Spotify:
Innerhalb von zwei Jahren
70 Millionen Euro Verlust

Im vergangenen Jahr hat der bekannte On-Demand-Musikdienst Spotify 188 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet – aber auch seinen Verlust deutlich gesteigert.

Immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass Streaming tatsächlich die Zukunft des Musikkonsums darstellt. Der Markt zeigt deutlich größerere Zuwachsraten als der digitaler Downloads, und im Heimatland des prominentesten On-Demand-Streamingangebots Spotify machen die Umsätze aus diesem Geschäft mittlerweile ganze 89 Prozent der Erlöse mit digitaler Musik aus. Aus diesem Grund ist es nicht gerade uninteressant, einen Blick auf die Geschäftszahlen des expansiven Startups aus Stockholm zu werfen. Dies hat das in Bezug auf Spotify zumeist gut informierte schwedische Onlinemagazin Computer Sweden (CS) in einem aktuellen Artikel getan (übersetzt ins Englische).

Demnach erwirtschaftete Spotify im Jahr 2011 188 Millionen Euro Umsatz. Nach CS-Informationen hatte der Dienst zum Jahreswechsel 32,8 Millionen Mitglieder, davon 2,6 Millionen zahlende Premium-Kunden. Vor einem Monat verkündete das Unternehmen, 15 Millionen aktive Anwender vorweisen zu können. Demnach wären rund die Hälfte der Mitglieder aktive Nutzer.

157 Millionen Euro oder 83,5 Prozent des Umsatzes kamen 2011 aus den kostenpflichtigen Premiumkonten. Der Rest wurde mit der Werbevermarktung der Gratiskonten sowie kostenpflichtigen Musikdownloads erwirtschaftet. Die Einnamen aus den Premiumkonten stiegen im Jahresvergleich um satte 300 Prozent, die aus Anzeigen lediglich um 30 Prozent. Unter dem Strich steht ein Verlust von 375 Millionen Kronen (zum damaligen Eurokurs etwa 40 Millionen Euro), 2010 belief sich das Minus auf 235 Millionen Kronen.

Die entscheidende Erkenntnis aus diesen Zahlen, die laut CS aus dem Spotify-Jahresabschluss für das vergangene Jahr stammen: 7,9 Prozent der Spotify-Mitglieder stehen für 83,5 Prozent des Umsatzes. Gemäß der Freemium-Philosophie ist dies auch gar nicht weiter verwunderlich, immerhin geht es bei diesem Geschäftsmodell genau darum, dass ein kleiner Teil der Nutzer für den Großteil der Erlöse steht. Doch die Werte unterstreichen, dass sich selbst mit der für Spotify typischen, sehr aufdringlichen Audiowerbung kein mit den Einnahmen aus den kostenpflichtigen Konten vergleichbarer Umsatz erzielen lässt. Eine ähnliche Feststellung ließ sich jüngst schon vom deutschen Spotify-Konkurrenten simfy vernehmen.

188 Millionen Dollar eingesammeltem Risikokapital stehen etwa 90 Millionen Dollar (610 Millionen Kronen) Nettoverlust in den vergangenen zwei Geschäftsjahren gegenüber. Auch wenn sich die finanzielle Situation damit noch nicht in eine akut kritische Phase bewegt , werden die Schweden sich alsbald Gedanken darüber machen müssen, wie sie ihren Verlust minimieren. Selbst wenn anzunehmen ist, dass zahlende Nutzer mehr Musik hören als Gratisanwender und damit auch höhere Kosten für den technischen Betrieb und – je nach Abmachung mit den einzelnen nationalen Verwertungsgesellschaften – zusätzliche Lizenzgebühren verursachen, scheint die Steigerung des Anteils an zahlenden Mitgliedern die offensichtlichste Maßnahme auf dem Weg zur Profitabilität zu sein.

Derzeit bietet Spotify in den deutschsprachigen Ländern selbst Gratisnutzern am Desktop ein weitgehend unbegrenztes Hörvergnügen. In anderen Märkten greift nach dem ersten halben Jahr ein Limit von maximal zehn Streamingstunden pro Monat. Die Geschäftsentwicklung des Startups legt nahe, dass die hiesige Strategie das Unternehmen auf Dauer in den Ruin treiben würde. Sofern es den Nordeuropäern nicht gelingt, Anwender durch neue, revolutionäre Zusatzfeatures in die Bezahltarife zu locken, dürften zusätzliche Beschränkungen der Gratisvariante nur eine Frage der Zeit sein – erst recht in Deutschland, wo die GEMA und Spotify sich noch nicht einmal auf einen Lizenztarif einigen konnten.

Hinweis: Aufgrund signifikanter Veränderungen des Verhältnisses der Währungskurse von Schwedischer Krone, Euro und Dolllar innerhalb der vergangenen Monate geben die Umrechnungen nur ein ungefähres Bild der Situation wieder.

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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12 Kommentare

  1. Grooveshark ist besser.

    • Dort unterstützt du aber in keiner Weise die Interpreten, da Grooveshark keine Lizenzgebühren abführt.

    • Die Interpreten können sich von den paar kümmerlichen Cent, die Spotify ihnen zahlt, auch nichts kaufen, höchstens ‘ne Cola pro Monat.

      Ich unterstütze Interpreten, indem ich ihre Tonträger kaufe und ihre Konzerte besuche. Dies tu’ ich meist, wenn ich vorher eine Möglichkeit hatte, zu hören, ob es mir gefällt.

      Ich habe CDs für sehr, sehr viel Geld im Regal – ich habe mir nichts vorzuwerfen.

    • Die Interpreten können sich von den paar kümmerlichen Cent, die Spotify ihnen zahlt, auch nichts kaufen, höchstens ‘ne Cola pro Monat.

      Mag abgesehen von den Superstars so sein. Aber durch deine Haltung änderst du daran auch nichts.

      CDs im Regel zu haben, wenn man schon Jahre lang nix mehr kauft, halte ich für ein maximal das eigene Gewissen beruhigendes Argument. Wenn du aber tatsächlich häufig auf Konzerte gehst, dann stimme ich dir zu – dies ist sicher die beste Art, Interpreten zu unterstützen.

    • Ich kaufe durchschnittlich 1-2 CDs pro Monat, auch heute noch.

      Beunruhigend finde ich dagegen, dass offenbar der bloße Erwerb eines Spotify-Abonnements genügt, um “das Gewissen zu beruhigen”.

    • Falscher Schluss aus meinen Aussagen.

    • Wie lautet der einzig wahre?

  2. Hoffentlich geht Spotify nicht auch noch kaputt… Bei Napster habe ich monatlich 10 € bezahlt, bis die von einer einwandfrei funktionierenden Software auf Müll umgestellt haben. Nun nutze ich Spotify, aber auch in der Gratisversion. Über die gelegentliche Werbung höre/sehe ich hinweg.

  3. Spotify Premium inkl mobile App ist inzwischen für mich so unersätzlich (und ich gehe davon aus, dass das vielen zahlenden Kunden so geht), dass ich auch eine Preiserhöhung auf 15-20€ im Monat sofort unterschreiben würde. 10€/£ ist für das Gebotene imo noch sehr sparsam bepreist. Da ist für Spotify noch Potenzial.

  4. Über Kurz oder Lang wird sich diese ganze Cloud-Manie auch wieder in Luft auflösen. Wenn mehr und mehr Sammlungen von Medien und Software urplötzlich verpuffen weil die Betreiber pleite gehen oder den Dienst einstellen, werden sich die Kunden auch langsam aber sicher wieder auf die Vorteile von Kopien besinnen, die man auch wirklich besitzt.

    Bei Spotify ist das natürlich weniger ein Problem, da es um eine monatliche Pauschale geht. Ein Unterbruch des Zugangs oder eine Einstellung des Dienstes würde also allenfalls eine kurzfristige Unmöglichkeit, sich seine Musik anzuhören, nach sich ziehen. Somit kann man, wenn der Preis stimmt, durchaus den Reiz solcher Flatrate-Angebote erkennen. Andererseits kann man den Wert der Nutzung von Diensten wie Spotify in der Zeit sehen, die man in das Erstellen eigener Playlists investiert, welche, da cloud-basiert, ebenfalls den Launen der Betreiber unterstehen.

    Ich habe Spotify getestet, und war von der Selektion sehr enttäuscht (von einem geschätzten Dutzend gesuchter Alben kein Einziges gefunden) – vermutlich wendet es sich an Leute mit einem anderen Musikgeschmack als meinem, sonst wäre ich einem ausführlicheren Test schon nicht abgeneigt gewesen. Zusammen mit dem Bewusstsein, wie Spotify Independent-Labels behandelt, und wie wenig Künstler am Streaming verdienen, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Wenn es für den Künstler ohnehin keinen finanziellen Unterschied macht ob ich mir seine Stücke ganz legal auf Spotify, per Grauzone auf Grooveshark, oder ganz illegal als Piratenkopie anhöre, brauche ich mir auch nicht durch die Beschränkung auf einen für mich minderwertigen Dienst das Gewissen beruhigen. Meiner Meinung nach sind die Majors immer noch weit davon entfernt, eine brauchbare Lösung für das Internetzeitalter gefunden zu haben. Piraterie ist ein Fakt, und wer kein Angebot auf die Beine stellen kann dass sich mit den illegalen qualitativ messen kann hat, so unfair es sein mag, schon verloren.

    Somit bleibe ich weiterhin beim regelmässigen Besuch meines lokalen Plattenladens, wo ich mir meine Musik, ob digital oder analog, in einem Format kaufe dass ich mir unabhängig von der Existenz und den Handlungen irgend eines Konglomerats anhören kann.

    • erstmal ein dickes kompliment an deinen schreibstil – es ist erfrischend nicht immer nur grammatikalische unfälle in den kommentaren zu lesen. des weiteren stimme ich dir zu in bezug auf das spartenweise limitierte angebot von spotify. es hat zwar recht lang gedauert bei mir – vlt auch, weil ich nicht extrem spartenspezifisch gesucht habe – aber ich habe auch diverse lücken in der interpretenabdeckung entdeckt.

      über die lizensgebühren und etc. kann ich nicht viel sagen, aber eins brennt mir auf der zunge: ich kämpf seit jahren mit dem zustand meiner festplatten und als käufer von digitaler musik [letztendlich auch zurückzuführen auf den beinahe peinlich geringen anteil, den die künstler an der gepressten platte bekommen] ist es ungeheuer aufwendig meine, recht große, musiksammlung immer wieder auf die nächste festplatte zu übertragen; deshalb greif ich gern auf streaming dienste zurück. klar ist es schöner, wenn man die sachen im regal stehen hat, aber man darf nicht vergessen, dass diese ganzen streamingdienste halt auf die weniger verdienende bevölkerung abzielen und einen versuch darfstellen, die bestehende piraterie einzuschränken.

      in diesem sinne schließe ich mich an und hoffe, dass es in naher zukunft eine vernünftige lösung gibt, bei der alle profitieren – vor allem kunden und künstler und nicht irgendwer dazwischen

9 Pingbacks

  1. [...]  Spotify: Innerhalb von zwei Jahren 70 Millionen Euro Verlust [...]

  2. [...] neue kommende Ding, für das man auch mal seine Ansprüche an die Tonqualität herunterschraubt: Unter dem Strich steht (für 2011, A.d.V.) ein Verlust von 375 Millionen Kronen (zum damaligen Eurok… Das bedeutet, in absehbarer Zeit dürften die Einschränkungen der kostenfreien Version von Spotify [...]

  3. [...] NetzwertigWenn du hier neu bist, dann abonniere am besten den RSS-Feed um auf dem Laufenden zu bleiben. Über [...]

  4. [...] für die Plattformen und die Musiker. Über Spotify lesen wir in der NY-Times und bei netzwertig.com von guten Entwicklungen. Es gibt auch in Deutschland einen zaghaften Wettbewerb der Plattformen, [...]

  5. [...] zu kämpfen und deshalb meldete Martin Weigert von Netzwertig.com auch vor wenigen Wochen: “Spotify.com – Innerhalb von zwei Jahren 70 Millionen Euro Verlust“. Und vielleicht wird ein Kim Schmitz mal wieder ungeduldig und wird mit dem Sog der [...]

  6. [...] gar unumgänglich erscheint: Spotify schrieb in den vergangenen zwei Jahren einen Verlust von etwa 70 Millionen Euro. Dilemma für das britisch-schwedische Unternehmen ist, dass mehr Nutzer auch höhere Kosten [...]

  7. [...] 1 Million davon alleine in den USA. Dennoch schreibt das Unternehmen jährlich einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. Auch die Einnahmen, die Künstler dabei erzielen, sind umstritten. Spotify und andere zahlen pro [...]

  8. [...] Der schwedische On-Demand Musikdienst Spotify zieht den Großteil seiner Erlöse aus den Konten seiner Premiummitglieder. Diese machten 2011 zusätzlich zu Audiowerbung 83,5 Prozent des Umsatzes aus, das sind 157 Millionen Euro. Dennoch musste das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 40 Mio Euro verkraften, was ca. ein Drittel mehr ist als im Jahr zuvor. Spotify bietet bisher auch für Gratisnutzer ein unbegrenztes Streamingangebot, laut Martin Weigert von netzwertig ist dieses Geschäftsmodell auf Dauer jedoch nicht haltbar. [...]

 
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