App Annie, AppData, Apptrace:
Optimierung des App-Erfolgs

Um im Überangebot von Apps auf sich aufmerksam zu machen, wird für Entwickler professionelles Marketing und somit auch Marktforschung- und Analyse immer wichtiger. Ein Überblick über Dienste, die entsprechende Daten liefern, und was man mit ihnen anstellen kann.

Daten sind der wichtigste Rohstoff im modernen Marketing: Wo steht ein Unternehmen am Markt, wo befinden sich die Wettbewerber, welche Veränderungen haben sich ergeben, welche Ziele lassen sich daraus herleiten und welche Maßnahmen sind zu treffen, um am Absatzmarkt erfolgreich zu werden? Angesichts der Flut an neuen Apps müssen sich auch Entwickler und Publisher mit diesen Fragen auseinandersetzen und über entsprechende Möglichkeiten der Informationsbeschaffung nachdenken.

Die Nachfrage nach entsprechenden Informationen bringt zurzeit neue Service-Anbieter hervor, die vom Boom in der App-Ökonomie profitieren wollen, indem sie Entwicklern entsprechende Analyse-Tools zur Verfügung stellen. Wir werfen einen Blick auf diesen Markt und stellen drei Anbieter vor, die uns besonders hilfreich erscheinen und dabei leicht zugänglich sind.

Metriken helfen entlang des gesamten Entwicklungsprozesses

Für Entwickler gilt es nicht nur, die Anzahl der Downloads und die Position in den Charts zu wissen. Auch der Entwicklungsverlauf, die Position der Wettbewerberprodukte oder sogar soziodemografische Merkmale der Käufer gewinnen an Bedeutung, um die Vermarktung des eigenen Produkts zielgerichtet vorantreiben zu können. Einfach auf virale Effekte zu hoffen und darüber eine Spitzenposition in den Charts zu erlangen, reicht heutzutage längst nicht mehr aus. Und selbst wenn man dieses Glück hätte, bedeutet dies noch nicht, dass hohe Downloadraten gleichermaßen mit entsprechend hohen Erlösen einhergehen.

Die Nachfrage nach professionellem Data Mining, das bei der eigenen Appstore-Optimierung hilft, wächst. Es geht darum, Wege zu finden, die eigene App im Appstore-Ranking voranzubringen, die Wirksamkeit von Affiliate-Netzwerken für mobile Applikationen zu überprüfen, oder aber um die Ermittlung marktgerechter Verkaufs- und In-App-Preise, vor dem übergeordneten Ziel einer Gewinnmaximierung.

Hier stellt sich also bereits vor der Entwicklung die Aufgabe der Marktbeobachtung: „Lohnt sich die eigen App-Idee? Wie viele andere Entwickler hatten diese schon vorher? Gibt es überhaupt einen Bedarf? Wie viele und welche Wettbewerber existieren, was sind deren Stärken und Schwächen?“ Um diese und andere Fragen zu klären, die vor, während und nach der Entwicklung des Produktes relevant sein könnten, sollten Entwickler auf Analyse-Dienste wie die folgenden zurückgreifen:

App Annie
Der Service App Annie bietet umfassende Möglichkeiten, Charts, Analysen und Appstore-Statistiken abzurufen: Wann wurde welche App in welchem Land mit welchem Umsätzen wie oft verkauft, in welchem Zeitraum war sie erfolgreich und wie wurde sie bewertet? Zwar als Freemium-Modell beworben, sind alle Funktionen für Entwickler jedoch noch kostenlos verfügbar. Das User Interface und die Erläuterungen richten sich dabei auch gezielt an Einsteiger in diese Materie. An umfangreichen Funktionen mangelt es jedoch deshalb nicht. Der Dienst bildet die Entwicklungen für iPhone-und iPad-Apps, für Mac-Apps sowie seit Juni 2012 auch für Android-Anwendungen ab.

AppData
Weniger simpel in der Handhabung, dafür funktional umfangreicher ist AppData. Anwender können nicht nur die Entwicklung bestimmter Apps verfolgen, sondern mehrere Apps direkt miteinander vergleichen, sowie sogar die Performance bestimmter Entwickler über einen bestimmten Zeitraum in Relation zueinander setzen. Diese Benchmarking-Optionen entschädigen dann auch für das zwar übersichtliche, doch etwas altbackene Benutzer-Interface. Die Marktentwicklung von Android-Apps lässt sich hier zwar nicht tracken und tracen, dafür gibt es neben der iOS-Datenbank aber eine weitere für Facebook-Applikationen. Ebenfalls als Freemium-Modell ausgelegt, steht ein Großteil des Funktionsumfangs kostenlos zur Verfügung. Der Zugriff auf detailliertere Informationen, wie zum Beispiel soziodemographische Daten ist jedoch kostenpflichtig

Apptrace
Apptrace ist zwar der der funktionsärmste, dafür auch der am leichtesten zugängliche Service. Auf eine Vielzahl an Analyse-, Sortier-, und Filterfunktionen müssen Nutzer zwar verzichten, für eine schnelle Suche nach der Entwicklung einer bestimmten Anwendung eignet sich der Dienst jedoch allemal. Der Katalog umfasst dabei lediglich iPhone- und iPad-Anwendungen. Apptrace ist ein Angebot des Berliner Startups adeven.

Das Grundprinzip ist bei allen Diensten identisch: Nach einer Standard-Registrierung hat man Zugriff auf die jeweiligen Funktionen dieser rein browserbasierten Tools. Angehende Entwickler können sich so im Vorfeld ihrer Produktion Marktinformationen beschaffen. Wer ein Projekt abgeschlossen hat, kann eine App bei den Diensten anmelden. Dies funktioniert über die eigenen Zugangsdaten für die Entwickler-Accounts der jeweiligen Marktplätze. Sobald man eine Applikation angemeldet hat, wird deren weitere Entwicklung zukünftig mit erfasst.

Informationsmanagement zur Appstore-Ökonomie für einen breiten Adressatenkreis

Inwieweit man die dadurch entstehende Markttransparenz im Einzelfall als Fluch oder Segen begreifen mag, ist sicherlich strittig. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht faszinieren die Möglichkeiten jedoch: Die zentrale Vertriebsstruktur der Appstores und Marktplätze schafft schließlich – in Kombination mit derlei Services – eine Transparenz, die Chancen für eine „Marktbeobachtung für Jedermann“ bietet, wie sie sonst in kaum einem anderen Gütermarkt anzutreffen ist.

Des Weiteren bietet sich auch eine Kombination der Dienste an. In den Grundfunktionen hat man so die Möglichkeit einer Gegenprobe, um etwaige Fehler in den Metriken realisieren zu können. Nicht nur unabhängige Entwickler profitieren von den Angeboten, sondern auch große Firmen: Marketer und Entwickler in IT-Projekten sprechen oftmals nicht „dieselbe Sprache“, da bieten sich dem Produktmanagement derlei Tools an, um ad hoc aktuelle Entwicklungen aufgreifen und für alle Beteiligten gleichsam nachvollziehbar visualisieren zu können. Schließlich profitieren auch noch externe Adressaten wie Risikokapitalgeber und Medienberichterstatter von derartigen Informationsquellen.

In Teilen noch unfertig, aber viel Potenzial

Obwohl lediglich App Trace als „Beta“-Version gekennzeichnet ist, befinden sich aus meiner Sicht noch alle drei Anbieter auf einer frühen Entwicklungsstufe: Bei App Annie sind die „Premium-Funktionen“ noch gar nicht klar definiert, sondern werden nur „auf Anfrage“ kommuniziert. Die Premium-Preise bei AppData erscheinen mir derart bewusst überzogen, dass ich davon ausgehe, dass es sich bei den bisherigen Angaben zu „Premium-Optionen“ bei beiden Anbietern vorerst nur um „Platzhalter“ – aus rein kommunikationspolitischen Gründen – für künftige kostenpflichtige Leistungen handelt: Für mögliche Premium-Kunden auch wirklich nachvollziehbar gestaffelte und dementsprechend attraktive Leistungs- und Preisoptionen werden dementsprechend wohl erst noch kommen.

Welches dahingehende Entwicklungs-Potenzial diesen „Hilfsdiensten zur Appstore-Optimierung“ doch zumindest von Investorenseite bereits jetzt schon zugetraut wird, zeigt sich einer aktuellen Entwicklung bei App Annie: In einer Finanzierungsrunde konnte der Dienst jüngst sechs Millionen Dollar an Risikokapital einsammeln.

 

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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag!