Mag20:
Publikationsplattform mit Printableger der viralsten Beiträge

Das Zürcher Startup Mag20 animiert Hobby-Autoren, Artikel online zu publizieren. Die Texte, die bei Facebook, Twitter und Google+ besonders populär sind, werden anschließend in einem wöchentlichen Printmagazin abgedruckt.

Dass die Gattung der Printprodukte unsicheren Zeiten entgegenblickt, darüber herrscht im Gegensatz zu der Frage, welche Arten von Printprodukten in welchem Maße betroffen sein werden, mittlerweile weitestgehend Konsens. Und doch gibt es junge Unternehmer, die der Meinung sind, auch heute noch mit gedruckten Inhalten ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen zu können. Der Schweizer Markus Bucheli ist ein solcher. Mit Mag20 hat er in Zürich gerade ein neues Publikationshaus gegründet, das sich an der Schnittstelle von User Generated Content, Social Media und Printmagazinen positioniert.

In erster Linie handelt es sich bei Mag20 um eine Publikationsplattform für User Generated Content, bei der schreiblustige Autoren Texte zu Themen rund um die fünf zentralen Ressorts Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Technologie & Wissen veröffentlichen können. Artikel sollen eine Länge von 1.500 bis 10.000 Zeichen umfassen und werden händisch von der Mag20-Redaktion freigeschaltet. Die Mag20-Website ist werbefrei, weshalb Autoren für ihre publizierten Beiträge nicht vergütet werden. Mit einer Ausnahme: Sofern ihre Artikel es in das einmal pro Woche erscheinende Mag20-Magazin schaffen, welches als E-Paper sowie kostenfreies Printprodukt in einer Auflage von 50.000 Exemplaren in den größten Städten der Deutschweiz (Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Zug und Zürich) verbreitet wird.

Beteiligung am Gewinn der Printausgabe

Das Mag20-Magazin wird im Gegensatz zur Onlineplattform vermarktet. Eine ganzseitige Anzeige kostet derzeit 5.000 Franken, rund 4.200 Euro. 50 Prozent des eventuellen Jahresgewinns wird mit den Verfassern von Artikeln der Printbeilage anteilsmäßig geteilt. Im Falle der Profitabilität erfolgt die erste Auszahlung Ende März 2013 für das Geschäftsjahr 2012. Für Druck, Vertrieb und Betriebskosten fallen pro Ausgabe Kosten von etwa 16.000 Franken an. Mag20-Gründer Bucheli erklärte unserem Schwesterblog startwerk.ch vor einigen Wochen, dass die bislang verkaufte Werbung für die Deckung der Kosten der ersten Wochen ausreiche. Momentan laufen Gespräche mit Investoren über eine Überbrückungsfinanzierung, immerhin wird nicht jeder potenzielle Werbekunde sofort vom neuartigen Mag20-Konzept überzeugt sein.

Und wie entscheidet das Mag20-Team, welche Beiträge es in das Magazin schaffen? Gar nicht. Ausschlaggebend dafür sind schlicht die wöchentliche Anzahl an Weiterempfehlungen der Leserschaft bei Facebook, Twitter und Google+. Jeweils die vier am häufigsten im Social Web verbreiteten Beiträge aus den fünf Ressorts werden also nach dem per prominent platziertem Zähler angezeigten “Redaktionssschluss” in der Folgewoche im Magazin abgedruckt. Das E-Paper des Erstlingswerks findet sich hier als PDF.

Auch für Nutzer in Deutschland und Österreich verfügbar

Auch wenn Mag20 derzeit primär eine Schweizer Leserschaft anspricht, steht die Plattform auch Autoren aus Deutschland und Österreich offen. In diesen Ländern ist das Mag20-Printprodukt zwar nicht kostenfrei erhältlich, aber wer sich gerne die populärsten Beiträge der Woche auf gedrucktem Papier zu Gemüte führen möchte, kann die Zeitschrift mit ihren 52 Ausgaben pro Jahr für 99 Euro abonnieren.

In der Anfangsphase, in der es noch an von Nutzern produziertem Content mangelt, wird die Mag20-Wochenzeitschrift auch mit Inhalten von Partnersites und -magazinen gefüllt (siehe Disclaimer am Ende des Artikels).

Ein echtes Experiment

Mag20 ist eindeutig ein Experiment und bezeichnet sich auch so. Nicht wenige Leser werden sich die Frage stellen, wieso sie Inhalte auf Papier oder als PDF beziehen sollen, die schon eine Woche zuvor bei Mag20.com zu lesen waren. Andererseits sorgt der dem Printprodukt vorausgehende Kurationsprozess dafür, dass Leser des finalen Magazins das Gefühl haben, nur die wichtigsten und besten Texte in kompakter Form präsentiert zu bekommen. Zwar zeigt die Erfahrung, dass bei sozialen Netzwerken empfohle Inhalte nicht automatisch auch besonders qualitativ sind. Dennoch hat allein die Gewissheit, dass die abgedruckten Texte im Netz eine besondere Anziehungskraft auf die User ausübten, ihren speziellen Reiz. Dass man dafür extra ein kostenpflichtiges Printabo abschließt, kann ich mir zwar schwer vorstellen. Wenn man das Magazin aber an neuralgischen Punkten in Schweizer Städten in die Hand gedrückt bekommt, würde man sicher ein wenig darin herumblättern. Besonders, wenn man den Entstehungsprozess kennt.

Während viele junge Onlineangebote, die Nutzer in Contentlieferanten verwandeln wollen, dafür keine wirklich überzeugenden Argumente liefern, kann Mag20 immerhin eine Gewinnbeteiligung in Aussicht stellen. Autoren erhalten somit einen klaren Anreiz, sich mit eigenen Beiträgen ins Zeug zu legen – auch wenn das Auswahlkriterium vieler Shares im schlimmsten Fall eine Masse an boulevardesquen Texten zur Folge haben könnte. Aber selbst dann hätte Mag20 eine Herausforderung gemeistert, an der sich zuletzt das österreichische Startup Newsgrape die Zähne ausbiss: Überhaupt hinreichend von Usern produzierten Content vorweisen zu können.

Mag20-Chef Bucheli, der vorerst mit nur zwei festen Mitarbeitern auskommen will, bietet interessierten ausländischen Partnern eine Lizensierung der Plattform an. Diese würden dann Druck und Distribution (beispielsweise in Deutschland oder Österreich) übernehmen.

Mit feed, myheimat, und deinblick gibt es in Deutschland einige Angebote, die Hobby-Autoren und Contenterstellern ebenfalls Printveröffentlichungen in Aussicht stellen, allerdings jeweils unter anderen Voraussetzungen beziehungsweise nur innerhalb eines Special-Interest-Segments.

Link: Mag20

Disclaimer: netzwertig.com-Betreiberin Blogwerk AG stellt Mag20 ausgewählte Inhalte zur Veröffentlichung zur Verfügung.

 

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