftigt wurde.
      Das Datum wird in ISO 8601 hinterlegt, welche das Problem hat das man Jahre auch zweistellig angeben kann und dann nicht sauber definiert ist was das bedeutet.
      Weiterhin wird Hub abhängige Identifizierung benutzt (in dem Fall eine Zahl). Man möchte später mal Hubprovider sein und auch Nachrichten nach Twitter verschicken/empfangen können .. da muss man doch von Anfang an eine Webweite eindeutige Identifizierung mit einplanen.

      Sie haben in wenigen Tagen einen durchaus guten Prototypen aus dem Boden gestampft, das zeigt das die Technik an sich nicht das Problem ist. Da kann man sich doch eigentlich auch ein paar Wochen Zeit nehmen und ein ordentliches Konzept entwickeln.

  5. Und wenn die Entwickler der ganzen Tools, die sich jetzt beschweren, clever sind könnten sie das System Parallel zu Twitter einbauen. Mir als Nutzer ist es doch egal über welchen Kanal das ganze läuft.

    Nein App.net ist nicht der Versuch.

    Hier widerspreche ich dir. Zumindest, wenn man deine obige Prämisse nimmt. Ein System parallel zu Twitter.

    Ich denke, Pixelsebi hat das schon ganz gut erklärt:

    App.net versteht sich selbst NICHT als kostenpflichtige Client seitige Twitter Alternative – sondern primär als Infrastruktur Anbieter für die Technologie die auch hinter Twitter steckt – und dass was jetzt die ersten Leute in der Alpha zu sehen bekommen, ist lediglich eine Referenz-Implementation eines Interfaces zu Demo zwecken.

    Oder es geht dir tatsächlich prinzipiell um die Dezentralität. Das ist App.net nicht, stimmt. Aber bisher gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass das jemals im Social Web funktionieren kann. Es ist nicht unmöglich, aber extreem schwer.

    Edit: Ok, E-Mail ist die Ausnahme. Aber bedenkt man, wie viele Menschen der E-Mail das Ende wünschen und sich nach einer leistungsfähigeren Alternative sehen, sieht man eben auch die Nachteile derartig offener Lösungen: Wenig Innovation, weil sich niemand verantwortlich fühlt.

    • @Martin: was gäbe es denn an E-Mail zu verbessern?

    • Ich bin da der falsche Ansprechpartner – ich bin zufrieden. Aber ich lese mindestens einmal pro Woche einen Rant darüber, wie sich mit E-Mails nicht produktiv arbeiten lässt.

    • @ClaudiaBerlin

      Denk nur mal an E-Mail Konversationen, in denen die halbe Firma auf CC steht. Zum Glück gibt es bei Gmail inzwischen die “mute” Funktion. Aber auch sonst könnte man extrem viel verbessern. Google Wave war ein sehr guter Ansatz, hat sich aber leider nicht durchsetzen können.

    • @Robert
      Ein Großteil der Beschwerden sind einfach Mängel in der Clientsoftware oder beim Benutzer ;)

      Ohne Frage könnten diverse Dinge noch einfacher oder besser funktionieren aber das in einen 30 Jahre alten Standard reinzufriemeln ist halt so eine Sache.

      Ich denke eher das Versäumnis liegt bei den heutigen Webfirmen/Organisationen sich nicht auf einen mächtigeren Standard einigen zu können oder einen Defakto-Standard zu etablieren und diesen dann allen zur Verfügung zu stellen.

  6. Ich finde die Richtung in die sich Twitter bewegt ebenfalls sehr schade.
    Zumindest glaube ich aber, dass man die Leute schneller von Twitter weglocken kann, als von Facebook. Wer Twitter nutzt, ist tendentiell eher fitter was Webanwendungen betrifft und auch bereit etwas neues zu nutzen, sollten es entsprechende Multiplikatoren vormachen.

  7. Ich habe als normaler Twitter-User noch keinerlei Einschränkung erfahren, was ja Hauptzweck und Hauptgeschäft von Twitter ist. Insofern viel Lärm um wenig bis nichts. Dass Twitter Maßnahmen ergreift, kommerziell auf die Füße zu kommen, kann ich nur begrüßen.

  8. @5. Martin

    Es gibt/gab noch einige erfolgreiche dezentrale Kommunikationstools: newsgroups, IRC, napster ;) oder neuer XMPP

  9. Ach, die lieben Nutzer, wollen alles umsonst haben, es soll ohne Werbung sein, immer problemlos und immer so laufen, wie sie es haben wollen. Das ist der Li-La-Launebär. Jeder will Geld verdienen und keiner versteht, dass auch andere Geld verdienen müssen.

    • Darum geht es hier nicht. Niemand beschwert sich darüber, dass Twitter versucht, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Kritik wendet sich an die Art und Weise, wie dies geschieht.

      Hätte sich der Zwitscherdienst von Anfang an als geschlossenes System präsentiert, wäre er wohl nicht so erfolgreich gewesen. Twitter verdankt seine Popularität vor allem freien Entwicklern, die mit ihren Apps und Diensten die Plattform erst zu dem gemacht haben, was sie heute ist.

      Dass Twitter nun versucht, aus dem vormals relativ offenen System einen steinernen Garten zu machen, darf wohl zurecht kritisiert werden. Es ist keineswegs so, dass die User Werbung ablehnen. Es geht darum, dass Twitter beabsichtigt, sich komplett einzuigeln.

      Vielleicht machen Sie sich die Mühe, sich erstmal zu informieren, bevor Sie hier die alte “Li-La-Launebär”-Platte abspielen. Danke.

  10. Es wäre wünschenswert, wenn Blogposts wie dieser mit Daten arbeiten würden. Das nebelhafte “Noch nie in der Geschichte des Internets hat sich ein Unternehmen in einem so relativ kurzen Zeitraum vom Liebling zum Feindbild der Tech- und Programmierer-Community entwickelt wie Twitter” ist bezeichnend für den ganzen Artikel: Unbelegte, drastische Behauptungen dieser Art sollte es idealerweise im Tech-Reporting 2012 nicht mehr geben. Und wenn man eben nur ein Gefühl hat, das etwas so sein könnte, ohne auf Daten zurückzugreifen, dann kann man das ja auch so schreiben.

7 Pingbacks

  1. [...] und „Daten­si­los” dis­ku­tiert wird. Trotz­dem sind jetzt alle über­rascht, dass Twitter plötz­lich die Schot­ten dicht macht und Geld ver­die­nen will. Und ganz uner­war­tet wird [...]

  2. [...] tatsächlich ein wenig angesprochen gefühlt: Martin Weigert hat leider völlig Recht: als Twitter-Kritiker kommt man sich derzeit ziemlich machtlos vor. Andererseits: drauf gesch… Dustin Curtis schrob gerade sehr richtig (via: The problem with this [...]

  3. [...] -  Klarnamen-Gesetz verfassungswidrigTwitter- Neue API gefällt nicht jedemLink 1 / Link 2app.netMetroTwit-Client140Proof (Werbung in Timeline)Windows 8 – SmartScreen Filter [...]

  4. [...] Pando Daily ergänzt unseren Artikel zur Machtlosigkeit gegenüber Twitter und beschreibt, warum sich auch Entwickler nicht von Plattformen trennen [...]

  5. [...] Nutzer ist dies ein Dilemma, mangelt es doch an einer ernstzunehmenden Twitter-Alternative. Ein Gefühl der Machtlosigkeit stellt sich ein.Ads_BA_AD('CAD2');Es ist allerdings wichtig, die Intention der Firma aus San Francisco nicht [...]

  6. [...] eine Monetarisierung durch Anzeigen verzichten, wodurch eine derzeit bei Twitter zu beobachtende Anpassung des Angebots an die Bedürfnisse von Werbekunden vermieden werden soll. Zum jetzigen Zeitpunkt ist App.net daher vor allem eines: Ein Sammelbecken [...]

  7. [...] Als gewinnorientiertes Unternehmen hat Twitter in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass es mitunter unpopuläre Entscheidungen treffen muss, um seine Firmenziele zu erreichen. Daran ist nichts auszusetzen, so funktioniert die Wirtschaft [...]

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