Drohende Machtverschiebung:
Twitters Entwicklung muss Facebook Kopfschmerzen bereiten

Facebook muss sich neu erfinden, um seine Stellung als führendes soziales Netzwerk zu behaupten. Doch dies ist ein kompliziertes Unterfangen. Unterdessen sitzt Twitter dem Dienst im Nacken.

Facebook befindet sich an einem äußerst kritischen Punkt. Zwar nähert sich die Zahl aktiver Nutzer laut jüngsten Unternehmensangaben mit 955 Millionen der magischen Milliardenmarke, doch in immer mehr Ländern stößt das soziale Netzwerk an eine Sättigungsgrenze. Die Folge: Das Anwenderwachstum verlangsamt sich, mitunter verlassen sogar mehr Mitglieder den Dienst, als neue hinzukommen. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz und in den USA sind derartige Tendenzen erkennbar. Diese Entwicklung kommt weder überraschend, noch ist sie für das jetzt börsennotierte Unternehmen ein Drama – schon weil es neben dem Social Network auch als soziale Plattform für große Teile des kommerziellen Internets verankert ist. Doch sie signalisiert den Eintritt in eine neue, heikle Phase des Produktlebenszyklus – eine, die von zunehmender Unzufriedenheit der Anwender, immer aggressiveren Vorstößen, einem in den Keller rutschenden Aktienkurs und dem Druck geprägt ist, neue Umsatzquellen zu erschließen und endlich zuverlässig sprudelnde, hohe Gewinne zu produzieren. Hinzu kommt, dass die Benutzeroberfläche und Struktur von Facebooks Desktop-Angebot nach all den Jahren trotz einiger tiefgreifender Überarbeitungen niemanden mehr vom Hocker reißt – von der seit jeher wenig beeindruckenden mobilen Oberfläche ganz zu schweigen.

Facebook steht unter bisher nicht gekanntem Druck

Möchte der kalifornische Internetkonzern seine führende Stellung als Social-Networking-Destination auch künftig behalten und sich nicht allein auf seine Rolle als Identitätsanbieter und soziales Webbetriebssystem für externe Sites beschränken, muss es sich neu erfinden. Zwar hat die Vergangenheit gezeigt, dass Facebook ein Meister des Durchsetzens zu Anfang unbeliebter Veränderungen ist. Allerdings agierte es dabei stets präventiv und somit ohne Druck. Jetzt jedoch hat es einen Punkt erreicht, an dem viele Anwender bewusst erkennen oder unbewusst fühlen, dass sie das bisherige Angebote nicht mehr so zufriedenstellt und unterhält und wie einst. Dadurch entsteht eine öffentliche Erwartungshaltung, die durch die aus dem Börsengang resultierende Notwendigkeit, künftig alle drei Monate glänzende Geschäftszahlen vorlegen zu müssen, noch an Brisanz gewinnt. Diesem Druck standzuhalten, ist nicht unmöglich, aber eine für das Unternehmen mit Sitz in Menlo Park und seinen jungen CEO Mark Zuckerberg bisher einzigartige Herausforderung.

Viele hundert Facebook-Entwickler, -Designer und -Produktmanager werden in diesen Tagen fieberhaft an der nächsten Generation des sozialen Netzwerks arbeiten, so viel ist sicher. Doch auch eine aufsehenerregende, die künftige Ausrichtung des Unternehmens beeinflussende Übernahme ist angesichts der brenzligen Situation nicht auszuschließen. Bisher fiel Facebook vor allem durch so genannte Talentakquisitionen auf, bei denen nicht die aufgekauften Services im Mittelpunkt standen, sondern ihre Gründer und Teams. Eine Ausnahme bildete die Übernahme von Instagram – deren Zweck war nicht nur die Rekrutierung der Macher der beliebten Foto-Applikation, sondern auch, die Entstehung eines potenziellen Kontrahenten oder die Übernahme durch einen Wettbewerber zu verhindern. Strategisch ist es für Facebook aus heutiger Sicht wenig sinnvoll, Instagram eigenständig weiterzuführen – eine Abwicklung allerdings würden 80 Millionen Instagram-Mitglieder dem blau-weißen sozialen Netzwerk sehr übel nehmen. Zu viele, um einen derartigen Schritt zu vollziehen.

Twitters Lage ist trotz Kritik komfortabler

Einen weiteren derartigen Stein wird sich Mark Zuckerberg nicht ans Bein binden wollen. Dennoch kann er nicht einfach dabei zusehen, wie andere Internetfirmen sukzessive in der Wahrnehmung der breiten Masse an Bedeutung gewinnen und sich genau in dem Segment festsetzen, das gemeinhin als Facebooks Achillesferse gilt, nämlich Mobile. Die zwei größten Kandidaten, auf die eine derartige Beschreibung zutrifft, sind foursquare und Twitter. Beide Services legen ihren Schwerpunkt auf das mobile Benutzererlebnis und bieten dafür solide Angebote. Gerade für Twitter läuft es entgegen der Wahrnehmung in Early-Adopter-Kreisen und trotz so mancher ungeschickter Fehltritte derzeit recht gut: Die vor einigen Jahren eingeschlagene Strategie des “Walled Garden” mag zwar kurzsichtig sein und frühe, auf Offenheit schwörende Nutzer vergraulen, kommt aber beim Internetmainstream an. Twitters Nutzerzahlen wachsen stabil, und allein die Tatsache, dass mittlerweile selbst im Bundestag das Zwitschern zum guten Ton gehört, belegt, dass die Zeiten des Dienstes als Nischenanwendung für Geeks vorüber sind – selbst wenn sich Deutsche beim Twittern noch zurückhalten. Konzeptionell und funktionell verwandelt sich Twitter derzeit vom einstigen 140-Zeichen-Dienst hin zu einer Kommunikations-, Informations- und Medienplattform – und rückt damit zwangsläufig Facebook auf die Pelle. Gleichzeitig scheint sich Twitters Werbegeschäft besonders im mobilen Bereich positiv und besser als bei Facebook zu entwickeln.

Man muss sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, um festzustellen, dass Twitters derzeitiger Aufstieg Facebook überhaupt nicht gefallen kann. Lange hat es gedauert, aber das deutlich agilere, nicht von den Launen der Börse getriebene Twitter mausert sich momentan zu einer echten Bedrohung für Facebook. Was die Frage aufwirft, wie dieses angesichts seiner kritischen Lage darauf reagiert.

Laut dem jüngsten Quartalsbericht beläuft sich der Wert von Facebooks Barreserven und börsenfähigen Wertpapieren auf insgesamt 10,2 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa der kolportierten Bewertung von Twitter. Eine Übernahme des Zwitscherdienstes erscheint damit fast zu teuer, zumal auch andere Kaufinteressenten existieren, was den Preis in die Höhe treibt. Zudem wirkt eine Fusion beider Dienste schon rein praktisch kaum durchführbar – es sei denn, Facebook macht aus der Not eine Tugend und entschließt sich, verschiedene Angebote im Sinne der Risikostreuung relativ unabhängig voneinander weiterzuführen, mit einem einheitlichen Login auszustatten und im Paket zu vermarkten.

So unwahrscheinlich ein Merger auch klingen mag, so drängend ist für Facebook die Frage, wie es in seiner heute deutlich verletzlicheren Situation mit einem erstarkenden Twitter umgehen soll. Und wie es gelingt, die 950 Millionen aktiven Anwender wieder in Begeisterung zu versetzen. Die habe zumindest ich beim Besuch von Facebook schon sehr lange nicht mehr gespürt. Ihr?

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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37 Kommentare

  1. ” einem in den Keller rutschenden Aktienkurs und dem Druck geprägt ist, neue Umsatzquellen zu erschließen und endlich zuverlässig sprudelnde, hohe Gewinne zu produzieren. ”

    Ich verstehe nicht, warum sie das tun müssen. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Zuckerberg auch nach dem Börsengang die Mehrheit der Stimmrechte. Irgendwelche Wünsche von Aktionären können ihm ziemlich egal sein.

    Der Witz ist grade, das Facebook sich selbst tragen kann, Gewinn erwirtschaftet und aufgrund der Eigentümerstruktur keinen Zwang hat “sprudelnde, hohe Gewinne” zu produzieren.

    Das Facebook keine Begeisterung auslösen kann, ist dabei nebensächlich.

    • “Ich verstehe nicht, warum sie das tun müssen. Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Zuckerberg auch nach dem Börsengang die Mehrheit der Stimmrechte. Irgendwelche Wünsche von Aktionären können ihm ziemlich egal sein.”

      Wer 16 Milliarden von Aktionären eingenommen hat, wird nicht agieren können, als seien die Aktionäre egal. Selbst wenn der CEO schalten und walten kann, wie er will. Was du beschreibst, ist ein Diktator – und den wird niemand im Facebook-Vorstand akzeptieren.

      Und natürlich gibt es einen Zwang, sprudelnd hohe Gewinne zu präsentieren. Sonst flüchten die Aktionäre, der Kurs geht weiter in den Keller, eine eventuelle Kapitalerhöhung wird schwieriger und die Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst. Nichts davon kann sich Facebook leisten.

    • Spätestens bei der Nennung von Google als Musterbeispiel habe ich aufgehört weiter zu lesen.
      Klingt nach Google Junkie der ersten Stunde.

  2. So ist das eben, wenn man versucht, mit nichts als Seifenblasen Milliarden zu verdienen. Ohne die unersättliche Profitgier stünde Facebook nicht vor diesen Problemen. Es wird ihnen gar nichts anderes übrig bleiben, als die Nutzerdaten gnadenlos auszuschlachten und die User mit Werbung bis zum Get-no zuzumüllen.

    Wenn es Facebook nicht gelingt, eine mobile Werbeplattform zu entwickeln, die von den Anwendern nicht nur akzeptiert, sondern auch gern genutzt wird, sind die Zukunftsaussichten ziemlich düster.

    Der Zirkus beginnt, die Massen zu langweilen. Bleiben neue Attraktionen aus, wird sich das Publikum bald andere Spektakel suchen.

    • Ohne die unersättliche Profitgier stünde Facebook nicht vor diesen Problemen.

      Ähm misst du hier nicht mit zweierlei Maß? Oder würdest du jedem anderen wirtschaftlichen Unternehmen auch “Profitgier” vorwerfen? So funktioniert nun einmal der Kapitalismus. Den kannst du gerne kritisieren, wenn du willst. Aber jetzt Facebook explizit Profitgier vorzuwerfen, ist meines Erachtens nach nicht gerechtfertigt. Facebook macht lediglich, was jedes andere Unternehmen auch tut.

    • @Martin Weigert:
      Na Entschuldigung mal bitte! Wer hat denn den Ausgabepreis künstlich aufgepumpt und in völlig unrealistische Höhen getrieben? Eine Firma, die gerade mal 4 Milliarden Umsatz (nicht Gewinn) pro Quartal macht, ist wohl kaum über 100 Milliarden wert.

      “Jedes andere Unternehmen” hätte wohl tunlichst darauf geachtet, keine unerfüllbaren Erwartungen zu wecken. Nein, der enorme kommerzielle Druck ist hausgemacht und hat mit Realwirtschaft herzlich wenig zu tun. Wenn Du diesen neuzeitlichen Turbo-Kapitalismus als “normal” empfindest, bitte schön!

      Meine Meinung: Wenn Facebook nicht aufpasst, wird es genau daran zugrunde gehen. Denn anders als zum Beispiel Google verfügt es nach wie vor über kein Geschäftsmodell, das solch hohe Rendite-Erwartungen rechtfertigt.

      Zuckerberg kann’s egal sein. Er hat bereits Kasse gemacht. Wer in die Röhre guckt, sind die Anleger. Und die werden ganz sicher kein zweites Mal auf das Blendwerk reinfallen.

    • Ich verteidige das nicht, sondern ich kritisiere lediglich die Tonlage deiner Kritik, die meines Erachtens nach zu ideologisch geprägt und zu wenig pragmatisch ist.

      Ein Unternehmen wie Facebook war darauf angewiesen, Milliarden an VC einzusammeln. Und wer Milliarden einsammelt, muss einen entsprechenden ROI bieten können. Die hohe Bewertung resultiert zum Teil daraus, zum Teil aber auch einfach aus der Tatsache, dass es noch nie einem Unternehmen gelang, 950 Millionen Menschen auf einer Onlineplattform zu versammeln, von denen sich 50 Prozent sogar täglich einloggen. Dass darin hohes wirtschaftliches Potenzial vermutet wird, ist für mein Empfinden durchaus nachvollziehbar.

      Ich sage nicht, dass ich die Bewertung für angemessen empfinde, aber versuche zu erläutern, warum sie enstand und dass dies – wenn – ein Systemfehler ist – nicht die Folge von der von dir titulierten “Profitgier” von Mark Zuckerberg. Wäre es ihm ums Geld gegangen, hätte er die frühen Übernahmeangebote von Microsoft oder Yahoo akzeptiert.

    • Ich verstehe nicht, was an meiner Kritik “zu ideologisch geprägt und zu wenig pragmatisch” ist. Dieses Argument ist geradezu haarsträubend, denn es ist doch genau die Ideologie der ungebremsten Profitgier, die Facebook vor die von Dir beschriebenen Probleme stellt.

      Es ist immer leicht, mit der “Ideologie-Keule” zu kommen, wenn man das Problem nicht erkennt und rasche Abwehr sucht. Doch da hast Du mich komplett missverstanden.

      Ich bin ein überzeugter Verfechter der freien Marktwirtschaft. Glücklicherweise korrigiert “der Markt” allzu heftige Gier meist von allein – was man am Beispiel Facebook gerade wieder anschaulich demonstriert bekommt.

    • Schau doch einfach mal, wer den Begriff “Profitgier” so verwendet. Dann verstehst du, wieso ich mit der “Ideologie-Keule” komme.

      Evtl habe ich dich tatsächlich komplett missverstanden. Wegen o.g. Wortwahl ;) Ich glaube einfach nicht, dass der Begriff hier zutreffend ist, und wehre mich, die Verantwortung für Facebooks Bewertung einzelnen Individuen in die Schuhe zu schieben.

    • Klar, Realitätsverweigerung ist eine natürliche Reaktion auf Geschehnisse und Zusammenhänge, die wir nicht begreifen. Immerhin hat es hier eine relativ kleine Gruppe von Firmen und Einzelpersonen geschafft, zig Milliarden für nicht sehr viel mehr als heisse Luft einzusammeln und auf die eigenen Konten zu leiten.

      Ich gönne es ihnen! Denn es gehören immer mindestens zwei Parteien zu einem Deal: Diejenigen, die das Angebot machen und diejenigen, die es annehmen.

      Das Geld ist ja nicht weg – es haben jetzt nur andere Leute ;-)

    • Würdest du dich so über Groupon äußern – ich würd zustimmen. Bei Facebook sehe ich es differenzierter. Also agree to disagree.

  3. Beiträge zu Facebook, Twitter und Google+ finde ich immer wieder sehr spannend. Und dabei bin ich immer wieder überrascht, mit welchen Behauptungen in diesem argumentiert wird:

    “Jetzt jedoch hat es einen Punkt erreicht, an dem viele Anwender bewusst erkennen oder unbewusst fühlen, dass sie das bisherige Angebote nicht mehr so zufrieden stellt und unterhält und wie einst.”
    Aufgrund welcher Studie/Umfrage/.. wird denn jetzt diese Behauptung aufgestellt? Der “normale” d.h. Nicht-Web-Blogger/Forscher/Berater beschwert sich doch gar nicht. Facebook ist heute immer noch das gängigste Social Network. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Groß der dt.-sprachigen Menschen zu einem Dienst wie Twitter wechselt. Denn dort ist die Kommunikation viel zu offen und transparent – und das spreizt sich mit der Privacy-Mentalität.

    “Twitters Lage ist trotz Kritik komfortabler”
    Oh, wirklich? Und womit erzielt Twitter denn wirklich nennenswerte Erlöse? Mit den wenigen sponsored Tweets? Oder den wenigen Partnerschaften mit anderen Organisationen?

    Den Fokus der Dienste am Web auf hohe Nutzerzahlen ohne eine klare Idee zur Monetarisierung beobachte ich nun schon seit dem Erscheinen des Buchs von Hagel & Armstrong (Virtuelle Communities – http://amazon.de/Net-Gain…nities/dp/0875847595). Niemand will heute am Web etwas zahlen, aber dennoch immer einen guten Service haben.

    LG aus Graz,
    Alex

  4. Aufgrund welcher Studie/Umfrage/.. wird denn jetzt diese Behauptung aufgestellt?

    Siehe als Indiz, und das in Kombination mit eigenen Beobachtungen, der Tatsache, dass nach Jahren seit dem Durchbruch von Fb natürliche menschliche Ermüdungs- und Langeweileeffekte einsetzen, sowie dem Gesamteindruck, der aus unzähligen Artikeln auf anderen Sites inklusive dazugehöriger Leserkommentare resultiert.

    Oh, wirklich? Und womit erzielt Twitter denn wirklich nennenswerte Erlöse? Mit den wenigen sponsored Tweets? Oder den wenigen Partnerschaften mit anderen Organisationen?

    Die Argumentation dazu steht im Text, inklusive entsprechender Links.

    • Sorry, ich kann die Argumentation trotzdem nicht aus dem Text herauslesen, wo Twitter das große Geld verdient.

      @Facebook. Das Messen der Nutzerzufriedenheit ist bei solchen Studien immer problematisch. Die Nutzer gewöhnen sich erst langsam an ein neues Design (Timeline) – und wenn man sie nach Einführung befragt, sind sie weniger zufrieden.

    • Sorry, ich kann die Argumentation trotzdem nicht aus dem Text herauslesen, wo Twitter das große Geld verdient.

      Ich behaupte nicht, dass Twitter das große Geld verdient, sondern mit Bezug auf die verlinkten Artikel, dass die Resultate bei der mobilen Vermarktung besser zu sein scheinen als die von Facebook. Und Mobile ist die Zukunft.

      @Facebook. Das Messen der Nutzerzufriedenheit ist bei solchen Studien immer problematisch. Die Nutzer gewöhnen sich erst langsam an ein neues Design (Timeline) – und wenn man sie nach Einführung befragt, sind sie weniger zufrieden.

      Widerpreche nicht. Heißt aber nicht, dass man grundsätzlich davon ausgehen sollte, dass alle heute so zufrieden sind wie vor ein paar Jahren. Ich sehe zumindest keine Indizien, die dafür sprechen, aber sehr viele subjektive Eindrücke, dass die Zufriedenheit abnimmt. Klar, subjektiv ist immer mit Vorsicht zu genießen. Aber an repräsentativen, eindeutigen Untersuchungen mangelt es nunmal. Also muss man die Signale nutzen, die einem zur Verfügung stehen.

  5. “Ich behaupte nicht, dass Twitter das große Geld verdient, sondern mit Bezug auf die verlinkten Artikel, dass die Resultate bei der mobilen Vermarktung besser zu sein scheinen…”
    Gerade das hat mich verwundert, überwiegt doch die Nutzung von Twitter über 3rd party clients im mobile Bereich.

  6. Ok – Du hast Recht. Da bin ich wohl meiner Zeit etwas hinterher gelaufen.

    Kurz gegoogelt, die Zugriffe sinken:
    http://techcrunch.com/201…ndles-to-42-percent/
    http://thenextweb.com/twi…rty-twitter-clients/

    Gibt aber auch solche Posts:
    http://blog.sysomos.com/2…s-still-widely-used/

    Davon abgesehen verstehe ich noch immer nicht ganz, wieso Twitter bei Mobile – Werbemöglichkeiten die Nase vorne haben soll.

  7. Außerdem würde Twitter sonst nicht so rumstressen.
    Quelle?
    Hier:
    http://online.wsj.com/art…545301101554314.html

  8. Bei den promoted Tweets bin ich ehrlich gesagt nicht sehr überzeugt. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass da die großen Erlöse rein trudeln. Interessant wäre dabei auch zu wissen, wie viele promoted Tweets auf Twitter insgesamt veröffentlicht werden. Die CTRs scheinen höher zu sein als bei FB (wie der Report bei Deinem Link zeigt), aber mich hat es trotzdem vom Konzept noch nicht überzeugt, wenn mir auch gerade die Argumentation fehlt, wieso.

  9. Ich denke früher oder später ist der “FB-Hype” eh vorbei. Es ist nur eine frage der Zeit.

  10. Das was viele bisher nicht sahen oder nicht sehen wollen, ist die Tatsache das Facebook bisher nicht wirklich was neues an Innovation gebracht hat, sondern nur altes (Chat, Forum, Bilder, Kommunikation Flirtplattform, Spiele, etc…) zusammen geführt hat und in ein Portal gesteckt hat und das hat am Anfang eben viele begeistert, jedoch nach einer Zeit nervt Facebook nur – da sie weder die Grundbedürfnisse der Menschen, noch andere Dinge befriedigen kann – gerade das GEgenteil ist der Fall.

    Wer Facebook zulange nutzt, kann sogar gesundheitliche Schäden davontragen.
    Facebook hat seinen Höhepunkt bereits erreicht udn wird nun nur noch bergab gehen, nicht nur an der Börse, sondern auch am eigentlichen Service.

    In wenigen Jahren spricht kaum noch jemand über Facebook.

    • sondern nur altes (Chat, Forum, Bilder, Kommunikation Flirtplattform, Spiele, etc…) zusammen geführt hat

      Auch das kann Innovation sein. Die wenigsten Innovationen sind komplette Neuentwicklungen, bei denen einzelne Komponenten nicht schon vorher existierten.

    • Dass FB keine Innovationen gebracht hat, muss ich vehement widersprechen.

      Was ist mit dem Konzept des Social Activity Streams bzw. Awareness Streams. FB ist genau der Grund, warum wir heute über Enterprise 2.0 und Social Networking in Unternehmen sprechen. Dadurch wurden Plattformen wie Yammer, Swabr & co. motiviert. Und genau darum bauen Unernehmen wie Microsoft und IBM derartige Funktionen in ihre Collaboration-Suites ein. Das ist für mich eine riesen Innovation.

      Alternativ könnte sonst auch sagen, das Smartphone wäre keine Innovation: Alles schon mal da gewesen – halt ein kleiner Desktop-Computer ;-)

  11. Mir fällt dazu nur Folgendes ein:

    Mein ganz spezieller, nur für netzwertig.com einstudierter

    *ich habe es Euch doch gesagt* – Tanz !!!

    :-)

    Achja, es würde schon an ein Wunder grenzen, wenn Facebook in den nächsten Jahren in einer Gewinnzone schwimmen würde.

    Aber wer bin ich schon, dass ich über Multi-Millionenen oder gar Multi-Milliarden – Investitionen urteilen könnte.

  12. Weil Facebook deutlich unter dem im Social-Media-freundlichen-Blogger-Kreisen anvisiertem Niveau gehandelt wird.

    Meine vor Börsenstart (offensichtlich immer und immer wieder postulierte) Meinung meinte, dass FB nicht den an der Börse postulierten Wert würde halten können.

    Und genau das ist eingetreten, und bestätigt sich jetzt.

    Wenn sich der Kurs ändert, dann bitte, dann war ich eben nur einer der vielen negativ aufgeladenen Apostel…

    Aber just now, gerade jetzt in eben dieser Zeit mag ich meine Vorraussicht feiern. Und niemand kann etwas dagegen sagen.

    Ich hatte Recht! Deshalb der Tanz.

    Wenn ich morgen unrecht haben sollte, dann bitte. Dann bitte beweist es mir ;-)

    • Hehe ok die Genugtuung sei dir gegönnt ;)

    • Na ja, es gab vor dem Facebook-Börsengang gefühlte 3 Millionen Stimmen, die meinten, der avisierte Ausgabepreis von ca. 38 Dollar sei hoffnungslos überdreht. Auch ich habe in vielen Postings darauf hingewiesen, dass das Unternehmen bestenfalls 12-15 Dollar je Aktie wert sein dürfte, wenn man sich die Umsatzzahlen mal genau ansieht.

      Dass diese Einschätzung hier bei netzwertig.com nicht so gut ankam, war nicht zu übersehen. Es wurde argumentiert, dass “die Zukunft” eben schon “eingepreist” wäre.

      Das Argument, dass Facebook Umsatz und Gewinn mindestens verzehnfachen müsste, um den Emissionspreis zu rechtfertigen, wurde in den Diskussionen (nicht nur hier) als “übertrieben” dargestellt.

  13. Vielleicht ist es für einige User schwer vorstellbar, aber es gibt mit Sicherheit eine große Anzahl an Facebook-Nutzern, die weder ständig neue Innovationen brauchen, noch großartige Veränderungen. Ein simples Beispiel ist die Abkehr von Altbekanntem durch die Einführung von Timeline & Co, was viele User vergrätzt hat.

    Facebook verdankt seine Popularität auch dem ehemaligen “simple & easy-to-use” Konzept. Inzwischen wurde FB durch tonnenweise nervige Features aufgebläht und massiv verkompliziert. Meiner Meinung nach hat das Portal viel von seinem Charme eingebüßt. Speziell ältere Generationen, die in der Tat Facebook nur zur Kontaktpflege nutzen, stoßen da nicht selten an ihre Grenzen.

    Daher steht sich Facebook in vielerlei Hinsicht selbst im Weg, gerade weil jetzt der Druck da ist und die Zahlen stimmen müssen. Twitter, Google+ & Co mögen zwar mit den Hufen scharren, von einer echten Bedrohung kann in absehbarer Zeit jedoch keine Rede sein.

    • Da ist viel Wahres dran. Wie so viele andere auch, nutze ich Facebook nach wie vor hauptsächlich zur Kontaktpflege und zum Austausch von Erfahrungen (z.B. in Gruppen).

      Für vieles, was darüber hinaus angeboten wird, ist Facebook häufig kaum zu gebrauchen. Manche Features und Apps sind reine “We-too”-Angebote, die bei anderen Diensten und Plattformen sehr viel besser implementiert sind.

      Facebook sollte sein Angebot straffen, das Bedienkonzept vereinfachen und vor allem endlich brauchbare Mobilversionen anbieten, sonst sind die Nutzer irgendwann nur noch abgenervt. Just my 2 Cents.

  14. Also ich vermisse in allen Diskussionen zum E-Book Thema den Vergleich zum physischen Buch und zur realen Haushaltssituationen.

    - In wievielen Mehrköpfigen-Haushalten finden sich mehrfach die selben Bücher? Man/Frau/Kind kauft für alle ein. Ein Buch konsumiert eine Person für sich und steht dann dem restlichen Haushalt zur Verfügung. So ist die gelebte Praxis. Beim E-Book muss ich schon einen Reader oder Account teilen. Wird man das auch bei mehr als 2 Personen tun? Werden Kinder die Reader der Eltern haben dürfen?

    - Filme und Musik können gleichzeitig zuhause konsumiert werden. Das “Abspielgerät” E-Book Reader ist das schon etwas persönlicher und hat andere persönliche Grenzen. Vergleiche mit Film- und Musikbranche sind als m.A.n. nicht zutreffend.

    - In Bibliotheken sind digitale Ausgaben “vergriffen”!? D.h.: Verlage haben noch nicht einmal ein Lizenzmodell, dass sich Bezahlung pro Bedarf für die Bibliotheken orientiert? Ist das wirklich im Jahre 2012 der bestmögliche Bewusstseinsgrad dieser Branche?

    - Als einziger Anbieter hat Amazon zumindest eine theoretische Möglichkeit des “borgens” eines E-Books implementiert. Sofern man im Kindle-Account-Universum bleibt. Limit 2 Wochen! Viel Spaß bei dickeren Wälzern? Das ich es in dieser Zeit selbst nicht habe verstehe ich ja, mein physisches Buch habe ich auch nicht wenn ich es verborge, aber ein variableres Limit wäre wohl machbar, oder?

    Also: Ein bisschen billiger sind E-Books – im Endeffekt muss ich aber vielleicht mehrmals dasselbe Buch kaufen wenn mehr als eine Person im Haushalt das Buch lesen möchte. Wie soll die Schulwelt mit Schulbüchern aussehen? etc. etc.

  15. Twitter hat es einfach nie geschafft, sich selber zu monetarisieren. Zu schnell zu groß geworden, dann durch Facebook schlichtweg überflüssig geworden. Tolle Seite, planloses Konzept.

  16. “Was du beschreibst, ist ein Diktator – und den wird niemand im Facebook-Vorstand akzeptieren.”

    Es gibt genug Vorstände die einen Diktator akzeptieren selbst wenn er nur ein Aufsichtsratvorsitztender ist.

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